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Dux provinciae Sequanicae

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Der Dux provinciae Sequanicae (wörtlich: „Heerführer der Provinz Sequania“) war ein hoher Offizier in der spätantiken Armee des Weströmischen Reiches und Oberkommandierender der in der Provinz Maxima Sequanorum stationierten Limitanei.

Definition, Funktion und Kommandobereich[Bearbeiten]

Er unterstand dem Magister Peditum (Oberbefehlshaber der Infanterie) und dem Magister equitum (Oberbefehlshaber der Kavallerie).<ref>Notitia Dignitatum occ. V und VI.</ref> Am kaiserlichen Hof zählte ein Dux limitis zur höchsten Rangklasse der viri spectabiles. Der Zusatz provinciae kommt ansonsten nur bei den Heerführern der weströmischen Provinzen Tripolitania, Mauritaniae et Caesariensis und Valeria vor.<ref>Michael Zerjadtke 2018, Abschnitt 7.2.2</ref> Der Befehlsbereich des Dux umfasste den Abschnitt (tractus) der Rheingrenze zwischen Eschenz und Breisach am Rhein. Vom oberen Rheinabschnitt aus war auch der Zugang zum Rhonetal möglich. Die Provinz Maxima Sequanorum umfasste das Siedlungsgebiet der Sequaner, der Rauriker und der Helvetier, heute im Westen die Franche-Comté und im Osten einen Großteil der heutigen Schweiz. Ihre Ost-Grenze, verlief vom westlichen Rand des Bodensee aus über den östlichen Zürichsee bis an die Grimsel.<ref>Hächler, Näf, Schwarz: Mauern gegen Migration? Spätrömische Strategie, der Hochrhein-Limes und die Fortifikationen der Provinz Maxima Sequanorum – eine Auswertung der historischen und archäologischen Quellenzeugnisse, 27. April 2020</ref>

Entwicklung[Bearbeiten]

Das Amt ist nur aus der westlichen Notitia Dignitatum bekannt. Im Zuge der Reichs- und Verwaltungsreform des Diokletian wurde das Territorium der Germania superior um 297 in zwei Provinzen neu organisiert, Germania I und Maxima Sequanorum. Da die militärischen Kommanden von den zivilen Aufgabenträgern getrennt worden waren, wurden, wie auch andernorts üblich, die dort stationierten Grenztruppen zwei Duces limites unterstellt, dem Dux Germaniae primae und dem Dux provinciae Sequanicae. In der Zeit der Abfassung der Notitia war die Provinzhauptstadt Vesontio vermutlich auch Sitz des Dux der Sequania. Ihren Truppen oblag der Grenzschutz am Hoch- und südlichen Oberrhein. Die Grenzbefestigungen der Provinz wurden unter Valentinian I. noch einmal erheblich ausgebaut. Hierbei wurden u. a. Burgi wie der in Wallbach Stelli, die rechtsrheinischen Brückenköpfe Sponeck, Zurzach und Basel/Basilia, aber auch das Castrum Rauracense errichtet bzw. renoviert. Zusätzlich entstanden entlang des südlichen Hochrheinufer zahlreiche steinerne Wacht- und Signaltürme. Hinzu kam noch ein Frühwarnnetz aus rechtsrheinischen Höhensiedlungen verbündeter Alamannen zur Vorfeldsicherung. Sie standen in engem Kontakt mit den Besatzungen der römischen Grenzkastelle. Der Dux wird im Kapitel I der Notitia Dignitatum als einer der zwölf Dux limites des Westreichs angegeben, in der Liste des Oberbefehlshabers der westlichen Fußtruppen scheint er, wie auch der Dux tractus Armoricani et Nervicani, nicht mehr auf. Dies könnte bedeuten, dass das Dukat schon zur Zeit der mutmaßlichen Endfassung der westlichen Notitia (der Zeitraum zwischen 395 und 425) nicht mehr existierte. Die Verteidigung der Rheingrenze wurde im Winter 401/402 aufgegeben, nachdem der Regent des Westens, Stilicho, die letzten dort stationierten Einheiten zum Schutz Italiens vor Alarichs Westgoten abgezogen hatte. Ab 443 wurden am Hochrhein föderierte Burgunden angesiedelt und lösten spätestens ab 460 die regulären römischen Grenzeinheiten ab.<ref>Hächler, Näf, Schwarz: Mauern gegen Migration? Spätrömische Strategie, der Hochrhein-Limes und die Fortifikationen der Provinz Maxima Sequanorum – eine Auswertung der historischen und archäologischen Quellenzeugnisse, 27. April 2020</ref><ref>Jean-Daniel Morerod, Justin Favrod: «Entstehung eines sozialen Raumes (5.–13. Jahrhundert)». In: Georg Kreis: Die Geschichte der Schweiz. Schwabe, Basel 2014, S. 86.</ref> Danach gründeten sie ein eigenes Reich und dehnten ihren Machtbereich immer weiter Richtung Westen aus.

Verwaltungsstab[Bearbeiten]

Das Officium (Verwaltungsstab) des Dux umfasste folgende Ämter (Officium autem habet idem vir spectabilis dux hoc modo):

  • Principem ex officiis magistrorum militum praesentalium aparte peditum (Kanzleivorsteher aus den Reihen der Armee, vom Heermeister bestellt)
  • Numerarium ut supra (= wie oben, d. h. Zahlmeister der Armee, ebenfalls vom Heermeister bestellt)
  • Commentariensem ut supra (Rechtsgelehrte der Armee, vom Heermeister bestellt)
  • Adiutorem (Assistent)
  • Subadiuuam (Hilfskraft)
  • Regrendarium (Verwalter)
  • Exceptores (Juristen)
  • Singulares et reliquos officiales (Leibwächter und sonstige Beamte)

Truppen[Bearbeiten]

Man nimmt an, dass es sich bei diesem Dux bereits um einen Germanen gehandelt hat, der im Laufe seiner Dienstzeit in der Militärhierarchie weit aufgestiegen war. Auch die ihm unterstellten Einheiten rekrutierten sich wohl mehrheitlich aus Angehörigen von Germanenstämmen. Selbst im Fundmaterial aus den militärischen Anlagen am Hochrhein-Limes spiegelt sich die zunehmende, auch in den Schriftquellen erwähnte Germanisierung der spätantiken Grenztruppen wider, die sich durch die Anwerbung von germanischen Söldnern vollzogen hatte. Diese gehörten ziemlich sicher nicht zu den Alamannen, sondern waren Angehörige anderer Stämme.<ref>Hächler, Näf, Schwarz: Mauern gegen Migration? Spätrömische Strategie, der Hochrhein-Limes und die Fortifikationen der Provinz Maxima Sequanorum – eine Auswertung der historischen und archäologischen Quellenzeugnisse, 27. April 2020</ref> Die in der Notia überlieferte Truppenliste ist vermutlich unvollständig kopiert worden, da sie nur eine Einheit enthält. Diese kann jedoch unmöglich das gesamte Aufgebot der Provinz im 5. Jahrhundert gestellt haben. Auch andere in der Notitia aufgelistete Einheiten könnten ursprünglich in der Sequania stationiert bzw. rekrutiert worden sein.

Distributio Numerorum[Bearbeiten]

Die Milites Latavienses stellen neben den Vesontes und der Ala II Valeria Sequanorum die Grenzverteidigung im Gebiet des heutigen Ostfrankreichs und der Westschweiz. Dem Dux standen möglicherweise für eine gewisse Zeit folgende Einheiten zur Verfügung:<ref>sub dispositione</ref>

Einheiten Bemerkung Abbildung
Comitatenses Farbgebung nach der Überlieferung im Oxford-Manuskript der Notitia Dignitatum
Legio prima Martia Der Name leitet sich vom römischen Kriegsgott Mars ab, dem die Legion geweiht war. Es wird vermutet, dass sie im Rahmen der Heeresreformen unter Kaiser Diokletian (284 bis 305) aufgestellt wurde, um die Garnisonen an der Rheingrenze zu verstärken. Für das frühe 4. Jahrhundert gibt es klare archäologische Hinweise auf die Anwesenheit dieser Comitatenseseinheit am Oberrhein. Sie ist vor allem durch Ziegelstempel bezeugt, die in der Region um Augusta Raurica (Kaiseraugst, Schweiz) sowie an verschiedenen Wachttürmen zwischen Straßburg und Biel gefunden wurden. Das dortige Castrum Rauracense wurde von ihr zeitweise als Stützpunkt genutzt. Auf einigen von ihnen ist allerdings der Truppenname in so starker Ligatur wiedergegeben, dass deren Zuordnung nicht endgültig gesichert ist. Diese Funde auf dem gesamten Gebiet der Sequania legen nahe, dass die Legion nach ihrem Einrücken in diesen Grenzabschnitt in Vexillationen aufgespalten und dann auf mehrere Standorte verteilt wurde. Inschriften aus dem Jahr 371 n. Chr. belegen, dass Teile der Legion (oder eine namensgleiche Bauvexillation) am pannonischen Limes (HU) aktiv waren, wo sie innerhalb von nur 48 Tagen eine Festung errichteten. Man vermutet, dass sie mit den in der Notitia Dignitatum (um 400 n. Chr.) erwähnten Martenses identisch ist, die in der Armee des Comes Illyrici dienten.
Datei:Schildzeichen unbekannt.png
Schildzeichen unbekannt
Datei:Zieglestempel Legio I Martia CH.png
Ziegelstempel der Legio I Martia aus Kaiseraugst/Liebrüti
Vesontes Eine der acht Legiones comitatenses, die in der Truppenliste des Magister peditum angeführt sind. Sie dienten laut ND in der Feldarmee des Comes Hispaniarum. Ihr Name leitete sich wohl von der Provinzhauptstadt Vesontio ab, wo die Einheit entweder ausgehoben wurde oder dort ihr Hauptquartier hatte. Als „Vesontes/Vesontini“ wurden die Bewohner des antiken Besançon (F) bezeichnet. Die Stadt war die Metropole der Sequaner, eines der keltischen Völker Galliens, das schon in Iulius Caesars De Bello Gallico erwähnt wird.
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Schildzeichen unbekannt
Sequani Diese Infanteristen zählten zu den auxilia palatina Einheiten (Garde) des Magister peditum und waren gegen Mitte des 5. Jahrhunderts Teil der Feldarmee des Comes Illyrici. Ihr Name wurde entweder vom Fluss Seine in Frankreich abgeleitet oder bezieht sich auf die keltoromanischen Sequaner, die wohl aus der Provinzbevölkerung rekrutiert wurden.
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Schildzeichen der Sequani
Ala secunda Valeria Sequanor Aus der Notitia ist diese Reitereinheit in der Armee des Dux Raetiae bekannt. Sie zählt zu den Limitanei und war im Kastell Vemania (heute Isny, D) stationiert. Vermutlich handelte es sich bei den Angehörigen dieser Truppe in der Mehrzahl ebenfalls um Sequaner, die vielleicht ursprünglich im Umland von Vesontio (zwischen Saone und westlicher Schweizer Jura) angeworben worden waren. Der Ehrenname Valeria wurde an Einheiten verliehen, die unter Diokletian (Gentilname Valerius) oder in der von ihm neu geschaffenen Provinz Valeria diente, eine Region in der vormaligen Provinz Pannonia Inferior (Unterpannonien), gelegen zwischen der Donau im Norden und Osten sowie dem Plattensee im Westen, benannt nach Galeria Valeria, der Tochter Diokletians und Gattin seines Mitkaisers Galerius.
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Schildzeichen unbekannt
Limitanei
Milites Latavienses Die einzige Einheit, die im Kapitel des Dux angegeben wird und war im Kastell Olinone/Olitone stationiert. Vielleicht stand es nahe des heutigen Besançon/Vesontio oder befand sich in Oelenburg bei Reiningue im Elsass.<ref>Notitia Dignitatum occ. XXXVI, 5.</ref> Milites (Soldat) deutet in der Spätantike meist auf eine Infanterieeinheit hin, die nicht den Status einer Legion innehatten und an der Grenze stationiert war. Der Name Latavienses ist rätselhaft, Historiker vermuten zwei Möglichkeiten: es handelte sich um eine Einheit aus Batavi, ein germanischer Stamm, der oft Truppen für Rom gestellt hatte, wobei der Name im Laufe der Zeit verschliffen wurde oder es gab einen Bezug zu den keltischen Latovici (Latobiker), die sich an der oberen Donau angesiedelt hatten. Im Jahr 406 schloss sich die Rheinarmee – zusammen mit den übrigen in Gallien stationierten Truppen – dem Usurpator Konstantin (407–411) an, als dieser mit der britischen Feldarmee auf dem Kontinent landete. Als es dem faktischen Machthaber im Westen, Flavius Constantius, im Jahr 418 gelang, Konstantin zu schlagen und damit das Westreich noch einmal zu stabilisieren, hatte seine Armee fast die Hälfte ihrer Mannschaftsstärke eingebüßt, was durch die Versetzung eines Großteils der Grenztruppen als Pseudocomitatenses in das mobile Feldheer wieder ausgeglichen werden musste. Vielleicht hatte der sequanische Dux deswegen nur noch das Kommando über die in der Notitia angeführten Einheit.<ref>John Wilkes: Provinces and frontiers (Appendix III: Frontier deployment, A.D. S. 193–337). Averil Cameron; Peter Garnsey, Alan Bowman: The Cambridge Ancient History. Vol. XII: The Crisis of the Empire A.D. 193–337. Cambridge University Press. S. 724–767. ISBN 978-0-521-30199-2.</ref>
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Schildzeichen unbekannt

Literatur[Bearbeiten]

  • Michaela Konrad, Christian Witschel (Veranstalter): Tagungsbericht zu dem internationalen Kolloquium „Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen“ – Nuclei spätantik- frühmittelalterlichen Lebens? Bayerische Akademie der Wissenschaften, München vom 28. bis 30. März 2006, S. 11–13. PDF (353 kB)
  • Michaela Konrad, Christian Witschel: Spätantike Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen des Imperium Romani. Ein Beitrag zur Kontinuitätsdebatte. In: Michaela Konrad, Christian Witschel (Hrsg.): Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen - Nuclei spätantik-frühmittelalterlichen Lebens?. Beck, München 2011, ISBN 978-3-7696-0126-8, S. 3 ff.
  • Michael S. DuBois: Auxillae: A Compendium of Non-Legionary Units of the Roman Empire. Lulu Press 2015, ISBN 978-1-329-63758-0.
  • Michael Zerjadtke: Das Amt Dux in Spätantike und frühem Mittelalter: Der ducatus im Spannungsfeld zwischen römischem Einfluss und eigener Entwicklung. Verlag Walter de Gruyter, Berlin 2018.

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Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

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Weblinks[Bearbeiten]

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