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Ebermast

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Datei:Pigs at Goddard's Farm, Sherfield on Loddon, Hampshire - geograph.org.uk - 1147413.jpg
Ebermast in Großbritannien

Als Ebermast bezeichnet man die Mast männlicher Schweine im landwirtschaftlichen Betriebszweig Schweineproduktion. Traditionell werden männliche Ferkel chirurgisch kastriert, um die Bildung des von vielen Menschen als unangenehm empfundenen Ebergeruchs zu verhindern. Da die betäubungslose Kastration in Deutschland seit dem 1. Januar 2021 verboten ist,<ref>Kevin Kress: Auswertung Schlachtkörperqualität – Immunkastrate: Gute Schlachtkörper und hohe Indexpunkte. In: Agrar Heute, 13. Januar 2021. Deutscher Landwirtschaftsverlag. Auf Agrarheute.com, abgerufen am 15. Januar 2021.</ref> gibt es eine intensive Debatte zu Alternativen, von denen die Ebermast eine ist. Produktionstechnisch wird die Ebermast durch die meisten Landwirte und auch durch die landwirtschaftliche Beratung als praktikables Verfahren angesehen. Bisher konnte sie sich aber noch nicht durchsetzen, weil der Lebensmitteleinzelhandel Wurst- und Fleischwaren aus gemästeten Ebern von Ausnahmen abgesehen nicht in das Sortiment aufnahm. Verbraucher zeigten dagegen eine relativ hohe Akzeptanz gegenüber dem Verfahren in Umfragen und auch bei einer Blindverkostung.

In anderen Staaten, bei denen die Schweine mit niedrigerem Schlachtgewicht meist vor Erreichen der Pubertät geschlachtet werden, ist sie schon heute ein etabliertes Verfahren.<ref>Wilhelm Pflanz: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Ersatzmethoden zur Ferkelkastration (Memento vom 12. Juni 2016 im Internet Archive) aid infodienst, 6. Mai 2015.</ref>

Hintergrund[Bearbeiten]

Bis ins 19. Jahrhundert wurden männliche Ferkel in vielen Teilen des heutigen Deutschland und Österreich von Sauschneidern kastriert. Der Hauptgrund war, die ungeplante Vermehrung auf den Waldweiden bei der damals üblichen Eichelmast zu verhindern.<ref>übernommen aus dem belegten Artikel Sauschneider.</ref> Erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Schweine gezielt gezüchtet und die vorher hauptsächlich auf den Eigenbedarf ausgerichtete Haltung verlagerte sich hin zur Nahrungsmittelproduktion für die größer werdenden Städte. Die Kastration der männlichen Ferkel wurde beibehalten, um bei den nun vorhandenen Haltungsbedingungen von vielen Tieren auf engem Raum die Aggressivität der männlichen Tiere (siehe Abschnitt psychische Wirkungen im Artikel Testosteron) nicht aufkommen zu lassen und auch um den von manchen Verbrauchern als störend empfundenen Ebergeruch zu vermeiden.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Das Schwein – „Woher kommt unser Schnitzel?“ (Memento vom 12. Juni 2016 im Internet Archive), information.medien.agrar, 2013; pdf; abgerufen am 12. Juni 2016</ref>

Von Tierschützern wird die betäubungslose chirurgische Kastration scharf kritisiert.<ref>Thorsten Scheimann: Ferkel-Kastration: Die große Schweinerei, Der Tagesspiegel, 25. Januar 2011</ref> In Österreich ist die betäubungslose Kastration in den ersten sieben Lebenstagen der Ferkel erlaubt,<ref>Tierhaltungsverordnung, Anlage 5, Punkt 2.10 (online)</ref> während sie in der Schweiz seit 2010 verboten ist.<ref>Art. 32 der Tierschutzverordnung 455. 1 (online)</ref> Mit einer Novelle des Tierschutzgesetzes wurde für Deutschland als Ausnahme festgelegt, dass Rinder, Schafe und Ziegen weiterhin bis zum Alter von vier Wochen betäubungslos kastriert werden dürfen.<ref>§ 5 Satz 3 Nummer 1</ref> Für Schweine gilt nur noch eine Ausnahmeregelung, in der festgelegt ist, dass der Eingriff bis zum siebten Lebenstag betäubungslos durchgeführt werden darf.<ref>§ 6 Satz 1 Nummer 2a</ref> Diese Regelung sollte zum 31. Dezember 2018 außer Kraft treten, so dass spätestens ab dem 1. Januar 2019 nur noch alternative Möglichkeiten zulässig gewesen wären.<ref>§ 21 Satz 1</ref> Am 29. November 2018 beschloss der Bundestag, die betäubungslose Kastration für weitere zwei Jahre zu gestatten.<ref name="welt-184708408">afp.com: Tiere: Bundestag verlängert Frist für betäubungslose Kastration von Ferkeln. In: welt.de. 29. November 2018, abgerufen am 30. November 2018.</ref>

Ab diesem Zeitpunkt ist es vorgesehen, die betäubungslose Kastration EU-weit bis auf wenige regionale Ausnahmen zu verbieten.<ref>Tagungsbericht am Tag der baden-württembergischen Schweinezucht 2013 am 21. März 2013 in Boxberg, S. 2, pdf</ref>

Als Alternativen sind

  • als Methoden zur Kastration mit Betäubung und/oder Schmerzausschaltung
    • Lokalanästhesie durch Vereisung oder Injektion (verboten ab 2019)
    • Allgemeinanästhesie als Injektions- oder Inhalationsanästhesie (nur erlaubt durch den Tierarzt)
    • Schmerzmittel (verboten ab 2019)

auch in Kombination in Diskussion

sowie langfristig die Zucht auf geruchsfreies Eberfleisch in der Diskussion.<ref>Tagungsbericht am Tag der baden-württembergischen Schweinezucht 2013 am 21. März 2013 in Boxberg, S. 5/6, pdf</ref>

Bei der Ebermast wird vollständig auf jedweden medizinischen Eingriff verzichtet. Von Vorteil sind dabei die höheren täglichen Zunahmen und die bessere Futterverwertung der Eber im Vergleich zu Kastraten. Zur Realisierung dieser Vorteile muss die Zusammensetzung des Futters allerdings den unterschiedlichen Ansprüchen angepasst werden und es sind getrenntgeschlechtliche Mastgruppen notwendig. Nachteilig wirkt sich aus, dass es durch das vermehrte Sexualverhalten zu vermehrter Unruhe und häufigeren Haut- und Penisverletzungen der Tiere kommt. Auch lässt es sich bisher (Stand 2018) nicht vermeiden, dass bis zu fünf Prozent der Schlachtkörper Ebergeruch zeigen. Dieser lässt sich bisher noch nicht automatisiert im Schlachtbetrieb feststellen. Unabhängig davon ist es durch eine veränderte Fettqualität nur bedingt möglich, bestimmte Frischfleischprodukte aus unkastrierten Ebern herzustellen.<ref name="Waldmann">Karl-Heinz Waldmann, Heidrun Potschka, Karl-Heinz Lahrmann, Sabine Kästner: Saugferkelkastration unter Lokalanästhesie? – Eine Situationsanalyse aus wissenschaftlicher Sicht in Deutsches Tierärzteblatt, Nr. 9/2018, S. 1218</ref>

Grundsätzlich ist die Ebermast eine Alternative zur Kastration, die sich bisher aber nicht ohne weiteres umsetzen lässt. Von Vorteil wäre es hier, wenn das Mastendgewicht abgesenkt würde und die Schweine früher geschlachtet würden. Auch gibt es Bemühungen, geruchsarme Linien von Ebern zu züchten, die aber noch weitergeführt werden müssen, um zur Problemlösung beizutragen. Zusätzlich ist ein angepasstes Fütterungs- und Haltungsmanagement nötig, was oft auch eine Anpassung der ökonomischen und strukturellen Rahmenbedingungen der Landwirtschaft voraussetzt.<ref name="Waldmann" />

Verbreitung in den wichtigsten europäischen Ländern mit hoher Schweinefleischproduktion[Bearbeiten]

In Großbritannien und Irland werden die Ferkel nicht kastriert, sondern bei niedrigeren Schlachtgewichten als Eber gemästet.<ref>Winfried Matthes, Dörte Uetrecht, Hanne Christina Schulz, Annemarie Müller, Henrik Delfs: Aktuelle Ergebnisse zur Ebermast, Tagungsbericht vom Schweinetag Mecklenburg-Vorpommern in Güstrow am 23. Oktober 2013, S. 5 (Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.online als PDF (Memento vom 12. Juni 2016 im Internet Archive))</ref>

Situation in weiteren EU-Ländern in % der gehaltenen Schweine (Stand 2013)<ref>Robert Römer: Der Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration – Europäische Ansätze und nationale Lösungswege, Präsentation auf der Fachtagung "Verzicht auf betäubungslose Ferkelkastration" am 25. Juni 2013, S. 19–24 (Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.online als PDF (Memento vom 11. Juni 2016 im Internet Archive))</ref>
Land Kastration
mit Betäubung/
Schmerzmittel
Ebermast Immuno-
kastration
Anmerkungen
Belgien 80 5 15 Nur wenige Landwirte kastrieren in einem Pilotprojekt unter der nur einem Tierarzt erlaubten Betäubung. Die allermeisten nutzen Schmerzmittel.
Dänemark 99 1 - Nutzung von Schmerzmitteln und keine Anästhesie.
Frankreich 90 10 < 1 Nutzung von Schmerzmitteln und keine Anästhesie. Immunokastration in wenigen Testbetrieben.
Niederlande 60 > 33 - Für einen Teil der Betriebe keine Informationen. Wahrscheinlich wird dort betäubungslos kastriert. Ansonsten orientiert sich das Betriebsmanagement am jeweiligen geplanten Exportland. Die Ebermast erfolgt primär für Ausfuhren nach Großbritannien.
Spanien 2 80 3 15 Prozent der Schweine wurde ohne Betäubung kastriert.
Deutschland 90 5 < 1 Immunokastration in wenigen Testbetrieben. Für einen Teil der Betriebe keine Daten. Wahrscheinlich Kastration ohne Schmerzausschaltung.

Im Gegensatz zur deutschen Rechtslage ist es Ferkelerzeugern in Dänemark und den Niederlanden erlaubt, selbst eine Lokalanästhesie zur Kastration vorzunehmen.<ref>Theo Heitbaum: Neues Recht bei der Ferkelkastration – Sauenhalter sind verunsichert, bei azonline.de, 1. September 2018; abgerufen am 6. Februar 2019</ref>

Akzeptanz des Verfahrens[Bearbeiten]

Beim Verbraucher[Bearbeiten]

In einer Studie zur Akzeptanz von Eberfleisch beim Verbraucher hatten die meisten befragten Verbraucher keinerlei Vorurteile dagegen, dieses zu verkosten. Dies wurde in einigen Fällen damit begründet, dass der geschlechtstypische Geruch schon vom Verzehr von Wildschwein- oder Hammelfleisch bekannt war. Bei der anschließenden Produktverkostung gab es nur wenige Unterschiede in der Bewertung von Ebersalami und Salami von Sauen. Bei der Blindverkostung konnten 50 % der Männer und 70 % der Frauen die Herkunft richtig zuordnen.<ref>Astrid Heid, Christine Brenninkmeyer, Ute Knierim, Ulrich Hamm: Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration im ökologischen Landbau – Analyse der Auswirkungen alternativer Verfahren auf die Akzeptanz bei Verbrauchern und Produzenten, Witzenhausen, März 2011, S. 27–32 (online als PDF)</ref>

Beim Landwirt[Bearbeiten]

Wie aus dem Vergleich der Verbreitung des Verfahrens ersichtlich richten die Landwirte in verschiedenen Ländern der EU ihr Produktionsverfahren jeweils nach den nationalen gesetzlichen Vorgaben und Marktbedingungen aus.

Bei ansonsten gleichen Produktionsparametern haben Eber im Vergleich zu Kastraten einen geringeren Futterverbrauch in Verbindung mit einer geringeren Verfettung, so dass grundsätzlich die Erlöse für den Landwirt pro Tier höher wären.<ref>Friedhelm Adam, Christiane Schulze Langenhorst, Ludger Bütfering: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Düsser Ergebnisse zur Ebermast (Memento vom 12. Juni 2016 im Internet Archive), Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, abgerufen am 12. Juni 2016</ref> Dazu sind aber neu angepasste Abrechnungsmasken notwendig.<ref>Armin Schön, Heiko Janssen: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Ergebnisse aus der Ebermast in Praxisbetrieben (Memento vom 24. März 2016 im Internet Archive), Landwirtschaftskammer Niedersachsen (pdf; abgerufen am 12. Juni 2016)</ref>

In Versuchen zeigte sich in Deutschland eine relativ weite Streuung der Ergebnisse, wobei nur rund ein Drittel der Betriebe bessere Ergebnisse als mit Kastraten erzielte. Wobei das Hauptproblem die bisher mangelnde Akzeptanz des Verfahrens durch den Lebensmitteleinzelhandel ist, wodurch es sowohl für die Schlachtunternehmen als auch für den Landwirt keine ausreichenden Absatzmöglichkeiten für gemästete Eber gibt.<ref>Wie gut läuft die Ebermast wirklich?, top agrar, Ausgabe Südplus 03/2015</ref> Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands forderte deshalb im Frühjahr 2016 eine Verlängerung der Frist über den heute geplanten Zeitpunkt des 1. Januar 2019 hinweg, um vor dem Verbot der betäubungslosen Kastration erst Absatzwege für Eberfleisch zu schaffen.<ref>Petition gegen Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration, agrarheute.com, 8. April 2016</ref>

Nachdem bis September 2018 keine Regelung gefunden wurde, die sowohl praktikabel für die Ferkelerzeuger als auch allgemein akzeptiert durch den Verbraucher und die Schlachtbetriebe ist, denken einige Schweinehalter über eine Aufgabe der Produktion nach.<ref>Alfons Deter: Nerven der Ferkelerzeuger liegen blank, top agrar online, 2. September 2018; abgerufen am 7. September 2018</ref>

Bei der fleischverarbeitenden Industrie[Bearbeiten]

Tönnies, eines der größten deutschen Schlachtunternehmen, hat im August 2018 angekündigt, dass es zukünftig unkastrierte Eber verarbeitet. Gleichzeitig verwies das Unternehmen auf die schlechtere Schlachtausbeute bei diesen Tieren hin und veränderte die Preismaske entsprechend, um dem Rechnung zu tragen.<ref>Marcus Arden: Tönnies nimmt alle Masteber ab, ändert aber die Maske auf top agrar online, 28. August 2018; abgerufen am 7. September 2018</ref>

In den Niederlanden, in denen schon über ein Drittel der männlichen Ferkel als Eber gemästet werden, wurde im Frühjahr 2015 der Auszahlungspreis für diese Tiere gesenkt, während er gleichzeitig für Sauen und Börge erhöht wurde. Gleichzeitig wurden vermehrt Eber an die zwei deutschen Schlachtunternehmen geliefert, welche diese schlachten, und auch diese veränderten für die importierten Tiere die Preismaske zu relativ niedrigeren Auszahlungspreisen. Begründet wurde dies mit der erhöhten Anlieferung bei gleichzeitiger mangelnder Akzeptanz der daraus gefertigten Fleisch- und Wurstwaren im Einzelhandel.<ref>Vollbremsung Ebermast? – Nächstes Schlachtunternehmen in NL kürzt Auszahlungspreise für Eber, Mitteilung der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands vom 8. April 2015</ref>

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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