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Ece Temelkuran

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Ece Temelkuran (2018)

Ece Temelkuran (* 22. Juli 1973 in Izmir<ref name="haberler">Ece Temelkuran bei haberler.com</ref>) ist eine türkische Juristin, Journalistin und Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten]

Temelkuran studierte Rechtswissenschaften an der Universität Ankara und begann bereits im Alter von 19 Jahren während des Studiums journalistisch zu arbeiten.<ref name="guardian-2026-06-17">Aida Edemariam: ‘I don’t want Europe to fail the way Turkey did’: Ece Temelkuran on fascism, death threats and life in exile. In: The Guardian. 17. Juni 2026, abgerufen am 17. Juni 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Nach ihrem Abschluss an der juristischen Fakultät im Jahr 1995 wurde sie unter anderem leitende Reporterin bei CNN Türk.<ref name="guardian-2026-06-17" />

Sie schrieb als Kolumnistin für die Tageszeitungen Milliyet (2000–2009) und Habertürk (2009–2011) und moderierte 2010 und 2011 eine eigene Sendereihe auf Habertürk TV.<ref name="haberler" /> Ihre Anstellung bei Habertürk verlor sie nach kritischen Artikeln über den Umgang der türkischen Regierung mit der Tötung von mehr als 30 kurdischen Zivilisten durch türkische Kampfjets am 28. Dezember 2011 an der türkisch-irakischen Grenze, dem sogenannten Uludere-Vorfall.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.english.al-akhbar.com (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)</ref><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.gazeteciler.com (Memento vom 18. Oktober 2014 im Internet Archive)</ref> Im Jahr 2013 war sie für einige Monate Chefredakteurin der linken Tageszeitung BirGün.<ref>Ece Temelkuran artık BirGün'ü yönetmiyor, Radikal, 21. Oktober 2013.</ref>

Mit der zunehmenden autoritären Verfestigung der türkischen Politik war Temelkuran Mord- und Vergewaltigungsdrohungen sowie Nachrichten ausgesetzt, in denen ihr Tagesablauf minutiös protokolliert wurde.<ref name="guardian-2026-06-17" /> Die Ermordung ihres Freundes, des armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink, durch einen türkischen Nationalisten am 19. Januar 2007 machte die Bedrohung für sie und ihre Kollegen besonders greifbar.<ref name="guardian-2026-06-17" /> Später wurden ihre Bücher als Beweismittel für die Festnahme anderer Personen herangezogen, während mehrere Zeitungskolumnen ausdrücklich ihre eigene Verhaftung forderten.<ref name="guardian-2026-06-17" />

Am 6. November 2016 entschied Temelkuran während eines Aufenthalts in Zagreb, nicht in die Türkei zurückzukehren, und teilte dies ihrer Mutter telefonisch mit.<ref name="guardian-2026-06-17" /> Sie blieb zunächst in Zagreb, wo sie bei ihrer Ankunft nur eine Person kannte, und nutzte die Zurückgezogenheit zur Verarbeitung ihrer Erfahrungen der vorangegangenen Jahre.<ref name="guardian-2026-06-17" /> Seit 2023 lebt sie in Berlin.<ref>Ece Temelkuran: (S+) Anti-AfD-Demonstrationen: Wie die deutschen Proteste auf eine türkische Oppositionelle wirken. In: Spiegel Online. 8. Februar 2024, abgerufen am 17. Februar 2024.</ref><ref name="guardian-2026-06-17" /> In den Jahren 2023/2024 war sie Richard von Weizsäcker Fellow der Robert Bosch Academy.<ref>Ece Temelkuran | Robert Bosch Stiftung. Abgerufen am 13. Juli 2026.</ref> Der Aufenthalt als Fellow erlaubte ihr das Verfassen ihres Buches Nation of Strangers.

Wirken[Bearbeiten]

Temelkuran veröffentlichte Romane, politische Essays und Prosagedichte.<ref name="guardian-2026-06-17" /> Zu ihren Romanen gehören Muz sesleri (Die Stimme der Bananen, 2010) und Düğümlere üfleyen kadınlar (deutsch Was nützt mir die Revolution, wenn ich nicht tanzen kann?, 2014).<ref>hoffmann-und-campe.de</ref> Ihr Buch Ağrının Derinliği (2008; 2010 auf Englisch unter dem Titel Deep Mountain: Across the Turkish-Armenian Divide) behandelt das durch den Völkermord an den Armeniern belastete Verhältnis zwischen der Türkei und Armenien.<ref>ecetemelkuran.com: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.About (Memento vom 21. April 2016 im Internet Archive) Der Titel ist ein unübersetzbares Wortspiel: Er kann mit Die Tiefe des Schmerzes übersetzt werden; das Wort ağrı (Schmerz) ist aber auch der türkische Name des Ararat und der türkischen Provinz Ağrı und ihres Hauptorts, daher auch der Titel in englischer Sprache.</ref> Ebenfalls in englischer Übersetzung erschien ihr Werk Kıyı kitabı (2002) im Jahr 2010 unter dem Titel Book of the Edge.<ref name="about">ecetemelkuran.com: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.About (Memento vom 21. April 2016 im Internet Archive)</ref>

Für ihre journalistischen Arbeiten erhielt Temelkuran mehrere Auszeichnungen, darunter 2001 den Pen for Peace Award.<ref name="about" /> Ihre Artikel erschienen auch in internationalen Medien wie The Guardian und Le Monde diplomatique.<ref name="about" /> Während der Proteste in der Türkei 2013 veröffentlichte sie Beiträge, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden, und informierte im Juni 2013 auf Einladung der Labour-Abgeordneten Seema Malhotra im britischen House of Commons über die Proteste um den Istanbuler Gezi-Park.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Archivlink (Memento vom 24. Juni 2013 im Internet Archive)</ref><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.ceftus.org (Memento des Vorlage:IconExternal vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/ceftus.org</ref>

Nach dem Putschversuch in der Türkei 2016 kritisierte sie das geringe Wissen über die islamistische Gülen-Bewegung, die sie als eines der zentralen Probleme der Türkei seit den 1970er Jahren betrachtete und der sie einen erheblichen Einfluss auf das politische Klima des Landes zuschrieb.<ref>Der schlechteste Zeitpunkt, die Türkei aufzugeben In: Der Standard. 14. August 2016.</ref> Nach dem Verfassungsreferendum in der Türkei 2017 warf sie Präsident Recep Tayyip Erdoğan vor, durch Feindbilder, Drohungen und Unwahrheiten eine Stimmung geschaffen zu haben, in der Menschen einem politischen System zustimmten, das ihnen selbst schade.<ref>Die Türkei ist ein Reich der Angst, rheinpfalz.de vom 13. April 2017 (abonnementspflichtig) und in Printausgaben anderer Zeitungen, beispielsweise Nürnberger Nachrichten vom 21. April 2017, S. 7.</ref>

Die nach ihrem Gang ins Exil entstandenen Sachbücher How to Lose a Country (2019), Together: A Manifesto Against a Heartless World (2021) und Nation of Strangers (2026) schrieb Temelkuran auf Englisch.<ref name="guardian-2026-06-17" /> Die sprachliche Distanz half ihr, die Erfahrungen von Verfolgung und Heimatverlust zunächst stärker analytisch als emotional zu bearbeiten.<ref name="guardian-2026-06-17" /> In diesen Büchern führt sie journalistische Analyse, autobiografische Erfahrungen und Bezüge auf Literatur, Philosophie, Film und Musik zusammen.<ref name="guardian-2026-06-17" />

In How to Lose a Country übertrug sie ihre Erfahrungen mit der autoritären Entwicklung der Türkei auf andere Demokratien und warnte ein westliches Publikum vor einer schrittweisen Aushöhlung demokratischer Institutionen.<ref name="guardian-2026-06-17" /> In Nation of Strangers: Rebuilding Home in the 21st Century untersucht sie Heimat nicht allein als geografischen Ort, sondern als emotionalen und politischen Bezugspunkt, dessen Verlust durch Exil, Krieg, gesellschaftliche Umbrüche, wirtschaftliche Unsicherheit, technischen Wandel oder die Klimakrise erfahren werden könne.<ref name="guardian-2026-06-17" /> Sie argumentiert darin, dass insbesondere die extreme Rechte Gefühle wie Einsamkeit, Angst, Unsicherheit und Heimatverlust politisch mobilisiere, während progressive Kräfte deren politische Bedeutung zu lange unterschätzt hätten.<ref name="guardian-2026-06-17" /> Das Buch gelangte 2026 auf die Shortlist des Women’s Prize for Non-Fiction.<ref name="guardian-2026-06-17" />

Temelkuran ist seit der Gründung im Jahr 2020 Ratsmitglied der Progressiven Internationale.<ref>Ece Temelkuran: Der lange Juni und die Würde des Menschen. In: Progressive Internationale. 2. Juli 2020, abgerufen am 21. September 2023.</ref>

Bibliografie[Bearbeiten]

  • Bütün kadınların kafası karışıktır. İletişim, 1996 (Alle Frauen sind durcheinander).
  • İç kitabı. Everest, 2002 (Das innere Buch).
  • Kıyı kitabı. Everest, 2002 (Das Buch vom Rand).
    • Book of the Edge (preisgekrönte englische Übersetzung von Deniz Perin, 2010).
  • Muz sesleri. Everest, 2010 (Die Stimme der Bananen; arabisch 2012).
  • Düğümlere üfleyen kadınlar. Everest, 2013.
    • Was nützt mir die Revolution, wenn ich nicht tanzen kann? Roman. Übersetzung von Johannes Neuner. Atlantik, Hamburg 2014, ISBN 978-3-455-60004-9.
  • Devir. Roman. Can, 2015.
    • Stumme Schwäne. Roman. Aus dem Türkischen von Johannes Neuner. Hoffmann & Campe, 2017, ISBN 978-3-455-40629-0.
  • Türkiye: Çılgın ve Hüzünlü. 2015.
    • Euphorie und Wehmut. Die Türkei auf der Suche nach sich selbst. Übersetzung von Sabine Adatepe und Monika Demirel. Hoffmann und Campe, Hamburg 2015, ISBN 978-3-455-50373-9.
  • How to Lose a Country: The 7 Steps From Democracy to Dictatorship. 2019.<ref name="guardian-2026-06-17" />
    • Wenn dein Land nicht mehr dein Land ist oder Sieben Schritte in die Diktatur. Aus dem Englischen von Michaela Grabinger. Hoffmann & Campe, 2019, ISBN 978-3-455-00532-5.
  • Together: A Manifesto Against a Heartless World. 2021.<ref name="guardian-2026-06-17" />
  • Nation of Strangers: Rebuilding Home in the 21st Century. 2026.<ref name="guardian-2026-06-17" />
    • Nation of Strangers. Unsere Heimat sind wir. Aus dem Englischen von Michaela Grabinger. Rowohlt, Hamburg 2026, ISBN 978-3-498-00739-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Ece Temelkuran – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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