Elektroindustrie
Die Elektroindustrie (auch Metall- und Elektroindustrie oder elektrotechnische Industrie bezeichnet) ist eine globale Technikbranche, die Produkte und Dienstleistungen mit Schwerpunkt Elektrotechnik entwickelt, herstellt und an verschiedene Wirtschaftssektoren verkauft.
Zur Elektroindustrie zählen die Elektronikindustrie sowie Teile der Metallverarbeitung. In Deutschland zählen die Elektrounternehmen zum „verarbeitenden Gewerbe“.
Technologien[Bearbeiten]
Die physikalische Basis dieser Industrie sind Elektronen, Strom, Spannung sowie elektromagnetische Prinzipien der Physik, beispielsweise das dynamoelektrische Prinzip. Als Fachgebiet ist hier die allgemeine Elektrotechnik als Teil der Ingenieurwissenschaften zu nennen.
Basierend auf diesen Grundlagen ergeben sich hunderttausende Erfindungen und Produkte. Zu diesen zählt der Bau elektrischer, elektronischer und mechanischer Komponenten, Geräte (Elektrogeräte), Maschinen sowie Systeme und Anlagen für z. B. die Energieversorgung (Energiewirtschaft).<ref></ref> Die Elektroindustrie stellt Elektromotoren, Transformatoren, Elektromagnete, Röhren, Kabel, Batterien und Stromrichter, sowie ab den 1960er Jahren die ersten Halbleiterbauteile und -schaltungen (Mikroelektronik) und vieles mehr her. Eine Kernkompetenz der Elektrokonzerne sind die Hoch-, Mittel- und Niederspannungstechnik. Spätestens seit den 1980er Jahren werden Geräte in dieser Branche mithilfe computerbasierter Methoden entwickelt und konstruiert (CAx).
Große Unternehmen der Elektroindustrie sind außerdem im Bau von Kraftwerken (oder andere Anlagen, wie z. B. Windkraftanlagen) zur Stromproduktion oder in der Bereitstellung von Teilsystemen wie der Leittechnik tätig. Im englischsprachigen Raum wird für den Teil der Elektrounternehmen, die im Energiebereich tätig sind, auch die Bezeichnung {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) verwendet.<ref></ref>
Viele der anfänglichen Elektroprodukte wurden in eigenen Unternehmen und Wirtschaftszweigen weiterentwickelt. Ein Beispiel hierfür sind Haushaltsgeräte von BSH. Somit hat die Elektroindustrie ihre Kernkompetenz in Elektrotechnik weiterhin behalten. Elektrounternehmen spielen zudem eine Hauptrolle bei der Elektrifizierung weiterer energieintensiver Branchen (Schwerindustrie, chemische Industrie, Glasindustrie u. a.) sowie bei der Transformation des Verkehrswesens – beispielsweise in der Autoindustrie oder bei der Bahn – zur Elektromobilität.<ref></ref><ref></ref> Hier spielen auch die Wirtschafts- und Industriepolitik eine übergeordnete Rolle.<ref></ref>
Abgrenzung[Bearbeiten]
Elektrounternehmen sind heutzutage keine Energieunternehmen und nicht mit Elektrizitätswerken u. a. zu verwechseln. Sie stellen jedoch die für die elektrische Infrastruktur erforderliche Energietechnik her und werden teilweise auch als Energietechnikhersteller bezeichnet.
Wirtschaft[Bearbeiten]
Absatzmärkte[Bearbeiten]
Die Produkte der Elektroindustrie kommen in den unterschiedlichsten Wirtschaftszweigen und Technologien zum Einsatz, beispielsweise in der Automatisierungstechnik, der Automobil- und Bahnindustrie, der Energieversorgung, der Bauindustrie (z. B. in der Gebäudetechnik), der Stahl- und Aluminiumindustrie, der chemischen, petrochemischen oder Erdöl-Industrie, der Lebensmittelindustrie, der Prozessindustrie, der Unterhaltungselektronik- und Computerindustrie, der Luftfahrtindustrie, der Sicherheitstechnik, der Schifffahrt und auch der Rüstungsindustrie.
In der Elektroindustrie gibt es außerdem eigene Handels- und Dienstleistungsunternehmen, wie z. B. das US-amerikanische Unternehmen Wesco.
Elektrounternehmen[Bearbeiten]
Weltweit gibt es hunderttausende Unternehmen und einige Konzerne in dieser Branche. Einige davon sind seit über 100 Jahren am Markt und sehr bekannt. Dazu zählen beispielsweise ABB, General Electric, Philips, Schneider Electric oder Siemens.<ref>Archives:Sources in Electrical History 3: An International Guide to Corporate Records and Archives of Companies in the Electrical, Electronics, and Computer Industries. In: Ethw. 18. August 2014, abgerufen am 17. Juli 2026.</ref>
Viele dieser Unternehmen sind vollintegrierte, private (oft börsennotierte) Unternehmen mit speziellen Geschäftsbereichen, wie z. B. in der Medizintechnik durch den Bau und Vertrieb spezieller medizinischer Elektrogeräte wie Magnetresonanztomographen u. a. durch Siemens Healthineers. Ein weiteres Beispiel ist die Westinghouse Electric Corporation. Der Konzern hat die Nuklearsparte als Westinghouse Electric Company ausgegründet.
Wie in jeder Industrie kommt es auch in der Elektroindustrie zu Veränderungen, beispielsweise durch Mergers & Acquisitions, wie am Beispiel der AEG oder der neugegründeten GE Vernova, aber auch zu Insolvenzen und Auflösungen.
Kennzahlen[Bearbeiten]
Deutschland[Bearbeiten]
Die Elektroindustrie ist, gemessen an der Zahl ihrer Beschäftigten von 871.585 Ende 2020, nach dem Maschinen- und Anlagenbau die zweitgrößte Industriebranche in Deutschland.<ref>Elektrotechnik- und Elektronikindustrie. In: BMWK. 2026, abgerufen am 17. Juli 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Umsatz der Branche belief sich 2020 auf 181,9 Milliarden Euro. Davon wurden 86,2 Milliarden Euro mit inländischen und 95,7 Milliarden Euro mit ausländischen Kunden erlöst. Der Anteil des Umsatzes der deutschen Elektroindustrie am gesamten deutschen Industrieumsatz belief sich 2020 auf ein Zehntel.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Elektroindustrie in Zahlen Mai 2021 ( vom 11. August 2021 im Internet Archive) (PDF; 113 KB), s. Tabelle 1 und 6</ref>
Stand 2026 sind diese Zahlen auf rund 225,1 Mrd. Euro Umsatz (2025) geklettert bei rund 870.000 Inlands- und 855.000 Auslandsbeschäftigte. Davon sind rund 93.000 Stellen der Forschung und Entwicklung (F&E) zuzuordnen.<ref>Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie – Daten, Zahlen und Fakten. In: ZVEI. Juni 2026, abgerufen am 17. Juli 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Vereinigte Staaten von Amerika[Bearbeiten]
Die National Electrical Manufacturers Association (NEMA) schätzt, dass die US-Elektroindustrie im Jahr 2025 ein Marktvolumen von rund 427 Mrd. US-Dollar und 580.000 direkte Arbeitsplätze erreichen wird.<ref>Electroindustry. In: National Electrical Manufacturers Association (NEMA). 2025, abgerufen am 17. Juli 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Geschichte[Bearbeiten]
Die Elektroindustrie ist eine der ältesten Industrien und hat die Industrialisierung sowie die spätere Globalisierung der Weltwirtschaft maßgeblich geprägt.<ref></ref><ref></ref><ref></ref><ref></ref> Erfinder und Pioniere wie Michael Faraday<ref></ref>, Joseph Swan, Stephen Gray, Ben Franklin, Allessandro Volta, Hans Christian Oersted, William Sturgeon, Manfred von Ardenne, Guglielmo Marconi, Werner von Siemens (und Partner) uvm. demonstrierten die ersten elektrischen Effekte und entwickelten die ersten Geräte oder gründeten Unternehmen. Ein Beispiel war die Edison Illuminating Company von 1880.<ref></ref> Die ersten elektrischen Lampen ersetzten beispielsweise die Öllampen, die zuvor einen Boom in der frühen Erdölindustrie ausgelöst hatten, vgl. auch Petroleum als Fraktion des raffinierten Rohöls. Konventionelle elektrische Leuchtmittel (Glühlampen oder Leuchtstoffröhren) werden seit den 2010er außerdem durch LED-Beleuchtung basierend auf den Halbleitern der dritten Generation ersetzt.
In Deutschland war die Elektroindustrie nach John Harold Clapham „die größte industrielle Einzelleistung des modernen Deutschland. Deutschland übernahm die Führung auf allen Anwendungsgebieten der Elektrizität.“ Laut Friedrich Merz, der auf dem Jahreskongress des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) 2026 sprach, ist die deutsche Elektro- und Digitalindustrie „ein Aushängeschild der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.“<ref>Bundeskanzler Merz würdigt Elektro- und Digitalindustrie | Bundesregierung. In: ZVEI-Summit 2026. ZVEI, 20. Mai 2026, abgerufen am 17. Juli 2026.</ref>
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spaltete sich die Elektroindustrie in spezialisierte Unterbereiche auf, darunter Unternehmen der Kommunikationstechnik (Hochfrequenztechnik) oder Unternehmen für elektrische Antriebe, wobei eine Kernkompetenz der Unternehmen weiterhin im Bereich der elektrischen Energietechnik liegt. Später folgten Gründungen in der Halbleiterindustrie, welcher beispielsweise auch ehemalige Elektrokonzerne wie Siemens Halbleiter (heute Infineon) weiterhin angehören.
Die Elektroindustrie war schon immer eng mit Politik und Wirtschaft verzahnt. In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war beispielsweise das Ministerium für Elektrotechnik und Elektronik für Planung (Policy) und Kontrolle der unterstellten Betriebe tätig. Das Ministerium war im Haus der Elektroindustrie ansässig. Bis in die 1990er Jahre war das Central Electricity Generating Board (CEGB) im Vereinigten Königreich die zentrale Behörde für die Energieproduktion und -verteilung. Das CEGB stellte auch die Anforderungen und Normen an die Kraftwerkstechnik als Vorgaben für die britische Elektroindustrie auf.<ref></ref> Mit dem Ende des Kalten Kriegs kam es auch in der Elektroindustrie bzw. Energiewirtschaft zu einer großen Veränderung, die von liberalen Marktstrukturen vorangetrieben wurde. So wurde das CEGB schrittweise privatisiert und im Jahr 2001 formal aufgelöst.
Seit den 2000er Jahren verschmelzen die Produkte der Elektroindustrie mit Bereichen der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) entlang des Informationszeitalters. Zu den neuesten Entwicklungen zählen Industrie 4.0 und Themen aus der digitalen Transformation (Digitalisierung).<ref></ref> Seit den 2020er Jahren bahnt sich der Übergang zur Industrie 5.0 durch Künstliche Intelligenz an.<ref></ref> Ein Beispiel ist die Anwendung moderner Robotik im Bereich der Hochspannungstechnik.<ref></ref>
Organisationen und Interessensverbände[Bearbeiten]
Deutschland[Bearbeiten]
Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) vertritt die Interessen der deutschen Elektroindustrie.<ref>ZVEI-Geschichte: 100 Jahre für die Elektroindustrie. In: Elektrotechnik Automatisierung. Vogel Communications Group, 2. August 2018, abgerufen am 17. Juli 2026.</ref> Die Arbeitgeber (Unternehmen) sind im Arbeitgeberverband Gesamtmetall zusammengeschlossen, die Beschäftigten in den Gewerkschaften IG Metall und IG Bergbau, Chemie, Energie organisiert.
Weitere Elektroindustrie-nahe Verbände sind:
- Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI)
- Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE)
- Verein Deutscher Ingenieure (VDI)
- Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH)
Österreich[Bearbeiten]
Schweiz[Bearbeiten]
Vereinigte Staaten von Amerika[Bearbeiten]
Siehe auch[Bearbeiten]
- Electro-Industrial, Musikstil
- Entgelt-Rahmenabkommen (ERA)
- Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG)
- Energiemanagement
- Innovationsmanagement
- Patentwesen
- Richtlinie über Elektro- und Elektronik-Altgeräte (WEEE)
- Technologiemanagement
Literatur[Bearbeiten]
Berichte[Bearbeiten]
Fachbücher[Bearbeiten]
Geschichte und Historisches[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />