Zum Inhalt springen

Elpidit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Elpidit
Datei:Elpidite-177602.jpg
Elpidit aus dem Poudrette-Steinbruch, Montérégie, Québec, Kanada
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Epd<ref name="Warr" />

Chemische Formel Na2Zr[Si6O15]·3H2O<ref name="Lapis" /><ref name="IMA-Liste" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Kettensilikate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/D.12
VIII/F.23-010

9.DG.65
72.05.04.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem Orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-pyramidal; mm2
Raumgruppe Pbcm (Nr. 57)Vorlage:Raumgruppe/57
Gitterparameter a = 7,1280 bis 7,1312 Å; b = 14,644 bis 14,6853 Å; c = 14,6349 bis 14,642 Å<ref name="Grigoreva-et-al-2011" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="Grigoreva-et-al-2011" />
Zwillingsbildung Beobachtet<ref name="Handbookofmineralogy" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,52 bis 2,62; berechnet: 2,59<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {110}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität splittrig
Farbe farblos, weiß, gelblich, hell- bis dunkelorange, bräunlich, beige, grün
Strichfarbe weiß<ref name="Mineralienatlas" />
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Glanz Seidenglanz, Perlglanz oder Wachsglanz bis matt<ref name="Handbookofmineralogy" />
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,556 bis 1,563<ref name="Handbookofmineralogy" />
nβ 1,565 bis 1,569<ref name="Handbookofmineralogy" />
nγ 1,574 bis 1,577<ref name="Handbookofmineralogy" />
Doppelbrechung δ 0,014<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv<ref name="Mindat" />
Achsenwinkel 2V = gemessen: 76° bis 89°<ref name="Handbookofmineralogy" />
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten sehr gut löslich in Flusssäure, etwas löslich in Schwefelsäure<ref name="Mineralienatlas" />

Elpidit ist ein eher selten vorkommendes Mineral der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung Na2Zr[Si6O15]·3H2O<ref name="Lapis" /><ref name="IMA-Liste" /> und damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Natrium-Zirconium-Silikat. Strukturell gehört Elpidit zu den Ketten- und Bandsilikaten.

Elpidit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt prismatische bis säulige Kristalle, die bis zu 30 cm Größe erreichen können. Zudem kann er faserig oder massiv auftreten. In reiner Form ist Elpidit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine gelbliche, hell- bis dunkelorange, bräunliche, beige oder grüne Farbe annehmen.

Mit einer Mohshärte von 5 gehört Elpidit zu den mittelharten Mineralen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Das Mineral wurde von Gustaf Lindström im Jahr 1894 auf Grönland entdeckt. Er benannte es nach dem griechischen Wort für Hoffnung (altgr.: ἐλπίς, -ίδος f, neugr.: ελπίδα). Im Jahr 1964 untersuchten Nina Nikolajewna Neronowa und Nikolai Wassiljewitsch Below das Mineral auf seine Kristallstruktur. Sie stellten eine orthorhombische Struktur fest. Sie kamen dabei zu den Gitterparametern a = 7,4 Å, b = 14,4 Å und c = 7,05 sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="Neronova, Belov" /> Im Jahre 1973 wurden diese Gitterparameter von den Forschern E. Cannillo, G. Rossi und L. Ungaretti korrigiert, auf a = 7,14 Å, b = 14,68 Å und c = 14,28 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="Cannillo, Rossi, Ungaretti" />

Das Typmaterial des Minerals wird im Muséum national d’histoire naturelle (MHN) in Paris unter der Inventarnummer 100791 (CT) aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /><ref name="IMA-Depositories" />

Da der Elpidit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Elpidit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Elpidit lautet „Epd“.<ref name="Warr" />

Klassifikation[Bearbeiten]

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Elpidit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er als einziger Vertreter in der Gruppe „Elpidit“ mit der Systemnummer VIII/D.12 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/F.23-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Ketten- und Bandsilikate“, wo Elpidit zusammen mit Hydroterskit, Terskit und Yusupovit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/F.23 bildet.<ref name="Lapis" />

Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Elpidit in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“, dort aber ebenfalls in die Abteilung „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatketten. Das Mineral ist hiher entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 3-periodischen Einfach- und Mehrfachketten“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 9.DG.65 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Elpidit die System- und Mineralnummer 72.05.04.02. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Zweidimensionale unbegrenzte Lagen mit anderen als sechsgliedrigen Ringen“. Hier findet er sich in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 72.05.04, in der auch Armstrongit eingeordnet ist.<ref name="Dana-1997" />

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Den kristallographischen Analysen durch A. A. Grigor'eva, N. V. Zubkova, I. V. Pekov, Uwe Kolitsch, D. Yu. Pushcharovsky, M. F. Vigasina, G. Giester, T. Dordević, E. Tillmanns und N. V. Chukanov von 2011 zufolge kristallisiert Elpidit orthorhombisch in der Raumgruppe Pbcm (Raumgruppen-Nr. 57)Vorlage:Raumgruppe/57 mit den Gitterparametern a = 7,1280 bis 7,1312 Å, b = 14,644 bis 14,6853 Å und c = 14,6349 bis 14,642 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="Grigoreva-et-al-2011" />

Eine weitere Messung ergab ebenfalls eine orthorhombische Symmetrie, jedoch mit anderer Aufstellung in der Raumgruppe Cmce<ref name="RG_ehem_Ccma"> Die ehemalige Bezeichnung dieser Raumgruppe lautete Ccma. </ref> (Raumgruppen-Nr. 64)Vorlage:Raumgruppe/64 mit den Gitterparametern a = 14,2999 Å, b = 14,4408 Å und c = 14,7690 Å.<ref name="Grigoreva-et-al-2011" />

Eigenschaften[Bearbeiten]

Elpidit ist sehr gut löslich in Flusssäure und etwas löslich in Schwefelsäure.<ref name="Mineralienatlas" />

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Von Elpidit sind in etwa 40 Fundorte bekannt.<ref name="Fundorte" />

Die Typlokalität, also die Stelle der Erstbeschreibung, liegt bei Igaliku in der Nähe von Narsaq in Grönland.

Darüber hinaus wurde das Mineral in den kanadischen Provinzen Ontario, Québec und Neufundland und Labrador, in Kasachstan, in Malawi bei der Stadt Zomba und in Marokko in Meknès-Tafilalet gefunden. Das Mineral wurde zudem in der Mongolei in der Wüste Gobi und in Chowd-Aimag, in Norwegen in Oppland und Vestfold, in Portugal auf der autonomen Inselgruppe Azoren, in Russland in Sibirien und Nordwestrussland, im Vereinigten Königreich in Schottland und den US-Bundesstaaten Arkansas, New Mexico, Utah und Washington gefunden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Elpidite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Cannillo, Rossi, Ungaretti"> </ref> <ref name="Dana-1997"> Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig: Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0, S. 1543–1544. </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Elpidit beim Mineralienatlas(deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 29. Juli 2025. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Grigoreva-et-al-2011"> </ref> <ref name="IMA-Depositories"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 29. Juli 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – E. (PDF 132 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 29. Juli 2025 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Elpidite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 29. Juli 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mineralienatlas"> Elpidit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 29. Juli 2025. </ref> <ref name="Neronova, Belov"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>