Emil Cordes
Jochim Emil Cordes (* 20. August 1829 in Lübeck; † 11. Oktober 1900 in München) war ein deutscher Mediziner des 19. Jahrhunderts.
Leben[Bearbeiten]
Herkunft[Bearbeiten]
Cordes stammte aus einer Kaufmannsfamilie; sein Vater Johann Jochim Cordes (1782–1866) war Teilhaber des Lübecker Handelshauses J.G. Nöltingk & Cordes, seine Mutter Emilie Christiane Cordes, geborene Grautoff (1790–1849), war eine Pastorentochter aus Kirchwerder und die Schwester von Ferdinand Heinrich Grautoff. Der Maler Johann Wilhelm Cordes war sein älterer Bruder.<ref>Zweiter Museumsvortrag. In: Lübeckische Blätter. Band 43, 1901, S. 628–629.</ref>
Laufbahn[Bearbeiten]
Cordes besuchte das Katharineum und begann 1849 sein Studium der Medizin. 1851 wurde er an der Universität Würzburg Mitglied des Corps Nassovia Würzburg.<ref>Kösener Corpslisten 1960, 142, 116.</ref> An der Universität Berlin promovierte er 1853 zum Dr. med. mit einer Dissertation über Rheumatismus. Nach einer Amerikareise legte er in Berlin 1857 auch sein medizinisches Staatsexamen ab.
Nach dem Studium der Medizin mit bestandenem Examen trat Cordes (#42) 1857 in den Ärztlichen Verein, wo er bald durch seine Stellung, Kenntnisse und Redegabe eine beherrschende Rolle spielen sollte, ein. Unter Buck<ref group="Anm."> Der am 16. Oktober 1805 geborene Thomas Heinrich Theodor Buck ließ sich 1829 in Lübeck nieder. Als Arzt in St.-Annen-Kloster, das sowohl als Arbeits- und Zuchthaus wie auch als Kranken- und Siechenhaus diente, bildete er sich, vor allem in der Chirurgie, weiter. Da dies sein Spezialfach wurde, übertrug der Senat ihm 1850 das Amt des dirigierenden Arztes am neuen Krankenhaus. Er verwaltete es bis 1872 und eine ganze Generation Lübecker Ärzte gehörte zu seinen Assistenten. Unter ihnen waren Horning, Lübstorff, Cordes, Mollwo, Maret und Hinckeldeyn. Zwischen dem Chef und seinen jungen Kollegen bestand ein Verhältnis wechselseitiger Belehrung. Dies war neu. Selbst als leitender Krankenhausarzt ließ er sich von seinen Assistenten in die Errungenschaften der neuen Zeit einweihen und holte als erfahrener Praktiker das nach, was er in seiner Jugend nicht lernen konnte. </ref> war er fünf Jahre lang Assistenzarzt am sogenannten Dom-Krankenhaus.
J. H. Lübstorff (1824–1863), er besaß eine umfassende ärztliche Vorbildung aber eine schwächliche Gesundheit, war e beeinflusste ihn. Dieser hatte sich dem Studium und der Pflege des öffentlichen Gesundheitswesens gewidmet und machte sich als erster Hygieniker Lübecks um das Wohl seiner Vaterstadt hochverdient. Sein 1861 erschienenes Werk „Beiträge zur Kenntnis des Gesundheitszustandes der Stadt Lübeck“, welches er auf seinem dreijährigen Krankenlager vollendet hatte, zeigte, dass Lübeck noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts auf dem hygienischen Gebiet in fast mittelalterlichen Zuständen lebte. Der Senat ging nach der Cholera von 1832 davon aus, den Forderungen der Hygiene durch die Verlegung der Begräbnisplätze vor die Tore der Stadt Genüge getan zu haben. Der Ärztlichen Verein hatte die Schließung der Kirchhöfe in der Innenstadt gegen den Widerstand des Senates durchgesetzt. Die Veröffentlichung wies erstmals mit unwiderlegbaren Zahlen nach, wie trostlos das öffentliche Gesundheitswesen der Stadt war und stellte zwei Grundforderungen: Kanalisation und bessere Wasserversorgung.
War Lübstorff der stille Forscher, der die Bausteine für die Gesundung der hygienischen Verhältnisse in Lübeck um die Mitte der 1860er zusammengetragen hatte, war Cordes ein Mann der Tat.<ref name="DäVzL"> Dr. Friedrich von Rohden: Der ärztliche Verein zu Lübeck – 1809–1959, Verlag Max Schmidt-Römhild, Lübeck 1959, S. 30–31. </ref>
Er ließ sich in seiner Heimatstadt als Arzt nieder und betreute nebenberuflich, zuletzt seit 1863 als Oberarzt, auch dessen Militär.
Im Verein „Zur Erforschung der lokalen Ursachen der Cholera in Lübeck“, den die Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit ins Leben gerufen hatte, war Cordes Vorsitzender und treibende Kraft. Er war kein bequemer Arzt und Kollege, sondern vielmehr ausgestattet mit einem Maß von Unabhängigkeit und Rücksichtslosigkeit, die zur Durchführung seiner kostspieligen Pläne wie Sielanlage und Wasserversorgung erforderlich war. Dies vertrug sich nicht mit den kollegialen Rücksichten und führte dazu, dass er 1862 aus dem Ärztlichen Verein austrat. Er untersuchte das Grundwasser und die Trinkwasserversorgung der Stadt und setzte sich im Ergebnis seiner Untersuchungen für Verbesserungen der Abwasserentsorgung und er Trinkwasserversorgung (siehe Lübecker Wasserkunst) ein, so dass nach Umsetzung der Maßnahmen ab 1866 in Lübeck die Cholera nicht mehr ausbrach. Nach Erfüllung seiner Aufgabe verließ er 1868 die Stadt.<ref name="DäVzL" />
Im Frühjahr 1868 wurde Cordes Leiter der Wasserheilstätte Bad Alexandersbad im Fichtelgebirge, die er als Einrichtung im Schloss Alexandersbad kurz danach kaufte. Die Saison von Mitte Mai bis Oktober verbrachte er hier, seinen Winterwohnsitz nahm er in München im Lehel in der Bruderstraße 9. 1881 konnte er unter gleichzeitiger Gründung einer Aktiengesellschaft das ebenfalls in Alexandersbad ansässige Stahlbad übernehmen; 1884 ließ er ein neues Kurhaus bauen. Ab Mitte der 1880er führten den Betrieb in Alexandersbad angestellte Ärzte. Cordes konzentrierte sich auf seine Praxis in München, wo er sich der Psychiatrie zuwandte. Schon 1872 veröffentlichte er eine der grundlegenden Beschreibungen der Agoraphobie (Platzangst).
In Anerkennung seiner Verdienste wurde Cordes zum königlich-bayerischen Hofrat ernannt. Er war rege an Kunst und Kultur interessiert und gehörte einem Freundeskreis um den Dichter Paul Heyse an. Den künstlerischen Nachlass seines Bruders, den er nach dessen Tod 1869 geerbt hatte, vermachte er dem Museum in Lübeck. Er ist heute Bestandteil der Sammlungen des Museums Behnhaus in Lübeck.
Schriften[Bearbeiten]
- De acuto et chronico articulorum rheumatismo: dissertatio inauguralis medica. Schlesinger, 1853.
- Die Cholera in Lübeck: einige Worte an den Patriotismus und die Behörden; nebst einem Plan der Stadt, enthaltend die Todesfälle in den einzelnen Straßen. Asschenfeldt, Lübeck 1861.
- Beleuchtung des Entwurfes einer Medizinalordnung für den Freistaat Lübeck. Lübeck 1866.
- Die Cholera in Lübeck. München 1868.
- Die Platzangst (Agoraphobie), Symptom einer Erschöpfungsparese. In: Archiv fur Psychiatrie und Nervenkrankheiten. 3 (1872), S. 521–574.
- Prospect der Wasserheilanstalt zu Alexandersbad im Fichtelgebirge kgl. bayer. Kreis Oberfranken. 1875.
Literatur[Bearbeiten]
- Hubertus Averbeck: Von der Kaltwasserkur bis zur physikalischen Therapie: Betrachtungen zu Personen und zur Zeit der wichtigsten Entwicklungen im 19. Jahrhundert. Europäischer Hochschulverlag, Bremen 2012, ISBN 978-3-86741-782-2, S. 405f.
- Dietrich Helm: Cordes, Jochim Emil. In: Alken Bruns (Hrsg.): Lübecker Lebensläufe. Wachholtz, Neumünster 1993, ISBN 3-529-02729-4, S. 74 f.
- F. Kohl: Die klassischen Beschreibungen der Platzangst von Carl Westphal und Emil Cordes und ihre Bedeutung für die Konzeptgeschichte und aktuelle Diskussion der Angsterkrankungen. In: Psychiatrische Praxis. 28 (2001), S. 3–9.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Anmerkungen[Bearbeiten]
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Cordes, Emil |
| ALTERNATIVNAMEN | Cordes, Jochim Emil (vollständiger Name); Cordes, Joachimus Aemilius |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Mediziner |
| GEBURTSDATUM | 20. August 1829 |
| GEBURTSORT | Lübeck |
| STERBEDATUM | 11. Oktober 1900 |
| STERBEORT | München |
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- Geboren 1829
- Gestorben 1900
- Mann
- Person (Lübecker Geschichte)
- Bad Alexandersbad
- Badearzt
- Militärarzt (Deutschland)
- Corpsstudent (19. Jahrhundert)
- Person (München)
- Mediziner (19. Jahrhundert)
- Unternehmer (19. Jahrhundert)