Ernst Bartl
Ernst Wilhelm Bartl (* 13. März 1899 in Preßnitz<ref>Státní oblastní archiv v Litomicích, Přísečnice * 1888–1905, fol. 251.</ref>, Österreich-Ungarn; † 21. Januar 1972 in Marktredwitz<ref>Ernst Bartl gestorben. in: Sudetenpost vom 11. Februar 1972, S. 5.</ref>) war ein deutscher Politiker (SdP, NSDAP). Von 1938 bis 1945 war er Bürgermeister der Bezirksstadt Eger und ab 1942 Bundesvorstand des Vertriebenenverbands Eghalanda Gmoi. Nach der Vertreibung aus der wiedergegründeten Tschechoslowakei setze er sich in der Bundesrepublik Deutschland für die Heimatpflege des Egerlandes ein.<ref>Ernst Bartl: Egerland einst und jetzt. Egerland-Verlag, Geislingen-Steige 1959.</ref>
Leben[Bearbeiten]
Ernst Bartl stammt aus dem böhmischen Teil des Erzgebirges und war der Sohn des k. k. Gerichtsdieners Edmund Bartl und dessen Ehefrau Rosa Barl geborene Wiesner, Tochter des Volksschullehrers Frsnz Wiesner aus Weipert.<ref>Státní oblastní archiv v Litomicích, Přísečnice * 1888–1905, fol. 251.</ref> Er betrieb als Kaufmann ab 1923 in Eger in der Tschechoslowakei ein Uniformgeschäft, das größte im Sudetenland, das laut zeitgenössischen Quellen Uniformhaus genannt wurde.<ref>90. Geburtstag. Ernst Bartl, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "Der Egerländer". In: Mitteilungen des Sudetendeutschen Archivs. 1989, S. 13.</ref> 1941 wurde er Inhaber der 1. Egerer Uniformformierungs-Anstalt Anton Michl's Nachf. Ernst Bartl, die ihren Sitz am Adolf-Hitler-Platz 6 in Eger hatte.<ref>Zentralshandelsregisterbeilage zum Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger vom 20. März 1941, S. 3. Digitalisat in der Deutschen digitalen Bibliothek, abgerufen am 17. Januar 2026.</ref> In Eger war er auch auf kommunalpolitischer Ebene für die SdP<ref>Wie es bei der SVH zugeht. In: Sozialdemokrat. Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik vom 3. November 1937, S. 3. Digitalisat bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, abgerufen am 17. Januar 2026.</ref> als Stadtrat und Ratsherr aktiv. Nach dem Tod von Richard Siegl am 8. Juli 1942 wurde er zum Bundesvorsteher („Bundesvüarstäiha“) der Eghalanda Gmoin ernannt.<ref name="Geschichte BdEG">Die Gründung und Entwicklung des Bundes der Eghalanda Gmoin (BdEG) (1907–1950), Bund der Eghalanda Gmoin.</ref> Bartl beantragte nach der Annexion des tschechoslowakischen Sudetenlandes durch das Deutsche Reich am 2. Januar 1939 die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. November 1938 aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.657.310).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/1450903</ref><ref>Bartl, Ernst. In: Zdeněk Radvanovský, Stanislav Biman: Kdo byl kdo v Říšské župě Sudety 1938–1945. A-B. 2003, S. 90.</ref> Er wurde NSDAP-Kreishauptstellenleiter und an der Seite des Oberbürgermeisters Siegbert Schneider Bürgermeister von Eger. Außerdem soll er „Leiter der Reichszeugmeisterei der NSDAP in Eger“ gewesen sein.<ref>Ausschuß für Deutsche Einheit (Hrsg.): Strauss und seine Ultras: Drahtzieher der Revanchepolitik. Berlin [1961], S. 34.</ref>
Im November 1944 wurde er in der Vorstand der Sozialgewerk der DAF. für Handwerk, Handel und Gewerbe GmbH gewählt.<ref>Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger vom 7. November 1944, S. 4.</ref>
Nach Kriegsende kam er 1945 als Heimatvertriebener über Baden-Württemberg nach Bayern. Am 27. August 1950 war er, seinerzeit wohnhaft in Geislingen an der Steige, bei der Wiedergründung der Eghalanda Gmoin in Schwäbisch Hall dabei und dort fortan abermals bis zu seinem Tod als Bundesvorsteher tätig.<ref name="Geschichte BdEG" /> Seine Hauptaufgabe als erster Vorsitzender sah er in der Gründung vieler neuer „Gmoin.“ Sein Nachfolger wurde Hans Ströher.<ref>Egerländer in vorbildlicher Einheit. In: Sudetenpost vom 4. Juni 1982, S. 3.</ref>
Bartl war Mitinitiator des Egerland-Verlags, der Stammeszeitschrift „Der Egerländer“, des „Egerländer Landtags“ und des Egerland-Kulturhauses<ref>Dietmar Herrmann: Das Egerland-Kulturhaus in Marktredwitz. In: Siebenstern – Vereinszeitschrift des Fichtelgebirgsvereins. Heft 2/2020. S. 9.</ref>, das erst nach seinem Tod in Marktredwitz eröffnet wurde. Auf ihn geht ferner die Errichtung der Egerland-Kulturhaus-Stiftung in Marktredwitz zurück.<ref>Ernst Bartl gestorben. in: Sudetenpost vom 11. Februar 1972, S. 5.</ref><ref>Egerland-Kulturhaus-Stiftung Marktredwitz</ref>
Schriften[Bearbeiten]
- Egerland einst und jetzt. Egerland once and now. Egerland autrefois et à présent. Egerland-Verlag, Geislingen-Steige 1959.<ref>Eintrag in der GND</ref>
Auszeichnungen[Bearbeiten]
- Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938 (Sudetenland-Medaille)<ref>Bartl, Ernst. In: Zdeněk Radvanovský, Stanislav Biman: Kdo byl kdo v Říšské župě Sudety 1938–1945. A-B. 2003, S. 90.</ref>
- Kriegsverdienstkreuz II. Klasse<ref>Bartl, Ernst. In: Zdeněk Radvanovský, Stanislav Biman: Kdo byl kdo v Říšské župě Sudety 1938–1945. A-B. 2003, S. 90.</ref>
- Nordgau-Kulturpreis der Stadt Amberg (1952)<ref>Eintrag in der Personendatenbank des Oberpfälzer Kulturbundes e. V.</ref>
- Lodgman-Plakette für hervorragende Verdienste um die Sudetendeutsche Landsmannschaft<ref>Personalia. In: Sudetenpost vom 4. Juli 1969, S. 2.</ref>
- Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (13. März 1961)<ref>Personalia. In: Sudetenpost vom 4. Juli 1969, S. 2.</ref>
- Bayerischer Verdienstorden (1969) anlässlich seines 70. Geburtstages<ref>Personalia. In: Sudetenpost vom 4. Juli 1969, S. 2.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Bartl, Ernst. In: Egerländer Biografisches Lexikon, Band 1, Bayreuth 1985.
- Bartl, Ernst. In: Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder I/1. Collegium Carolinum, S. 51.
- Bartl, Ernst, in: Tobias Weger: „Volkstumskampf“ ohne Ende? Sudetendeutsche Organisationen, 1945–1955. Frankfurt am Main : Lang, 2008, ISBN 978-3-631-57104-0, S. 585 (Digitalisat)
- Bartl, Ernst, in: Braunbuch. Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik, 1965, S. 276
- Bartl, Ernst. In: Zdeněk Radvanovský, Stanislav Biman: Kdo byl kdo v Říšské župě Sudety 1938–1945. A-B. 2003, S. 90. (tschechisch).
Einzelnachweise[Bearbeiten]
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bartl, Ernst |
| ALTERNATIVNAMEN | Barl, Ernst Wilhelm (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (SdP, NSDAP); Bundesvorstand der Eghalanda Gmoi |
| GEBURTSDATUM | 13. März 1899 |
| GEBURTSORT | Preßnitz |
| STERBEDATUM | 21. Januar 1972 |
| STERBEORT | Marktredwitz |
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