Ernst Hellmut Vits
Ernst Hellmut Vits (* 19. September 1903 in Barmen; † 23. Januar 1970 in Wuppertal) war ein deutscher Unternehmer und Wirtschaftsjurist.
Herkunft, Familie, Studium und Berufseinstieg[Bearbeiten]
Ernst Hellmut Vits war ein Sohn des Generalsuperintendenten der Neumark und Niederlausitz Ernst August Vits und dessen Ehefrau Julie, geborene Schaefer.<ref>Theodor Langenbruch: Ernst Hellmut Vits. In: Wuppertaler Biographien, 9. Folge, Wuppertal 1970, S. 90f.</ref> Er hatte drei Schwestern und zwei Brüder.<ref>Theodor Langenbruch: Ernst Hellmut Vits. In: Wuppertaler Biographien, 9. Folge, Wuppertal 1970, S. 94</ref> Seine Familie zog 1912 von Düsseldorf nach Berlin.<ref>Theodor Langenbruch: Ernst Hellmut Vits. In: Wuppertaler Biographien, 9. Folge, Wuppertal 1970, S. 96</ref> Nach dem 1922 am Berliner Königlichen Wilhelms-Gymnasium abgelegten Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Kaufmannsgehilfen in einer Berliner Metallwarenfabrik. Zeitgleich studierte er Rechts- und Staatswissenschaft an der Universität Berlin und ab 1924 an der Universität Münster. Er legte 1925 die erste juristische Staatsprüfung ab und wurde während seines Rechtsrefendariates 1926 zum Dr. jur. promoviert. Das Gerichtsassessorexamen bestand er im März 1929 beim Preußischen Justizministerium. Anfang April 1929 trat als Justiziar in die Deutsche Revisions- und Treuhand AG ein, einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Dort wurde er bald darauf Vorstandsmitglied.<ref name="Vierhaus263">Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. Band 10: Thies – Zymalkowski. Berlin u. a. 2008, S. 263</ref><ref>Theodor Langenbruch: Ernst Hellmut Vits. In: Wuppertaler Biographien, 9. Folge, Wuppertal 1970, S. 97f.</ref>
Vits war in erster Ehe seit 1929 mit Eleonore, geborene Müller, verheiratet. Nach der Scheidung heiratete er Ingrid, geborene Molchin. Er war Vater dreier Kinder.<ref>Theodor Langenbruch: Ernst Hellmut Vits. In: Wuppertaler Biographien, 9. Folge, Wuppertal 1970, S. 111</ref>
Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]
Zur Zeit des Nationalsozialismus war er Wehrwirtschaftsführer und gehörte dem Wehrwirtschaftsrat an.<ref>vgl. Peter-Ferdinand Koch: Die Geldgeschäfte der SS. Hoffmann und Campe, Hamburg 2000, ISBN 3-455-11285-4, S. 224</ref> Am 6. August 1941 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Oktober desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 8.759.116).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/45930935</ref><ref name="Henke461">Klaus-Dietmar Henke: Die amerikanische Besetzung Deutschlands, 2. Auflage, Oldenbourg, München 1996, S. 461</ref> Er gehörte 1937 zu den Begründern der Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten „Hermann Göring“ in Salzgitter.<ref name="Klee641">Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 641</ref> Er wechselte 1939 von der Deutsche Revisions- und Treuhand AG zur Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG über, wo er im April 1940 Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor wurde.<ref name="Vierhaus263" /> Vits erkannte die Möglichkeiten von synthetischen Fasern und bemühte sich zunächst darum, mit dem Unternehmen die „Führungsrolle in der deutschen Kunstseiden-Industrie zu erhalten“.<ref>Theodor Langenbruch: Ernst Hellmut Vits. In: Wuppertaler Biographien, 9. Folge, Wuppertal 1970, S. 101f.</ref> Des Weiteren übernahm er das Amt des Präsidenten der Reichsvereinigung Chemische Fasern.<ref name="Henke461"/> Gemeinsam mit dem Professor für Volkswirtschaft Alfred Müller-Armack begründete er am 23. Oktober 1941 in Münster die Forschungsstelle für allgemeine und textile Marktwirtschaft.<ref>Erhard Obermeyer: Universität Münster: ein Porträt, Aschendorff Verlag, 1992, S. 63</ref> Sein Schwager war der evangelische Geistliche und NS-Gegner Heinrich Grüber, dessen Hilfsmaßnahmen für verfolgte evangelische Judenchristen durch das Büro Grüber Vits finanziell unterstützte.<ref>Frank Friedhelm Homberg: Retterwiderstand in Wuppertal während des Nationalsozialismus, Düsseldorf 2008, S. 9, S. 101ff. (Dissertation an der Universität Düsseldorf)</ref> Nach Grübers Verhaftung wurde dieser später infolge internationaler Bemühungen und Vits mehrfacher Intervention 1943 aus dem Konzentrationslager entlassen.<ref>Kurt Schnöring: Auschwitz begann in Wuppertal, Peter Hammer Verlag, Wuppertal, 1981, ISBN 3-87294-174-7, S. 101f.</ref>
Nachkriegszeit[Bearbeiten]
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verlegte er seinen Dienstsitz von Berlin nach Wuppertal, zwischenzeitlich hatte er sich in Coburg aufgehalten.<ref>Theodor Langenbruch: Ernst Hellmut Vits. In: Wuppertaler Biographien, 9. Folge, Wuppertal 1970, S. 102</ref> Er wurde von der britischen Militäradministration im Juni 1945 zum Treuhänder der Vereinigten Glanzstoff-Fabriken sowie der Kunstseiden-Aktiengesellschaft bestellt und konnte die Zerschlagung des Gesamtunternehmens verhindern. Im Januar 1947 wurde er zum Finanzberater der Combined Coal Group.<ref name="Henke461" /> In dieser Funktion war er im Rahmen der Neuordnung des deutschen Kohlenbergbaus beratend für die Combined Coal Group tätig. Er bereitete die Überführung der Kohlewirtschaft in eine deutsche Treuhandverwaltung vor und schloss diese Tätigkeit 1949 ab.<ref name="Archive NRW">Archive Nordrhein-Westfalen: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Bestand 76 Ernst Hellmut Vits, Wuppertal - Dr. jur., Generaldirektor ( vom 18. Mai 2015 im Internet Archive)</ref> Während der Nürnberger Prozesse wurde er am 11. Mai 1948 im Zuge des I.G.-Farben-Prozesses vernommen.<ref>Theodor Langenbruch: Ernst Hellmut Vits. In: Wuppertaler Biographien, 9. Folge, Wuppertal 1970, S. 110</ref> In der Nachkriegszeit galt seine Hauptaufgabe dem Wiederaufbau der durch Kriegseinwirkung teils zerstörten Fabriken des Unternehmens.<ref>Theodor Langenbruch: Ernst Hellmut Vits. In: Wuppertaler Biographien, 9. Folge, Wuppertal 1970, S. 104</ref>
Vits war Mitglied in folgenden Aufsichtsräten: Deutsche Revisions- und Treuhand AG Treuarbeit, Zellstofffabrik Waldhof, Deutsche Bank AG, Deutsche Erdöl AG, Gewerkschaft Sophia-Jacoba, Rheinpreußen AG für Bergbau und Chemie und Hamburg-Amerika-Linie (HAPAG). Darüber hinaus gehörte er auch dem Aufsichtsrat der Firma Schwelmer Eisenwerk Müller & Co. an, dessen Vorsitz er ab 1946 einnahm.<ref>Theodor Langenbruch: Ernst Hellmut Vits. In: Wuppertaler Biographien, 9. Folge, Wuppertal 1970, S. 110f.</ref> Bei der Kuag Textil AG, der BARMAG Barmer Maschinenfabrik AG in Remscheid und der J. P. Bemberg AG war er ebenfalls Aufsichtsratsvorsitzender.<ref>Theodor Langenbruch: Ernst Hellmut Vits. In: Wuppertaler Biographien, 9. Folge, Wuppertal 1970, S. 105</ref>
Nach 30-jähriger Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor bei der Vereinigten Glanzstoff-Fabriken AG wurde er dort im Juli 1969 Aufsichtsratsvorsitzender. Kurz zuvor betrieb er den Zusammenschluss des von ihm geführten Unternehmens mit der niederländischen Algemene Kunstzijde Unie NV, der 1969 vollzogen wurde.<ref name="Vierhaus263"/> Vits machte sich um den Aufbau der Synthesefaserproduktion verdient und das Unternehmen durch Produkte wie Perlon und Diolen international bekannt.<ref name="Archive NRW"/> Vits starb am 23. Januar 1970 an den Folgen einer Operation.<ref>Theodor Langenbruch: Ernst Hellmut Vits. In: Wuppertaler Biographien, 9. Folge, Wuppertal 1970, S. 117</ref>
Engagement[Bearbeiten]
Wissenschaftsförderung[Bearbeiten]
Vits engagierte sich für die Wissenschaftsförderung und gehörte zahlreichen entsprechenden Gremien an. Er initiierte nach Kriegsende 1947 die Förderergesellschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität, welche 1968 den Ernst-Hellmut-Vits-Preis stiftete.<ref name="Dollinger565">Heinz Dollinger: Die Universität Münster: 1780-1980, Aschendorff, 1980, S. 565</ref> Von 1947 bis 1970 war er erster Vorsitzender dieser Gesellschaft.<ref>100 Jahre Universitätsgesellschaft. Universitätsgesellschaft Münster, abgerufen am 8. August 2025.</ref> Von 1954 bis 1970 war er Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Er war von 1955 bis 1970 Vorsitzender des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft.<ref name="Klee641"/> Er gehörte zu den ersten Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirats der 1959 gegründeten Fritz Thyssen Stiftung.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Historie ( vom 24. September 2015 im Internet Archive) auf www.fritz-thyssen-stiftung.de</ref> Ab 1964 war er im Senat der Max-Planck-Gesellschaft.<ref name="Klee641"/>
Seine Kinder Hans-Joachim Vits, Gisela Vits und Eleonore Vits-Kinader riefen 1993 aus Anlass seines 90. Geburtstages zur Förderung der Wissenschaft und Forschung die Ernst-Hellmut-Vits-Stiftung ins Leben.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Ernst-Hellmut Vits-Stiftung ( vom 25. September 2015 im Internet Archive)</ref> Diese Stiftung ging aus dem 1970 geschaffenen Ernst-Hellmut-Vits-Fonds hervor.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Ernst Hellmut Vits ( vom 20. März 2015 im Internet Archive), stifterverband.info</ref>
Förderung der Kultur und Soziales Engagement[Bearbeiten]
Vits unterstützte das Mainfränkische Museum in Würzburg, das Römerhaus in Obernburg sowie das Stiftsmuseum der Stadt Aschaffenburg. Er war Pate einer Volksschule in Erlenbach am Main, die aufgrund seiner Spenden bis heute nach ihm benannt ist und in der Dr.-Vits-Straße steht. In Laudenbach war er 1954 gemeinsam mit seiner Ehefrau Spender der evangelischen Johannes-Kapelle.<ref>Theodor Langenbruch: Ernst Hellmut Vits. In: Wuppertaler Biographien, 9. Folge, Wuppertal 1970, S. 111f.</ref>
Ehrungen (Auswahl)[Bearbeiten]
- Ehrenring der Stadt Wuppertal (1969)<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Ehrungen und Preise der Stadt Wuppertal ( vom 26. Juni 2016 im Internet Archive) (zu ermitteln über Suchfunktion)</ref>
- Förderring des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft (1963)<ref name="WeristWer">Wer ist wer?: Das deutsche Who’s Who, Band 16, 1970, S. 1365</ref>
- Ehrensenator der Universität Münster<ref name="Dollinger565"/> (1952)
- Ehrendoktorwürde (Dr. rer. pol. h. c.) der Universität Münster (1953)<ref name="Archive NRW"/>
- Ehrensenator der Technischen Universität Berlin<ref name="CZ">Chemiker-Zeitung/Chemische Apparatur, Band 92, A. Hüthig, 1968, S. 649</ref>
- Bronze-Plakette „Dem Förderer Deutscher Wissenschaft“<ref name="CZ" />
- Ehrenbürger von Obernburg, Erlenbach und Laudenbach
- Großes Bundesverdienstkreuz (1953) mit Stern (1963)<ref name="WeristWer"/>
- Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse (1962)<ref name="WeristWer"/>
- Bayerischer Verdienstorden (1969)<ref>http://www.bayerischer-verdienstorden.de/</ref>
Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]
- Inwieweit sind nach heutigem Staatskirchenrecht die bürgerlichen Gemeinden bei der Besetzung kirchlicher Aemter beteiligt? : Unt. bes. Berücks. d. ev. Kirchen in Preußen, Berlin 1927 (zugleich Rechts- u. staatswissenschaftliche Dissertation, 1927)
Literatur[Bearbeiten]
- Vits, Ernst Hellmut. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. Band 10: Thies – Zymalkowski, De Gruyter, Berlin u. a. 2008, ISBN 978-3-598-25040-8, S. 263.
- Theodor Langenbruch: Ernst Hellmut Vits. In: Wuppertaler Biographien, 9. Folge, Beiträge zur Geschichte und Heimatkunde des Wuppertals Band 17, Born-Verlag, Wuppertal 1970, S. 90–118
- Dr. Dr. h.c. Ernst Hellmut Vits. In: Ute Lähnemann: Ich über mich - 50 prominente Wuppertaler erzählen, Alfred-Lau-Verlag, Wuppertal, 1969, S. 138–140.
- Jürgen Weise: Vits, Ernst Hellmut. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 26. Duncker & Humblot, Berlin 2016, ISBN 978-3-428-11207-4, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Ernst Hellmut Vits im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Ernst Hellmut Vits im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
- Heinz Janson: Dr. Ernst Hellmut Vits auf www.hvv-obernburg.de
- Archive Nordrhein-Westfalen: Bestand 76 Ernst Hellmut Vits, Wuppertal - Dr. jur., Generaldirektor
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Vits, Ernst Hellmut |
| ALTERNATIVNAMEN | Vits, Ernst Helmut; Vits, Ernst Hellmuth; Vits, Ernst H. |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Unternehmer und Wirtschaftsjurist |
| GEBURTSDATUM | 19. September 1903 |
| GEBURTSORT | Barmen |
| STERBEDATUM | 23. Januar 1970 |
| STERBEORT | Wuppertal |
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- Wirtschaftsjurist
- Person (Bergbau)
- Zeuge in den Nürnberger Prozessen
- Wehrwirtschaftsführer
- NSDAP-Mitglied
- Ehrensenator der Technischen Universität Berlin
- Ehrensenator der Universität Münster
- Ehrendoktor der Universität Münster
- Ehrenringträger der Stadt Wuppertal
- Ehrenbürger im Landkreis Miltenberg
- Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern
- Träger des Bayerischen Verdienstordens
- Träger des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse
- Deutscher
- Geboren 1903
- Gestorben 1970
- Mann