Ernst Jansen
Ernst Nicolaas Herman Jansen (* 24. Oktober 1945 in Kamperland, Niederlande<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Geburtsanzeige ( vom 6. Dezember 2013 im Internet Archive), 29. Oktober 1945 (niederländisch)</ref>; † 7. Dezember 2023 in Bad Bentheim<ref>De neuroloog Ernst Jansen (1945-2023) heeft na enkele fouten alle media achter zich gelaten. Abgerufen am 14. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>), auch bekannt unter seinem angenommenen Namen Ernst Jansen Steur, war ein niederländischer Neurologe. Er war als Experte auf dem Gebiet der Neurologie und der Alzheimer-Forschung bekannt. Ab 2004 wurden mehrere schwerwiegende Fehldiagnosen bekannt, die zu seiner Entlassung aus mehreren Stellungen und schließlich zu einer Anklage führten.
Laufbahn[Bearbeiten]
Jansen promovierte 1994 an der Universität Maastricht über die Parkinson-Krankheit.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Promotionsschrift ( vom 5. November 2013 im Internet Archive), arno.unimaas.nl, 1994 (niederländisch)</ref> Im Juli 2002 wurde er im niederländischen Fernsehen als Experte zum Gesundheitszustand von Prinz Claus interviewt.<ref> 'De gezondheidstoestand van Prins Claus. In: zoeken.beeldengeluid.nl. 24. Juli 2002, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. November 2013; abgerufen am 21. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Im Jahr 1990 erlitt er bei einem schweren Autounfall einen komplizierten Hüftbruch. Ab 2000 war er Midazolam-abhängig. Um dieses rezeptpflichtige Arzneimittel regelmäßig zu beschaffen, begann er, unter dem Namen von Kollegen Rezepte zu fälschen.<ref name="DokterBibber">Dokter Bibber. In: De Telegraaf. 20. September 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. November 2013; abgerufen am 21. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Wie sich später herausstellte, stellte Jansen seit seiner Medikamentenabhängigkeit zahlreiche Fehldiagnosen. Um diese Diagnosen zu belegen, fälschte er Patientenformulare, vertauschte Röntgenbilder und fälschte Laborberichte. Er verschrieb Patienten unnötige, starke Medikamente und veranlasste in einigen Fällen unnötige Gehirnoperationen.<ref name="VKomsterdenNeuroloogWerktWeer">Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig OM: 'Verdachte arts mag in buitenland gewoon werken'.] (deutsch: OM: Umstrittener Neurologe arbeitet wieder in deutschem Krankenhaus). In: De Volkskrant. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 21. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
2004 wurde er vom Medisch Spectrum Twente (MST) entlassen. Er erhielt eine Abfindung in Höhe von 250.000 Euro und musste, ebenso wie seine ehemaligen Kollegen, eine Geheimhaltungserklärung unterzeichnen.<ref name="DokterBibber"/><ref>Medisch Spectrum Twente: zwijgplicht over neuroloog. In: skipr.nl. 9. Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. November 2013; abgerufen am 21. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im Rahmen dieser Vereinbarung erklärte er sich bereit, sich von der niederländischen Ärzteliste streichen zu lassen, wodurch er auf das Recht verzichtete, weiter in den Niederlanden zu praktizieren. Geschädigte Patienten erhielten eine finanzielle Entschädigung, wurden aber ebenfalls zur Verschwiegenheit verpflichtet.<ref>Neuroloog deed zonder toestemming bloedonderzoek. In: tubantia.nl. 22. Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. November 2013; abgerufen am 21. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Ermittlungen und Verfahren[Bearbeiten]
Trotz der Vereinbarung mit Jansen beschloss der Aufsichtsrat des MST im Januar 2009, eine Untersuchung gegen Jansen einzuleiten. Diese Untersuchung wurde unter der Leitung des ehemaligen Bürgermeisters von Hengelo, Wolter Lemstra, durchgeführt.
In ihrem Bericht kam die Lemstra-Kommission zu dem Schluss, dass seitens des MST, aber auch der niederländischen Gesundheitsaufsicht Fehler gemacht worden waren.<ref>31 700 XVI Vaststelling van de begrotingsstaten van het Ministerie van Volksgezondheid, Welzijn en Sport (XVI) voor het jaar 2009 (niederländisch)</ref><ref>Kritiek op rapport omstreden neuroloog. In: Het Parool. 1. September 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. September 2009; abgerufen am 23. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Jansen habe seit 1992 als Arzt versagt, und das MST habe jahrelang versäumt, etwas zu unternehmen.
Aufgrund dieses Berichts setzte der niederländische Gesundheitsminister Ab Klink eine weitere Untersuchungskommission zur Überprüfung der Gesundheitsaufsicht ein.<ref>Angel en Antenne, Het functioneren van de Inspectie voor de Gezondheidszorg in de casus van de neuroloog van het Medisch Spectrum Twente</ref><ref>Commissie Hoekstra: 'IGZ moet werkwijze verbeteren'. In: skipr.nl. 27. Mai 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 9. März 2011; abgerufen am 21. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Diese Kommission kam zum gleichen Ergebnis wie die Lemstra-Kommission hinsichtlich des Versagens der Gesundheitsaufsicht und stellte fest, dass diese mit Maßnahmen gegen Jansen zu lange gezögert hatte. Sie hätte demnach gegen ihn Strafanzeige erstatten müssen, statt nur eine freiwillige Rückgabe seiner ärztlichen Zulassung zu vereinbaren. Dem MST und den Ärzten, die Jansen wegen seiner Verletzung behandelt hatten, wurde mangelnde Zusammenarbeit mit der Gesundheitsaufsicht vorgeworfen. Beide behandelnden Ärzte beriefen sich auf das Arztgeheimnis.<ref name="NOSinspectieFaalde">Inspectie faalde in zaak verslaafde neuroloog</ref> Die Gesundheitsaufsicht kam hingegen in einer internen Untersuchung zu dem Schluss, im Fall Jansen korrekt gehandelt zu haben.<ref name="NOSinspectieFaalde" /><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.IGZ rapportage neuroloog MST ( vom 28. Oktober 2014 im Internet Archive), 20. Februar 2009</ref>
Im Oktober 2009 wurde schließlich angekündigt, Jansen müsse sich vor Gericht verantworten. Eine Sonderkommission der Polizei (das „Lippstadt-Team“) hatte zu diesem Zeitpunkt 135 verschiedene Patientenbeschwerden gegen Jansen zusammengetragen.<ref name="DokterBibber" /><ref>Omstreden neuroloog voor de rechter. In: Telegraaf.nl. 7. Oktober 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. November 2013; abgerufen am 21. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Anklage warf Jansen 21 Straftaten vor, darunter schwere Körperverletzung durch Fehldiagnosen an acht Patienten, die zum Selbstmord einer Patientin führten, des Weiteren Diebstahl, Unterschlagung und Betrug. Insgesamt hatten 40 Personen Strafanzeige gestellt.<ref name="NOSneuroloogWeigertOnderzoek">Neuroloog weigert onderzoek. In: nos.nl. 5. Januar 2013, abgerufen am 21. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Mehrere Dutzend Patienten und die Familienangehörigen dreier verstorbener Patienten forderten Schmerzensgeld.<ref name="TelegraafDerdeDode">Aangifte derde dode in affaire neuroloog. In: Telegraaf.nl. 19. September 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 5. November 2013; abgerufen am 21. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Zusätzlich wurde Jansen Wissenschaftsbetrug vorgeworfen, nachdem die Untersuchung der Lemstra-Kommission ergeben hatte, dass Jansen für einen Artikel im The Lancet Untersuchungsergebnisse verfälscht hatte.<ref name="TelegraafDerdeDode" />
Am 4. November 2013 wurde der Prozess gegen Jansen vor der Rechtbank Overijssel in Almelo eröffnet.<ref>Stuttgarter Nachrichten: Heilbronner Skandalarzt: Ernst Jansen steht in den Niederlanden vor Gericht vom 4. November 2013</ref> Im Februar 2014 wurde er zu drei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt.<ref>Lügen über unheilbare Krankheiten: Skandal-Neurologe bekommt drei Jahre. In: n-tv.de. 11. Februar 2014, abgerufen am 21. Dezember 2023.</ref> Dieses Urteil wurde in einem Berufungsverfahren 2015 aufgehoben, weil ihm bei seinen Fehldiagnosen kein Vorsatz nachzuweisen war und eine aufgrund seiner Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit verminderte Zurechnungsfähigkeit angenommen wurde. Der Freispruch im Berufungsverfahren wurde auch vom höchsten niederländischen Gerichtshof bestätigt. Damit endete der bis dahin größte medizinische Strafprozess der niederländischen Geschichte.<ref name="Berufung">Hoge Raad handhaaft vrijspraak Ernst Jansen Steur. In: nu.nl. 17. Mai 2016, abgerufen am 21. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Arbeit in Deutschland seit 2004[Bearbeiten]
Nach seinem erzwungenen Abgang vom MST zog Jansen 2004 nach Deutschland und arbeitete dort für verschiedene Privatkliniken. Im Jahr 2006 erteilte die Bezirksregierung Arnsberg ihm eine deutsche Approbation. Jansen habe seine Universitätszeugnisse, ein niederländisches Führungszeugnis sowie die Bescheinigung der niederländischen Behörde vorgelegt, die dort Approbationen erteilt, erklärte ein Sprecher der Bezirksregierung später.<ref>Niederländischer Arzt: Wie "Dr. Frankenstein" nach Deutschland kam. In: Spiegel Online. 8. Januar 2013, abgerufen am 21. Dezember 2023.</ref>
Bis 2009 arbeitete Jansen in der Schlossbergklinik in Bad Laasphe.<ref>Ingeborg Bördlein: Skandalarzt von Heilbronn: Wieviel Schuld tragen Klinik und Kammern? In: Aerztezeitung.de. 14. Januar 2013, abgerufen am 21. Dezember 2023.</ref> Nachdem der niederländische Journalisten Rob Vorkink und Lucien Baard ihn dort aufgespürt und zu interviewen versucht hatte, wurde Jansen dort sofort entlassen.<ref name="DokterBibber" /> 2010 arbeitete Jansen für einige Monate in den Mittelweser-Kliniken in Nienburg/Weser, wenig später in Worms.
Von Juni 2011 bis Anfang 20213 arbeitete er in den SLK-Liniken in Heilbronn und Bad Friedrichshall.<ref>Niederländischer "Skandalarzt" ist tot – Einst bei den SLK-Kliniken beschäftigt. In: stimme.de. 20. Dezember 2023, abgerufen am 21. Dezember 2023: „Steur war von Juni 2011 bis Anfang 2013 an den SLK-Kliniken in Heilbronn und Bad Friedrichshall beschäftigt. Eine Zulassung für Deutschland hatte er damals noch.“</ref>
Anfang 2013 spürte Vorkink ihn erneut im Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn auf. Vorkink hatte ihn an der Stimme erkannt, obgleich Jansen abstritt, mit dem Gesuchten identisch zu sein.<ref name="rtvOostExNeuroloogAanHetWerkInDuitsland" /><ref name="NOSGerriEickhofErIsMaarEenNeuroloog" /> Jansen wurde am 5. Januar 2013 auch dort entlassen.<ref>Ontslag Jansen Steur in Heilbronn. In: NOS.nl. 5. Januar 2013, abgerufen am 21. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das Krankenhaus berief sich zunächst darauf, man habe Jansen ohne Überprüfung seiner niederländischen Zulassung beschäftigen können, da er seinen Beruf in den Niederlanden 2010 freiwillig aufgegeben habe und nicht rechtskräftig verurteilt gewesen sei, als er sich beworben habe.<ref name="rtvOostExNeuroloogAanHetWerkInDuitsland">Ex-neuroloog Jansen Steur aan het werk in Duitsland. In: RTV Oost. 4. Januar 2013, abgerufen am 21. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="NOSGerriEickhofErIsMaarEenNeuroloog">Gerri Eickhof: er is maar een neuroloog die Jansen Steur heet. In: nos.nl. 4. Januar 2013, abgerufen am 21. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zudem konnte Jansen eine gültige deutsche Approbation vorweisen. Es stellte sich jedoch heraus, dass das Krankenhaus tatsächlich über Jansens Vergangenheit informiert gewesen war.<ref>Jürgen Kümmerle, Adrian Hoffmann: Klinik wusste seit 2011 von Strafverfahren. In: stimme.de. 6. Januar 2013, abgerufen am 21. Dezember 2023 (update am 12. Juni 2023).</ref> Am 6. Januar 2013 reichte eine deutsche Patientin Klage gegen Jansen ein und beschuldigte ihn, aufgrund seiner Behandlung in Heilbronn im Rollstuhl sitzen zu müssen.<ref>Jansen Steur deed wel ingreep in Heilbronn. In: Telegraaf.nl. 6. Januar 2013, abgerufen am 21. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Seine Approbation in Deutschland gab er später zurück.<ref name="Berufung2">Skandalarzt Jansen erneut vor Gericht. In: n-tv.de. 17. Mai 2015, abgerufen am 21. Dezember 2023.</ref>
Name[Bearbeiten]
Ernst Jansen fügte seinem Nachnamen den Zusatz Steur hinzu, den Geburtsnamen seiner Mutter. Die unterschiedliche Namensführung erschwerte Recherchen deutscher Kliniken über seinen Hintergrund in den Niederlanden.<ref> Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Mitteilung der SLK-Kliniken vom 7. Januar 2013 ( vom 4. November 2013 im Internet Archive) (PDF-Datei; 21 kB)</ref>
Tod[Bearbeiten]
Ernst Jansen starb am 7. Dezember 2023 in Bad Bentheim.<ref>Overlijdensbericht Ernst Jansen. In: Mensenlinq. Abgerufen am 19. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Todesanzeige).</ref><ref>In memoriam Ernst Jansen: Neuroloog Ernst Jansen (1945-2023) kreeg na enkele fouten alle media achter zich aan. In: trouw.nl. 20. Dezember 2023, abgerufen am 21. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „Ernst Jansen is afgelopen week in zijn woonplaats Bad Bentheim (Duitsland) overleden aan een longontsteking. Hij werd 78 jaar.“</ref>
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Jansen, Ernst |
| ALTERNATIVNAMEN | Jansen Steur, Ernst (angenommener Name); Jansen, Ernst Nicolaas Herman (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | niederländischer Arzt |
| GEBURTSDATUM | 24. Oktober 1945 |
| GEBURTSORT | Kamperland, Niederlande |
| STERBEDATUM | 7. Dezember 2023 |
| STERBEORT | Bad Bentheim |