Ernst Rassow
Ernst Erich Viktor Rassow (* 27. Dezember 1898 in Berlin; † 4. Januar 1946 bei Schwerin<ref name="TU">Andreas Weigelt, Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner (Hrsg.): Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947). Eine historisch-biographische Studie. Göttingen 2015, S. 538–539</ref>) war ein deutscher Kriminalbeamter, der im Zweiten Weltkrieg leitend bei der Geheimen Feldpolizei tätig war und später als Kriegsverbrecher hingerichtet wurde. 1999 wurde er durch den Generalstaatsanwalt der Russischen Föderation rehabilitiert.
Leben[Bearbeiten]
Nach dem Schulbesuch nahm Rassow am Ersten Weltkrieg teil. Nach dem Krieg ist seine Zugehörigkeit zu einem Freikorps belegt. Er schlug 1919 die Polizeilaufbahn ein. Zunächst als Leutnant war er von 1919 bis 1924 bei der Sicherheitspolizei. Er wechselte 1924 zur Kriminalpolizei. Er besuchte ab 1925 die Polizeihochschule und wurde zum Kommissar befördert. Bis zum Jahr 1937 war er als Kommissar der Kriminalpolizei eingesetzt.<ref name="SMT" /> Bereits am 1. Dezember 1932 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.418.096).<ref>Bundesarchiv R 9361-III/549224</ref> Von 1937 bis 1939 im Reichskriminalpolizeiamt in der Abteilung 2b (Veruntreuung, Schwarzmünzer) als Kriminalrat beschäftigt.<ref name="SMT" />
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er zur 312. Gruppe der Geheimen Feldpolizei (Spionageabwehr in der Bevölkerung) eingezogen. Von 1939 bis 1941 war er Direktor der Geheimen Feldpolizei im Wehrkreis VII. Nach einem Einsatz zunächst in Posen folgten Einsätze im Rheingebiet, in Holland und Nordwestfrankreich. 1941 erfolgte die Berufung zum Polizeidirektor, er war beim Truppenkommandeur in Nordwestfrankreich bis Juni 1941, zuständig für Spionage, Sabotage und Fahnenflucht.<ref name="SMT" />
Im Reichssicherheitshauptamtes leitete Rassow ab März 1941 als Kriminaldirektor das Referat V B 2 („Betrug“), das der Abteilung V B („Einsatz“) innerhalb der Amtsgruppe V („Verbrechensbekämpfung - Reichskriminalpolizeiamt“) angehörte. Er wurde 1941 zudem zum SS-Sturmbannführer befördert (SS-Nummer 290.592).
Von Juni 1941 bis Januar 1942 führte Rassow zudem im Rang eines Heerespolizeichefs an der Ostfront bei der Heeresgruppe Mitte eine etwa 4000-köpfige Gruppe der Geheimen Feldpolizei. Von Juni 1942 bis April 1945 war er als Personalchef im Stab der Geheimen Feldpolizei beim Oberkommando der Wehrmacht in Berlin tätig. Zuletzt leistete er im Rang eines Oberstleutnants Kriegsdienst beim Heer. In Bayern geriet er schließlich in britische Kriegsgefangenschaft.
Rassow wurde am 7. Oktober 1945 in Rudolstadt von Angehörigen der Roten Armee verhaftet. Im Dezember 1945 erfolgte eine Anklage durch ein Sowjetische Militärtribunal der 5. Stoßarmee (SMT) wegen Kriegsverbrechen als Gestapo-Referent der Abteilung V C 2, bei der Geheimen Feldpolizei vor Moskau, als Leiter der Personalabteilung der Verwaltung der Gestapo beim Oberkommando der Wehrmacht und als Kriminalrat.<ref name="SMT"> Andreas Weigelt, Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner (Hrsg.): Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947). Eine historisch-biographische Studie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, ISBN 978-3-525-36968-5, S. 538–539.</ref> Am 24. Dezember 1945 wurde er gemäß einem Kriegsgerichtsurteil der UdSSR durch ein aufgrund von Kriegsverbrechen zum Tode verurteilt. Anfang Januar 1946 in einem Wald 10 km südöstlich von Schwerin erschossen.<ref name="TU" /> Am 4. Juni 1999 wurde er durch den Generalstaatsanwalt der Russischen Föderation rehabilitiert.<ref name="Koerner284">Bernhard Koerner: Deutsches Geschlechterbuch, 2004, Bd. 128, S. 284.</ref>
Schriften[Bearbeiten]
- „Die Stellung der Kriminalpolizei im strafprozessualen Ermittlungsverfahren und ihr Verhältnis zur Justiz“, in: Pol 25 (1928), S. 440–444 und 483–486.
Literatur[Bearbeiten]
- Paul B. Brown: „The Senior Leadership Cadre of the Geheime Feldpolizei 1939–1945“, in: Holocaust and Genocide Studies 17, 2003, S. 278–304.
- Reinhard Rürup: Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt, 1989.
- Andreas Weigelt, Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner (Hrsg.): Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947). Eine historisch-biographische Studie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, ISBN 978-3-525-36968-5, S. 538–539.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rassow, Ernst |
| ALTERNATIVNAMEN | Rassow, Ernst Erich Viktor (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Polizist |
| GEBURTSDATUM | 27. Dezember 1898 |
| GEBURTSORT | Berlin |
| STERBEDATUM | 4. Januar 1946 |
| STERBEORT | bei Schwerin |
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- Hingerichtete Person (Sowjetische Besatzungszone)
- SMT-Verurteilter
- Person (Reichssicherheitshauptamt)
- Person (Reichskriminalpolizeiamt)
- Militärperson (Heer der Wehrmacht)
- Person im Zweiten Weltkrieg (Deutsches Reich)
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