Ernst Wilhelm Just
Ernst Wilhelm Just (* 8. Oktober 1865 in Dresden; † 27. Dezember 1945 ebenda) war ein Jurist im sächsischen Staatsdienst. Von 1898 bis 1900 wirkte er als Professor für Bergrecht und Allgemeine Rechtskunde an der Bergakademie Freiberg.
Leben und Wirken[Bearbeiten]
Ernst Wilhelm Just war der älteste Sohn des späteren Landgerichtspräsidenten Heinrich Wilhelm Just (1836–1896)<ref>Heinrich Wilhelm Just im Stadtwiki Dresden</ref> und dessen Ehefrau Helene Marie, geb. Weinlig (1840–1923). Er heiratete am 23. November 1894 Anna Bertha, geb. Schmitz (1871–1945), Tochter des Dresdner Kaufmanns Peter Samuel Schmitz (1829–1921), mit der er vier Kinder hatte.<ref>Herbert Kaden: 150. Geburtstag Ernst Wilhelm Just. In: ACAMONTA, Zeitschrift für Freunde und Förderer der TU Bergakademie Freiberg. 22/2015, S. 168</ref>
Er besuchte die Bürgerschule in Zwickau und ab 1876 Gymnasien in Zwickau, Dresden und Freiberg, wo er im Frühjahr 1885 die Reifeprüfung ablegte. Danach leistete er den Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger beim 10. Königlich Sächsischen Infanterieregiment Nr. 134 ab.<ref>Herbert Kaden: Ernst Wilhelm Just 1865–1945. Juristischer Rat am Bergamt Freiberg, Professor für Bergrecht und Allgemeine Rechtskunde sowie Ministerialdirektor im Sächsischen Finanzministerium. Freiberg, 2016, S. 3ff.</ref> Als Oberleutnant a. D. wurde er zu Beginn des Weltkriegs für unabkömmlich erklärt.<ref name="Schiffner">Ernst Wilhelm Just. In: Carl Schiffner: Aus dem Leben alter Freiberger Bergstudenten und der Lehrkörper der Bergakademie. 3. Band. Freiberg, 1940, S. 190–193</ref>
An der Universität Leipzig war er von Mai 1886 bis Juli 1889 zum Studium der Rechtswissenschaft eingeschrieben.<ref name="Schiffner" /> Während seines Studiums wurde er Mitglied der Landsmannschaft Grimensia Leipzig.<ref>Berthold Ohm und Alfred Philipp (Hrsg.): Anschriftenverzeichnis der Alten Herren der Deutschen Landsmannschaft. Teil 1. Hamburg 1932, S. 170.</ref> Sein erstes juristisches Staatsexamen bestand er mit „Sehr gut“ und, nach vorbereitenden Praktika zum Richterdienst, im Dezember 1893 das zweite Staatsexamen mit „Ganz vortrefflich“.<ref>Herbert Kaden: Ernst Wilhelm Just 1865–1945. Juristischer Rat am Bergamt Freiberg, Professor für Bergrecht und Allgemeine Rechtskunde sowie Ministerialdirektor im Sächsischen Finanzministerium. Freiberg, 2016, S. 6f.</ref>
Berufliche Laufbahn[Bearbeiten]
Seine berufliche Laufbahn begann er als Hilfsrichter beim Amtsgericht Limbach/Vogtland.<ref>Herbert Kaden: Ernst Wilhelm Just 1865–1945. Juristischer Rat am Bergamt Freiberg, Professor für Bergrecht und Allgemeine Rechtskunde sowie Ministerialdirektor im Sächsischen Finanzministerium. Freiberg, 2016, S. 8</ref> Im Mai 1895 wurde er dem Landgericht Freiberg beigeordnet und dort im Juli 1897 zum Landrichter ernannt. Im August 1898 wurde er zum juristischen Rat des Bergamts Freiberg und zum ordentlichen Professor für Bergrecht an der Bergakademie berufen.<ref>Herbert Kaden: Ernst Wilhelm Just 1865–1945. Juristischer Rat am Bergamt Freiberg, Professor für Bergrecht und Allgemeine Rechtskunde sowie Ministerialdirektor im Sächsischen Finanzministerium. Freiberg, 2016, S. 10–12</ref> Im April 1900 wechselte er in die Abteilung I des Sächsischen Finanzministeriums, wo er mit Steuerangelegenheiten, später mit Etat- und dem Entwurf von Gesetzesvorlagen befasst war. Dort ernannte man ihn 1904 zum Geheimen Finanzrat und Vortragenden Rat.<ref name="Schiffner" />
Zum 1. Juli 1917 wurde er zum Ministerialdirektor und Leiter der II. Abteilung des Sächsischen Finanzministeriums ernannt.<ref>Kalender für den sächsischen Staatsbeamten. 1918, S. 8.</ref> Zum Geschäftsbereich dieser Abteilung gehörten die Staatsbetriebe – die Staatlichen Berg- und Hüttenwerke in Freiberg, die Porzellanmanufaktur Meißen, die Hochbauverwaltung, das Straßen- und Wasserbauwesen, die Domänen und Staatsforsten und die Hochschulen – Universität Leipzig, Technische Hochschule Dresden, Bergakademie Freiberg, Forsthochschule Tharandt. Später kamen die Staatliche Energieversorgung und der Kraftwagenverkehr hinzu.<ref name=Kaden15>Herbert Kaden: Ernst Wilhelm Just 1865–1945. Juristischer Rat am Bergamt Freiberg, Professor für Bergrecht und Allgemeine Rechtskunde sowie Ministerialdirektor im Sächsischen Finanzministerium. Freiberg, 2016, S. 15</ref>
1929 trat er in den Ruhestand.<ref name="Schiffner" /> Er behielt aber verschiedene Ämter in Verwaltungs- und Aufsichtsratgremien sächsischer Staatsunternehmen, die zum Geschäftsbereich der bisher von ihm geleiteten Ministerialabteilung gehörten, insbesondere den Verwaltungs- und Aufsichtsratsvorsitz der AG Sächsische Werke (ASW), der Kraftverkehrsgesellschaft Freistaat Sachsen (KVG) und andere. Diese Ämter wurden ihm nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten entzogen. Hingegen blieb er Vorstandsmitglied der Lingner-Stiftung und Schatzmeister des Deutschen Hygiene-Museums.<ref>Vgl. dazu Müller u. a.: Ernst Wilhelm Just 1865–1965. Zum 100. Geburtstag von Dr. Ernst Wilhelm Just. Neuenhaus/Emsland; Dresden, 1966, S. 27 (Dieser Bericht stammt von Dr. Georg Seiring, ehem. Direktor des Deutschen Hygiene-Museums)</ref> Verstärkt widmete er sich im Ruhestand der Familienforschung.<ref>Ernst Wilhelm Just: Aus dem Leben unserer Vorfahren. Eine Familiengeschichte. Gebhardt’s Verlag Leipzig, 1939</ref>
Leistungen[Bearbeiten]
Während seiner Zeit in der I. Abteilung verfasste er eine aufsehenerregende Denkschrift der Länder Baden und Sachsen gegen die Einführung von Reichsteuern auf den Schiffsverkehr auf den freien deutschen Strömen Aufsehen.<ref name="Schiffner" />
Nachdem Kaiser Wilhelm II. 1899 den Technischen Hochschule das Promotionsrecht verliehen hatte, regte er an, auch der Bergakademie Freiberg dieses Recht zu gewähren. Dies erfolgte 1905 durch Friedrich August III, mit der Auflage, dass die mündliche Prüfung an der TH Dresden abzulegen ist. Die endgültige Übertragung an Freiberg erfolgte 1921. Als Dank zeichnete das Rektorat der Bergakademie ihn am 1. März 1921 als ersten mit der Würde des „Dr.-Ingenieur ehrenhalber“ aus.<ref name="Kaden15" />
Just hatte früh Beziehungen zu dem Unternehmer und Philanthropen Karl August Lingner. Die Lingner-Werke erzeugten Hygieneprodukte (Odol, Chlorodont). Der Multimillionär organisierte 1911 die vom Sächsischen Staat geförderte 1. Internationale Hygieneausstellung in Dresden.<ref>Vgl. dazu Müller u. a.: Ernst Wilhelm Just 1865–1965. Zum 100. Geburtstag von Dr. Ernst Wilhelm Just. Neuenhaus/Emsland; Dresden, 1966, S. 26 (Dieser Bericht stammt von Dr. Georg Seiring, ehem. Direktor des Deutschen Hygiene-Museums)</ref>
In der Folge wurde 1912 das Deutsche Hygiene-Museum gegründet. Den Bau des 1930 fertiggestellten Museums, der im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und wieder aufgebaut wurde, förderte das Sächsische Finanzministerium. Lingner berief Just zum Mit-Testamentsvollstrecker. Nach Lingners Tod (1916) reisten Georg Seiring, später Direktor des Hygiene-Museums in Dresden, und Just in die Schweiz, um das von Lingner restaurierte Schloss Tarasp (Graubünden), das dieser dem Sächsischen König vermacht hatte, zu begutachten. Er empfahl seinem Landesherrn, das Erbe auszuschlagen, weil eine zeitweilige Wohnpflicht testamentarisch gefordert war.
1912 beschloss der Börsenverein der Deutschen Buchhändler, eine Sammlung deutschsprachiger Literatur zu schaffen. Der Sächsische Staat zusammen mit der Reichsregierung und der Stadt Leipzig stellte sich als Bauherr der Deutschen Bücherei zur Verfügung. Die Federführung für Planung und Ausführung lag beim Sächsischen Finanzministerium in der Hochbauabteilung (Architekt Oskar Pusch) und für finanzielle und juristische Fragen bei der II. Abteilung mit Ministerialrat Ernst Wilhelm Just. Der Bibliotheksbau entstand in den Kriegsjahren 1914/15.
Das Finanzministerium in Dresden förderte frühzeitig die langfristige Energieversorgung Sachsens durch Erschließung der sächsischen Braunkohlenlagerstätten durch Bodenuntersuchungen und Landerwerb. Nach dem von Just finanziell und politisch geförderten Zusammenschluss des Braunkohlentagebaus im Nordwestsächsischen und Oberlausitzer Revier (Bedir) mit den Kraftwerken (Eldir) übernahm Hermann Eugen Müller 1916/17 als Generaldirektor im Staatsdienst die Gesamtverantwortung. 1923 brachte der Freistaat Sachsen die Bergbau- und Elektrizitätsunternehmen mit dem Grundbesitz in die vollständig im Staatsbesitz verbleibende Aktiengesellschaft Sächsische Werke (ASW) ein.
1924 wurde mit Förderung durch Just im Sächsischen Finanzministerium und der seit 1918 bestehenden Braunkohlenstiftung das Staatliche Braunkohlen-Forschungsinstitut (heute: Deutsches Brennstoffinstitut) gegründet. Hauptaufgaben des Institutes waren zunächst die Braunkohlenbrikettierung und -verflüssigung.
In der Zeit der Weimarer Republik diente Just insgesamt neun verschiedenen Ministern, was die Kontinuität seiner Arbeiten beeinträchtigte. Jedoch zeigte er auch in schwierigen Situationen Zivilcourage und Verantwortungsbewusstsein. Als ein Minister dem für die staatlichen Bauvorhaben verantwortlichen Architekten Oskar Pusch ein Disziplinarverfahren wegen Insubordination androhte, das ungerechtfertigt war, schlug er dem Minister vor, ihn selbst in das Disziplinarverfahren einzuschließen, woraufhin der Minister einlenkte.<ref>Vgl. dazu Müller (u. a.): Ernst Wilhelm Just 1865–1965. Zum 100. Geburtstag von Dr. Ernst Wilhelm Just. Neuenhaus/Emsland. Dresden; 1966, S. 39 (Dieser Bericht stammt von Oskar Pusch, ehem. Architekt und Baurat im Sächsischen Finanzministerium)</ref>
Ehrungen[Bearbeiten]
- Verleihung der Ehrendoktorwürde zum Dr.-Ing. E.h. am 10. März 1921 durch die Bergakademie Freiberg
- Ernennung zum Ehrensenator der Technischen Hochschule Dresden (1928)
- Ernennung zum Ehrensenator der Forsthochschule Tharandt (1928)
- Ernennung zum Ehrenmitglied der Braunkohlenstiftung an der Bergakademie Freiberg
Literatur[Bearbeiten]
- Ernst Wilhelm Just: Aus dem Leben unserer Vorfahren. Eine Familiengeschichte. Gebhardt’s Verlag Leipzig, 1939
- Carl Schiffner: Aus dem Leben alter Freiberger Bergstudenten. Bd. 3. Freiberg, 1940, S. 190 und Ergänzungsband, Essen, 1971, S. 405
- Oskar Pusch und Hermann Eugen Müller: Gedenkschrift zum 100. Geburtstag, Dresden 1966
- Herbert Kaden: 150. Geburtstag Ernst Wilhelm Just. In: ACAMONTA, Zeitschrift für Freunde und Förderer der TU Bergakademie Freiberg. 22/2015, S. 168–169
- Hartmut Schleiff, Roland Volkmer, Herbert Kaden: Catalogus Professorum Fribergensis: Professoren und Lehrer der TU Bergakademie Freiberg 1765 bis 2015. Freiberg, 2015, ISBN 978-3-86012-492-5, S. 91
- Herbert Kaden: Ernst Wilhelm Just 1865–1945. Juristischer Rat am Bergamt Freiberg, Professor für Bergrecht und Allgemeine Rechtskunde sowie Ministerialdirektor im Sächsischen Finanzministerium. Freiberg, 2016. Historische Schriftenreihe des Universitätsarchivs Freiberg, Heft 9 (2016)
- Ernst Wilhelm Just: Freiheitskrieg und Bürgerkrieg. Dresdner Geschichtsblätter, Jahrgang 1938, Heft 1.
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Just, Ernst Wilhelm |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Jurist |
| GEBURTSDATUM | 8. Oktober 1865 |
| GEBURTSORT | Dresden |
| STERBEDATUM | 27. Dezember 1945 |
| STERBEORT | Dresden |
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- Rechtswissenschaftler (20. Jahrhundert)
- Rechtswissenschaftler (19. Jahrhundert)
- Ministerialdirektor (Sachsen)
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- Richter (deutsche Geschichte)
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