Erwin Menny
Erwin Menny (* 18. August 1893 in Saarburg; † 6. Dezember 1949 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Generalleutnant im Zweiten Weltkrieg.
Leben[Bearbeiten]
Erwin Menny war ein Sohn des Verwaltungsbeamten Max Menny. Er trat Mitte 1912 in das 3. Badische Dragoner-Regiment „Prinz Karl“ Nr. 22 der Preußischen Armee ein und avancierte am 17. Februar 1914 mit Patent vom 21. Februar 1912 zum Leutnant.<ref>Georg Bahls: Das 3. Badische Dragoner-Regiment Prinz Karl Nr. 22. Bernard & Graefe, 1934, S. 126 (google.de [abgerufen am 19. Mai 2020]).</ref> Er nahm am Ersten Weltkrieg teil und wurde mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes sowie dem Ritterkreuz II. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen mit Schwertern ausgezeichnet.<ref name=":2" />
Nach Ende des Krieges wechselte er in die Reichswehr,<ref name=":1">Peter Lieb: Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44. Walter de Gruyter, 2012, ISBN 978-3-486-70741-0, S. 541 (google.de [abgerufen am 19. Mai 2020]).</ref> 1932 im 18. Reiter-Regiment.<ref name=":2">Rangliste des deutschen Reichsheeres. E. S. Mittler & Sohn., 1932, S. 133 (google.de [abgerufen am 19. Mai 2020]).</ref> In der Wehrmacht wirkte er, seit 1937 Oberstleutnant, als Kommandeur in verschiedenen Einheiten, u. a. mit der Beförderung zum Oberst<ref>Militär-Wochenblatt. E. S. Mittler., 1940, S. 15 (google.de [abgerufen am 19. Mai 2020]).</ref> 1939/40 des neu aufgestellten Schützen-Ersatz-Regiments 81 und 1940/41 des ebenfalls neu aufgestellten Schützen-Regiments 69.
Anschließend wurde Menny Kommandeur der 15. Schützen-Brigade bei der 15. Panzer-Division. Diese stand unter dem Befehl des Deutschen Afrikakorps. Nachdem Generalleutnant Walter Neumann-Silkow tödlich verwundet wurde, war Menny für einige Tage zusätzlich mit der Führung der 15. Panzer-Division beauftragt.<ref>Samuel W. Mitcham Jr: Panzer Legions. A Guide to the German Army Tank Divisions of World War II and Their Commanders. Stackpole Books, 2006, ISBN 978-1-4617-5143-4, S. 125 (google.de [abgerufen am 19. Mai 2020]).</ref> Er wurde am 26. Dezember 1941 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet<ref>Veit Scherzer: Ritterkreuzträger 1939–1945. Die Inhaber des Eisernen Kreuzes von Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine, Waffen-SS, Volkssturm sowie mit Deutschland verbündete Streitkräfte nach den Unterlagen des Bundesarchivs. 2. Auflage, Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 537.</ref> und nahm in der Folge am Unternehmen Theseus und der Eroberung von Tobruk teil. Anfang April 1942 wurde er zum Generalmajor befördert. Im Juli 1942 kehrte er nach Deutschland zurück.<ref>Volkmar Kühn: Mit Rommel in der Wüste. Kampf und Untergang des Deutschen Afrika-Korps 1941–1943. Motorbuch Verlag, 1975, S. 219 (google.de [abgerufen am 19. Mai 2020]).</ref>
Von Mitte September 1942 bis wohl Ende 1942 war er Kommandeur der 18. Panzer-Division.<ref>Samuel W. Mitcham Jr: Panzer Legions: A Guide to the German Army Tank Divisions of World War II and Their Commanders. Stackpole Books, 2006, ISBN 978-1-4617-5143-4, S. 145 (google.de [abgerufen am 19. Mai 2020]).</ref> Als Kommandeur der 387. Infanterie-Division war er von Mai bis Mitte Juli 1943 als Vertretung für Generalmajor Eberhard von Schuckmann tätig.<ref>Samuel W. Mitcham: German Order of Battle: 291st-999th Infantry divisions, named infantry divisions, and special divisions in World War II. Stackpole Books, 2007, ISBN 978-0-8117-3437-0, S. 89 (google.de [abgerufen am 19. Mai 2020]).</ref> Anschließend war er bis zur Auflösung Anfang November 1943 Kommandeur der 333. Infanterie-Division.<ref name=":0">Samuel W. Mitcham: German Order of Battle: 291st-999th Infantry divisions, named infantry divisions, and special divisions in World War II. Stackpole Books, 2007, ISBN 978-0-8117-3437-0, S. 40 (google.de [abgerufen am 19. Mai 2020]).</ref> Er befehligte den Rückzug der Division nach Saporoschje am Dnepr. Im Oktober 1943, Anfang Oktober 1943 zum Generalleutnant befördert,<ref name=":0" /> war er zusätzlich in Vertretung für Generalleutnant Erwin Rauch Kommandeur der 123. Infanterie-Division<ref>Samuel W. Mitcham: German Order of Battle: 1st-290th Infantry divisions in World War II. Stackpole Books, 2007, ISBN 978-0-8117-3416-5, S. 177 (google.de [abgerufen am 19. Mai 2020]).</ref> und anschließend wieder für nicht mal einen Monat Kommandeur der 72. Infanterie-Division. Er gab zum 20. November 1943 das Kommando an Oberst Hermann Hohn ab.<ref>Samuel W. Mitcham: German Order of Battle: 1st-290th Infantry divisions in World War II. Stackpole Books, 2007, ISBN 978-0-8117-3416-5, S. 123 (google.de [abgerufen am 19. Mai 2020]).</ref> Im Zeitraum vom September 1942 bis November 1943 war er an der Ostfront eingesetzt.<ref name=":1" />
Vom 10. Februar 1944 an war er Kommandeur der neu aufgestellten 84. Infanterie-Division, mit welcher er an der Westfront kämpfte. In dieser Position wurde er am 21. August 1944 im Kessel von Falaise gefangen genommen<ref>Samuel W. Mitcham: German Order of Battle: 1st-290th Infantry divisions in World War II. Stackpole Books, 2007, ISBN 978-0-8117-3416-5, S. 142 (google.de [abgerufen am 19. Mai 2020]).</ref> und ging in kanadische, später britische, Kriegsgefangenschaft.<ref name=":1" /> In britischer Gefangenschaft kam er nach Trent Park. 1947/48 wurde er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und starb 1949 in Freiburg.
Dokumentation aus der Kriegsgefangenschaft[Bearbeiten]
Während seiner Zeit in Russland 1943 setzte Menny Disziplin in seiner Einheit auch durch standrechtliche Erschießungen durch. So ließ er einige Soldaten, die ihre Position an der Front während eines russischen Angriffs verlassen hatten, auf der Stelle hinrichten und stellte damit dann in den darauffolgenden Tagen laut eigener Aussage die Disziplin wieder so her, dass die eigene Frontlinie dadurch wieder stabilisiert wurde.<ref>Sönke Neitzel, Harald Welzer: Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben. Fischer Taschenbücher 2012, ISBN 3-5961-8873-3.</ref>
Erwin Mennys Meinung über die Pflicht eines Generals, im Krieg unter keinen Umständen aufzugeben, wurden belegt durch seine Tagebuch-Notizen in US-Kriegsgefangenschaft aus dem November 1944:
„Dennoch bin ich erschüttert, wie wenige von den über 40 Generälen, die ich in der Gefangenschaft kennenlernte, persönlich bis zum Letzten gekämpft haben. Es ist doch einfach selbstverständlich, dass jeder Soldat und natürlich vor allem ein General alles, auch das Aussichtslose noch versucht. Wer Glück hat, dem gelingt auch das Unmögliche. Wie oft bin ich mit meinen Männern aus Kesseln und anderen verzweifelten Lagen herausgekommen, obwohl wir alle längst mit dem Leben abgeschlossen hatten. Und dass ich dieses Mal allein mit zwei Herren nach schwersten Kämpfen unverwundet übrigblieb, das war ein Zufall oder fast ein Wunder. Ich kann darauf verzichten, vom Feind bewundert zu werden, aber es ist mir doch lieber, dass die englischen Zeitungen von mir schreiben, ich hätte mich verbissen und mit unglaublicher Zähigkeit bis zum Äußersten gewehrt und hätte den Tod gesucht, um der Gefangenschaft zu entgehen. Ich werde niemals verstehen können, wie ein General ‚kapitulieren‘ kann.“<ref name="welzer706">Sönke Neitzel, Harald Welzer: Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben. Fischer Taschenbücher 2012, ISBN 3-5961-8873-3, S. 706.</ref>
Er notierte ebenso, dass er sich weigerte mit erhobenen Händen in die Kriegsgefangenschaft zu gehen.<ref name="welzer706"/> In seinem Tagebuch vermerkte er auch, dass er, weil er nun im Gefangenschaft war, keine Möglichkeit mehr auf das begehrte Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes hätte.
In der Kriegsgefangenschaft wurden auch seine Gespräche mit anderen Generälen aufgezeichnet. Seinem ehemaligen Vorgesetzten Erwin Rommel sprach er mehrfach u. a. die militärisch-fachlichen Fähigkeiten ab.<ref>Peter Lieb: Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44. Walter de Gruyter, 2012, ISBN 978-3-486-70741-0, S. 90 (google.de [abgerufen am 19. Mai 2020]).</ref> Ebenso berichtet er über die Erschießung von kanadischen Soldaten durch die Waffen-SS.<ref>Peter Lieb: Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44. Walter de Gruyter, 2012, ISBN 978-3-486-70741-0, S. 170 (google.de [abgerufen am 19. Mai 2020]).</ref>
Sein Nachlass mit u. a. den Tagebüchern ist im Bundesarchiv archiviert.
Literatur[Bearbeiten]
- Wolfgang Keilig: Das deutsche Heer. 1939–1945. Band 3, Podzun, 1956, S. 217.
- François de Lannoy, Josef Charita: Panzertruppen. Casemate Pub & Book, 2001, S. 77.
- Samuel W. Mitcham Jr: The Panzer Legions. A guide to the German Army Tank Divisions of WWII and their Commanders. Stackpole Military History, 2007, ISBN 978-0811733533, S. 147.
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references/>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Menny, Erwin |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Generalleutnant im Zweiten Weltkrieg |
| GEBURTSDATUM | 18. August 1893 |
| GEBURTSORT | Saarburg |
| STERBEDATUM | 6. Dezember 1949 |
| STERBEORT | Freiburg im Breisgau |
- Wikipedia:Seite mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:LCCN in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Generalleutnant (Heer der Wehrmacht)
- Major (Reichswehr)
- Kommandeur einer Infanterie-Division (Heer der Wehrmacht)
- Kommandeur einer Panzer-Division (Heer der Wehrmacht)
- Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich)
- Person im Zweiten Weltkrieg (Deutsches Reich)
- Träger des Ordens vom Zähringer Löwen (Ritter II. Klasse)
- Träger des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes
- Deutscher Kriegsgefangener von Kanada
- Deutscher Kriegsgefangener der Briten
- Deutscher Kriegsgefangener der Vereinigten Staaten
- Person (Lothringen)
- Deutscher
- Geboren 1893
- Gestorben 1949
- Mann