Ettore Bastico
Ettore Bastico (* 9. April 1876 in Bologna; † 2. Dezember 1972 in Rom) war ein hochrangiger Offizier des italienischen Heeres, der sowohl im Ersten Weltkrieg wie auch im Spanischen Bürgerkrieg und im Zweiten Weltkrieg in wichtigen Führungspositionen tätig war. Während des Zweiten Weltkrieges war er im Kontex des Afrikafeldzuges ab Juni 1941 Oberbefehlshaber der italienischen Streitkräfte in Nordafrika sowie Generalgouverneur von Italienisch-Libyen. Im August 1942 wurde Bastico zum Marschall von Italien ernannt. Nach Kriegsende 1945 war Bastico unter anderem als Militärhistoriker tätig. Er starb 1972 in Rom.
Militärische Laufbahn[Bearbeiten]
Bastico wurde am 9. April 1876 als Kind von Achille und Matilde Roisecco in Bologna geboren. Im Jahr 1894 trat er als Offiziersanwärter seine Ausbildung zum Offizier an der Militärakademie in Modena an. Diese Ausbildung schloss er im Oktober 1896 als Unterleutnant erfolgreich ab.<ref name="BiograficoBastico">Giorgio Rochat: Bastico, Ettore. Dizionario Biografico degli Italiani – Volume 34, 1988, abgerufen am 18. September 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Er diente in den folgenden Jahren beim 30. Bersaglieri-Regiment und wurde 1899 zum Leutnant befördert. Zwischen 1902 und 1905 besuchte er die Kriegsschule des Heeres in Turin (Scuola di Guerra),<ref name="BiograficoBastico" /> die er 1905 im Rang eines Oberleutnant verließ.<ref name="Piekałkiewicz21">Janusz Piekałkiewicz: Der Wüstenkrieg in Afrika 1940–1943. Bechtermünz Verlag, Augsburg 1999, S. 21.</ref>
Zwischen 1910 und 1913 war Bastico dem 2. Bersaglieri-Regiment in Rom zugeteilt. Mit diesem nahm er 1912 am Italienisch-Türkischen Krieges (1911–1912) teil, dabei befehligte er zeitweilig eines der ersten Luftschiffe in einem militärischen Aufklärungseinsatz über Tripolitanien.<ref name="Piekałkiewicz21" />
Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit[Bearbeiten]
Nach dem Eintritt Italiens in den Ersten Weltkrieg im Mai 1915, wurde Bastico (der im Oktober 1915 zum Major befördert worden war) ab Mai 1916 an der Front in Nordostitalien und in Venetien (siehe Gebirgskrieg 1915–1918) in Generalstabsaufgaben eingesetzt. Bis Kriegsende 1918 diente er unter anderem und wechselnd als Stabschef der 25., 28. und 50. italienischen Infanteriedivision. Für seine Verdienste erhielt er 1918 neben der silbernen Tapferkeitsauszeichnung (Ricompense al valor militare) auch das italienische Kriegsverdienstkreuz sowie das französische Croix de guerre.<ref name="BiograficoBastico" />
Nach Kriegsende 1918 arbeitete Bastico bis 1923 als Dozent an der Marineakademie in Livorno<ref name="Piekałkiewicz22">Piekałkiewicz: Der Wüstenkrieg in Afrika 1940–1943, S. 22.</ref> und verfasste in dieser Zeit sein dreibändiges Werk L’evoluzione dell’arte della guerra,<ref group="A">In etwa übersetzbar mit „Die Entwicklung der Kunst des Krieges“. Der erste Band bezieht sich auf die Vergangenheit, der zweite auf das (zum damaligen Zeitpunkt Bastico bekannte) 20. Jahrhundert und der dritte auf den Krieg in der Zukunft.</ref> welches 1924 in Florenz erschien. Das für die damalige Zeit durchaus moderne Werk blieb bis ins Jahr 1940 eine empfohlene Standardlektüre hinsichtlich von Aufnahmeprüfungen an den italienischen Militär- und Marineakademien.<ref name="BiograficoBastico" />
Nachdem Bastico zwischen 1923 und 1927 das 9. Bersaglieri-Regiment befehligt hatte, wurde er am 1. Juni 1928 zum Generalmajor befördert.<ref name="Piekałkiewicz22" /> Im Jahr 1932 erhielt er seine ersten Divisionskommandos – darunter von 1932 bis 1933 das Kommando über die schnelle Division „Eugenio di Savoia“ in Udine –, welche er bis 1935 wahrnahm. Mussolini beauftragte ihn nachfolgend im Jahr 1935 mit der Aufstellung der ersten faschistischen „Schwarzhemdendivision“ (1ª Divisione CC.NN. „23 Marzo“),<ref name="Piekałkiewicz22" /> mit welcher Bastico 1935/36 am Abessinienkrieg teilnahm. Während des Abessinienkrieges befehligte er im Februar 1936 auch das III. Armeekorps,<ref name="Piekałkiewicz22" /> mit welchem er die für Italien erfolgreich verlaufende zweite Tembienschlacht bestreiten konnte.<ref name="BiograficoBastico" />
Im Frühjahr 1937 wurde Bastico zum Nachfolger von Mario Roatta berufen, dem bisherigen Befehlshaber des im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Nationalisten eingesetzten italienischen Freiwilligenkorps Corpo Truppe Volontarie (CTV), nachdem Roatta nach der empfindlichen Niederlage des CTV in der Schlacht bei Guadalajara seines Postens enthoben worden war. Nach der Umgruppierung der in Spanien stehenden italienischen Truppen gelang es Bastico, mit dem CTV einige Erfolge während des nationalspanischen Feldzuges in Nordspanien zu erzielen, so gelang den Italienern unter anderem die Eroberung von Santander.<ref name="Piekałkiewicz22" /> In der Folge kam es indessen zu Differenzen zwischen Francisco Franco und Bastico, da die Italiener den besiegten Basken vergleichsweise milde Kapitulationsbedingungen zugestanden hatten; unter anderem war vereinbart worden, dass keine Vergeltung geübt werden sollte.<ref name="Beevor305">Antony Beevor: Der spanische Bürgerkrieg. Wilhelm Goldmann Verlag. München 2008, S. 305.</ref> Die Nationalisten erklärten die Kapitulationsvereinbarungen jedoch im Nachgang für ungültig, was die Erschießung von zahlreichen baskisch-republikanischen Kriegsgefangenen durch nationalspanische Truppenteile zur Folge hatte.<ref name="Beevor305" /> Über diese Vorgänge kam es zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Franco und Bastico, weswegen Bastico im Oktober 1937 schließlich von Mussolini wieder nach Italien zurückbeordert wurde,<ref name="BiograficoBastico" /> da Mussolini eine ernste Belastung im Verhältnis zu den Faschisten in Spanien befürchtete.
Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]
Bastico gehörte dem italienischen Senat seit 1939 an.<ref>Bastico, Ettore | ZBW Pressearchive. Abgerufen am 5. September 2022.</ref> Im Dezember 1940, im Alter von 65 Jahren, wurde er Gouverneur der Italienischen Ägäis-Inseln, obgleich er zu diesem Zeitpunkt bereits die Altersgrenze für Offiziere im aktiven Dienst überschritten hatte.<ref name="Piekałkiewicz22" />
Am 10. Juni 1941 ernannte Mussolini Bastico zum Generalgouverneur von Italienisch-Libyen sowie zum Oberbefehlshaber der italienischen Truppen in Nordafrika. Er trat damit die Nachfolge von Italo Gariboldi an. Bastico unterstanden zwei Großverbände: Der erste stand direkt unter seinem Befehl und setzte sich zusammen aus dem italienischen X. Armeekorps in Bengasi, den Standortkommandos von Derna, Barke und Agedabia sowie dem XX. Mobilen Korps (Corpo d'Armata di Manovra) unter General Gastone Gambara, der zugleich Basticos Stabschef war, welches die Panzerdivision „Ariete“ und die motorisierte Division „Trieste“ umfasste.<ref name="BiograficoBastico" /> Der zweite Verband, unter einem gemeinsamen deutsch-italienischen Kommando, bestand aus dem Deutschen Afrikakorps (ab September 1941 Panzerarmee Afrika) unter dem General der Panzertruppen Erwin Rommel sowie den italienischen Divisionen „Brescia“, „Pavia“ und „Bologna“, später auch „Trento“. Formal waren damit Rommel und das Deutsche Afrikakorps Bastico in der Befehlshierarchie untergeordnet.<ref name="Piekałkiewicz22" />
Gleichwohl brachte diese Konstellation Spannungsmomente mit sich, da Rommel trotz aller Führungsqualitäten dazu neigte, Anweisungen höherer Stellen (dies betraf allerdings nicht nur italienische, sondern auch höhere deutsche Dienststellen) bei Bedarf zu ignorieren. Da Rommel teils eigenmächtig Entscheidungen traf ohne Rücksprache mit Bastico,<ref name="BiograficoBastico" /> der hinsichtlich der Kommandohierarchien stark konservative Ansichten vertrat, hatten beide Truppenführer wiederholt heftige Auseinandersetzungen,<ref name="Piekałkiewicz22" /> die Bastico auch den Spitznamen „Bombastico“ einbrachten. Rommel selbst bezeichnete Bastico als „schwierig“ und „autokratisch“ und soll angeblich sowohl Bastico als auch seinen Stabschef Gambara als „Scheißkerle“ beschimpft haben.<ref>David Irving: La pista della volpe. Mondadori. Milano 1978, S. 136.</ref> Nach Rommels Beförderung zum Generalfeldmarschall nach der Einnahme Tobruks im Rahmen des Unternehmens Theseus im Sommer 1942, ernannte Mussolini Bastico am 12. August 1942 zum Marschall von Italien, um somit eine gewisse Gleichstellung zu bewirken.
Nach der verlorenen zweiten Schlacht bei El Alamein und dem Verlust von Libyen verlor Bastico am 5. Februar 1943 seine Posten und wurde nach Italien zurückgerufen. Bis zum Ausscheiden Italiens aus dem Krieg im Herbst 1943 erhielt er kein neues Kommando. Er lebte bis zum Kriegsende in Europa im Mai 1945 in Rom, hielt sich aber weitgehend abgetaucht im Hintergrund auf und überstand die Wirren der letzten Kriegsjahre sowie die unmittelbare Nachkriegszeit unbeschadet.
Nachkriegszeit[Bearbeiten]
Nach dem Krieg betätigte sich Ettore Bastico als Militärhistoriker. Bastico starb 1972 im Alter von 96 Jahren im Militärkrankenhaus Celio in Rom.
Literatur[Bearbeiten]
- Giorgio Rochat: Bastico, Ettore. In: Massimiliano Pavan (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 34: Primo supplemento A–C. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1988.
Weblinks[Bearbeiten]
- Bàstico, Ettore. In: Enciclopedia on line. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom. Vorlage:Abrufdatum
- Zeitungsartikel über Ettore Bastico in den Historischen Pressearchiven der ZBW
- Veröffentlichungen von Bastico im Opac des Servizio Bibliotecario Nazionale (SBN)
Anmerkungen[Bearbeiten]
<references group="A" />
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
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Vorlage:Klappleiste/Anfang Luigi Cadorna | Armando Diaz | Emanuel Philibert von Savoyen-Aosta | Pietro Badoglio | Enrico Caviglia | Gaetano Giardino | Guglielmo Pecori Giraldi | Emilio De Bono | Rodolfo Graziani | Ugo Cavallero | Ettore Bastico | Umberto II. von Savoyen | Giovanni Messe
Paolo Thaon di Revel (Großadmiral) | Italo Balbo (Luftmarschall) Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang
Gouverneure von Tripolitanien (1911–1933)
Raffaele Borea Ricci d’Olmo |
Carlo Francesco Caneva |
Ottavio Ragni |
Vincenzo Garioni |
Luigi Druetti |
Iulio Cesare Tassoni |
Giovanni Battista Ameglio |
(vakant 1918–1920) |
Luigi Mercatelli |
Giuseppe Volpi |
Emilio De Bono |
Pietro Badoglio
Gouverneure der Cyrenaica (1911–1935)
Ottavio Briccola |
Giovanni Battista Ameglio |
Vincenzo Garioni |
Giacomo De Martino |
Luigi Pinter |
Eduardo Baccardi |
Luigi Bongiovanni |
Ernesto Mombelli |
Attilio Teruzzi |
Domenico Siciliani |
Rodolfo Graziani |
Guglielmo Nasi
Generalgouverneure von Italienisch-Libyen (1934–1943)
Italo Balbo |
Rodolfo Graziani |
Italo Gariboldi |
Ettore Bastico |
Giovanni Messe (geschäftsführend)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bastico, Ettore |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Marschall |
| GEBURTSDATUM | 9. April 1876 |
| GEBURTSORT | Bologna |
| STERBEDATUM | 2. Dezember 1972 |
| STERBEORT | Rom |
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