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Eva Menasse

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Datei:Eva Menasse 2025 BHO-4318.jpg
Eva Menasse (2025)

Eva Menasse (* 11. Mai 1970 in Wien) ist eine österreichische Schriftstellerin und ehemalige Journalistin. Zusammen mit Deniz Yücel war sie bis zum 2. November 2024 Sprecherin des am 10. Juni 2022 gegründeten PEN Berlin.<ref>PEN Berlin Pressemitteilung vom 2. November 2024: Thea Dorn für Eva Menasse, abgerufen am 3. November 2024</ref><ref>Neue Autorenvereinigung Menasse und Yücel führen PEN Berlin an, Tagesschau 10. Juni 2022</ref><ref>Autorenverband: PEN Berlin wählt Deniz Yücel und Eva Menasse zu Vorsitzenden, Die Zeit 10. Juni 2022</ref><ref>Neugründung nach Streit im Schriftstellerverband Eva Menasse und Deniz Yücel führen den neuen PEN Berlin, Der Spiegel (online) 10. Juni 2022.</ref>

Leben[Bearbeiten]

Eva Menasse ist die Tochter des Fußballspielers Hans Menasse<ref>Juraske, Alexander: Hans Menasse. Ein Leben zwischen Wien, London und Hollywood. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, ISBN 978-3-205-20782-5</ref> und Halbschwester des Schriftstellers Robert Menasse. Nach der Matura am Gymnasium Kundmanngasse mit achtzehn Jahren begann sie im Herbst 1988 parallel zum Studium der Germanistik und Geschichte für das Wiener Nachrichtenmagazin Profil zu arbeiten.

Später war sie für die Wochenzeitung Format und ab 1999 für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung tätig. Seit 2003 lebt sie in Berlin-Schöneberg. 2010 hielt sie bei der Verleihung des Hölderlin-Preises an Georg Kreisler die Laudatio, desgleichen bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Margaret Atwood im Oktober 2017.<ref>Eva Menasse hält Friedenspreis-Laudatio. In: boersenblatt.net, 9. August 2017, abgerufen am 9. August 2017.</ref>

Eva Menasse war mit dem Schriftsteller Michael Kumpfmüller verheiratet. Der Ehe entstammt ein Sohn.<ref>Autorenlexikon Literaturport. Abgerufen am 18. September 2017.</ref>

Politisches und gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten]

Eva Menasse schloss sich 2005 im Bundestagswahlkampf der von Günter Grass initiierten Wahlinitiative zugunsten der damaligen rot-grünen Regierung an.<ref>Prominente Wahlkampfhelfer: Ich kann es nun mal nicht lassen</ref> Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 unterstützte sie die SPD und deren Kanzlerkandidaten Martin Schulz.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Prominenter Wahlaufruf für die SPD (Memento vom 31. Januar 2022 im Internet Archive)</ref>

Ende November 2016 gehörte sie zu den Unterstützern der Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union. 2021 gehörte sie zu den Unterzeichnern der Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus.<ref>The Jerusalem Declaration On Antisemitism</ref> Sie bezeichnete die BDS-Kampagne als gescheitert,<ref name="MenasseE-Zeit_(2023)">Heinrich Wefing, Peter Dausend: An Israel spaltet sich die Linke. In: Podcast: Das Politikteil. Zeit Online GmbH, 3. November 2023, abgerufen am 3. Januar 2024.</ref> kritisierte jedoch den BDS-Beschluss des Deutschen Bundestages von 2019.<ref>Eva Menasse: Keine Regierung für alle, in: Die Zeit Nr. 31, 20. Juli 2023, S. 43.</ref><ref name="MenasseE-Zeit_(2023)" /> Im März 2022 war sie eine von 57 Erstunterzeichnern eines Offenen Briefes an Bundeskanzler Olaf Scholz mit dem Appell, schwere Waffen an die Ukraine zu liefern.<ref>Ralf Fücks et al: waffenlieferung-ukraine-offener-brief. In: Zeit Online. Zeit Nr. 19 2022, 4. Mai 2022, abgerufen am 4. Mai 2022 (deutsch).</ref>

2022 äußerte sich Eva Menasse im Streit um den damaligen Präsidenten des PEN-Zentrums Deutschland Deniz Yücel und schrieb von einem „beschämenden Bild“, das der PEN monatelang abgegeben habe.<ref>Eva Menasse: Der neue PEN Berlin: Viel mehr als ein Yücel-Wahlverein. In: FAZ.NET. 20. Juni 2022, abgerufen am 11. Juli 2022.</ref> Sie gehörte danach zu den Mitgründern der alternativen Schriftstellervereinigung PEN Berlin und war von 2022 bis 2024 deren Sprecherin (neben Yücel).<ref>PEN Berlin wählt Deniz Yücel und Eva Menasse zu Vorsitzenden. In: Zeit Online. 10. Juni 2022, abgerufen am 10. Juni 2022.</ref>

2026 war sie eine von 150 Erstunterszeichnern des offenen Briefes Berliner Jüdinnen und Juden für eine soziale und sichere Stadt, der sich gegen instrumentalisierende und pauschalisierende Antisemitismus-Vorwürfe gegen die Partei Die Linke vor der beabsichtigten Regierungsbildung in Berlin wandte, und äußerte sich auch persönlich.<ref>Zynische Instrumentalisierung von Antisemitismus. 150 jüdische Berliner nehmen Linke in Schutz, in Der Tagesspiegel vom 24. September 2026 (online), mit persönlichen Äußerungen von ihr; auch in Jüdische Unterstützung für Linksbündnis, in taz vom 24. September 2026 (online) </ref>

Bei der Preisbegründung zur Verleihung des Ludwig-Börne-Preises 2019 in der Frankfurter Paulskirche an Eva Menasse wurde ihre „Unbestechlichkeit“ hervorgehoben.

Werke[Bearbeiten]

Der Holocaust vor Gericht (2000)[Bearbeiten]

Ihre erste Buchveröffentlichung versammelt ihre Reportagen über den im April 2000 in London abgeschlossenen Prozess um den Holocaust-Leugner David Irving.

Vienna (2005)[Bearbeiten]

Im Jahr 2005 erschien Menasses erster Roman Vienna bei Kiepenheuer & Witsch. In zahlreichen Anekdoten, die manchmal an Friedrich Torbergs Tante Jolesch erinnern, erzählt sie die fiktionalisierte Geschichte ihrer teils katholischen, teils jüdischen Verwandtschaft. Der damals in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorabgedruckte Roman wurde von den einschlägigen deutschen Medien überwiegend positiv, von den österreichischen eher kritisch rezensiert. Im Herbst 2005 stand er in Deutschland und in Österreich auf den Bestseller-Listen. Im April 2005 rangierte das Buch auf Platz 1 der ORF-Bestenliste. Eva Menasse erhielt für Vienna den Rolf-Heyne-Debütpreis 2005.

Quasikristalle (2013)[Bearbeiten]

Eva Menasse beschreibt in ihrem Roman Quasikristalle eine Frau, Xane Molin, deren Leben aus der Sicht ganz verschiedener Personen und nur in einem, dem 7. Kapitel, von ihr selbst erzählt wird.

Dunkelblum (2021)[Bearbeiten]

„Ich wollte keinen historischen Roman schreiben, sondern eine paradigmatische Menschheitsgeschichte“, sagt die Autorin im Radio-Interview und bewertet damit die Ereignisse im österreichischen Rechnitz zur Folie für den engen Zusammenhang von NS-Verbrechen und Nachkriegs-Erinnerungskultur. In der burgenländischen Kleinstadt wurden im März 1945 über hundert jüdische Zwangsarbeiter getötet und in ein bis heute nicht lokalisiertes Massengrab geworfen. In der literarischen Aufarbeitung geht es aber nicht um die kriminalistische Klärung der Sachverhalte, sondern durch die Verdichtung ins fiktive ‚Dunkelblum‘ eröffnet sich die Möglichkeit, grundsätzlichere menschliche Verwerfungen zu schildern. Zu diesen gehören die Konflikte um das Verdrängen und Bekämpfen von Versuchen eines angemessenen Gedenkens; dies wird auf der Erzählebene der Jetztzeit ausgebreitet. Ein Amerikaner kommt an die österreichisch-ungarische Grenze. Er hofft nach dem Ende des Kalten Krieges endlich auf Aufklärung zum Schicksal seiner Angehörigen und auf die Identifikation des Massengrabes, um auch persönlich gedenken zu können. Er stellt unangenehme Fragen. Wie auch die Wiener Studierenden, die gegen den Willen der Einwohner den vernachlässigten jüdischen Friedhof instand setzen wollen. Das Massaker reicht damit in die Gegenwart hinein. „Mir ging es um die Darstellung der Gruppe und ihre Dynamik über die Jahrzehnte, nachdem so etwas geschehen ist“, so Eva Menasse, „mir geht es darum, was das mit einer Gemeinschaft macht, mit einer kleinen Stadt, wo jeder jeden kennt, wo jeder ungefähr weiß, wie der andere drauf ist, oder auf welcher Seite er stand im Zweiten Weltkrieg, ob er eher ein Nazi war oder ein Kommunist, oder ein Mitläufer oder vielleicht sogar ein Jude, wie der, der den kleinen Kaufmannsladen betreibt.“ Für die Rezensentin Sigrid Löffler wird damit Dunkelblum zum „bösen österreichischen Anti-Heimatroman“, aber auch zum „sozialen Wimmelbild“.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Radio-Besprechung in Deutschlandfunk Kultur.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 18. August 2021.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Rezensent Sacha Batthyany, der ein Buch über eine am Massaker von Rechnitz mitschuldige Großtante veröffentlicht hat,<ref>Sacha Batthyany: Und was hat das mit mir zu tun? Kiepenheuer & Witsch, Köln 2016, ISBN 978-3-462-04831-5.</ref> sieht in der NZZ am Sonntag ein Epos „über die Wucht der vergangenen hundert Jahre in Österreich und darüber, was diese Zeit für Wunden in den Seelen der Menschen hinterliess“ – einen „wortgewaltigen Anti-Heimatroman ganz in der Tradition anderer Werke österreichischer Autoren, die grobkörniges Salz in ebenjene offenen Wunden streuen und mit grosser Lust dabei zusehen, wie alles gärt und poppt und platzt“.<ref>Sacha Batthyany: Dunkelblum ist überall: Eva Menasse zeigt, wie die NS-Vergangenheit in einem Dorf nachwirkt. NZZ am Sonntag, 21. August 2021, abgerufen am 11. November 2023.</ref>

Rezensent Ijoma Mangold lobt in der Zeit besonders die Sprache, „eine Art literarisches Traum-Österreichisch“. Die Sprache sei Menasses „Schlüssel zu den Köpfen der Protagonisten“. Der Dialekt lasse alles, „auch die gruseligsten Monstrositäten, irgendwie ganz verständlich klingen“. Eva Menasse habe sich des historischen Vorbilds bedient, „um das – man muss es so düster sagen – menschliche Universale daran herauszuarbeiten“. Menasse entgehe außerdem der „Gefahr, aus der komfortablen Position der Nachgeborenen gewissermaßen von oben nach unten zu erzählen“. Für Ijoma Mangold ist dieser Roman insgesamt ein „Geniestreich“.<ref>Ijoma Mangold: Das Grauen im schönsten Dialekt. (Paywall). In: Die ZEIT. 19. August 2021, abgerufen am 23. August 2021.</ref>

Im Mai 2023 wurde eine Dramatisierung des Romanes am Landestheater Niederösterreich in einer Fassung von Anita Buchart und Julia Engelmayer unter der Regie von Sara Ostertag uraufgeführt.<ref name="orf3208599">„Dunkelblum“ zeigt kollektive Verdrängung. In: ORF.at. 25. Mai 2023, abgerufen am 25. Mai 2023.</ref>

Werkübersicht (Auswahl)[Bearbeiten]

Datei:Eva Menasse Daniela Strigl - O-Töne 2026 - BHO-7683.jpg
Eva Menasse bei den O-Tönen 2026 im Gespräch mit Daniela Strigl
  • Die letzte Märchenprinzessin (zusammen mit Elisabeth und Robert Menasse, Illustrator Gerhard Haderer). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997, ISBN 978-3-518-40950-3.
  • Der mächtigste Mann (zusammen mit Elisabeth und Robert Menasse, Illustrator Rudi Klein). Deuticke Verlag, Wien 1998, ISBN 978-3-216-30461-2.
  • Der Holocaust vor Gericht. Der Prozess um David Irving. Siedler Verlag, Berlin 2000, ISBN 978-3-88680-713-0.
  • Vienna. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2005, ISBN 978-3-462-03465-3.
  • Lässliche Todsünden, Erzählungen. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009, ISBN 978-3-462-04127-9.
  • Wien. Küss die Hand, Moderne. Corso, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86260-018-2.
  • Quasikristalle,<ref>Analyse</ref> Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013, ISBN 978-3-462-04513-0.
  • Lieber aufgeregt als abgeklärt,<ref>Helmut Böttiger: Plädoyer für die politische Moral. Deutschlandradio Kultur vom 12. Februar 2015; Rezension</ref> Essays. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2015, ISBN 978-3-462-04729-5.
  • Heimito von Doderer. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2016, ISBN 978-3-422-07351-7.
  • Tiere für Fortgeschrittene. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2017, ISBN 978-3-462-04791-2.
  • Fürchtet euch nicht! Versuch über unsere Ängste. 4. Kamenzer Rede in St. Annen, Kamenz 2017, ISBN 978-3-9817-103-2-8.
  • Gedankenspiele über den Kompromiss. Literaturverlag Droschl, Graz/Wien 2020, ISBN 978-3-99059-066-9.
  • Geborgen am Busen der Musen. Früher oder später bekommt das Museum uns alle. Ein Essay über diesen heiligen und Wunderort. In: Parcours (Bayerische Staatsgemäldesammlungen), 2020, S. 34–37.
  • Dunkelblum, Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2021, ISBN 978-3-462-04790-5.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig KulturZeit-Interview mit der Autorin zum Roman.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 18. August 2021.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
  • Roman und Raum: Wie sich Zeit erzählen lässt. Tübinger Poetik-Dozentur 2021 (zusammen mit Thomas Hettche, hg. v. Dorothee Kimmich und Philipp A. Ostrowicz). Swiridoff, Künzelsau 2022, ISBN 978-3-89929-435-4.
  • Alles und nichts sagen. Vom Zustand der Debatte in der Digitalmoderne. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2023, ISBN 978-3-462-00059-7.<ref>SWR2: Eva Menasse – Alles und nichts sagen. Vom Zustand der Debatte in der Digitalmoderne. 7. Februar 2024, abgerufen am 10. März 2024.</ref>
  • Alleinruhelage, Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2026, ISBN 978-3-462-00262-1.

Eva Menasses Werke wurden unter anderem ins Englische, Französische, Italienische, Niederländische und Hebräische übersetzt.

Preise und Ehrungen[Bearbeiten]

Datei:Eva Menasse Boellpreis 2013 3.jpg
Heinrich-Böll-Preis 2013, überreicht von Jürgen Roters

Literatur und Beiträge[Bearbeiten]

  • Wynfrid Kriegleder: Österreichische Geschichte als Familiengeschichte. Eva Menasses „Vienna“ und Arno Geigers „Es geht uns gut“. In: Gunda Mairbäurl et al. (Hrsg.): Kindheit, Kindheitsliteratur, Kinderliteratur. Studien zur Geschichte der österreichischen Literatur. Praesens, Wien 2010, ISBN 978-3-7069-0644-9, S. 225–238 (Festschrift für Ernst Seibert).
  • Eva Menasse: Im Bann der Sternzeichen. In: Die Zeit. Band 2006, Nr. 52, ZDB-ID 126030-3 (zeit.de).
  • Arien singen hoch und laut, Interview von Dirk von Nayhauß mit Eva Menasse in chrismon, Ausgabe Oktober 2021.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Eva Menasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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