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Eva Szepesi

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Datei:Eva Szepesi auf der Frankfurter Buchmesse 2025-6.jpg
Eva Szepesi (2025)

Eva Szepesi (geboren 29. September 1932<ref name="FNP2">Christine Fauerbach: Die Angst der Eva Szepesi weicht nie. Frankfurter Neue Presse, 5. Februar 2016, abgerufen am 25. Januar 2018.</ref>) in Budapest als Éva Diamant ist eine Holocaust-Überlebende, die als Zeitzeugin in Vorträgen und Büchern über ihr Schicksal berichtet.<ref>Überlebende des Holocaust: Eva Szepesi wurde in Auschwitz bereits für tot gehalten. In: SWR.de. 5. Mai 2022, abgerufen am 21. Januar 2024.</ref>

Leben[Bearbeiten]

Szepesi wuchs in Budapest auf, wo ihre Eltern ein Geschäft für Herrenmode betrieben.<ref name="OP">Allein auf der Flucht vor den Nazis. op-online.de, 12. November 2011, abgerufen am 25. Januar 2018.</ref> Ab dem 5. April 1944 musste ihre Familie den Judenstern tragen.<ref name="Kind">Das Kind wusste nicht, dass der Zug nach Auschwitz fuhr. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. November 2017, abgerufen am 25. Januar 2018.</ref> Der Vater wurde zum Arbeitsdienst in den deutsch besetzten Teil der Sowjetunion geschickt.<ref name="Kind" /> Im Alter von elf Jahren floh Eva Szepesi mit ihrer Tante durch einen Wald in die Slowakei; elf Stunden waren sie zu Fuß unterwegs.<ref name="FNP">"Sie dachten, ich sei tot". Frankfurter Neue Presse, 9. Mai 2017, abgerufen am 25. Januar 2018.</ref><ref name="Kind" /> Ihre Mutter Valéria Diamant und ihr jüngerer Bruder Tamás sollten später nachkommen.<ref name="FNP2" /> Eva Szepesi stellte sich taubstumm, um nicht aufzufallen.<ref name="FNP" /> Die Nationalsozialisten entdeckten jedoch das Versteck und brachten das Mädchen zunächst in ein Sammellager nach Sereď.<ref name="Kind" />

Mit dem letzten Transport wurde Szepesi von dort in einem Viehwaggon ins KZ Auschwitz-Birkenau gebracht, wo sie am 2. November 1944 ankam.<ref name="FNP" /><ref name="Kind" /> Den Verlust einer blauen Strickjacke und ihrer Zöpfe empfand sie bei der Registrierung als besonders schmerzhaft.<ref name="Kind" /> Eine slowakische Aufseherin gab ihr den Hinweis, sich als 16-Jährige auszugeben.<ref name="FNP" /> Das bewahrte Szepesi vor der sofortigen Ermordung in der Gaskammer, weil alle jüngeren Häftlinge als nicht arbeitsfähig angesehen wurden.<ref name="FNP"/> Sie erhielt die Häftlingsnummer A26877.<ref name="Kind" /> Ende Januar 1945 wurde sie nicht auf den Todesmarsch mitgenommen, da sie bereits für tot gehalten wurde, nachdem sie mehr als eine Woche lang ohne Essen und Trinken in der Kälte zwischen Leichen ausgeharrt hatte.<ref name="Kind" /> Bei der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 wurde sie von einem sowjetischen Soldaten gerettet. Damit gehört sie zu den nur rund 400 Personen, die als Kinder die Haft in Konzentrationslagern überlebten, den sogenannten „child survivors“.<ref name="FNP2" />

Nach einer ersten Zeit im Lazarett kehrte Szepesi nach Budapest zurück, wo ihr Onkel sie in einem Kinderheim fand.<ref name="OP" /> Sie lebte bei Onkel und Tante, holte den Schulabschluss nach und absolvierte eine Ausbildung zur Schneiderin.<ref name="Kind" /><ref name="FNP2" /> 1951 heiratete sie Andor Szepesi.<ref name="FNP2" /> Da ihr Mann, ein gelernter Kürschner, eine Stelle in der ungarischen Handelsvertretung bekam, zog das Paar 1954 nach Frankfurt am Main.<ref name="Kind" /> Andor Szepesi starb 1993.<ref name="FNP2" />

Eva Szepesi sprach fünfzig Jahre lang nicht über ihre Erlebnisse in Auschwitz.<ref name="FNP" /> Anlässlich der Veröffentlichung von Steven Spielbergs Spielfilm Schindlers Liste wurde sie 1995 zu einem Interview mit der Shoah Foundation eingeladen.<ref name="FNP" /><ref name="Allein">Mutterseelenallein. Jüdische Allgemeine, 24. Januar 2013, abgerufen am 25. Januar 2018.</ref> Ihre Töchter Judith und Anita überredeten sie, zur Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag der Befreiung nach Auschwitz zu reisen.<ref name="FNP" /><ref name="Allein" /> Dort sprach sie vor Jugendlichen aus der jüdischen Gemeinde erstmals über ihre Zeit im Konzentrationslager.<ref name="Allein" />

Das erste Gespräch in Auschwitz inspirierte Szepesi dazu, sich ab sofort als Zeitzeugin zu engagieren.<ref name="Anne">Interview mit Eva Szepesi. Bildungsstätte Anne Frank, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 26. Januar 2018; abgerufen am 25. Januar 2018.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bs-anne-frank.de</ref> Sie besuchte einen Sprachkurs, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.<ref name="Anne" /> Dabei wurde eine Lehrerin auf ihre Kennzeichnung mit der Häftlingsnummer aufmerksam.<ref name="Anne" /> Seitdem spricht Szepesi an Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen über ihre Lebensgeschichte.<ref name="Anne" /> Außerdem begleitet sie Schulklassen beim Besuch von Gedenkstätten.<ref name="OP" /> 2011 veröffentlichte sie ihre Autobiografie Ein Mädchen allein auf der Flucht.<ref name="FNP" />

Anhand einer Namensliste erhielt sie 2016 bei einem weiteren Besuch in Auschwitz außerdem die Gewissheit, dass ihre Mutter und ihr Bruder damals bereits vor ihrer eigenen Ankunft ermordet worden waren.<ref name="Schäfer">»Verstehen, wie man wegschauen konnte«. Jüdische Allgemeine, 30. November 2017, abgerufen am 25. Januar 2018.</ref> Bei einem Auschwitz-Kongress des Frankfurter Schauspielhauses lernte sie die Autorin und Moderatorin Bärbel Schäfer kennen.<ref name="Schäfer" /> Die beiden Frauen trafen sich mehrmals und sprachen über Szepesis Leben. Daraus entstand das 2017 veröffentlichte Buch Meine Nachmittage mit Eva – Über Leben nach Auschwitz.<ref name="Schäfer" />

Im April 2017 erhielt Szepesi die Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main.<ref>Stadt ehrt Zeitzeugin. Frankfurter Rundschau, 27. April 2017, abgerufen am 25. Januar 2018.</ref> Im November desselben Jahres wurde sie für ihren Einsatz als Zeitzeugin mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet; die hessische Ministerin Lucia Puttrich überreichte ihr die Auszeichnung.<ref>Eine starke Frau. Jüdische Allgemeine, 2. November 2017, abgerufen am 25. Januar 2018.</ref>

Sie sprach als Ehrengast anlässlich des Holocaust-Gedenktages am 31. Januar 2024 im Deutschen Bundestag über ihre Leidensgeschichte und die ihrer Familie. Sie betonte in ihrer Rede, die Shoah habe nicht mit Auschwitz begonnen, sondern „mit Worten“, „mit dem Schweigen und Wegschauen der Gesellschaft“.<ref>Bundestag erinnert an Befreiung des KZ Auschwitz vor 79 Jahren. In: Tagesschau.de. Abgerufen am 15. Mai 2026.</ref> Außerdem wies sie auf den Anstieg des Antisemitismus nach dem Terrorangriff der Hamas auf israelische Zivilisten am 7. Oktober 2023 hin: „Es schmerzt mich, wenn Schüler jetzt wieder Angst haben, in die Schule zu gehen, nur weil sie Juden sind. Es schmerzt mich, wenn meine Urenkelkinder von Polizisten mit Maschinengewehren beschützt werden müssen, nur weil sie Juden sind.“<ref>Holocaust-Gedenken mit Eva Szepesi im Bundestag: „Es war der 27. Januar 1945, und ich lebte“. In: Welt.de. Abgerufen am 15. Mai 2026.</ref>

Werke[Bearbeiten]

  • Eva Szepesi, Babette Quinkert: Ein Mädchen allein auf der Flucht : Ungarn – Slowakei – Polen (1944–1945) (= Bibliothek der Erinnerung. Band 22). 7. Auflage. Metropol, Berlin 2025, ISBN 978-3-86331-005-9.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bärbel Schäfer: Meine Nachmittage mit Eva. Über Leben nach Auschwitz, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2017, ISBN 978-3-579-08685-9.

Dokumentation[Bearbeiten]

  • Zeugin der Zeit: Eva Szepesi. Die Angst weicht nie. Buch und Regie: Michaela Wilhelm-Fischer, BR, 44 Minuten, 2024

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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