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Excelsiorhaus

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Datei:Hochhaus Stresemannstr 74-76.jpg
Das Excelsiorhaus vom nahegelegenen Tempodrom aus gesehen. Links im Vordergrund das Eingangsportal des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Anhalter Bahnhofs.

Das Excelsiorhaus ist ein Wohn- und Geschäftsgebäude im Berliner Ortsteil Kreuzberg in der Stresemannstraße 68–78. Es wurde ab 1965 als Appartementhaus nach New Yorker Vorbild von dem Berliner Architekturbüro Sobotka und Müller geplant<ref>Franz-Heinrich Sobotka, Gustav Müller: Sobotka, Müller. Bauten, Projekte II. (mit einem Vorwort von Udo Kultermann). Wasmuth, Tübingen 1967.</ref> und 1966–1968 für die Excelsior Tankstellen GmbH & Co. KG errichtet.<ref name="so nahe">Thomas Loy: Der Sonne so nah. Berliner Häuser (17). In: Der Tagesspiegel. 10. November 2011, abgerufen am 28. März 2022.</ref> Die Gesellschaft gehörte dem Investor Artur Pfaff.<ref>Landesarchiv Berlin: B Rep. 010, Senatsverwaltung für Wirtschaft. Vorläufiges Findbuch. Öffentliche Fassung für 2006, S. 123. Pfaff als Bauherr in Berlin: Germano Celant: The European Iceberg. Creativity in Germany and Italy today. Art Gallery of Ontario, Toronto 1985, S. 354. Kleihues.com: Lewisham Türme Berlin. 1969, online, abgerufen am 23. März 2017</ref> Die Baukosten beliefen sich nach anfänglichen Finanzierungsschwierigkeiten auf rund 50 Millionen Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 116,1 Millionen Euro).<ref name="brock">Bazon Brock: Im Gehen Preußen verstehen. Ein Kulturlehrpfad der historischen Imagination. In: bazonbrock.de. Kristin Riedemann, 1. Januar 1981, abgerufen am 28. März 2022.</ref> Das Gebäude ist 59,7 m hoch und verfügt über 18 Stockwerke und 33.203 m² Nutzfläche, darunter 506 Wohnungen sowie 39 Gewerbeeinheiten.<ref>Nicolas Berggruen Holdings GmbH. In: berggruenholdings.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 21. Dezember 2016; abgerufen am 16. Dezember 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.berggruenholdings.de</ref> Eigentümer ist seit Sommer 2011 die Holdinggesellschaft des Finanzinvestors Nicolas Berggruen.<ref name="so nahe" /> Der Name bezieht sich auf das Hotel Excelsior, das vor dem Zweiten Weltkrieg an der Stelle stand und als eines der größten Hotels Kontinentaleuropas galt.

Nutzung[Bearbeiten]

Im 16. und 17. Stockwerk des Excelsiorhauses befinden sich Räume für eine gastronomische Einrichtung. Sie sind innen über eine Wendeltreppe miteinander verbunden und über einen gläsernen Außenaufzug zu erreichen, der an der nördlichen Fassade des Gebäudes ohne Zwischenhalt zwischen dem Erdgeschoss und dem 16. Stockwerk verkehrt. Der Panorama-Aufzug war bei der Eröffnung des Excelsiorhauses der erste seiner Art in West-Berlin und galt als Attraktion.<ref name="brock" /> In den ersten Jahren nutzte das kanadische Restaurant Saskatchewan die Räume. Dessen weithin sichtbare Leuchtreklame gab dem Excelsiorhaus zunächst den Spitznamen „Saskatchewan-Hochhaus“.<ref name="entgegen">Judith Jenner: Der Sonne entgegen. In: Der Tagesspiegel. 3. Dezember 2005, abgerufen am 28. März 2022.</ref>

Wegen der Höhe des Gebäudes und der Nähe zur damaligen Berliner Mauer betrieb der US-amerikanische Geheimdienst CIA in den Räumen Berichten zufolge zudem einen Horchposten.<ref name="so nahe" /> Später nutzte die Diskothek Turn Tower die Räume, die sich in den 1980er Jahren insbesondere in der West-Berliner Kunstszene großer Beliebtheit erfreute. Nach mehreren Jahren Leerstand eröffnete in den Räumen im Dezember 2005 die Solar Bar.<ref name="entgegen" />

Im Erdgeschoss des Excelsiorhauses befand sich bis Anfang der 2010er Jahre eine Bundeskegelbahn sowie für kurze Zeit das Café Europa, in dem man auch Autos erwerben konnte.<ref name="brock" /> 2014 eröffnete im Erdgeschoss eine Filiale der Supermarkt-Kette Lidl. Seit 2019 befindet sich in den Kellerräumen das Basement Boulderstudio.

Unter dem Excelsiorhaus wurde 1976 ein Schutzraum für rund 3100 Personen eröffnet.<ref>Peter Neumann: Hans-Joachim Beuke ist für die 23 Luftschutzbunker in Berlin zuständig / Nun geht er in den Ruhestand. Handkurbeln für den Ernstfall. In: Berliner Zeitung. 5. September 2005, abgerufen am 16. Dezember 2016.</ref> Er verfügt über Sanitätsräume, eine Suppenküche, 40 Toiletten und Waschbecken sowie über eine eigene Brunnenanlage in 60 m Tiefe. Das Notstromaggregat wird mit Diesel betrieben und benötigt 50 Liter pro Stunde. Die Tanks fassen bis 27.000 Liter, sodass die Insassen in der Anlage bis zu 14 Tage Schutz finden.<ref>Gerhard Piper: Sicherheit und Kriminalität im Spreebogen. In: Telepolis. Abgerufen am 28. März 2022.</ref>

Besonderheiten[Bearbeiten]

  • Die Metallfenster des Excelsiorhauses öffnen sich nicht wie üblich flügelartig zu beiden Seiten, sondern sind oben und unten in der Mitte befestigt und drehen sich daher um die senkrechte Mittelachse. Die Außenseite der Fenster kann so zum Putzen nach innen gedreht werden, was die Reinigung erheblich erleichtert.<ref name="so nahe" />
  • Seit 2013 befindet sich an der Fassade des Excelsiorhauses zur Stresemannstraße eine Kunstinstallation. Sie besteht aus länglichen Tafeln, die über die Fassade verteilt sind und auf die ein verpixelter Wolkenhimmel aufgedruckt ist.
  • Im Oktober 2017 wurde auf den 51. Hofer Filmtagen die Rommel-Film-Produktion Berlin Excelsior uraufgeführt. Regisseur Erik Lemke – selbst Bewohner des Hauses – konzentriert sich auf den Nachkriegsbau, dessen ständiges Auf und Ab zwischen hochfliegenden Plänen und Zwangsversteigerung durch Archivaufnahmen des SFB im Film angedeutet wird. Porträtiert werden Bewohner des Hauses, „die erfolglos die Glücksversprechen unserer Gesellschaft einzulösen versuchen“,<ref>Filmkritik Berlin Excelsior</ref> wobei die Kamera von André Krummel scheinbar unbemerkt selbst an intimsten Lebenssituationen teilnimmt. Der fast ausschließlich im Excelsiorhaus aufgenommene Dokumentarfilm gehört zu den wenigen Filmen seiner Gattung, die auf Interviews und Off-Kommentar verzichten.
  • Am 2. Juli 2014 kam es im Excelsiorhaus zu einem brutalen Mordfall, der national Aufmerksamkeit erregte.<ref>Stefan Ummenhofer, Nora Steinbrecher: Wahre Verbrechen: Mord im anonymen Hochhaus. 18. Dezember 2021, abgerufen am 18. Juli 2024.</ref> Das Opfer wurde mit 67 Messerstichen getötet.<ref>Er tötete den Neuen der Ex mit 67 Messerstichen. Abgerufen am 28. März 2022.</ref> Nach Medienberichten handelte es sich um eine Beziehungstat.<ref>Jörn Hasselmann: Mord im Kreuzberger Excelsior-Haus aufgeklärt. In: Tagesspiegel Online. 6. Juli 2014, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 28. März 2022]).</ref>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Excelsiorhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Koordinaten: 52° 30′ 14,3″ N, 13° 23′ 2,2″ O

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