Füllwort
Vorlage:Hinweisbaustein Ein Füllwort ist laut Duden ein Wort mit geringem Aussagewert,<ref>Füllwort ▶ Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft | Duden. Abgerufen am 2. April 2026.</ref> das zum Verständnis des Kontextes nicht notwendig ist.<ref>Der große Brockhaus. 18. neu bearbeitete Auflage. Brockhaus, Wiesbaden 1978, Bd. 4, S. 292.</ref> Typische Beispiele sind gar, ja, also und halt.<ref>Eine Liste von Wörtern, die oft als Füllwörter verwendet werden, darunter die genannten, gibt Wolf Schneider: Deutsch für Profis. Wege zu gutem Stil. 2. Auflage. Goldmann, München 1984, ISBN 3-442-11536-1, S. 120–122.</ref>
Beschreibung[Bearbeiten]
Füllwörter können weggelassen werden, ohne die Aussage auf der Sachebene zu verändern. Keine Füllwörter sind Modalpartikeln, die einen Inhalt emotional färben.<ref>Auszug aus Munzinger Online/Duden – Das große Wörterbuch der deutschen Sprache, 4. Auflage, CD-ROM, Bibliographisches Institut GmbH, Berlin 2012.</ref> Füllwörter sind häufig Teil der phatischen Kommunikation. Sie können zur Verbesserung des Sprachflusses eingesetzt werden. Ungezielt oder übermäßig eingesetzte Füllwörter gelten als schlechter Stil.
Beispiele[Bearbeiten]
sozusagen[Bearbeiten]
Dieses Füllwort ist eine häufig benutzte Floskel, deren Verwendung mit dem Wort „quasi“ identisch ist.<ref>Vanessa Seifert: Ein-neues Quasi, sozusagen. In: Hamburger Abendblatt. 30. Januar 2014, abgerufen am 18. Dezember 2023.</ref>
ein bisschen[Bearbeiten]
Die eigentliche Bedeutung lautet: „kleiner Bissen“. Verwendet wird der Ausdruck, um Aussagen zu relativieren. Der Ausdruck wird sehr häufig ohne realen Grund verwendet.
tatsächlich[Bearbeiten]
Das Wort soll Aussagen unterstreichen, auch ohne dass es dafür eine sprachliche oder inhaltliche Notwendigkeit gäbe.<ref>Roland Kaehlbrandt: Wie sich Gebrauch und Bedeutung von Wörtern verändern. In: forschung-und-lehre.de. 17. Februar 2019, abgerufen am 3. April 2022.</ref>
genau[Bearbeiten]
Das Wort signalisiert im Normalfall eine bestimmte Form der Zustimmung, kann aber als „Häsitationspartikel“ vergleichbar einem „äh“ oder „ähm“ in Sätze eingefügt werden, ohne dass es dafür der Wortbedeutung folgend einen Grund gibt. Es stellt dann lediglich eine Verzögerung des Sprachflusses dar.<ref>Christoph Koch: Das Wort „genau“. In: Der Stern. Nr. 16. Gruner + Jahr, 13. April 2022, ISSN 0039-1239, S. 61.</ref> „Genau“ findet als Gliederungs- oder Bestätigungspartikel erst seit Beginn der 2020er Jahre Verbreitung. Der Gebrauch kann „stören, weil man als Hörer nicht jede gedankliche Anstrengung und jeden Selbstzweifel des anderen nachvollziehen will, vor allem dann nicht, wenn er sich auch bei der Schilderung einfachster Sachverhalte wie es scheint besonders anstrengen muss“.<ref>Roland Kaehlbrandt: Deutsch: eine Liebeserklärung: die zehn großen Vorzüge unserer erstaunlichen Sprache (= Piper. Nr. 31756). Originalausgabe Auflage. Piper, München 2022, ISBN 978-3-492-31756-6, S. 24 f.</ref>
Ja? und Ja![Bearbeiten]
Die Partikel Ja hat als Antwort der Bestätigung, Interjektion oder Modalpartikel bestimmten semantischen Gehalt, kann aber auch als Füllwort genutzt werden.
Nutzen[Bearbeiten]
Studien belegen, dass Füllwörter die Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft steigern. Formulierungen mit Füllwörtern signalisieren nämlich den Zuhörenden, dass ein komplizierter Gedanke oder Sachverhalt folgt, bei dem es wichtig ist, aufmerksam und konzentriert zuzuhören. In Gesprächssituationen dienen Füllwörter dazu, Aussagen in einen komplexeren Gesamtzusammenhang besser einzuordnen.
Allerdings gibt es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, die bei der Verwendung von Füllwörtern Rückschlüsse auf das Bildungsniveau oder den Intelligenzgrad zulassen.<ref>Sprachforscher: Füllwörter sind nützlich Deutschlandfunk Nova vom 4. Mai 2024, abgerufen am 3. April 2025</ref> Ebenso wenig kann man von der häufigen Benutzung von Füllwörtern auf die Unsicherheit der betreffenden Person schließen, sondern im Gegenteil eher auf ihre Fähigkeit, Gedankenpausen geschickt einzusetzen.<ref>Sind Füllwörter wirklich so schlimm? Spiegel Start vom 22. Februar 2022, abgerufen am 3. April 2025</ref> Zu den Sprachwissenschaftlern, die den Nutzen von Füllwörtern erforscht haben, gehört insbesondere Daniel Gutzmann.
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Angelika Braun, Nathalie Elsässer, Lea Willems: Disfluencies Revisited — Are They Speaker-Specific? MDPI Languages 2023, 8(3), 155; https://doi.org/10.3390/languages8030155
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />