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Fackelzug

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Datei:Lewes Bonfire, Lewes Borough Bonfire Society.jpg
Ein Fackelzug, hier zur Lewes Bonfire night 2005 (England)

Ein Fackelzug (auch Fackelmarsch) ist ein nächtlicher Umzug vieler Personen mit brennenden Fackeln.

Ursprünge[Bearbeiten]

Bereits im Antiken Griechenland gab es Fackelläufe und Fackeltänze.<ref name="bischoff_meyer_298">Eugen Bischoff und Franz Sales Meyer: Die Festdekoration in Wort und Bild. Leipzig 1897, S. 298.</ref> Fackeln waren bei den antiken Römern üblicher als bei den antiken Griechen. Die Fackel war ein Symbol der griechischen und römischen Götter Diana, Ceres, Bellona, Hymenaios, Hekate (Phosphorus); Anhänger dieser Götter veranstalteten gelegentlich Fackelzüge. Bei den bacchanalischen Umzügen trugen Frauen Fackeln. Auch bei nächtlichen Begräbnissen im antiken Rom wurden Fackeln getragen (fax sepulcralis).<ref>A Dictionary of Greek and Roman Antiquities. 1890, FAX.</ref>

Am Berliner Hof gehörten sie noch Ende des 19. Jahrhunderts zum Repertoire bei Hochzeitsfeiern.<ref name="bischoff_meyer_298" /> Auch von feierlichen Leichenbegängnissen sind Fackelzüge bekannt, etwa 1482 beim Begräbnis von Maria von Burgund.<ref name="bischoff_meyer_298" /> Später dienten Fackelzüge auch abseits der Höfe zur Ehrung „hervorragender Persönlichkeiten“.<ref name="bischoff_meyer_298" />

Politische Fackelzüge[Bearbeiten]

Datei:Welt-Aids-Tag 1997 - Fackelzug.jpg
Plakat für den Fackelzug zum Welt-Aids-Tag 1997

Der Fackelzug wird auch für politische Demonstrationen eingesetzt. In Deutschland fanden diese im größeren Maße in der Zeit des Nationalsozialismus sowie in der DDR statt, jedoch zogen bereits 1817 nach dem Ende der offiziellen Feierlichkeiten des Wartburgfestes in Eisenach Teilnehmer mit einem Fackelzug auf den nahegelegenen Wartenberg, um dort der Völkerschlacht zu gedenken, nach Abschluss der Gedenkfeier führten verbleibende Teilnehmer eine symbolische Bücherverbrennung durch.

In Österreich fanden in der Zwischenkriegszeit Fackelzüge zum Maifeiertag statt, ab 1926 als fixe Massenkundgebung der Arbeiterjugend am Vorabend des Feiertags; ebenso wurden die sozialistischen Massenfestspiele mit Fackelzügen abgeschlossen; Feuer und Flamme auf sozialdemokratischen Plakaten als Symbol des Aufbruchs verwendet.<ref name="mertens">Wiener Zeitung vom 9. Dezember 2005: Christian Mertens: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Flammen, Sonnen, Fackelzüge. Das Feuer als Element der politischen Inszenierungen in der Zwischenkriegszeit. (Memento vom 15. Februar 2006 im Internet Archive)</ref>

Fackelzüge im Nationalsozialismus[Bearbeiten]

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Datei:Fackelzug Halle (1933).jpg
Fackelzug in Halle (Saale) am Tag von Potsdam (1933)

In der Zeit des Nationalsozialismus waren Fackelzüge ein Mittel der Propaganda und demonstrierten die Herrschaft im öffentlichen Raum.

Am „Tag der Machtergreifung“ (30. Januar 1933) fand ein fünfstündiger Fackelzug statt.<ref name="mertens" /> Da die dort entstandenen Aufnahmen Propagandaminister Joseph Goebbels wenig beeindruckend schienen, ließ er sie im Sommer 1933 für den Film SA-Mann Brand nachstellen.<ref>Caroline Fetscher: Hitlers Machtübernahme. Januar 1933: Propaganda und Wirklichkeit. In: Tagesspiegel vom 28. Januar 2013, abgerufen am 15. Dezember 2021.</ref>

Commons: Fackelzug in Berlin am 30. Januar 1933 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fackelzüge in der DDR[Bearbeiten]

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Datei:Bundesarchiv Bild 183-1989-1006-439, Berlin, 40. Jahrestag der DDR, Fackelzug.jpg
Fackelzug der FDJ zum 40. Jahrestag der DDR 1989

Fackelzüge waren ein Mittel der DDR-Propaganda, so wird im Vorspann des Propagandafilms Berlin – Hauptstadt der DDR 1974 ein Fackelzug der Freien Deutschen Jugend gezeigt, der an den DDR-Regierungsmitgliedern und den ausländischen Gästen vorbeiführt.

Bedeutsame Fackelzüge fanden 1989 zum 40. Tag der Republik (DDR) in Ost-Berlin statt.<ref>FDJ. „Wir kleben auch nicht an irgendeinem Namen“ in Deutschlandfunk vom 27. November 2014. (abgerufen am 8. August 2023)</ref> Davor hatten auch zum 30. und 35. Jahrestag der DDR bereits große Fackelzüge der FDJ stattgefunden.<ref>invenio. Abgerufen am 30. Juli 2026.</ref><ref>Fackelzug der FDJ, anläßlich des 35. Jahrestages der DDR. Abgerufen am 30. Juli 2026.</ref>

Der erste Fackelzug in der DDR fand schon anlässlich der Wahl des ersten und einzigen Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, am 11. Oktober 1949 statt – nur vier Tage nach der Staatsgründung. Nach eigenen Angaben nahmen 200.000 Mitglieder der FDJ teil. In Moskau wurde dieser Fackelzug mit Skepsis betrachtet, da er Erinnerungen an den Fackelzug zur Machtergreifung der NSDAP im Jahr 1933 weckte.<ref>S. W. R. Kultur: Großer Fackelzug zur Wahl von DDR-Präsident Wilhelm Pieck in Berlin | 11.10.1949. 2. Oktober 2024, abgerufen am 30. Juli 2026.</ref>

Commons: Fackelzüge in der DDR – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fackelzüge der Sozialistischen Jugend Österreich[Bearbeiten]

In der Neuzeit finden ebenso Fackelzüge mit politischem Hintergrund statt. Beispielhaft kann hierzu der Fackelzug der Sozialistischen Jugend Wien, einer Landesorganisation der Sozialistischen Jugend Österreich angeführt werden, der Anliegen und Forderungen aus dem politisch linken Spektrum nach außen trägt<ref>Beispielhaft: 2025: „Zukunft statt Krise“; 2024: „Wien gegen Rechts“; 2023: „Kein Platz für Rassismus“</ref> und deren Besucherzahlen, laut Presse jährlich steigend, bei mehren tausend Teilnehmern liegt.<ref>Fackelzug 2025 | Wien. Abgerufen am 10. September 2025.</ref><ref>2025: 5500 Besucher; 2024: 5000 Besucher; 2023: 4000 Besucher</ref>

Dieser traditionelle Wiener Fackelzug findet jährlich am 30. April, dem Vorabend des 1. Mai statt und führt zumeist von der Wiener Staatsoper zum Rathaus führt wo seit einigen Jahres ein kostenloses Abschlusskonzert stattfindet.<ref>red: Sozialistische Jugend lädt zum Fackelzug gegen Rechts | Heute.at. Abgerufen am 30. Juli 2026.</ref><ref>6000 Menschen setzen beim Fackelzug der Sozialistischen Jugend Wien ein starkes Zeichen für Frieden. Abgerufen am 30. Juli 2026.</ref> Der Fackelzug fand erstmals 1926 statt.<ref>Fackelzug. In: Rot Bewegt. Abgerufen am 30. Juli 2026.</ref> Zum 100. Jubiläum wurde eine Broschüre<ref>SJ-Wien, Lena Stern, Samuel Schillhammer: 100 Jahre Fackelzug, 1926–2026. Hrsg.: Sozialistische Jugend Wien. Broschüre. Wien April 2026.</ref> und ein Dokumentarfilm "100 Jahre Fackelzug"<ref>100 Jahre Fackelzug - Dokumentarfilm | Wien. Abgerufen am 4. August 2026.</ref> mit Interviews aktueller und ehemaliger Funktionäre der SJ-Wien (u. a. Marina Hanke, Julia Hess, Florian Wenninger, Ludwig Dvorak, Lena Stern, Fiona Herzog, Samuel Schillhammer, Gerald Netzl) veröffentlicht.<ref>100 Jahre Fackelzug - Dokumentarfilm | Wien. Abgerufen am 30. Juli 2026.</ref> Außerdem fand am 17. und 18. April 2026 eine Festveranstaltung und Ausstellung im WUK statt.<ref>Ausstellung 100 Jahre Fackelzug der Sozialistischen Jugend Wien. Abgerufen am 30. Juli 2026.</ref>

Akademische Fackelzüge[Bearbeiten]

Datei:Fackelzug erlangen.jpg
Studentischer Fackelzug vor dem Erlanger Schloss (1743/44)

Der Fackelzug ist ein alter akademischer Brauch<ref name="bischoff_meyer_298" />, der auch heute noch von Studentenverbindungen ausgeübt wird.<ref>Henry Bernhard: 200 Jahre Wartburgfest. Nationalgedanken damals und heute. In: Deutschlandfunk vom 22. Oktober 2017.</ref><ref>Coburg. Ungestörter Zapfenstreich. In: Neue Presse (Coburg) vom 15. Juni 2011.</ref><ref>Michael Stürzenhofecker: Burschentag in Eisenach. Fackelzug in die Vergangenheit. In: Der Spiegel Panorama vom 25. Mai 2013.</ref> Dies wird jedoch von einem Teil der Politik als nicht mehr zeitgemäß kritisiert.<ref>Richard Padberg: Coburger Convent: Wenn Studentenverbindungen die Stadt spalten. In: BR24 vom 4. Juni 2021.</ref>

Mit einem Fackelzug ehren Studenten verdiente und allseits geschätzte Professoren, zum Beispiel bei der Emeritierung.

Commons: Akademische Fackelzüge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fackelzüge in der Jugendarbeit[Bearbeiten]

Seit langem werden Fackelzüge vor allem von Jugendlichen veranstaltet – zur Unterhaltung oder als gestaltendes Element für Ferienlager, etwa bei Pfadfindern, der Jungschar, den Falken, bei Nachtübungen oder als Abschluss von Lagerfeuern.

Zu Kinder-Umzügen mit Laternen, siehe Laternelaufen.

Religiöse Fackelzüge[Bearbeiten]

Fackelzüge werden auch für religiöse Zwecke eingesetzt, so bei Fackelprozessionen (siehe auch: Lichterprozession) wie beispielsweise zum Korbiniansfest in Freising<ref>Corinna Bail: Korbiniansfest per Livestream. In: Süddeutsche Zeitung vom 18. November 2020.</ref> oder in Lourdes<ref>Lourdes. In: Kurt Tucholsky: Erzählungen und Prosastücke. Gesammelte Schriften (1907–1935).</ref>.

Trivia[Bearbeiten]

Giacomo Meyerbeer komponierte in den 1850er Jahren einen Fackeltanz (Marche aux Flambeaux)<ref>www.worldcat.org/title/marche-aux-flambeaux/oclc/16452394</ref>, der auch als Fackelmarsch bezeichnet wurde.<ref>Nachrichten. Spa. In: Gustav Bock (Hrsg.): Neue Berliner Musikzeitung vom 15. August 1855, S. 263.</ref>

Auch bei militärischen Feiern wie Gelöbnissen, Appellen oder bei Großen Zapfenstreichen marschieren Fackelträger auf.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references/>

Weblinks[Bearbeiten]

Wiktionary: Fackelzug – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Fackelzug – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien