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Fahnenbarsche

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Fahnenbarsche
Datei:Pseudanthias squamipinnis (Scalefin anthias) female.jpg

Juwelen-Fahnenbarsche (Pseudanthias squamipinnis) ♀

Systematik
Unterkohorte: Neoteleostei
Acanthomorphata
Stachelflosser (Acanthopterygii)
Barschverwandte (Percomorpha)
Ordnung: Barschartige (Perciformes)
Familie: Fahnenbarsche
Wissenschaftlicher Name
Anthiadidae
Poey, 1861

Die Fahnenbarsche (Anthiadidae) sind eine mit fast 230 Arten<ref name="Anderson2018" /> in tropischen und subtropischen Meeren vorkommende Familie der Barschartigen (Perciformes). Die meisten Arten der Familie sind ausgesprochen farbenprächtig.

Verbreitung, Lebensraum und Lebensweise[Bearbeiten]

Die meisten Fahnenbarscharten kommen im Indopazifik vor, einige leben auch im Atlantik, Anthias anthias kommt auch im Mittelmeer vor. Meist leben Fahnenbarsche in großen Schwärmen mit hunderten bis tausenden Exemplaren an der Außenseite der Korallenriffe und ernähren sich von tierischem Plankton. Arten mit einer geringen Anzahl von Kiemenrechen, wie Hypoplectrodes semicinctum und die meisten Plectranthias-Arten sind eher einzelgängerisch, meiden das offene Wasser und ernähren sich vor allem von größerer Beute, wie Krebstieren und kleinen Fischen.<ref name="Anderson&Heemstra" /> Viele Fahnenbarscharten sind in den Riffen außerordentlich häufig und stellen dort zahlenmäßig einen wesentlichen Anteil der Fischfauna. Zu ihren Fressfeinden zählen Zackenbarsche, Skorpionfische und Muränen. Bei Gefahr suchen Fahnenbarsche Schutz zwischen den Korallen.

Merkmale[Bearbeiten]

Datei:Pseudanthias tuka.jpg
Mirolabrichthys tuka
Datei:Nemanthias carberryi.png
Nemanthias carberryi
Datei:HokakeHDmn.jpg
Rabaulichthys suzukii

Fahnenbarsche sind äußerlich sehr divers. Viele Arten sind von eher zarter Gestalt, ähnlich den Riffbarschen der Gattung Chromis, andere ähneln den Sägebarschen (Serranidae) oder gar den robusten Zackenbarschen (z. B. Epinephelides armatus). Die meisten Arten erreichen Längen von zehn bis zwanzig Zentimetern (55 cm bei Caprodon longimanus<ref>Caprodon longimanus auf Fishbase.org (englisch)</ref>). Ihr Körper ist meist spindelförmig und seitlich abgeflacht, es gibt jedoch auch sehr hochrückige Arten. Die Rückenflosse ist durchgehend und lang, die Schwanzflosse bei vielen Arten tief gegabelt und/oder am oberen und unteren Rand filamentartig verlängert. Männchen und Weibchen der sehr bunten, rot, orange oder violetten Arten sind oft sehr unterschiedlich gefärbt und zeigen damit einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Einige Arten wechseln während der Paarung die Farbe.

Die Rückenflosse wird von 10 bis 13 Hart- und 13 bis 16 Weichstrahlen gestützt. Bei der Afterflosse sind es 6 bis 9 Hart- und 13 bis 16 Weichstrahlen. Die Schwanzflosse wird von 15 bis 17 verzweigten Hauptflossenstrahlen gestützt, die Bauchflossen von einem Stachel und fünf Weichstrahlen. Die Maxillare ist bei den meisten Arten beschuppt. Am Ende des Kiemendeckels sind drei Stacheln ausgebildet von denen der mittlere am deutlichsten entwickelt ist. Die Anzahl der Branchiostegalstrahlen liegt bei sieben. Rippen sind nur an den Wirbeln 3 bis 10, in seltenen Fällen auch an der elften Rippe ausgebildet.<ref name="Smith" /><ref name="Anderson&Heemstra" />

Von den Sägebarschen (Serranidae) werden die Fahnenbarsche durch ihre vielen Wirbel (26 bis 28) und das Fehlen einer Zahnplatte auf der zweiten Epibranchiale (ein Knochen des Kiemenbogens) abgegrenzt.<ref name="Anderson&Heemstra" />

Geschlechtsumwandlung[Bearbeiten]

Mit Ausnahme von Epinephelides armatus, Othos dentex und möglicherweise Lepidoperca aurantia sind wahrscheinlich alle Fahnenbarsche proterogyne Hermaphroditen. Werden Jungfische geschlechtsreif, so nehmen sie zunächst das weibliche Geschlecht an. In jedem Schwarm stellen die Weibchen immer die überwältigende Mehrheit der Tiere. Oft kommen auf ein Männchen etwa 50 Weibchen. Durch „soziale Unterdrückung“ hindern die dominierenden Männchen die Weibchen ihres Harems daran, sich zu Männchen umzuwandeln. Stirbt ein Männchen, wandelt sich das stärkste Weibchen in wenigen Tagen zu einem Männchen um, nimmt das äußere Erscheinungsbild und die Färbung der Männchen an und übernimmt die freigewordene Stelle. Simultaner Hermaphroditismus, das heißt die Tiere können während des gleichen Lebensabschnitts sowohl die weibliche als auch die männliche Rolle beim Laichvorgang übernehmen, tritt bei Fahnenbarschen im Unterschied zu den Zackenbarschen und den Sägebarschgattungen Diplectrum, Hypoplectrus und Serranus nicht auf.<ref name="Anderson&Heemstra" />

Systematik[Bearbeiten]

Die Fahnenbarsche wurden lange Zeit als Unterfamilie der Sägebarsche eingeordnet. In Eschmeyer's Catalog of Fishes Classification, einer Onlinedatenbank zur Fischsystematik, werden sie seit Januar 2022 als eigenständige Familie geführt.<ref>R. Fricke, W. N. Eschmeyer, R. Van der Laan (Hrsg.): Eschmeyer's Catalog of Fishes Classification. 2021. (calacademy.org)</ref>

Als wissenschaftliche Bezeichnung der Fahnenbarsche diente lange Zeit der Name Anthiinae, der 1871 durch den niederländischen Ichthyologen Pieter Bleeker geprägt wurde. Der Name ist jedoch durch eine Tribus der Laufkäfer (Anthiini Bonelli, 1813) präokkupiert. Als neuer wissenschaftlicher Name für die Fahnenbarsche wird Anthiadidae verwendet, 1861 durch den kubanischen Naturforscher Felipe Poey geprägt.<ref>Addenda to Family-group names in Recent Fishes 30 August 2015</ref>

Gattungen[Bearbeiten]

Innere Systematik der Fahnenbarsche nach Chi-Ngai und Wei-Jen (2025):<ref name="Chi-Ngai2025" />


 Klade I 

Caesioperca rasor


   

Caprodon + Caseioperca lepidoptera


   


Zalanthias


   

Lepidoperca


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Aepysomanthias


   

Selenanthias


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 Klade II 

Hypoplectrodes


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 Klade III 

Sayonara


   

Plectranthias


   

Xenanthias


   


Odontanthias, Sacura, Meganthias


   

Pelontrus


   


Dactylanthias


   

Tosanoides


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Poroanthias


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Serranocirrhitus


   

Compsanthias


   

Pseudanthias u. Tosana


   

Nemanthias


   

Luzonichthys


   

Mirolabrichthys


   

Pyronotanthias


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Datei:Madara.jpg
Odontanthias borbonius
Datei:AkaboshiHG.jpg
Pyronotanthias lori
Datei:Tosana niwae.png
Tosana niwae

Innerhalb der Familie wurden ursprünglich die meisten Arten der Gattung Anthias zugeordnet. Aufgrund neuerer taxonomischer Untersuchungen werden jedoch nur noch neun, vor allem im Atlantik lebende Arten in diese Gattung gestellt. Die meisten Arten finden sich nun in der Gattung Pseudanthias, die aus über 50 im Indopazifik lebende Arten besteht.

Für die Fahnenbarsche werden in einer im September 2018 publizierten Übersicht 29 Gattungen und 226 Arten als valide angesehen.<ref name="Anderson2018" /> Fast ein Viertel dieser Arten gehört zu Pseudanthias. Ende 2025 wurde eine Revision der Gattung Plectranthias veröffentlicht, wodurch 6 weitere Gattungen dazu kamen.<ref name="Chi-Ngai2025" /> Mitte 2026 wurden die Gattungen Acanthistius und Trachypoma in eigenständige, monotypische Familien verschoben (Acanthistiidae und Trachypomatidae).<ref name="Menkara etal 2026" />

Einige Wissenschaftler unterteilen die Fahnenbarsche in zwei Sektionen, eine mit einer ursprünglichen Merkmalsausprägung und eine mit einer weiter entwickelten Merkmalsausprägung. Die Sektionen lassen sich anhand der Zahl der Hauptschwanzflossenstrahlen, der Morphologie ihrer Schuppen und der Zahl ihrer Supraneuralia (Neuralfortsätze) unterscheiden, wobei die Gattungen der ursprünglichen Sektion 17 Hauptschwanzflossenstrahlen und drei Supraneuralia besitzen, während es bei den weiter entwickelten Gattungen 15 Hauptschwanzflossenstrahlen und zwei Supraneuralia sind. Acanthistius, Caprodon, Hypoplectrodes, Lepidoperca, Plectranthias und Trachypoma gehören zu den Gattungen mit ursprünglichen Merkmalsausprägungen,<ref name="Anderson&Heemstra" /> Anatolanthias, Anthias, Baldwinella, Choranthias, Hemanthias, Holanthias, Luzonichthys, Meganthias, Odontanthias, Pronotogrammus und Rabaulichthys bilden die Sektion mit der abgeleiteten Merkmalsausprägung.<ref name="Anderson1990" />

Im Dezember 2025 wurde eine erste phylogenetischen Untersuchungen zur inneren Systematik der Fahnenbarsche veröffentlicht. Die Autoren teilen die Familie in drei Hauptkladen (siehe das Kladogramm weiter oben). Außerdem geben sie die Empfehlung die Gattungen Acanthistius, Giganthias und Trachypoma aus der Familie auszugliedern, da sie signifikante morphologische Unterschiede zu den Fahnenbarschen aufweisen. Giganthias soll näher mit den Zackenbarschen (Epinephelidae) verwandt sein und auch Acanthistius und Trachypoma sind nicht näher mit den Fahnenbarschen verwandt.<ref name="Chi-Ngai2025" /> Für Acanthistius und Trachypoma wurden Mitte 2026 zwei eigenständige, monotypische Familien eingeführt (Acanthistiidae und Trachypomatidae).<ref name="Menkara etal 2026" />

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt Fiedler: Lehrbuch der Speziellen Zoologie. Band II, Teil 2: Fische. Gustav Fischer Verlag, Jena 1991, ISBN 3-334-00339-6.
  • Hans A. Baensch, Robert Patzner: Mergus Meerwasser-Atlas. Band 1, Mergus-Verlag, Melle 1997, ISBN 3-88244-110-0.
  • Rudie H. Kuiter, Helmut Debelius: Atlas der Meeresfische. Kosmos-Verlag, 2006, ISBN 3-440-09562-2.
  • Ewald Lieske, R. F. Myers: Korallenfische der Welt. Jahr Verlag, Hamburg 1994, ISBN 3-86132-112-2.
  • KORALLE. (= Meerwasseraquaristik-Fachmagazin. Nr. 13). Natur und Tier Verlag, Münster, Februar/März 2002, ISSN 1439-779X.
  • Franziska Flückinger: Vergleichende Betrachtungen zur Fortpflanzung der Anthiinae. In: Der Meerwasseraquarianer. 1/2000, ISSN 1432-1505.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Anderson1990"> William D. Anderson, Nik V. Parin, John E. Randall: A new genus and species of anthiine fish (Pisces: Serranidae) from the eastern South Pacific with comments on anthiine relationships. In: Proceedings of the Biological Society of Washington. Band 103, 1990, S. 922–930.</ref> <ref name="Anderson2018"> W. D. Anderson, Jr: Annotated checklist of anthiadine fishes (Percoidei: Serranidae). In: Zootaxa. Band 4475, Nr. 1, 2018, S. 1–62. doi:10.11646/zootaxa.4475.1.1</ref> <ref name="Anderson&Heemstra"> William D. Anderson, Phillip C. Heemstra: Review of Atlantic and eastern Pacific Anthiine fishes (Teleostei: Perciformes: Serranidae), with descriptions of two new genera. In: Transactions of the American Philosophical Society, New Series. Band 102, Nr. 2, 2012, S. 1–173, hier S. 5–10.</ref> <ref name="Chi-Ngai2025"> Chi-Ngai Tang, Wei-Jen Chen: A 40-year taxonomic enigma: multigene phylogeny resolves the polyphyly of Plectranthias (Perciformes: Anthiadidae) and supports a revised taxonomy. Zoological Journal of the Linnean Society, Volume 205, Issue 3, November 2025, doi: 10.1093/zoolinnean/zlaf148</ref> <ref name="Gill2021"> Anthony C. Gill, J. J. Pogonoski, J. W. Johnson, Y.-K. Tea: Three new species of Australian anthiadine fishes, with comments on the monophyly of Pseudanthias Bleeker (Teleostei: Serranidae). In: Zootaxa. Band 4996, Nr. 1, 2021, S. 49–82. doi:10.11646/zootaxa.4996.1.2</ref> <ref name="Gill2022"> Anthony C. Gill: Revised definitions of the anthiadine fish genera Mirolabrichthys Herre and Nemanthias Smith, with description of a new genus (Teleostei: Serranidae). In: Zootaxa. Band 5092, Nr. 1, 2022, S. 41–66. doi:10.11646/zootaxa.5092.1.2</ref> <ref name="Gill2024"> Anthony C. Gill (2024): Compsanthias, new genus of Pacific Anthiadidae (Teleostei). Zootaxa, 5463 (3): 360-374.</ref> <ref name="Menkara etal 2026"> Younis Menkara, Yi-Kai Tea, Anthony C. Gill, Simon Y.W. Ho: Integrative systematics reveal the deep evolutionary origin and familial placements of the wirrahs (Teleostei: Acanthistiidae: Acanthistius) and the toadstool grouper (Teleostei: Trachypomatidae fam. nov.: Trachypoma). Molecular Phylogenetics and Evolution, Juni 2026, doi: 10.1016/j.ympev.2026.108672</ref> <ref name="Smith"> Margaret M. Smith, Phillip C. Heemstra: Smiths’ Sea Fishes. Southern Book Publishers, 1999, ISBN 3-642-82860-4, S. 510.</ref> </references>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Fahnenbarsche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien