Feerie
Die Feerie (auch: Féerie, französisch „Zauberwelt“) ist ein Theatergenre, das um 1800 herum aufkam und vor allem seit den 1870er Jahren sehr beliebt wurde. Sie hat ihren Ursprung auf den Pariser Bühnen (zum Beispiel im Théâtre de l’Ambigu-Comique) beziehungsweise in der englischen Pantomime.<ref>Die Zeit: Das Lexikon in 20 Bänden. Zeitverlag, 4. Band, Hamburg 2005, ISBN 3-411-17564-8, S. 467.</ref><ref>Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden. 19. Auflage, 7. Band, Friedrich Arnold Brockhaus, Mannheim 1988, ISBN 3-7653-1107-3, ISBN 3-7653-1207-X, S. 159 f.</ref>
Definitionen[Bearbeiten]
„Theaterstück um eine Fee mit großer Ausstattung.“<ref>Gerhard Wahrig: Deutsches Wörterbuch. Bertelsmann Lexikon-Verlag, Gütersloh/München 1991, ISBN 3-570-03648-0, S. 461.</ref> „Szenische Aufführung einer Feengeschichte unter großen bühnentechnischem und ausstattungsmäßigem Aufwand.“<ref>Duden: Der Große Duden. Band 5: Fremdwörterbuch. 2. Auflage. Bibliographisches Institut, Mannheim / Wien / Zürich 1971, ISBN 3-411-00905-5, S. 257.</ref> „Ältere Bezeichnung für eine Art des Ausstattungsstückes um eine Feengeschichte, zum Beispiel Shakespeares ›Sommernachtstraum‹ oder Raimunds Zauberstücke.“<ref>Lingen Lexikon in 20 Bänden. 6. Band, Helmut Lingen Verlag, Wiesbaden 1976/1977, S. 85.</ref>
Der Ausdruck kann sich auf einen märchenhaften Inhalt beziehen (Feenmärchen), aber vorderhand ist damit ein Ausstattungsstück gemeint, das historische, exotische oder fantastische Stoffe zum Vorwand nimmt, um einen großen Aufwand mit Bühnenbild und Kostümen sowie mit einer ausgefeilten Bühnentechnik zu treiben. Mittelalterlich-historische („romantische“) Sujets lösen die Traditionsreste des Barocktheaters ab: In der Feerie werden die griechisch-römischen mythologischen Figuren wie Furien und Satyrn zurückgedrängt oder abgeschafft und durch Märchengestalten ersetzt. Dies wirkte am Ende des 18. Jahrhunderts sehr modern.<ref>Roxane Martin: La Féerie romantique sur les scènes parisiennes. 1791–1864. (= Romantisme et modernités. Band 105). Honoré Champion, Paris 2007, ISBN 978-2-7453-1454-3, 693 Seiten und 14 ungezählte Bildtafelseiten.</ref>
Oft erscheint die Bezeichnung Feerie in Verbindungen wie féerie-ballet oder opéra-féerie.<ref>Paul Ginisty: La Féerie. Mit 59 Abbildungen und Porträts. (= Bibliothèque théâtrale illustrée. Band 3). Louis-Michaud, Paris [1910], 238 Seiten.</ref> Die Grenzen zum Ballett, zur Operette, zum Theatermelodram oder zur Revue nach 1900 sind fließend.
Die US-amerikanische Entsprechung der Feerie heißt Extravaganza, manchmal auch fairy play, fairy spectacle oder fairy tale. Dabei bedeuten fairy Fee (auch adjektivisch Feen-, feenhaft, märchenhaft) und tale Erzählung, Geschichte oder Märchen. Zusammen meint fairy tale meist einfach Märchen.
In den Feerien stand nicht die Handlung des Stückes, sondern dessen prachtvolle Ausstattung im Vordergrund.<ref>Féerie. In: Das Lexikon der Filmbegriffe. Abgerufen am 10. Januar 2026.</ref>
Im Französischen (fée = Fee) hat das Wort féerie zwei allgemeine Bedeutungen ohne Bezugnahme auf die Ausstattung:<ref>Erich Weis (Hrsg.): Langenscheidts Großwörterbuch Französisch. Teil 1: Französisch-Deutsch, 5. Auflage, Langenscheidt, Berlin / München / Wien / Zürich 1987, ISBN 3-468-02151-8, S. 400.</ref>
- [Theater] Feendrama, Feenstück, Zauberspiel, Märchenspiel
- [figürlich] märchenhaftes, zauberhaftes Schauspiel
Beispiele[Bearbeiten]
Vorbilder waren etwa Carlo Gozzis Märchenstücke wie Turandot (1762). „Klassisches“ Beispiel einer Feerie ist La Belle au bois dormant (Dornröschen), das seit der Fassung von D’Arnould-Mussot (1777) bis hin zu Tschaikowskis Ballett Dornröschen (1890) in unzähligen Varianten auf europäischen Bühnen erscheint. Eine modernistische Feerie ist bereits Jacques Offenbachs Die Reise zum Mond, 1876. Bedeutende Autoren der Feerie sind Adolphe d’Ennery oder Auguste Anicet-Bourgeois.
Die Blütezeit der Feerie im Film war das französische Kino der 1910er Jahre. Bekannte Regisseure von Feerien waren Georges Méliès und die Pathé Frères.<ref>Féerie. In: Das Lexikon der Filmbegriffe. Abgerufen am 10. Januar 2026.</ref>
Die Feerie wurde seit 1920 zunehmend durch den Historien-, Monumental- oder Kostümfilm abgelöst. – Musicals enthalten oft noch Elemente der Feerie wie Richard Rodgers’ The King and I, 1952.
Literatur[Bearbeiten]
- Ulrich Schreiber: Opernführer für Fortgeschrittene II: Das 19. Jahrhundert. 2. Auflage, Verlag Bärenreiter, Kassel 2000, ISBN 3-7618-1028-8
Weblinks[Bearbeiten]
- Féerie bei filmlexikon.uni-kiel.de
Einzelnachweise[Bearbeiten]
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