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Fernando Caruncho

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Fernando Caruncho (* 6. September 1957 in Madrid; † 23. August 2026 ebenda) war ein spanischer Landschafts- und Gartenarchitekt aus Katalonien. Es selbst bezeichnete sich stets als Gärtner.

Leben[Bearbeiten]

1975 begann Caruncho ein Philosophiestudium an der Universidad Autónoma de Madrid. Er fand jedoch keine Verbindung zwischen der Wissenschaft und der "erschreckenden kalten Ruine" der Welt des 20. Jahrhunderts und erwog, das Studium aufzugeben<ref>Fernando Caruncho, The spirit of the Geometrician. In: Noel Kingsbury, Tim Richardson (Hrsg.), Vista. The Culture and Politics of Gardens. London, Frances Lincoln 2005, 112</ref>. In einem Seminar über Euripides erfuhr er, dass die griechische Philosophie mit Gärten und der Natur verbunden war. Seit 1978 verband er daher das Studium der Vorsokratiker mit der Anlage von Gärten: er gestaltete den Garten seines Onkels (das Haus war von dem Architekten Richard Neutra entworfen)<ref>Gordon Taylor, Guy Cooper, Gardens for the Future - Gestures against the Wild. New York, Monicelli 2000, 176</ref>. Als Vorbild für den Garten diente der Garten von Prinz Hachijō Toshihito in Katsura, der dieselben Dimensionen hatte. Der minimalistische geometrische Garten aus Wasser und Stein wurde in der Zeitschrift Vogue besprochen, was Caruncho bekannt machte<ref>Lucia van der Post, Gardening is a way to be a human being. Financial Times, 21. Juli 2021, https://www.ft.com/content/1e223dc0-1b02-4d00-9563-1fa7160992a3</ref>. Danach lernte er an der Castillo-de-Batres-Schule in Madrid Gartengestaltung. Unter den Philosophen, die ihn beeinflussten, nannte Caruncho Descartes und Goethe. Rousseau lehnte er ab.<ref>Gordon Taylor, Guy Cooper, Gardens for the Future - Gestures against the Wild. New York, Monicelli 2000, 176</ref>

Im August 2026 starb Caruncho wenige Wochen vor seinem 69. Geburtstag.

Werk[Bearbeiten]

Grundlage seiner Gartengestaltung war die Geometrie, Grundgestalt seines Denkens die Verwandlung<ref>Fernando Caruncho, The spirit of the Geometrician. In: Noel Kingsbury, Tim Richardson (Hrsg.), Vista. The Culture and Politics of Gardens. London, Frances Lincoln 2005, 113</ref>. Während er in der Schule immer schlecht in Geometrie war, fand er in der Philosophie von Pythagoras und einfachen geometrischen Formen eine Hilfe, Raum zu bewältigen und in seinen Gärten zu evozieren<ref>Fernando Caruncho, The spirit of the Geometrician. In: Noel Kingsbury, Tim Richardson (Hrsg.), Vista. The Culture and Politics of Gardens. London, Frances Lincoln 2005, 115</ref>. Caruncho sah Geometrie als eine ererbte, nicht erlernte Methode, "a maternal language, ancient and forgotten, essential"<ref>Fernando Caruncho, The spirit of the Geometrician. In: Noel Kingsbury, Tim Richardson (Hrsg.), Vista. The Culture and Politics of Gardens. London, Frances Lincoln 2005, 115</ref>. Er bezeichnete das Gitter als sein Fischernetz, das er in den Raum wirft, um damit die erstaunlichsten Schätze vom Meeresboden zu fischen: "Seesterne, Schnecken, riesige Tintenfische und halbmenschliche Formen"<ref>Fernando Caruncho, The spirit of the Geometrician. In: Noel Kingsbury, Tim Richardson (Hrsg.), Vista. The Culture and Politics of Gardens. London, Frances Lincoln 2005, 116</ref>. Der Goldene Schnitt war die Grundlage aller seiner Anlagen. Caruncho versuchte nach eigenen Angaben in seinen Gärten durch einfache, formal arrangierte Anlagen "das Licht einzufangen"<ref>Gordon Taylor, Guy Cooper, Gardens for the Future - Gestures against the Wild. New York, Monicelli 2000, 176</ref>. Für spanische Gärten wäre es zentral, wie sie mit Licht umgingen<ref>Gordon Taylor, Guy Cooper, Gardens for the Future - Gestures against the Wild. New York, Monicelli 2000, 176</ref>. Ein Garten sollte ein Spiegel des Universums sein, und Ordnung und Gleichgewicht ausdrücken<ref>Gordon Taylor, Guy Cooper, Gardens for the Future - Gestures against the Wild. New York, Monicelli 2000, 178</ref>. Caroncho sah die antiken Griechen als die geistigen Ahnen der "Indoeuropäer"<ref>Fernando Caruncho, The spirit of the Geometrician. In: Noel Kingsbury, Tim Richardson (Hrsg.), Vista. The Culture and Politics of Gardens. London, Frances Lincoln 2005, 113</ref>. Von den Vorsokratikern lernte er nach eigenen Angaben, die grundsätzlichen Bausteine des Universums zu untersuchen, die "mythisch-spirituelle Beziehung zwischen Mensch und Universum"<ref>Fernando Caruncho, The spirit of the Geometrician. In: Noel Kingsbury, Tim Richardson (Hrsg.), Vista. The Culture and Politics of Gardens. London, Frances Lincoln 2005, 113</ref> und die Möglichkeit, den menschlichen Geist zu wandeln<ref>Fernando Caruncho, The spirit of the Geometrician. In: Noel Kingsbury, Tim Richardson (Hrsg.), Vista. The Culture and Politics of Gardens. London, Frances Lincoln 2005, 113</ref>.

Carunchos Vorbilder waren Luis Barragán, Tadao Ando und der estnische Stadtplaner Louis Kahn<ref>Gordon Taylor, Guy Cooper, Gardens for the Future - Gestures against the Wild. New York, Monicelli 2000, 178</ref>. Er war auch vom Werk des Frührenaissance-Malers Piero della Francesca und dessen Besessenheit mit Geometrie beeinflusst, ebenso wie von gotischen Kirchenfenstern<ref>Gordon Taylor, Guy Cooper, Gardens for the Future - Gestures against the Wild. New York, Monicelli 2000, 178</ref>. Die englische Schule der "unnatürlich natürlichen" Landschaftsgärten von Capability Brown lehnte er ebenso ab wie die "geschmackvollen und langweiligen" Landhausgärten in Nachahmung von Gertrude Jekyll<ref>Gordon Taylor, Guy Cooper, Gardens for the Future - Gestures against the Wild. New York, Monicelli 2000, 176</ref>. Als Lieblingsgärten nannte er Vaux-le-Vicomte, die Boboli-Gärten des Palazzo Pitti der Medici und die Gärten der Alhambra<ref>Gordon Taylor, Guy Cooper, Gardens for the Future - Gestures against the Wild. New York, Monicelli 2000, 176</ref>, also alles formal gestaltete Anlagen.

Caruncho arbeitete vor allem im nordwestlichen Mittelmeerraum<ref>Gordon Taylor, Guy Cooper, Gardens for the Future - Gestures against the Wild. New York, Monicelli 2000, 178</ref>. Die Toscana<ref>Gordon Taylor, Guy Cooper, Gardens for the Future - Gestures against the Wild. New York, Monicelli 2000, 178</ref> und das antike Griechenland<ref>Fernando Caruncho, The spirit of the Geometrician. In: Noel Kingsbury, Tim Richardson (Hrsg.), Vista. The Culture and Politics of Gardens. London, Frances Lincoln 2005, 113</ref> bezeichnete er als seine geistige Heimat. Seine Arbeiten bauten auf einfachen geometrischen Grundformen auf, die durch Blockbepflanzung hervorgehoben werden. Oft verwendete er den Goldenen Schnitt als Raster. Auch seine Teichanlagen und Springbrunnen waren meist rechteckig gestaltet. Obwohl sich Caruncho als Gärtner bezeichnete, arbeitete er nur mit einer sehr eingeschränkten Palette von Pflanzen, die er, wie Burle-Marx, flächenhaft, nicht als Einzelpflanzen behandelte. Auch wenn er Nutzpflanzen einsetzte, stand ihr dekorativer Aspekt im Vordergrund.

Gärten[Bearbeiten]

Im Mas des Voltes bei Empordà verwendete Caruncho Weizenfelder, Ölbäume und Zypressen als Bestandteil des Parks, der auf einem rechteckigen Gitter aufbaute. Caruncho sah ihn als archetypischen Garten, der auf der mediterranen Trias von Weizen, Wein und Ölbäumen beruht<ref>Gordon Taylor, Guy Cooper, Gardens for the Future - Gestures against the Wild. New York, Monicelli 2000, 178</ref>. Rechteckige Karpfenteiche gingen auf die Tradition mittelalterlicher Zisterzienser-Klöster zurück, ihre kreuzförmige Anordnung erinnerte jedoch an den persischen Tschahār Bāgh. Im Obstgarten wuchsen Kirschen, Apfelbäume, Granatäpfel, Feigen und Wein<ref>Gordon Taylor, Guy Cooper, Gardens for the Future - Gestures against the Wild. New York, Monicelli 2000, 179</ref>. Ein runder Teich enthielt Wasserlilien. Auch wenn Caruncho behauptete, er stellte eine "jahrtausendealte Kulturlandschaft wieder her", griff er stark in die Landschaft ein. Da der Ackerboden des ehemaligen traditionellen Bauernhofs "erschöpft" war, ließ er 5250 m3 von außerhalb herangekarrte Erde aufschütten. Zahlreiche außereuropäische Pflanzen wie Bambus wurden gepflanzt. Für die dekorativen Weizenfelder verwendete Caruncho moderne Sorten, in denen Wildkräuter mit Herbiziden abgetötet werden<ref>Gordon Taylor, Guy Cooper, Gardens for the Future - Gestures against the Wild. New York, Monicelli 2000, 179</ref>. Blumen wären in diesem Garten fehl am Platz, wer Blumen wolle, solle Sissinghurst besuchen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gordon Taylor, Guy Cooper, Dan Kiley: Mirrors of Paradise: The Gardens of Fernando Caruncho. Monacelli, New York 2000, ISBN 1-58093-071-9
  • Janet Waymark 2003. Modern garden design. Innovation since 1900. London, Thames and Hudson, 233–234.
  • Gordon Taylor, Reflections of Paradise, the Gardens of Fernando Caruncho Rizzoli International Publications 2020. ISBN 9780847868988.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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