Zum Inhalt springen

Festung Wesel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Karte der Stadt und Festung Wesel (um 1750).tif
Karte der Stadt und Festung Wesel (um 1750)

Die Festung Wesel war eine Verteidigungsanlage, welche die Altstadt von Wesel am Niederrhein umschloss. Ihr Kern war die teilweise erhalten gebliebene Zitadelle Wesel.

Geschichte der Festung[Bearbeiten]

Datei:Zitadelle Wesel2.jpg
Ein Teil der Zitadelle, heute als Musik- und Kunstschule genutzt
Datei:Wesel, Zitadelle, Haupttor -- 2016 -- 4321-7.jpg
Das Haupttor der Zitadelle in Wesel
Datei:Berliner Tor in Wesel, 2010.jpg
Das Berliner Tor (2010)
Datei:Fort Blücher Wesel 2013.jpg
Fort Blücher, im Hintergrund ein Teil der Niederrheinbrücke Wesel
Datei:Gedenkstein Alt-Büderich.JPG
Gedenkstein für das zerstörte Alt-Büderich
Datei:Friedenskirche zu den Heiligen Engeln - Fort Fusternberg 03.jpg
Ehem. Fort Fusternberg, Friedenskirche zu den Hl. Engeln
Datei:Wesel05.jpg
Eingang zum früheren Fort I (2004)

Bereits im Mittelalter bestand um die Hansestadt Wesel eine Stadtbefestigung.<ref>Jutta Prieur: Geschichte der Stadt Wesel - Band 2, S. 207</ref> 1568 ließ die Stadt auf eigene Kosten im Bereich des Flesgentors eine Bastion und damit ein festungstypisches Element errichten.<ref>Andreas Rutz: Krieg und Kriegserfahrung im Westen des Reiches 1568-1714, S. 250</ref> Im Verlauf des 17. Jahrhunderts wurde die zum preußischen Herrschaftsbereich zählende Stadt mehrfach von verschiedenen Mächten besetzt oder belagert.<ref name="c">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Wesel als Festungsstadt (Memento des Vorlage:IconExternal vom 9. Juli 2021 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wesel-tourismus.de (wesel-tourismus.de)</ref> Auf Befehl des preußischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm wurde ab 1681 der Umbau der Stadt zur Festung vorangetrieben.<ref name="a">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Stadtchronik (Memento des Vorlage:IconExternal vom 15. Juli 2021 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wesel775.de (wesel775.de)</ref> Im Süden der Stadt wurde zwischen 1688 und 1722 nach Plänen von Jean de Corbin und Jean de Bodt die Zitadelle als Festungsanlage innerhalb der Festung errichtet. Die Anlage der Zitadelle hatte die Form eines fünfzackigen Sterns und war durch mehrere stumpfe Bastionen in ihrem Osten und ihrem Westen an den die Stadt umschließenden Festungsgürtel angeschlossen.<ref name="b">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Zitadelle Wesel (Memento des Vorlage:IconExternal vom 15. Juli 2021 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wesel-tourismus.de (wesel-tourismus.de)</ref> Mit der Entstehung der Festung reduzierte sich die Zahl der nach Wesel führenden Stadttore von dreizehn auf nur noch vier.<ref name="c"></ref> Im Siebenjährigen Krieg war die Festung von den mit den Kaiserlichen verbündeten Franzosen besetzt. Am 22. März 1756 verließen die Preußen die Festung, am 8. April 1757 rücken die Franzosen ein. Vom 10. Oktober 1760 bis zum 18. Oktober 1760 wurde die Festung kurz von Graf Schaumburg belagert.<ref>https://militarymaps.rct.uk/the-seven-years-war-1756-63/map-of-the-siege-of-wesel-1757-60-wesel-north-rhine-westphalia-germany-51deg4000n-06deg3700e</ref>

Erste Kasernen in der Stadt wurden um 1770 gebaut, um Soldaten und ihre Familien dort unterbringen zu können. Um 1780 machten Soldaten und ihre Familienangehörigen etwas mehr als die Hälfte der rund 10.000 Stadtbewohner aus.<ref name="c"></ref> Am 8. November 1794 eroberten französische Truppen unter General Napoleon Bonaparte den linksrheinischen Ort Büderich und beschossen am Folgetag die Festungsstadt Wesel. Es kam zu keinen großen Schäden oder zivilen Todesopfern, während die Franzosen unter hohen Verlusten ihre Stellung in Büderich aufrechterhalten konnten.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.9. November 1794 - Während der „Affäre von Wesel“ beschoss französische Artillerie Stadt und Festung Wesel. (Memento vom 28. August 2016 im Internet Archive) (wesel.de)</ref> Von 1805 bis 1814 stand auch das rechtsrheinische Wesel unter französischer Herrschaft. In dieser Zeit kam es sowohl in der Stadt als auch an den Festungsanlagen zu Umgestaltungen, unter anderem entstand in dieser Zeit die Kaserne VIII als Teil der Zitadelle.<ref name="b"></ref> Als linksrheinischer Brückenkopf der Festung wurde zwischen 1807 und 1813 zudem die Citadelle Napoléon errichtet. Sie erhielt nach dem Ende der französischen Herrschaft den Namen Fort Blücher.<ref> Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Fort Blücher (Memento vom 27. November 2015 im Internet Archive) (clivia.belta.de)</ref> In 1811/1812 sind in die Zitadelle Dienstverweigerer aufbewahrt, die nachher in den Russlandfeldzug geschickt wurden. Zwischen dem 19. Dezember 1813 und Mitte Januar 1814 wurde der linksrheinisch gelegene Ort Büderich auf Befehl Napoleons vollständig zerstört, um bei einer zu erwartenden Verteidigung der Festung auch in diese Richtung über ein freies Schussfeld zu verfügen. Letztlich erwies sich diese Maßnahme als militärisch nicht notwendig. Dennoch verboten die Preußen anschließend eine Wiedererrichtung des Ortes, weil dieser sehr nah am Fort Blücher lag und eine mit hohen Kosten verbundene Befestigung daher notwendig gewesen wäre. Büderich wurde südwestlich seiner ursprünglichen Position wieder aufgebaut.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.06. Dezember 1813 - Zerstörung Büderichs auf Befehl von Napoleon (Memento vom 28. August 2016 im Internet Archive) (wesel.de)</ref> Am 8. Mai 1814 verließen die französischen Truppen die Festung Wesel.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.30. August 1813 - Die ersten Genter Seminaristen kommen nach Wesel (Memento vom 28. August 2016 im Internet Archive) (wesel.de)</ref> Weil Geschütze durch technischen Fortschritt eine größere Reichweite besaßen, wurde im 19. Jahrhundert die Notwendigkeit zur Errichtung von Außenforts gesehen. Unter anderem entstand zwischen 1856 und 1860 das Fort Fusternberg<ref name="c"></ref> und zwischen 1879 und 1882 das Fort I, welches zur militärischen Absicherung der Eisenbahnbrücke Wesel diente.<ref>Wesel: Blick hinter Kasernenmauer (rp-online.de)</ref>

1886 wurde die Entfestigung Wesels beschlossen und damit der Prozess der Schleifung eingeleitet. 1889 erwarb die Stadt Wesel große Teile des Festungsgeländes. Im Bebauungsplan des Kölner Baumeisters Josef Stübben gewann die Stadt so 62 Hektar an Bauland.<ref>Josef Stübben: Die Stadterweiterung von Wesel. In: Deutsche Bauzeitung, Jg. 25, Nr. 3 (10. Januar 1891), S. 13–15 mit Abbildung auf S. 17. (urn:nbn:de:kobv:co1-opus-24540)</ref> In den folgenden Jahren wurden die drei Stadttore Brüner Tor, Rheintor und Klever Tor entfernt und lediglich das Berliner Tor beibehalten<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Wanderungen eines Giebelfrieses (Memento vom 7. August 2016 im Internet Archive) (wesel.de)</ref> und auf dem Gebiet der ehemaligen Festungswälle entstanden Ringstraßen um die Stadt. Im Festungsglacis von Wesel direkt außerhalb der Wälle wurde ein Grüngürtel angelegt. Zahlreiche Festungsgebäude blieben jedoch erhalten, weswegen Wesel im Ersten Weltkrieg als Sammelpunkt für Soldaten genutzt werden konnte. Da das Rheinland durch den Versailler Vertrag entmilitarisiert wurde, blieben die Gebäude in der folgenden Zeit ohne Nutzung. Zur Zeit des Nationalsozialismus war Wesel dagegen Militärstandort und wurde angesichts dessen im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe weitgehend zerstört.<ref name="c"></ref>

Auswirkungen auf die Stadtentwicklung[Bearbeiten]

Von seiner günstigen geostrategischen Lage an den Flüssen Rhein und Lippe hatte Wesel wirtschaftlich profitiert und war im Spätmittelalter zur wohlhabenden Hansestadt geworden. Gleichzeitig war diese Lage maßgeblich für die Entstehung der Festung Wesel. Die Gründung der Festung sorgte für einen wirtschaftlichen Rückschritt, da bestimmte Wirtschaftszweige aufgegeben werden mussten und eine Ausdehnung städtebaulicher oder wirtschaftlicher Aktivitäten über den Ring der Festung hinaus nicht mehr möglich waren. Bis zur Entfestigung im späten 19. Jahrhundert war eine Bebauung in einem Radius von 1,5 Kilometern um die Festung herum untersagt<ref name="c"></ref> bzw. mit strengen Auflagen verbunden.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Schepersfeld (Memento vom 31. März 2018 im Internet Archive) (wesel.de)</ref> Die heute die Innenstadt direkt umschließenden dicht besiedelten Ortsteile Feldmark, Fusternberg und Schepersfeld und die nicht mehr bestehende Rheinvorstadt hatten 1858 zusammengerechnet lediglich 1.111 Einwohner.<ref name="d">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Feldmark und Fusternberg (Memento vom 31. März 2018 im Internet Archive) (wesel.de)</ref> Durch den fehlenden Platz zur Ausdehnung lag Wesel in den Bereichen Industrie und Handel deutlich hinter seinen Möglichkeiten und behielt auch in der Folgezeit vorerst die Prägung als Militärstandort und Verwaltungsstadt.<ref> Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Wesel - die eingeschnürte Stadt (Memento vom 10. Juni 2016 im Internet Archive) (kdg-wesel.de)</ref> Auch aufgrund der weiterhin vorhandenen militärischen Bedeutung wurde Wesel im Zweiten Weltkrieg stark zerstört.<ref name="c"></ref> Im Prozess des Wiederaufbaus nach 1945 konnte sich die Stadt hingegen von Entwicklungshemmnissen lösen. Unter anderem wuchsen früher außerhalb der Festung gelegene Stadtbereiche wie die Feldmark in dieser Phase stark an.<ref name="d"></ref>

Heutige Spuren der ehemaligen Festung[Bearbeiten]

Die Zitadelle der historischen Festung ist in Teilen erhalten und wird als Kulturzentrum genutzt. Sie ist Standort des Preußen-Museums Wesel, der städtischen Musik- und Kunstschule Wesel, des Stadtarchivs und einem Teil des Städtischen Museums.<ref name="b"></ref> Im Osten der Weseler Innenstadt ist das Berliner Tor als früheres Festungstor erhalten. Vom Klever Tor ist ein Giebelrelief erhalten und am heutigen Weseler Rathaus aufgestellt. Das linksrheinische Fort Blücher besteht nur noch als Ruine, Fort Fusternberg und das an der früheren Eisenbahnbrücke gelegene Fort I sind dagegen erhalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es zur Friedenskirche zu den Heiligen Engeln umgebaut.

Die Ringstraßen um die Weseler Innenstadt zeichnen in weiten Teilen früheren Verlauf der Festungswälle nach. Aus dem Festungsglacis entstanden stadtnahe Waldgebiete. Zudem war es namensgebend für die angrenzenden Straßen Am Lippeglacis, Am Nordglacis, Am Ostglacis und Am Westglacis.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />