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Fiedlerit

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Fiedlerit
Datei:Fiedlerite-112692.jpg
Farblose Fiedleritkristalle aus der Hafen-Schlacken-Lokalität, Lavrio, Attika, Griechenland (Bildbreite 3 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1994 s.p.<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Fie<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel Pb3(OH)FCl4·H2O<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Halogenide
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

III/C.05
III/D.08-040

3.DC.10
10.03.02.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin oder monoklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pinakoidal; 1 oder
monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe siehe Kristallstruktur
Gitterparameter siehe Kristallstruktur
Formeleinheiten siehe Kristallstruktur
Häufige Kristallflächen {100}, gestreckt nach [010]<ref name="Handbookofmineralogy" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte ≈ 3,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 5,88; berechnet: 5,15 (2M) oder 5,69 (1A)<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit gut nach {100}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe farblos bis weiß
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Diamantglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,980
nβ = 2,040
nγ 2,100<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,120<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig negativ

Fiedlerit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Halogenide“ mit der chemischen Zusammensetzung Pb3(OH)FCl4·H2O,<ref name="StrunzNickel" /> also ein wasserhaltiges Blei-Oxihalogenid. Kristallographisch gesehen ist Fiedlerit ein Polytyp, das heißt seine Kristallstruktur besteht aus einem Schichtgitter mit abwechselnd in trikliner bzw. monokliner Symmetrie kristallisierenden Struktureinheiten. Zur Unterscheidung werden diese zwar gelegentlich als Fiedlerit-1A bzw. Fiedlerit-2M bezeichnet, gelten jedoch nicht als eigenständige Modifikationen und Minerale.<ref name="IMA-Liste" />

Fiedlerit entwickelt tafelige, leistenförmige Kristalle und Kombinationen bis etwa zwei Millimeter Größe mit diamantähnlichem Glanz auf den Oberflächen. In reiner Form sind die Kristalle farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung können diese aber auch weiß erscheinen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Fiedlerit in den alten Schlackehalden bei Lavrio in der griechischen Region Attika und beschrieben 1887 durch Gerhard vom Rath, der das Mineral nach dem sächsischen Kommissar für Bergbau Karl Gustav Fiedler (1791–1853) benannte.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Fiedlerit zur Mineralklasse der „Halogenide“ und dort zur Abteilung „Oxidhalogenide“, wo er gemeinsam mit Bismoclit, Cotunnit, Daubréeit, Laurionit, Matlockit, Paralaurionit, Pseudocotunnit und Zavaritskit in der „Fiedlerit-Laurionit-Matlockit-Gruppe“ mit der Systemnummer III/C.05 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer III/D.08-040. Dies entspricht der Klasse der „Halogenide“ und dort der Abteilung „Oxihalogenide“, wo Fiedlerit zusammen mit Brontesit, Challacolloit, Cotunnit, Hephaistosit, Laurionit, Paralaurionit, Pseudocotunnit und Steropesit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer III/D.08 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Fiedlerit in die Klasse der „Halogenide“ und dort in die Abteilung „Oxihalogenide, Hydroxyhalogenide und verwandte Doppel-Halogenide“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit Pb (As, Sb, Bi) ohne Cu“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 3.DC.10 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Fiedlerit die System- und Mineralnummer 10.03.02.01. Das entspricht der Klasse der „Halogenide“ und dort der Abteilung „Oxihalogenide und Hydroxyhalogenide“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Oxihalogenide und Hydroxyhalogenide mit der Formel A3(O,OH)2Xq“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 10.03.02.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Fiedlerit-1A kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2 mit den Gitterparametern a = 8,57 Å; b = 8,04 Å; c = 7,28 Å; α = 90,0°; β = 102,0° und γ = 103,4° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Fiedlerit-2M kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/a (Nr. 14, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/14.3 mit den Gitterparametern a = 16,68 Å; b = 8,04 Å; c = 7,28 Å und β = 102,6° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Datei:Fiedlerite-112695.jpg
Fiedlerit mit deutlichen Spaltrissen aus der Vrissaki-Schlackenlokalität, Lavrio, Attika, Griechenland (Bildbreite 3 mm)

Fiedlerit bildet sich sekundär als Reaktionsprodukt aus bleihaltigen Schlacken mit halogenhaltigem Meerwasser. Als Begleitminerale können je nach Fundort Cotunnit, Laurionit, Penfieldit und Phosgenit auftreten.

Als seltene Mineralbildung konnte Fiedlerit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2014) etwas mehr als 10 Fundorte bekannt sind.<ref name="MindatAnzahl" /> An seiner Typlokalität Lavrio in Griechenland fand man das Mineral auf mehreren alten Schlackehalden wie unter anderem im Hafen von Laurion, bei St. Nikolas, Mikrolimanou, Oxygon, Panormos, Passa Limani, Sounion, Thorikos, Tourkolimanon und Vrissaki.

Der bisher einzige bekannte Fundort in Deutschland ist die Zeche Christian Levin in Essen und in Österreich kennt man Fiedlerit bisher nur aus einer Schlackenhalde bei Waitschach in Kärnten.

Weitere bisher bekannte Fundorte sind Baratti in der italienischen Gemeinde Piombino, Argent in der südafrikanischen Provinz Gauteng und die Schlackenlokalität „The Gannel Smelter“ bei Crantock nahe St Agnes in der englischen Grafschaft Cornwall.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard vom Rath: Einige mineralogische und geologische Mittheilungen. In: Niederrheinische Gesellschaft für Natur und Heilkunde in Bonn. Band 102 (1887), S. 149–154.
  • Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 370.
  • Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 495 (Erstausgabe: 1891).

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Fiedlerite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> Fiedlerite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 70,5 kB) </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Fiedlerit beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Mindat - Fiedlerite </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Mindat - Anzahl der Fundorte für Fiedlerit </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 176. </ref> </references>