Filterselbstretter
Ein Filterselbstretter,<ref name="Quelle 1" /> auch Selbstretter<ref name="Quelle 2" /> oder Selbstrettungsgerät genannt,<ref name="Quelle 3" /> ist ein Atemschutzgerät, das im Steinkohlenbergbau unter Tage im Gefahrenfall zum Einsatz kommt.<ref name="Quelle 1" /> Der Filterselbstretter wird von den Bergleuten im Steinkohlenbergbau mit in die Grube genommen und ständig am Mann mitgeführt.<ref name="Quelle 4" /> Der Filterselbstretter ist kein Arbeitsgerät, sondern ein reines Fluchtgerät.<ref name="Quelle 1" />
Grundlagen und Geschichte[Bearbeiten]
Im Bergbau können unter Tage durch Grubenbrände oder Schlagwetterexplosionen giftige Gase in den Wetterstrom gelangen.<ref name="Quelle 5" /> Insbesondere bei Grubenbränden, aber auch in den Nachschwaden von Schlagwetterexplosionen, ist dann in den Wettern Kohlenstoffmonoxid enthalten.<ref name="Quelle 7" /> Der Bergmann nennt solche Wetter Brandwetter oder Böse Wetter.<ref name="Quelle 1" /> Für den Bergmann sind solche Wetter ab einer bestimmten, schon sehr niedrigen, Konzentration nicht mehr atembar.<ref name="Quelle 5" /> Die giftigen Gase werden mit dem Wetterstrom durch die Grubenbaue geleitet und können dadurch viele Bergleute gefährden.<ref name="Quelle 7" /> Atmet ein Bergmann solche Wetter ein, kann dies zu schweren Vergiftungen bis hin zum Tod führen.<ref name="Quelle 4" /> Vor diesen Gefahren müssen sich die Bergleute im Eventualfall schützen können.<ref name="Quelle 6" /> Seit Ende der 1950er Jahre wurden im deutschen Steinkohlenbergbau die Bergleute mit Filterselbstrettern ausgerüstet.<ref name="Quelle 4" /> In den Bergbaubetrieben der Europäischen Gemeinschaft, im australischen und auch im amerikanischen Bergbau ist das Mitführen eines Filterselbstretters Pflicht.<ref name="Quelle 5" /> Die Filterselbstretter werden während der Schicht von jedem Bergmann am Mann mitgeführt und nach der Schicht über Tage in der Lampenstube wieder gelagert.<ref name="Quelle 8" />
Aufbau und Funktion[Bearbeiten]
Der Filterselbstretter besteht aus einer Tragebüchse, in der der eigentliche Filter untergebracht ist.<ref name="Quelle 6" /> Der Filterselbstretter wird entweder mit einer Gürtelschnalle oder einem Schultertrageband versehen, um ihn am Mann tragen zu können.<ref name="Quelle 9" /> Der eigentliche Filter besteht aus einem CO-Katalysator, einem Grobstaubfilter, einem Feinstaubfilter und einem Trockenmittel.<ref name="Quelle 6" /> Der Katalysator besteht aus Hopcalite, in dem das giftige Kohlenmonoxid in Kohlendioxid umgewandelt wird. Durch die Katalyse wird das Hopcalit stark erhitzt.<ref name="Quelle 2" /> Damit der Katalysator nicht durch die Luftfeuchtigkeit unbrauchbar wird, wird die Atemluft mittels Trockenmittel vorher getrocknet.<ref name="Quelle 6" /> Dieses Trockenmittel besteht aus Aktivkohle.<ref name="Quelle 5" /> Der Grobstaubfilter und der Feinstaubfilter filtern die in den Wettern vorhandenen Stäube heraus. Um die Luft aus dem Filter einatmen zu können, besitzt der Filterselbstretter ein Gummimundstück. Dieses Gummimundstück ist mit Beißnocken versehen und in ein Mundstückgehäuse eingebaut. Über den Luft- und Speichelkanal ist das Mundstück mit dem Filter verbunden. Über je ein Ein- und ein Ausatemventil wird die Atemluft entsprechend weitergeleitet. Dadurch wird die ausgeatmete Luft nicht wieder über den Katalysator geleitet. Damit der Bergmann nicht aus Versehen durch die Nase atmet, besitzt der Filterselbstretter eine Nasenklemme.<ref name="Quelle 6" />
Einsatz[Bearbeiten]
Filterselbstretter werden verwendet, damit die Bergleute aus einem durch Brandwetter kontaminierten Bereich in den Frischwetterstrom fliehen können.<ref name="Quelle 1" /> Um dies zu gewährleisten, muss der Filterselbstretter eine genügend große Gebrauchsdauer aufweisen.<ref name="Quelle 2" /> Bei der Auswahl des Gerätes für die Selbstrettung muss der Unternehmer die zu erwartende Art und Konzentration des Schadstoffes und die Länge des Fluchtweges berücksichtigen.<ref name="Quelle 10" /> Die Haltezeit von heutigen Filterselbstrettern liegt bei 90 Minuten.<ref name="Quelle 11" /> Es gibt auch Filterselbstretter, die zwei Stunden und länger halten.<ref name="Quelle 9" /> Wie lange ein Filterselbstretter im Einsatz schützt, hängt letztendlich von der Konzentration der Schadgase (Kohlenmonoxid) ab.<ref name="Quelle 5" /> Jeder Filterselbstretter darf nur einmal benutzt werden.<ref name="Quelle 9" /> Aber auch die Lebensdauer von Filterselbstrettern ist begrenzt, sie liegt im Durchschnitt bei vier Jahren.<ref name="Quelle 6" /> Durch den Einsatz von Filterselbstrettern konnte bereits hunderten Bergleuten das Leben gerettet werden.<ref name="Quelle 5" /> Alleine im Ruhrbergbau konnten in der Zeit von 1953 bis 1960 mehr als 600 Bergleute mit dem Filterselbstretter aus einem Gefahrenbereich in sichere Wetter flüchten.<ref name="Quelle 6" /> Bis zum Jahr 2013 wurden in rund 600 Fällen über 7500 Filterselbstretter zur Flucht genutzt.<ref name="Quelle 11" />
Einsatzgrenzen[Bearbeiten]
Der Einsatz von Filterselbstrettern wird in erster Linie durch den Gehalt an Sauerstoff in den Wettern begrenzt.<ref name="Quelle 5" /> Um den Filterselbstretter wirksam einsetzen zu können, müssen die Wetter einen Sauerstoffgehalt von über 19 Prozent aufweisen.<ref name="Quelle 2" /> In Bereichen, in denen nicht der erforderliche Restsauerstoffgehalt vorhanden ist, sind Filterselbstretter wirkungslos.<ref name="Quelle 11" /> In diesen Bereichen können Filterselbstretter im Eventualfall nicht verwendet werden, hier müssen Sauerstoffselbstretter verwendet werden. Diese Geräte sind von der Außenluft unabhängig anwendbar.<ref name="Quelle 4" /> Eine weitere Einsatzgrenze ist die Haltezeit, wird diese im Einsatz überschritten, verliert der Filterselbstretter seine schützende Wirkung.<ref name="Quelle 5" /> Auch bei anderen Gasen als Kohlenmonoxid ist der Filterselbstretter wirkungslos.<ref name="Quelle 3" />
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Quelle 1">Walter Bischoff, Heinz Bramann, Westfälische Berggewerkschaftskasse Bochum: Das kleine Bergbaulexikon. 7. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen 1988, ISBN 3-7739-0501-7.</ref> <ref name="Quelle 2">Horst Roschlau, Wolfram Heinze, SDAG Wismut (Hrsg.): Wissensspeicher Bergbautechnologie. 1. Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1974.</ref> <ref name="Quelle 3">B. W. Boki, Gregor Panschin: Bergbaukunde. Kulturfonds der DDR (Hrsg.), Verlag Technik Berlin, Berlin 1952, S. 632.</ref> <ref name="Quelle 4">Wirtschaftsvereinigung Bergbau e.V.: Das Bergbau Handbuch. 5. Auflage, Verlag Glückauf GmbH, Essen, 1994, ISBN 3-7739-0567-X, S. 54–55.</ref> <ref name="Quelle 5">Eric A.C. Chamberlain, Kommission der Europäischen Gemeinschaften (Hrsg.): Verwendung von Filter-Selbstrettern im europäischen Bergbau. Luxemburg 1980 1994, S. 8–23.</ref> <ref name="Quelle 6">Carl Hellmut Fritzsche: Lehrbuch der Bergbaukunde. Zweiter Band, 10. Auflage, Springer Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1962.</ref> <ref name="Quelle 7">Werner Koller: Schutzpatronin ist die Hl. Barbara, Rettung im Zeichen von Schlägel und Eisen. In: Bundesverband für Selbstschutz. (Hrsg.): ZS Magazin, Zeitschrift für Zivilschutz, Katastrophenschutz und Selbstschutz. Nr. 5'73, Verlag P.A. Santz (Altena), Köln Mai 1973, S. 4–10.</ref> <ref name="Quelle 8">Von Kopf bis Fuß. In: Gesamtverband Steinkohle e.V. (Hrsg.): Unsere Steinkohle und das Revier, 3. Auflage, Druck B.o.s.s. Druck (Goch), Herne 2010, S. 16–17.</ref> <ref name="Quelle 9">MSA Safety Company (Hrsg.): Fluchtgeräte Programm, für eine sichere Flucht. MSA Auer GmbH, Berlin, S. 4–6.</ref> <ref name="Quelle 10">Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Elektrotechnik (Hrsg.): Benutzung von Atemschutzgeräten BGR 190. Fachausschuss „Persönliche Schutzausrüstungen“ der BGZ, Köln 2004.</ref> <ref name="Quelle 11">Heinrich Otto Buja: Ingenieurhandbuch Bergbautechnik, Lagerstätten und Gewinnungstechnik. 1. Auflage, Beuth Verlag GmbH Berlin-Wien-Zürich, Berlin 2013, ISBN 978-3-410-22618-5, S. 390.</ref> </references>
Weblinks[Bearbeiten]
- Filterselbstretter. In: Das Atemschutzlexikon. Abgerufen am 13. Juni 2014.
- Siegfried Schönfeld: Filterselbstretter. (Flash-Video, 6:54 min) Ein Lampenmeister erzählt im LWL-Industriemuseum, Zeche Zollern. Abgerufen am 13. Juni 2014.
- A 1.4.3.1.3 Filterselbstretter. In: BGR/GUV-R 190: Benutzung von Atemschutzgeräten. BG Bau, abgerufen am 13. Juni 2014.