Finkenbude
Die Finkenbude war eine Gaststätte in der Stadt Altona, die für ihr zwielichtiges Publikum berüchtigt war. Das Lokal befand sich in der Finkenstraße 13 nahe dem Nobistor und war eine sogenannte „Penne“, was bedeutete, dass hier zu geringen Preisen Übernachtungsmöglichkeiten minderer Qualität geboten wurden.
Name, Lage und Lokalität[Bearbeiten]
Dass der Besitzer, ein gewisser A. Stuhlmann, die Finkenbude nach der Straße, in der sie lag, benannt hatte, scheint naheliegend, ist aber nicht gesichert. Mit dem Begriff „Finken“ bezeichnete man im Rotwelsch Gauner, auf dem sogenannten „Finkenstrich“ arbeiteten männliche Prostituierte und das Entgelt für käufliche Liebe hieß in Hamburg bereits im Mittelalter „Finkengeld“. Die zwielichtige Bedeutung des Wortes bezeugte auch der Vers:
- Die Finken schlagen
- Der Krach ist da
- Und keiner kann sagen
- Wie es geschah.<ref>Parodie auf das vierstrophige Frühlinglied von Felix Dahn:
- Die Finken ſchlagen, der Lenz iſt da!
- Und keiner kann ſagen, wie es geſchah,
- Er iſt leiſe kommen wohl über nacht
- Und plötzlich erglommen in aller Pracht;
- Es rieſeln die Quellen, es wehet lau,
- Die Knoſpen ſchwellen, der Himmel iſt blau,
- Laßt läuten die Glocken fern und nah,
- Sie ſollen frohlocken: der Lenz iſt da!
(Blüten und Perlen deutſcher Dichtung. Für Frauen ausgewählt von Frauenhand. Neue Miniatur-Ausgabe mit 10 Illuſtrationen. Neunundzwanzigſte Auflage. Halle [1887], S. 339, archive.org)</ref>
Die Finkenbude wurde regelmäßig von der Polizei durchsucht. Von außen machte die Gaststätte den Eindruck eines Lagerraums, innen befanden sich zwar wenige Tische und Bänke, aber keine Stühle. Logiergäste konnten in einem Hinterraum übernachten.<ref>Dr. Barbara Müller-Wesemann in J. Wiegandt (Hrsg.): Hamburger Liederbuch Lieder und Lexikon. München 2001, Dölling und Galitz Verlag, ISBN 3-935549-13-X, S. 53.</ref> Die Finkenbude wurde wahrscheinlich Mitte der 1930er Jahre geschlossen und am 15. Dezember 1936 abgebrochen.
Kulturelle Rezeption[Bearbeiten]
Kurt Tucholsky beschrieb unter seinem Pseudonym „Peter Panter“ in der Vossischen Zeitung einen Besuch in der Finkenbude im Jahr 1927:
„In der ‚Finkenbude‘ (Finkenstraße) war, als wir eintraten, jener schnelle kühle Luftzug durch das Lokal geflitzt, der immer hindurchzuziehen pflegt, wenn Leute eintreten, die da nichts zu suchen haben – telepathisch geht ein unhörbares Klingelzeichen durch den Raum ‚Achtung! Polente!‘ Und dann sehen die Leute so unbefangen drein, und die Kartenspieler spielen so eifrig und so harmlos und alle sind so beschäftigt ...“<ref>Peter Panter: Auf der Reeperbahn nachts um halb eins. In: Vossische Zeitung. Ullstein, Berlin 19. August 1927 (staatsbibliothek-berlin.de [PDF; 3,9 MB]).</ref><ref>Mary Gerold, Fritz J. Raddatz (Hrsg.): Kurt Tucholsky Gesammelte Werke Band 5 1927. Rowohlt, Reinbek 1989, S. 282.</ref><ref>Tucholsky – Hamburg: Auf der Reeperbahn nachts um halb eins. In: textlog.de. Abgerufen am 9. Februar 2017.</ref>
Hans Leip verglich in seinem 1958 veröffentlichten Bordbuch des Satans, einer Geschichte der Piraterie, die Zustände im von versprengten Piraten geprägten Nassau (Bahamas) zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit der Finkenbude, in der die implizit geringe behördliche Kontrolle sogar noch erheblicher gewesen sei als in der Stadt auf New Providence (Bahamas).<ref>Hans Leip: Bordbuch des Satans. Arthur Moewig Verlag, Rastatt 1986, ISBN 3-8118-2349-3, S. 66.</ref>
Weblinks[Bearbeiten]
- Die Finkenbude um 1930, fotografiert von Emil Puls.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />