Franz Xaver Beck
Josef Franz Xaver Beck (* 6. März 1827 in Sursee; † 30. August 1894 ebenda) war ein Schweizer Politiker der katholisch-konservativen Fraktion (spätere CVP) sowie Gross- und sogenannter „Herrenbauer“ auf dem Beckenhof in Sursee.
Biografie[Bearbeiten]
Beck wuchs als Sohn des Surseer Grossbauern und Bezirksrichters Franz Xaver Josef Beck-Egli auf dem Beckenhof auf. Sowohl die Mutter als auch der Zwillingsbruder starben beide bei der Geburt, sodass Beck von seinen ledigen Tanten erzogen wurde. Die Primarschule besuchte er in Sursee. Danach wurde er für einen gymnasialen Vorkurs sowie die erste Gymnasialklasse an das Kollegium St. Michael in Freiburg im Üechtland zu den Jesuiten geschickt. Im Herbst 1842 kam er ans Gymnasium in Luzern, wo er der Luzerner Sektion des Schweizerischen Studentenvereins (heute: A.V. Semper Fidelis Luzern) beitrat.
Anschliessend zog es Beck an die Universitäten München und Freiburg im Breisgau, wo er philosophische, historische sowie juristische Vorlesungen besuchte. Seine Studien blieben jedoch ohne Abschluss. Um die familiären Güter in Sursee zu übernehmen, absolvierte er die landwirtschaftliche Hochschule Hohenheim bei Stuttgart. In den Jahren 1847 bis 1849 war Beck Mitglied des Zentralkomitees des Schweizerischen Studentenvereins. Während des Sonderbundskriegs diente er als junger Scharfschützenleutnant in der Sonderbundsarmee. In dieser Funktion war er mit seinen militärischen Untergebenen in ein Geplänkel bei Geuensee verwickelt. In der Folge der Eroberung Sursees durch die eidgenössischen Koalitionstruppen wurde der Beckenhof von den Truppen besetzt.
Nach Abschluss der Ausbildung in Hohenheim unternahm Beck eine grosse Reise durch die Nachbarländer Deutschland, Frankreich und Italien mit dem Ziel, die Leute, die Länder und vor allem die Landwirtschaft kennenzulernen. Anschliessend kehrte er 1850 nach Sursee zurück, um die familiären Güter zu übernehmen. Obwohl er die nötigen landwirtschaftlichen Kenntnisse gehabt hätte, bewirtschaftete er den Beckenhof sowie die später hinzugekauften Güter als sogenannter „Herrenbauer“.
1851 heiratete Beck mit Marie Leu von Ebersol die Tochter des am 20. Juli 1845 im Schlafe ermordeten konservativen Ratsherrn Josef Leu von Ebersol. Der Ehe entsprangen acht Kinder:
- Franz Beck
- Fritz Beck
- Jules Beck, Fürsprech
- Joseph Beck, Theologe
- Karl Beck, Arzt, Sanitätsrat
- Hedwig Borsinger Beck
- Maria Paula Beck, Generaloberin der Menzinger Schwestern
- Theresia Beck, Generaloberin der Ingenbohler Schwestern
Öffentliches Wirken[Bearbeiten]
1859 gründete Beck mit einigen Gleichgesinnten den Luzerner Bauernverein (Präsident 1860). In den Jahren 1864 bis 1867 amtete er als Ortsbürgerrat der Stadt Sursee. Von 1868 bis 1881 war er Bezirksrichter. In den Jahren 1871 bis 1891 hatte Beck Einsitz im Grossen Rat des Kantons Luzern. Seine Person bleibt unzertrennbar verbunden mit den konservativen Wahlsiegen im Kanton Luzern 1869 resp. 1871. Damals sammelten sich die konservativen Kräfte des Kantons unter Becks Führung, um die nach dem Sonderbundskrieg von aussen eingesetzte liberale Regierung zu verdrängen. Das Herrenhaus am Beckenhof diente damals als Sitz des konservativen Zentralkomitees. Im Zuge des konservativen Wahlsieges zog Beck 1869 in den Nationalrat ein, welchem er bis zu seinem Tod (er starb im Amt) 1894 angehörte.
Im Nationalrat nahm sich Beck vor allem Landwirtschaftlicher Anliegen an. So machte er sich unter anderem verdient um die Entschuldung des bäuerlichen Heimwesens sowie für Subventionen für die Verbesserung der Alpbewirtschaftung in der Schweiz. Daneben war er als Schätzungsexperte auf landwirtschaftlichem Gebiet tätig. Selber hatte Beck im Privaten ein ausserordentliches Gespür für geschäftliche Angelegenheiten. So mehrte er das Vermögen der Familie durch kluge Hinzukäufe und Veräusserungen von Grundstücken. Die Ruine Neu-Habsburg in Meggen, auf der später das heutige Schloss erbaut wurde, sei an dieser Stelle speziell erwähnt. Am 30. August 1894 starb Beck an den Folgen einer Typhus-Erkrankung, die er sich während eines Aufenthalts mit seiner Familie auf der familieneigenen Alp Kadhus zuzog.
Wahrnehmung[Bearbeiten]
In der Festschrift der Luzerner CVP zu ihrem 150-Jahre-Jubiläum wird Beck als Idealtypus des katholisch-konservativen Politikers seiner Zeit bezeichnet. Er gehörte dem Schweizerischen Studentenverein an und sass in jungen Jahren in dessen Zentralkomitee, er gehörte dem Piusverein an und war Mitglied dessen Zentralkomitee. Ausserdem war er einflussreiches Mitglied seiner katholisch-konservativen Fraktion. Weiter galt Beck als Vertreter der ultramontanen Richtung und war im Wesen und Denken demjenigen seines Schwiegervaters Josef Leu von Ebersol verpflichtet, so sei er zeit seines Lebens dem Radikalismus gegenüber unversöhnlich geblieben. Sicherlich spielten seine Erfahrungen aus den schwierigen Zeiten der 1840er Jahre sowie aus dem Sonderbundskrieg eine Rolle. Er galt jedoch nicht zu den Fanatikern der ultramontanen Richtung. Der Bundesrat schrieb zu seinem Ableben der Luzerner Regierung in seinem Beileidsschreiben: «Der Kanton Luzern verliert an dem Dahingeschiedenen einen seiner bewährtesten Bürger, einen Mann, der ihm während seiner langen Reihe von Jahren in treuer Hingebung gedient und dem Vaterland namentlichauf dem Gebiet der Landwirtschaft wesentliche Dienste geleistet hat.»
Anlässlich des Todes von Franz Xaver Beck-Leu schrieb die gegnerische liberale NZZ in ihrer Abendausgabe vom 1. September 1894:
„In der neueren politischen Geschichte des Kantons Luzern, von der Niederwerfung des Sonderbundes an gerechnet, giebt (sic!) es nicht viele Figuren, die mehr hervortreten, als diejenige des Nationalrates Franz Xaver Beck-Leu von Sursee …. Beck-Leu war lange Jahre die Seele des in Sursee domizilierten konservativen Centralkomitees (sic!), welches man seit 1871 nicht ganz mit Unrecht als die Regierung Nr. 1 bezeichnet hat. Am Sturze des liberalen1848er Regimentes arbeitete Beck-Leu unausgesetzt und unter Einsetzung seiner ganzen Kraft, und als dasselbe im Jahre 1871 dann zusammenbrach, war er fortan die Hauptstütze der neuen konservativen Regierung unter dem Landvolke ….In politischer Beziehung war Beck-Leu, wie es sein Schwiegervater Ratsherr Leu gewesen, der hervorragendste Repräsentant des ultramontanen Intransigentismus. Damit ist auch gesagt, daß sein Name bei der liberalen Partei einen herben, um nicht zu sagen verhaßten Klang hatlte. Beck-Leu that (sic!) freilich nichts, um die Antipathie des politischen Gegners auf ein geringeres Maß hinabzustimmen; er war auch in seiner Ausdrucksweise rauh und derb, dabei leicht erregbar und aufbrausend. Manche erregte und stürmische Episode im luzernischen Großen Rate knüpft sich an den Namen Beck-Leu; er schonte den Gegner nicht, wurde aber auch von diesem nicht geschont …. Etwas darf bei dem ins Grab gesunkenen poltischen Gegner ohne Rückhalt anerkannt werden: dessen offenes Aüuge für soziale Schäden und dessen redliches Bestreben, zur Heilung und Minderung derselben mitzuwirken. Beck-Leu beschäftigte sich viel mit sozialen Fragen, zunächst allerdings, soweit die ländliche Bevölkerung hiefür in Betracht fällt; in zweiter Linie aber auch mit der sozialen Lage im allgemeinen. Wurden Änträge im Großen Rate oder im Nationalrate eingebracht, welche die Verbesserung des Loses der untern Volksschichten im Auge hatten, so konnte man auf die Unterstützung Beck-Leus zählen …, Ich konstatiere im Vorbeigehen auch, daß Beck-Leu einer der ersten war, welcher Ihrem Korrespondenten seiner Zeit die Unterstützung für den Antrag auf Einführung eines progressiven Steuersystems zusagte. In solchen Fragen stand Beck-Leu eben durchaus nicht im Banne der herkömmlichen konservativen Anschauungen, sondern war stets für Neuerungen zu haben, die ihm rationell schienen. Abbẽ Dr. Beck, Professor in Freiburg, ist ein Sohn Beck-Leus, und dieser schweizerische „Soziologe“ hat seinen Eifer für soziale Fragen, den er u. a. bei der JInitiative des schweiz. Arbeiterbundes betr. allgemeine unentgeltliche Krankenpflege in der bekannten Weise bethätigte (sic!), jedenfalls im Vaterhause geerbt und entwickelt. Ich schmeichle mir nicht, 'in obigen Zeilen ein erschöpfendes Bild des heimgegangenen politischen Gegners geschaffen zu haben, aber ich glaube doch die Hauptzüge desselben richtig wiedergegeben zu haben. Möge dem alten rüden Kämpfer der ewige Friede zu teilwerden“<ref>Einen Moment bitte, die Ausgabe wird geladen... Abgerufen am 17. Juni 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Sebastian Grüter: Geschichte des Schweizerischen Studentenvereins. Luzern 1925.
- CVP Kt. Luzern: 150 Jahre Politik für Luzern: der Weg einer Partei.
- Markus Trüeb: Beck, Franz Xaver. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Beck, Franz Xaver |
| ALTERNATIVNAMEN | Beck, Josef Franz Xaver (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Politiker |
| GEBURTSDATUM | 6. März 1827 |
| GEBURTSORT | Sursee |
| STERBEDATUM | 30. August 1894 |
| STERBEORT | Sursee |