Frederick Trump

Frederick Trump (* 14. März 1869 in Kallstadt, Pfalz, Königreich Bayern als Friedrich Trump; † 30. Mai 1918 in New York City, USA) war ein deutsch-amerikanischer Unternehmer. Er machte sein Vermögen mit dem Betrieb von Restaurants im Nordwesten der USA und im kanadischen Yukon-Territorium, insbesondere während des Klondike-Goldrausches. Sein Enkel ist US-Präsident Donald Trump.
Herkunft[Bearbeiten]
Der Name Trump lässt sich in Friedrich Trumps Ahnenreihe bis zu Johann Sebastian Trump zurückverfolgen, der 1699 in Bobenheim am Berg geboren wurde.<ref name=gedbas1>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Ancestors of Friedrich TRUMP (Vorfahren von Donald J. Trumps Großvater) ( vom 6. August 2019 im Internet Archive)</ref><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Ancestors of Christian Johannes TRUMP (Vorfahren von Donald J. Trumps Urgroßvater) ( vom 6. August 2019 im Internet Archive)</ref> Eine Verbindung zu Kallstadt kann ab Friedrich Trumps Großvater Johannes Trump (1789–1836) festgestellt werden. Dieser wurde in Bobenheim am Berg geboren und heiratete in Kallstadt, wo er auch starb.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Johannes TRUMP (Altvater (Ururgroßvater) von Donald J. Trump) ( vom 30. Juli 2019 im Internet Archive)</ref> Grabstein-Inschriften aus dem 21. Jahrhundert auf dem Dorffriedhof zeigen, dass Mitglieder der Familie Trump in Kallstadt weiterhin präsent sind. Friedrich Trumps Mutter entstammte einer Winzerfamilie in Wachenheim.<ref name=gedbas1 /><ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 29.</ref>
Friedrich Trump war ein Cousin zweiten Grades des Ketchup-Unternehmers Henry John Heinz, dessen Großmutter eine geborene Trump war.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Charlotta Louisa Christine TRUMP. ( vom 12. November 2016 im Internet Archive) gedbas.genealogy.net; zum Vornamen vgl. Joshua Kendall: America’s Obsessives: The Compulsive Energy That Built a Nation. Grand Central Publishing, New York, Boston 2013, S. 64.</ref> Trumps Sohn Fred erfand nach dem Zweiten Weltkrieg eine Herkunft aus Schweden mit der angeblichen Heimatstadt Karlstad,<ref>Hannelore Crolly: Donald Trump, King of Kallstadt. In: Die Welt, 24. August 2015.</ref> um problemlos mit Immobilien handeln zu können, was er mit einer deutschen Abstammung nicht für möglich hielt.<ref>Donald Trump’s drive to surpass his father’s success, Matt Viser, The Boston Globe, 16. Juli 2016</ref> An dieser Fiktion hielt auch dessen Sohn Donald noch bis in die 1980er Jahre fest.<ref>Donald J. Trump, Tony Schwartz: Trump. The Art of the Deal. Ballantine, New York 1987, ISBN 0-345-47917-3, S. 66</ref>
Kindheit und Jugend in der Pfalz[Bearbeiten]
Friedrich Trump wurde 1869 in Kallstadt, damals wie die gesamte Pfalz zum Königreich Bayern gehörend, als Sohn von Johannes Trump und Katharina Kober geboren. Er hatte vier Schwestern und einen Bruder. Die Familie besaß ein kleines Weingut, aber der Vater war schon bei Friedrichs Geburt lungenkrank, und als er 1877 starb, hinterließ er wegen der Arztkosten hohe Schulden. Deshalb mussten die älteren Geschwister im Weingut mitarbeiten. Friedrich erschien der Mutter als für diese harte Arbeit nicht geeignet, und deshalb schickte sie ihn im Alter von 14 Jahren in das nahe gelegene Frankenthal, wo er eine Ausbildung zum Friseur machte.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 28–30.</ref>
Auswanderung nach New York[Bearbeiten]
Als Friseur hätte Trump im kleinen Kallstadt (damals knapp 1.000 Einwohner) kein Auskommen gefunden. Da seine älteste Schwester Katharina bereits im Jahr zuvor nach New York ausgewandert war und dort ihren ebenfalls aus Kallstadt stammenden Verlobten Friedrich Schuster geheiratet hatte, entschied er sich nach dem Abschluss seiner Lehre 1885 – erst 16-jährig –, ihr dorthin zu folgen.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 30 f.</ref> Nach zwölftägiger Seereise von Bremerhaven nach New York City an Bord der Eider, eines Schnelldampfers des Norddeutschen Lloyd, betrat er am 19. Oktober 1885 erstmals amerikanischen Boden.<ref>Ted Widmer: An Immigrant Named Trump, newyorker.com, 1. Oktober 2016</ref> Bei der Einwanderungsbehörde Castle Garden wurde er unter dem Namen „Friedr. Trumpf“ registriert.<ref>German, French, and Swiss Passenger Records, ca. 1820 - ca. 1912, archives.gov</ref>
Deutsche waren damals in den Vereinigten Staaten sehr gern gesehen und stellten seit Jahrzehnten die größte Gruppe von Einwanderern.<ref name="blair31">Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 31.</ref> Insbesondere waren sie als gute Arbeiter begehrt, und amerikanische Bundesstaaten und große Unternehmen wie etwa die Northern Pacific Railroad warben in Deutschland, und besonders in der Pfalz, aus der ein großer Anteil der Deutschamerikaner stammte,<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 25–27.</ref> in großem Stil um Auswanderungswillige. Allein in den 1880er Jahren folgten über eine Million Deutsche diesem Ruf.<ref name="blair31" /> Einer der Gründe, der auch für Friedrich Trump von Bedeutung war, war das in der Pfalz geltende Prinzip der Realteilung, wodurch er nur einen Bruchteil des ohnehin nicht großen Grundbesitzes der Mutter erben würde, während in den USA jedermann bis zu 160 Acres (etwa 65 Hektar) Land erwerben konnte, indem er es fünf Jahre lang bewirtschaftete (Homestead Act).<ref name="blair31" />
Trump zog bei den Schusters in deren kleine Wohnung in Manhattan ein und fand schon bei der Ankunft am Hafen eine Arbeit als Friseur.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 25 und 33 f.</ref> Im folgenden Jahr kam auch seine zweitälteste Schwester Luise in die nun sehr überfüllte Wohnung. Gemeinsam unterstützten sie die Mutter in Kallstadt finanziell.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 37.</ref>
Seattle und Monte Cristo[Bearbeiten]
Mit der bescheidenen Existenz als Friseur war Friedrich Trump nicht zufrieden. Er wollte reich werden.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 40.</ref> Im November 1891 übernahm er mit Hilfe von Zuwendungen durch Verwandte ein kleines Restaurant im Rotlichtbezirk von Seattle, dessen Innenstadt zwei Jahre zuvor durch Feuer zerstört worden war und jetzt wieder aufgebaut wurde.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 41f. und 47.</ref> Während er in Manhattan unter Pfälzer Einwanderern gelebt, pfälzischen Dialekt gesprochen und sich wie in der Heimat gekleidet und ernährt hatte, wurde er jetzt in jeder Hinsicht Amerikaner, wozu auch gehörte, dass er seinen Vornamen in „Fred“ änderte.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 46.</ref> Im Oktober 1892 wurde er Bürger der Vereinigten Staaten, indem er sich zur ersten Präsidentschaftswahl einschrieb, die in dem erst kurz zuvor in die Union aufgenommenen Staate Washington stattfand.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 50–52.</ref>
Das Restaurant, das Trump mit großem Einsatz allein betrieb, eröffnete keine weitere Perspektive.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 49f. und 52.</ref> Doch als im August 1892 sein älterer Bruder Jakob in Kallstadt heiratete, nahm die Mutter dies zum Anlass, nach dem Erbrecht der Realteilung ihren Besitz auf ihre fünf Kinder zu verteilen, und Friedrich wurde wie die beiden ebenfalls emigrierten Schwestern ausbezahlt.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 58 f.</ref> Damit hatte er erstmals ein wenig Kapital für weitere Unternehmungen. Im Frühjahr 1893 gab er sein Restaurant auf, verkaufte das Inventar und machte sich auf den mühsamen Weg in die schroffe und noch tief verschneite Kaskadenkette nordöstlich von Seattle.
Hier waren unlängst reiche Vorkommen von Gold und Silber entdeckt worden und jetzt wurde eine neue Siedlung namens Monte Cristo errichtet, in der der legendäre Ölmagnat John D. Rockefeller, der reichste Mann Amerikas, angeblich Millionen investieren wollte.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 53–60.</ref> Der Erwerb eines Grundstücks in Monte Cristo war weit jenseits von Trumps finanziellen Möglichkeiten. Stattdessen ließ er an einer Stelle in der Nähe des geplanten Bahnhofs, wo er vorgeblich Gold gefunden hatte, einen Claim registrieren und errichtete darauf ein Boardinghouse.<ref name="blair60f">Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 60 f.</ref> Damit übertrat er zwar das Verbot, Claims als Baugrund zu nutzen, und er ignorierte zudem, dass der Claim bereits auf einen anderen Namen registriert war, aber ein solches Vorgehen war damals in Monte Cristo durchaus üblich und nur mit einem sehr geringen Risiko verbunden.<ref name="blair60f" />
1894 war die Infrastruktur in Monte Cristo soweit fertiggestellt, dass der Transport von Erz und Holz über die gerade fertiggestellte Bahnlinie nach Everett aufgenommen werden konnte.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 64 f.</ref> Die Saloons waren rund um die Uhr geöffnet, und Ende des Jahres konnte Trump sein Grundstück legal erwerben.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 68.</ref> Im Dezember 1895 brach während eines schweren Schneesturms das Dach des Boardinghouses unter den Schneemassen zusammen, und Trump musste es reparieren. Im Frühjahr vermietete er das Etablissement und reiste nach Kallstadt zur Hochzeit seiner jüngeren Schwester Elisabeth. Nach seiner Rückkehr kandidierte er in Monte Cristo als Friedensrichter und wurde mit 32:5 Stimmen in dieses Amt gewählt.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 69–71.</ref>
Zu dieser Zeit kursierten Geschichten über Goldfunde im Yukon-Gebiet im Nordwesten Kanadas, an der Grenze zu Alaska.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 72.</ref> Viele Bergleute verließen Monte Cristo, Trump entschied sich aber, erst einmal in Monte Cristo zu bleiben und seine Geschäfte fortzuführen. Mit zwei Arbeitern traf er die Vereinbarung, dass sie gegen einen Beitrag zu ihren Reisekosten auch in seinem Namen Claims am Yukon abstecken würden. Ob er je davon profitiert hat, ist nicht bekannt.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 72 f.</ref>
1897 kamen 68 Goldsucher nach Seattle, die am Klondike River, einem Nebenfluss des Yukon River, in kürzester Zeit reich geworden waren und Nuggets im Wert von über 700.000 US-Dollar (heute mehr als 20 Mio. US-Dollar) mitbrachten.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 73.</ref> Es war schnell klar, dass der jetzt einsetzende Goldrausch alle bisherigen übertreffen würde, und die Handelskammer von Seattle startete eine bundesweite Werbekampagne, mit der es gelang, Seattle als den Ausgangspunkt für Expeditionen zum Klondike zu etablieren.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 75 f.</ref> Trump eröffnete erneut ein – dieses Mal sehr profitables – Restaurant in Seattle.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 77.</ref>
Klondike-Goldrausch[Bearbeiten]
In den folgenden Monaten bereitete er seine Reise zum Yukon vor, indem er die benötigte Ausrüstung und reiche Vorräte zusammentrug. Im Frühjahr 1898 verkaufte er das Restaurant, übertrug seinen Besitz in Monte Cristo auf seine Schwester Louise und machte sich auf den Weg.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 78 f.</ref> Monte Cristo war inzwischen ein Opfer der Naturgewalten geworden: Schwere Überschwemmungen und Bergrutsche hatten im November 1897 erhebliche Teile der von Rockefeller errichteten Bahnlinie zerstört, und Rockefeller beschloss, sie nicht wiederherstellen zu lassen.<ref name="blair79f">Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 79 f.</ref> Ohne die Eisenbahn war der Bergbau in dieser schwer zugänglichen Bergregion nicht mehr profitabel. Trump gehörte zu den wenigen, die in Monte Cristo Gewinn gemacht hatten.<ref name="blair79f" />
Im Mai 1898 erreichte er die neu gegründete Stadt Bennett am Lake Bennett.<ref name="blair85">Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 85.</ref> Er kam zu Fuß bei extremer Kälte von der Westküste über die sehr unwegsamen Coast Mountains, zusammen mit Tausenden von Goldsuchern, die in Bennett Boote bauten, um den Yukon River hinab (nach Norden) zu den Goldfeldern zu gelangen, sobald der vereiste Fluss schiffbar sein würde. Mit seinem Partner Ernest Levin errichtete Trump das New Arctic Restaurant and Hotel, das bald als das beste Haus am Ort galt.<ref name="blair85" /> Neben einer reichen Auswahl an Speisen bot es vor allem alkoholische Getränke und Zimmer für Prostituierte.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 85 f.</ref> Nach zwei Jahren zogen Trump und Levin mitsamt dem Arctic Restaurant den Fluss hinab in die erst wenige Monate alte Siedlung White Horse.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 88.</ref> Trump erkannte jedoch schnell, dass der Boom dort nur von sehr kurzer Dauer sein würde, und da es zudem Probleme mit Levin gab, stieg er schon 1901 aus dem Geschäft aus. Er hatte den angestrebten Wohlstand erlangt, und nun wollte er in Deutschland eine Ehefrau suchen.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 90–93.</ref>
Heirat und versuchte Rückkehr in die Pfalz[Bearbeiten]
In Kallstadt, wohin Trump als reicher Mann zurückkehrte, fiel seine Wahl auf die elf Jahre jüngere frühere Nachbarstochter Elisabeth Christ. Da die Christs arm und im Ort wenig angesehen waren, war seine Mutter entsetzt und versuchte, ihn zu einer standesgemäßeren Wahl zu bewegen, aber schließlich heirateten Frederick und Elisabeth 1902 in Ludwigshafen, dessen Standesamt für Eheschließungen mit Ausländern zuständig war.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 94 f.</ref> Danach zogen sie nach New York und wohnten dort wieder bei den Schusters, die inzwischen in einem modernen, recht luxuriös ausgestatteten Wohnblock in einem deutschsprachigen Viertel der Bronx lebten.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 95 f.</ref> Doch trotz der stark deutsch geprägten Umgebung und der in der Nähe wohnenden Freunde und Verwandten aus Kallstadt, darunter auch Trumps Schwester Louise, litt Elizabeth, wie sie jetzt offiziell hieß, bald sehr unter Heimweh. Nach der Geburt ihrer gleichnamigen Tochter Elizabeth löste Frederick deshalb 1904 sein diesbezügliches Versprechen gegenüber dem Schwiegervater ein, und die Familie zog wieder nach Kallstadt.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 97.</ref>
In Kallstadt war Trump als wohlhabender Bürger mit gutem Leumund willkommen, zumal er sein Vermögen von 80.000 Mark (Wert 2025 etwa 600.000 €) bei der örtlichen Bank hinterlegte.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 97 f.</ref> Um sich dauerhaft ansiedeln zu können, beantragte er erneut die bayerische Staatsbürgerschaft, die er inzwischen verloren hatte. Der Gemeinderat unterstützte diesen Antrag, und die Behörden des Kantons Dürkheim schlossen sich dem an, wobei die kantonale Polizei ihm u. a. attestierte, dass er den Genuss von Alkohol ablehne.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 98 f.</ref> Die zuständige Innenbehörde in der pfälzischen Hauptstadt Speyer lehnte Trumps Wiedereinbürgerung jedoch ab, weil er vor seiner möglichen Einberufung zum Wehrdienst das Land verlassen hatte und erst jetzt, nachdem er das wehrfähige Alter überschritten hatte, wieder zurückkehren wollte. Es bestehe daher der Verdacht, dass er ausgewandert sei, um dem Wehrdienst zu entgehen, und es sei zu prüfen, ob er deswegen des Landes verwiesen werden solle.<ref>Gesuch des amerikanischen Staatsbürgers Friedrich Trump in Kallstadt um Wiedereinbürgerung in den bayerischen Staat; 01.01.1904 - 31.12.1907; Landesarchiv Speyer, Bestand H 32 Nummer 104 Unternummer 2 (apertus.rlp.de).</ref><ref name="blair99">Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 99.</ref>
Trump war fassungslos wegen dieser unerwarteten Wendung und setzte, mit Unterstützung des Bürgermeisters und der Kantonsverwaltung, alles in Bewegung, um sein Ziel doch noch zu erreichen.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 99–102.</ref> Seit seiner Emigration hatte sich in Deutschland jedoch vieles verändert (vgl. Wilhelminische Epoche). Im preußisch dominierten Deutschen Reich hatte, namentlich nachdem Wilhelm II. 1888 den Kaiserthron bestiegen hatte, das Militär eine zentrale Bedeutung erlangt, und junge Männer wurden nicht mehr nach Erfordernis einberufen, sondern der dreijährige Wehrdienst war nun obligatorisch und quasi eine Voraussetzung für die Anerkennung als Staatsbürger.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 98.</ref> Dies wog besonders schwer, weil die sich gerade zuspitzende Erste Marokkokrise (1904–1906) die Auffassung des Kaisers und des Reichskanzlers Bernhard von Bülow bestärkte, dass Deutschland von feindlich gesinnten Mächten eingekreist sei und daher der militärischen Bereitschaft höchste Priorität zukommen müsse.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 101.</ref>
Die konkrete Grundlage für die Ablehnung seines Antrags war ein Beschluss des bayerischen Innenministeriums von 1886, wonach Auswanderern in die USA, die der Wehrpflicht unterworfen waren, die Staatsbürgerschaft und die Aufenthaltsberechtigung entzogen wurden.<ref name="blair99" /> Trump machte demgegenüber geltend, dass er vor dem Inkrafttreten dieser Verfügung ausgewandert war und dabei nicht dem Wehrdienst entgehen, sondern ein Auskommen finden wollte, das ihm auch die Unterstützung seiner Mutter in Kallstadt ermöglichen würde. Er habe auch nie daran gedacht, wieder nach Deutschland zurückzukehren, und deshalb seine Mutter beauftragt, seine Entlassung aus der bayerischen Staatsbürgerschaft in die Wege zu leiten. Wie sich nun herausstellte, hatte der zuständige Beamte in Kallstadt jedoch trotz mehrfacher Nachfrage Katharina Trumps nichts unternommen, und schließlich war Friedrich 1889 aufgrund des Beschlusses von 1886 die Staatsbürgerschaft aberkannt worden.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 100.</ref>
Spätere Jahre und Tod[Bearbeiten]
Alle Einsprüche und Appelle blieben ohne Erfolg, und 1905 wurden die Trumps endgültig ausgewiesen.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 102.</ref> Sie ließen sich im New Yorker Stadtteil Bronx nieder, und drei Monate später wurde der erste Sohn, Frederick jr., genannt Fred, geboren. 1907 folgte das dritte Kind, John. Trump nahm seinen Friseurberuf wieder auf, zunächst in seiner Wohnung. Später eröffnete er einen Friseursalon mit mehreren Angestellten in einem großen Bürogebäude in der Wall Street in Manhattan, wo er den noch wenig gebräuchlichen neuen Sicherheits-Rasierapparat einsetzte. Die tägliche Rasur in einem Salon war zu dieser Zeit eine Gepflogenheit erfolgreicher Geschäftsleute.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 110.</ref>
Im Dezember 1906 wandte Trump sich ein letztes Mal an das bayerische Innenministerium und machte nochmals seine Position klar. Das Ministerium reagierte prompt und erklärte ihn am 10. Januar 1907 offiziell zur unerwünschten Person.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 111.</ref> Im Jahr darauf, 1908, stieg Trump in das Immobiliengeschäft ein, indem er an der Jamaica Avenue in dem noch sehr ländlich geprägten Stadtbezirk Queens ein bescheidenes zweistöckiges Gebäude erwarb und vermietete.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 112.</ref> Der Ort und der Zeitpunkt waren mit Bedacht gewählt. Eine Brücke über den East River nach Manhattan, das bislang nur mit der Fähre oder über Brooklyn mit Queens verbunden war, stand vor der Fertigstellung, und die Jamaica Avenue mit ihrer elektrischen Straßenbahn würde sich zu einer boomenden Geschäftsstraße entwickeln.<ref name="Gwenda Blair 2015">Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 111 f.</ref>
1909 engagierte Gustav Zimmermann, ein Einwanderer aus Baden, der das Medallion Hotel an der Sixth Avenue in Manhattan übernommen und renoviert hatte und in der Nähe der Trumps in der Bronx wohnte, Trump als Manager für den Restaurant- und Barbereich, den er mit der neu erworbenen Ausschanklizenz erweitern wollte.<ref name="Gwenda Blair 2015"/> Die Familie zog nun nach Queens, wo Trump ein weiteres, ruhig gelegenes Haus etwas abseits der lauten Jamaica Avenue kaufte. Wie schon in der Bronx lebten sie auch hier in einem stark deutsch geprägten Umfeld. Sie sprachen zu Hause Deutsch, und Frederick wickelte seine Geschäfte bevorzugt mit deutschsprachigen Partnern ab und verfasste auch sein Testament in dieser Sprache. Die Kinder sprachen kaum Englisch, bis sie in die Schule kamen. New York war Anfang des 20. Jahrhunderts mit einem Viertel deutscher oder deutschstämmiger Einwohner weltweit eine der Städte mit den meisten Deutschen, und in Queens war der Anteil Deutschsprachiger besonders hoch.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 112–114.</ref>
Innerhalb einiger Jahre veränderte Queens sich grundlegend. Fast alle Farmen verschwanden, die Grundstückspreise explodierten, und die Jamaica Avenue verwandelte sich von einer Allee, in der Farmer mit Pferdefuhrwerken ihre Produkte nach Manhattan brachten, in eine Häuserschlucht mit Hochbahn.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 113 f.</ref> Eine noch einschneidendere Veränderung für die Trumps war jedoch politischer Natur: Nachdem im Mai 1915 das britische Passagierschiff Lusitania durch ein deutsches U-Boot versenkt worden war und dabei 124 US-Bürger ums Leben gekommen waren, gaben die USA ihre bisherige Neutralität im Ersten Weltkrieg auf, und dies hatte massive Auswirkungen für alle Deutschamerikaner. Die bislang so geschätzten Mitbürger wurden jetzt beargwöhnt und waren vielerlei Einschränkungen unterworfen, und alles Deutsche, das gerade auch in Queens so prägend gewesen war, verschwand weitgehend aus der Öffentlichkeit.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 115.</ref>
Im Mai 1918 fühlte sich Trump während eines Spaziergangs mit seinem Sohn Fred plötzlich sehr unwohl, und er begab sich ins Bett. Am nächsten Tag, dem Memorial Day (30. Mai), wurde er tot aufgefunden.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 116.</ref> Der Arzt diagnostizierte eine Lungenentzündung. Fünf Tage später starb auch Trumps Schwager Fred Schuster an einer Lungenerkrankung. Zunächst schien das ein tragischer Zufall zu sein, aber bald stellte sich heraus, dass die beiden zu den frühen Opfern der Spanischen Grippe gehörten, die 1918 mehr Todesopfer forderte als der gesamte vorausgegangene Krieg.<ref>Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a Presidential Candidate. Simon & Schuster, New York 2015. S. 116 f.</ref>
Post mortem[Bearbeiten]
Frederick Trumps Nachlass umfasste das zweistöckige Haus der Familie mit sieben Zimmern in Queens, fünf unbebaute Grundstücke, Ersparnisse und Lebensversicherungen im Wert von 4.000 US-Dollar, Aktien im Wert von 3.600 USD und vierzehn Hypotheken. Der Nettowert wurde auf 31.359 $ (Wert 2025 etwa 950.000 $) geschätzt.<ref>Gwenda Blair: Friedrich Trump Establishes a Dynasty. In: The Gotham Center for New York City History. 7. Februar 2018, abgerufen am 1. April 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Seine Witwe und sein noch minderjähriger Sohn Fred führten seine Immobilienprojekte unter der Firma Elizabeth Trump & Son fort, die Fred dann zu einem Unternehmen ausbaute, das Hunderte Millionen US-Dollar wert wurde und heute als The Trump Organization im Besitz des Enkels Donald Trump ist.
Bei seinem ersten Staatsbesuch in den USA am 5. Juni 2025 überreichte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz Präsident Trump im Weißen Haus als Geschenk ein gerahmtes Faksimile der Geburtsurkunde seines Großvaters.<ref>Erstes Zusammentreffen mit Präsident Trump. In: (Foto 6 von 11). Die Bundesregierung, 5. Juni 2025, abgerufen am 5. Juni 2025.</ref><ref>Geburtsregistereintrag Friedrich Trumps im Landesarchiv Speyer: Historisches Kulturgut mit internationaler Relevanz und diplomatischer Bedeutung. Landesarchivverwaltung Baden-Württemberg, 27. Juni 2025, abgerufen am 15. August 2025.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Klaus H. Wachtmann: Die deutsch-schottischen Wurzeln von Donald Trump 45. Präsident der USA. Selbstverlag, Norderstedt 2017 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau)
- Gwenda Blair: The Trumps. Three Generations of Builders and a President. Simon & Schuster, New York 2017, Abschnitt The Founder: Friedrich Trump. S. 21–102 (Vorschau).
- André Georgi: Trump. Ein Roman. Wehrhahn Verlag, Hannover 2022, ISBN 978-3-86525-969-1 (Leseprobe)
- Stephan Kroener: Trumps Flucht nach Amerika, in Mare, Nr. 175, 04/2026, S. 30–33
Weblinks[Bearbeiten]
- Eva Holland: How the Trumps Struck Klondike Gold. In: UpHere.ca, September 2012 (englisch).
- Gwenda Blair: The Man Who Made Trump Who He Is. In: Politico, 24. August 2015 (englisch).
- Alexander Panetta: How a Canadian adventure helped create the Donald Trump family story. Für: The Canadian Press, 19. September 2015 (englisch).
- Harper’s Magazine: Trumps Schreiben an Luitpold, den Prinzregenten von Bayern, (1905) in englischer Übersetzung.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references responsive/>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Trump, Frederick |
| ALTERNATIVNAMEN | Trump, Friedrich (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-amerikanischer Unternehmer |
| GEBURTSDATUM | 14. März 1869 |
| GEBURTSORT | Kallstadt, Bayern |
| STERBEDATUM | 30. Mai 1918 |
| STERBEORT | New York, New York, Vereinigte Staaten |
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- Unternehmer (Vereinigte Staaten)
- Unternehmer (19. Jahrhundert)
- Unternehmer (20. Jahrhundert)
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- Person (New York City)
- Kallstadt
- Person (Landkreis Bad Dürkheim)
- Deutscher Emigrant in den Vereinigten Staaten
- Familienmitglied (Donald Trump)
- Deutscher
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