Internationaler Freiname
Der Internationale Freiname (INN, Abkürzung von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist der von der Weltgesundheitsorganisation vergebene, gemeinfreie Name für einen Arzneimittelwirkstoff. Andere Bezeichnungen dafür sind auch generischer Name ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) oder DCI (von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)).
INN für Arzneimittelwirkstoffe sind zu unterscheiden von Trivialnamen für chemische Verbindungen.
Bedeutung[Bearbeiten]
Medikamente werden in der Regel unter einem bestimmten rechtlich geschützten Handelsnamen, der vom jeweiligen Hersteller festgelegt wird, in Verkehr gebracht. Der Handelsname unterscheidet sich häufig in verschiedenen Landern. Der internationale Freiname ist dagegen weltweit einheitlich. Beispielsweise ist das Analgetikum mit dem internationalen Freinamen Diclofenac unter den Handelsnamen Voltaren, Diclac, Olfen, Cataflam und zahlreichen weiteren erhältlich.<ref>Medikamente mit dem Bestandteil Diclofenac. Apotheken Umschau, abgerufen am 16. August 2026.</ref><ref>75 brand names for diclofenac. In: coccyx.org. 27. April 2003, abgerufen am 16. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Da die internationalen Freinamen gemeinfrei sind, unterliegt ihr Gebrauch in der Literatur und Forschung keinen Beschränkungen.<ref name="Ebel">Siegfried Ebel und Hermann J. Roth (Herausgeber): Lexikon der Pharmazie, Georg Thieme Verlag, 1987, S. 339, ISBN 3-13-672201-9.</ref> Ärzte, Apotheker und Patienten können sich so auch bei einer Vielzahl von gleichartigen Präparaten zurechtfinden, ohne mit umständlichen und langen IUPAC-Namen hantieren zu müssen. Zu beachten ist, dass manche Endungen von Land zu Land variieren, weil sie der Sprache angepasst werden, so wird im Deutschen häufig ein „e“ am Ende fallen gelassen, weil es meist den Plural signalisieren würde. In der INN-Datenbank der WHO werden der lateinische Freiname und seine Äquivalente auf Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Spanisch und Russisch angegeben.<ref name="extranet.who">SoINN. In: extranet.who.int. 20. Januar 2025, abgerufen am 3. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Generikahersteller verwenden häufig den INN mit dem Zusatz des Firmennamens als Handelsnamen für ihr Medikament.
Namensvergabe[Bearbeiten]
Die Festlegung eines internationalen Freinamens beginnt mit einer Veröffentlichung des Namensvorschlags („vorgeschlagener INN“; englisch: proposed INN, pINN) durch die WHO. Kommt es innerhalb einer Frist von vier Monaten nicht zu Einsprüchen, wird aus dem „vorgeschlagenen INN“ der „empfohlene INN“ (englisch: recommended INN, rINN), welcher in der Regel nicht mehr geändert wird. Er kann, nach der Veröffentlichung durch die WHO, bei der Etikettierung, in Veröffentlichungen und in Packungsbeilagen verwendet werden.<ref>Guidance on the use of International Nonproprietary Names (INNs). In: who.int. World Health Organization (WHO), 12. Juli 2017, abgerufen am 29. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Bei der Wahl des Namens hat der Entdecker der Substanz ein Vorschlagsrecht. Diesem Vorschlag wird in der Regel gefolgt. Dabei wird jedoch darauf geachtet, dass der Name nicht, auch nicht in Teilen, markenrechtlich geschützt ist, oder das Markenrecht anderer berührt wird. Weiter werden verschiedene Präfixe und Suffixe verwendet, um die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe zu zeigen, entweder aus chemisch-struktureller Sicht oder auf Grund der Wirkungsweise. Beispiele:<ref></ref>
- -afenone (dt. -afenon) Propafenon-Derivate (Antiarrhythmika)
- -azepam für Diazepam-Derivate
- -azosin für Prazosin-Derivate (Antihypertensiva)
- -alol, -olol für beta-Adrenorezeptor-Antagonisten („Betablocker“, z. B. Atenolol, Sotalol)
- -antel für Anthelminthika (z. B. Praziquantel)
- -bactam für beta-Lactamase-Inhibitoren (z. B. Tazobactam)
- -caine (dt. -cain) für Lokalanästhetika (z. B. Lidocain)
- Cef- für Cephalosporine (z. B. Cefaclor, Ceftriaxon)
- -cel für somatische Zelltherapeutika (z. B. Tisagenlegleucel, Tabelecleucel, Dorocubicel)
- -cillin für antibiotisch wirksame Abkömmlinge der 6-Aminopenicillansäure (z. B. Penicillin, Oxacillin)
- -cog für Blutgerinnungsfaktoren (z. B. Octocog alfa)
- -coxib für COX-2-Hemmer (z. B. Celecoxib)
- -dipin für Calciumantagonisten von Dihydropyridintyp (z. B. Nifedipin)
- -ectin für Ivermectin-Derivate (Antiparasitika)
- -imus für nichtneoplastische Immunsuppressiva (z. B. Tacrolimus, Sirolimus)
- -meran für Arzneistoffe auf Basis von Messenger RNA (z. B. Tozinameran, Elasomeran)<ref>World Health Organization: Addendum to "The use of stems in the selection of International Nonproprietary Names (INN) for pharmaceutical substances". WHO/EMP/RHT/TSN/2018.1. Abgerufen am 13. Juni 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- -oxetin für Antidepressiva aus der Gruppe der Serotonin- und/oder Noradrenalinwiederaufnahmehemmer, Fluoxetin-Derivate
- -pramin oder -triptylin für trizyklische Antidepressiva vom Imipramin- bzw. Amitriptylin-Typ
- -pril als Endung für ACE-Hemmer (z. B. Captopril)
- -prazole (dt. -prazol) für Antazida (Benzimidazol-Derivate, z. B. Pantoprazol)
- -profen für Arylpropionsäure-Analgetika (z. B. Ibuprofen)
- -sartan für nichtpeptidische AT1-Antagonisten bzw. „Sartane“ (z. B. Valsartan)
- Sulfa- für Sulfonamide
- -tinib für Tyrosinkinase-Inhibitoren (z. B. Imatinib)
- -vastatin Hemmstoffe der Cholesterin-Synthase bzw. Statine (z. B. Simvastatin)
- -vir für Virostatika (z. B. Aciclovir, Ritonavir)
Die für monoklonale Antikörper viele Jahre lang verwendete Endung -mab ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) wurde 2021 aufgegeben. Stattdessen werden seit 2022 die folgenden vier neuen Suffixe verwendet:<ref> New INN monoclonal antibody (mAb) nomenclature scheme (May 2022), www.who.int.</ref>
- -tug für monospezifische und vollständige, Fc-unmodifizierte Immunglobuline
- -bart für monospezifische und vollständige, Fc-modifizierte Immunglobuline (artificial antibody)
- -ment für monospezifische Immunglobulin-Fragmente
- -mig für bi- und multispezifische Immunglobuline jeglicher Form („Multi-Immunoglobuline“)
Für Salze und Ester eines Arzneistoffes kann der „modifizierte INN“ (modified INN, INNm) verwendet werden.<ref>International Nonproprietary Names Modified, INN Working Document 05.167/3, WHO, abgerufen am 9. Februar 2025 (PDF; 68 kB).</ref> Für Gegenionen und funktionelle Gruppen gibt es ebenfalls international anerkannte Kurzformen,<ref name="RB2015">International Nonproprietary Names (INN) for pharmaceutical substances – Names for radicals, groups & others, WHO 2015.</ref> die zur Bildung des „modifizierten INN“ herangezogen werden. Ein Beispiel ist etwa die Kurzform „Mesilat“ für das Anion der Methansulfonsäure (Methansulfonat).
Siehe auch[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
Allgemein[Bearbeiten]
- INN-Information der WHO
- Was internationale Freinamen aussagen Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 45/2002, November 2002
WHO INN Books[Bearbeiten]
- INN Stem Book 2024 und
INN Stem Book Addendum 202602-2024 - INN Radical Book 2015
- Pre-stems: Suffixes used in the selection of INN - February 2026
- Revised monoclonal antibody (mAb) nomenclature scheme
- New INN monoclonal antibody (mAb) nomenclature scheme (May 2022)
Leitlinien und Listen[Bearbeiten]
- Lists of Recommended and Proposed INNs
- International Nonproprietary Names Modified
- INN Bio Review 2019
- INN for fusion protein
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />