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Friedenskirche (Bremen)

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Friedenskirche
Basisdaten
Konfession evangelisch-uniert
Ort Bremen, Östliche Vorstadt, Deutschland
Landeskirche Bremische Evangelische Kirche
Baugeschichte
Bauherr Innere Mission
Architekt Simon Loschen, Ausführung Johannes Rippe
Bauzeit 1867–1870
Baubeschreibung
Einweihung 1870
Baustil Neugotik
Bautyp Saalkirche
Koordinaten 53° 4′ 25,7″ N, 8° 50′ 0,7″ O
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Die Friedenskirche von 1869/70 ist die Kirche der Bremer evangelischen Friedensgemeinde in der Östlichen Vorstadt.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung und Bau[Bearbeiten]

In den 1860er Jahren wuchs Bremen durch Zuwanderung im Zuge der Industrialisierung rasch über seine bisherigen Grenzen hinaus. Östlich des Dobbens entstand mit dem Fesenfeld ein neuer Teil der Östlichen Vorstadt. Um der religiösen und sozialen Versorgung der zumeist jungen Zugezogenen zu begegnen, erwarb die Innere Mission 1862 eine Wiese der Pagentorner Bauern an der späteren Humboldtstraße und stellte einen Diakon sowie einen Missionsinspektor an. Die Amtsbezeichnung Pastor war zunächst nicht möglich, da formell noch keine eigenständige Kirchengemeinde bestand.<ref name="Jub2019">Bernd Klingbeil-Jahr: 150 Jahre immer anders. Sozialgeschichte der Friedensgemeinde. In: Evangelische Friedensgemeinde Bremen (Hrsg.): 150 Jahre Friedenskirche – immer unterwegs. Sonderausgabe zum 150. Jubiläum der Bremer Friedenskirche, Bremen 2019, S. 4–7.</ref>

Die neugotische Kirche wurde von 1867 bis 1869/70 nach Plänen von Simon Loschen unter der Bauleitung von Johannes Rippe als Backsteinbau errichtet, ergänzt durch die zeittypischen Materialien Stahl, Glas und Beton. Sie entstand auf freiem Feld an der Humboldtstraße in der Nähe der späteren Krankenanstalten. Der Zentralbau der Saalkirche verfügte über einen 45 Meter hohen Turm über der Vierung, zwei niedrigere, achteckige Fialtürme an der Westfassade und einen flachen, eingerückten Chor. Da zur Zeit der Fertigstellung der Krieg zwischen dem Norddeutschen Bund und Frankreich herrschte, erhielt das Gebäude den Namen Friedenskirche.<ref name="Jub2019">Bernd Klingbeil-Jahr: 150 Jahre immer anders. Sozialgeschichte der Friedensgemeinde. In: Evangelische Friedensgemeinde Bremen (Hrsg.): 150 Jahre Friedenskirche – immer unterwegs. Sonderausgabe zum 150. Jubiläum der Bremer Friedenskirche, Bremen 2019, S. 4–7.</ref>

Erst 1872 löste sich die Friedensgemeinde nach Verhandlungen mit den Innenstadtgemeinden von der St.-Remberti-Gemeinde und wurde als selbständige unierte Gemeinde konstituiert.<ref name="Jub2019">Bernd Klingbeil-Jahr: 150 Jahre immer anders. Sozialgeschichte der Friedensgemeinde. In: Evangelische Friedensgemeinde Bremen (Hrsg.): 150 Jahre Friedenskirche – immer unterwegs. Sonderausgabe zum 150. Jubiläum der Bremer Friedenskirche, Bremen 2019, S. 4–7.</ref> Ihr zugewiesener Sprengel umfasste nur wenige Straßen; aufgrund des in der Bremischen Evangelischen Kirche bestehenden Übertrittsrechts wählten von Beginn an viele Mitglieder die Gemeinde gezielt an.<ref name="Jub2019" /> Erster Pastor wurde der Rheinländer Otto Funcke, der die Gemeinde von 1868 bis 1904 prägte. Über lange Jahre wirkte an seiner Seite Paul Zauleck, der maßgeblich zur Entwicklung des Kindergottesdiensts beitrug.<ref name="Jub2019" />

Das Pfarrhaus und das erste Gemeindehaus in der Wielandstraße entstanden 1893. 1912 erfolgte ein erster Umbau des Kirchenraums.<ref name="Jub2019" />

Erster Weltkrieg und Weimarer Zeit[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg starben viele Mitglieder der Gemeinde; die Glocken wurden zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. Mit der Novemberrevolution und dem Ende der Monarchie 1918 vollzog die Bremische Evangelische Kirche die Trennung von Staat und Kirche und gab sich eine freiheitliche Verfassung, die die Selbständigkeit der Gemeinden festschrieb und keine hierarchische Leitung vorsah; zugleich wurde das Frauenwahlrecht in der Landeskirche eingeführt.<ref name="Jub2019" />

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Während der Zeit des Nationalsozialismus wirkten an der Friedenskirche die Pastoren Robert Miessner und Erich Urban. Miessner zählte sich zu den Deutschen Christen, Urban stand der NS-Bewegung kritisch gegenüber. Wegen des offenen Konflikts zwischen beiden bürgerte sich im Volksmund die Bezeichnung „Unfriedensgemeinde“ ein.<ref name="Jub2019" /> Die Gemeindejugend wurde gegen den Willen der Gemeindeleitung in die Hitlerjugend überführt. Gestapo-Beamte erschienen wiederholt in Urbans Predigten und protokollierten mit. Einzelne Gemeindemitglieder versteckten Deserteure und vom Regime Verfolgte.<ref name="Jub2019" />

Der Kirchenraum wurde unter nationalsozialistischem Einfluss tiefgreifend umgestaltet. Die Fenster wurden verkleinert, das Gewölbe eingezogen und farblich abgedunkelt. Im Altarraum entstand ein dreiteiliges Ensemble aus massivem Altar, hoch angebrachter Kanzel mit weit ausladendem Schalldeckel und einer Kriegsgedenktafel mit nationalistischer Inschrift. Der Altar war aus dem auch beim Reichsparteitagsgelände verwendeten Baustoff gefertigt.<ref name="Jub2019" /> Der Vierungsturm wurde 1939 wegen Wurmbefalls abgebrochen, sodass die Kirche seither in ihrer Außenwirkung von den beiden flankierenden Fialtürmen geprägt wird.

1944 wurde die Kirche durch Brandbomben schwer beschädigt; Pfarr- und Gemeindehaus wurden zerstört. Gottesdienste fanden während des Wiederaufbaus im Wichernhaus am Dobben statt.<ref name="Jub2019" />

Nachkriegszeit und Wiederaufbau[Bearbeiten]

Datei:Friedenskirche Bremen 02.jpg
Fenster "Himmlisches Jerusalem" in der Westfassade.

Erich Urban galt nach Kriegsende als nicht belastet und wurde als erster Schriftführer des Kirchenausschusses der Bremischen Evangelischen Kirche berufen. In den Nachkriegsjahren trat Charlotte Schultz ihren Dienst in der Friedenskirche an, zunächst mit der Amtsbezeichnung Vikarin. Sie war die erste ordinierte Pastorin der Bremischen Evangelischen Kirche.<ref name="Jub2019">Bernd Klingbeil-Jahr: 150 Jahre immer anders. Sozialgeschichte der Friedensgemeinde. In: Evangelische Friedensgemeinde Bremen (Hrsg.): 150 Jahre Friedenskirche – immer unterwegs. Sonderausgabe zum 150. Jubiläum der Bremer Friedenskirche, Bremen 2019, S. 4–7.</ref> Der Wiederaufbau der Kirche wurde 1948/49 abgeschlossen.

Reform und Erweiterung in den 1960er Jahren[Bearbeiten]

In den 1960er Jahren erweiterte sich das kirchliche Selbstverständnis um diakonische, pädagogische und sozialpolitische Felder. 1964 wurde die Kindertagesstätte gegründet. Von 1964 bis 1967 entstand nach Plänen von Carsten Schröck ein neues Gemeindehaus unmittelbar neben der Kirche; die Trennwand zwischen Sakralbau und Gemeindehaus wurde geöffnet, sodass beide Bereiche räumlich miteinander verbunden waren.<ref name="Jub2019" /> Während des Vietnamkriegs erhielt die Kirche thematische Buntglasfenster des Bremer Künstlerpaares Ruth-Elisabeth van Beeck und Peter van Beeck, die das biblische Motiv des Neuen Jerusalem als offene, multikulturelle Stadt des Friedens deuten.<ref name="Jub2019">Bernd Klingbeil-Jahr: 150 Jahre immer anders. Sozialgeschichte der Friedensgemeinde. In: Evangelische Friedensgemeinde Bremen (Hrsg.): 150 Jahre Friedenskirche – immer unterwegs. Sonderausgabe zum 150. Jubiläum der Bremer Friedenskirche, Bremen 2019, S. 4–7.</ref>

Profilbildung und Neugestaltung seit den 1990er Jahren[Bearbeiten]

Zwischen den 1970er und 1990er Jahren erlebte die Friedensgemeinde einen vergleichsweise starken Mitgliederrückgang.<ref name="Jub2019">Bernd Klingbeil-Jahr: 150 Jahre immer anders. Sozialgeschichte der Friedensgemeinde. In: Evangelische Friedensgemeinde Bremen (Hrsg.): 150 Jahre Friedenskirche – immer unterwegs. Sonderausgabe zum 150. Jubiläum der Bremer Friedenskirche, Bremen 2019, S. 4–7.</ref> Unter dem Leitwort „offen evangelisch – die Kirche im Viertel“ wurde das Gemeindeprofil ab Ende der 1990er Jahre stärker an gesellschafts- und sozialpolitischen Themen ausgerichtet.

Im Zuge dieser Neuorientierung wurden mehrere Ausstattungsstücke aus der NS-Zeit aus dem Kirchenraum entfernt. In Zusammenarbeit mit der Hochschule für Künste Bremen entstand ein neues Altarensemble der Künstlerin und Architektin Urte Brandes, bestehend aus Altartisch, Redepult und Taufbecken. Die Kriegsgedenktafeln wurden umgestaltet.<ref name="Jub2019">Bernd Klingbeil-Jahr: 150 Jahre immer anders. Sozialgeschichte der Friedensgemeinde. In: Evangelische Friedensgemeinde Bremen (Hrsg.): 150 Jahre Friedenskirche – immer unterwegs. Sonderausgabe zum 150. Jubiläum der Bremer Friedenskirche, Bremen 2019, S. 4–7.</ref>

Sanierungen und Umbauten seit 2000[Bearbeiten]

Datei:Friedenskirche Bremen Gemeindehaus von oben.jpg
Blick von der Kirche aus auf das Gemeindehaus mit Bürgersolaranlage.

2006 wurde das Gemeindehaus um das ehrenamtlich betriebene Café Pax erweitert. Von 2010 bis 2013 erfolgte unter Leitung des Architekten Reiner Peters eine umfassende energetische Sanierung des Gemeindehauses. Auf dem Dach des Gemeindehauses entstand eine gemeinsam mit dem BUND und Anwohnern betriebene Bürgersolaranlage.<ref name="Jub2019" />

Datei:Friedenskirche Bremen Innenanschicht Fenster.jpg
Innenansicht der Kirche

Von Mai bis November 2019 wurde der Kirchenraum durch das Architekturbüro Tilgner und Grotz umfassend saniert und neu gestaltet. Der Innenraum wurde in weißer Grundfarbe gefasst, Bänke und Wege so angeordnet, dass sich die Grundform eines Kreuzes ergibt. Eingebaut wurde eine Niedertemperatur-Strahlungsheizung in Boden und Wand. An der Rückwand des Chores wurde eine Projektionsfläche installiert. Die Wiedereröffnung erfolgte im Dezember 2019 zum 150-jährigen Jubiläum der Kirche.<ref name="Jub2019" />

Friedensgemeinde[Bearbeiten]

Die Kirchengemeinde wurde 1872 als unierte Gemeinde konstituiert und von Funcke als Friedenskirche benannt. Die Gemeinde gehört zur Bremischen Evangelischen Kirche.
Kirche und Gemeindehaus dienen für Veranstaltungen und Begegnungen. Die Gemeinde hat eine Kindertagesstätte. Sie organisiert eine Jugend- und Stadtteilarbeit. Im Gemeindehaus befindet sich das Kinderschutzzentrum Bremen und der Deutsche Kinderschutzbund, der Verein Kinder haben Rechte und die Bremer Chorwerkstatt. Die Friedensgemeinde im Viertel gehört zu den Bremer Kirchengemeinden, in denen lesbische und schwule Paare eine Segnungsfeier feiern können.<ref>Segen für lesbische und schwule Paare. (PDF; 226,3 kB) Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 2. Dezember 2013; abgerufen am 3. Juli 2016.</ref> Dagegen weigerte sie sich, dem evangelikalen „Christival“ Räume zur Verfügung zu stellen.

Kontroverse um ein Theaterprojekt[Bearbeiten]

2004 wurde in der Friedenskirche das Theaterprojekt Die zehn Gebote des Österreichers Johann Kresnik uraufgeführt. Zuvor gab es heftige Kontroversen, auch in überregionalen Medien, um die künstlerische Freiheit und die Aufführung des skandalumwitterten Stückes in einer Kirche. Kritikpunkte waren eine nackte blonde Eva im Altarraum, ein das Schlumpflied singender Kinderchor mit roten Zipfelmützen, sechs nackte Näherinnen, die Deutschlandfahnen flicken, vor allem aber eine Kopulationsszene zum sechsten Gebot – „Du sollst nicht ehebrechen“.<ref>Wolfgang Höbel: Theater: Ach Gottchen – Kresniks Nackte in der Kirche. In: Spiegel Online. 23. Januar 2004, abgerufen am 3. Juli 2016.</ref> Die Aufführungen wurden von der Bremer Polizei gesichert; es kam zu Protesten von wenigen Demonstranten. Die damalige evangelische Landesbischöfin in Hannover Margot Käßmann hatte sich gegen die Aufführung des Stückes in der Kirche ausgesprochen.

Pastorinnen und Pastoren[Bearbeiten]

Datei:Otto Funcke (Holzstich vor 1888).jpg
Otto Funcke (Holzstich vor 1888)

An der Friedenskirche bestanden zeitweise mehrere Pfarrstellen, daher überschneiden sich die Amtszeiten.<ref name="Pastorenliste">Kurd Schulz: Hundert Jahre Friedenskirche zu Bremen. Bremen 1969; für die jüngeren Amtszeiten Bernd Klingbeil-Jahr: 150 Jahre Friedenskirche – immer unterwegs. Bremen 2019.</ref>

  • 1868–1904: Otto Funcke
  • 1875–1912: Paul Zauleck
  • 1904–1909: Johannes Quandt
  • 1909–1918: Max Stöwesand
  • 1911–1912: Martin Graeber (Hilfsprediger)
  • 1912–1945: Robert Mießner
  • 1919–1957: Erich Urban
  • 1947–1956: Charlotte Schultz (Hilfspredigerin)
  • 1947–1952: Erich Haarmann
  • 1952–1953: Wilhelm Recknagel (Vakanzvertretung)
  • 1953–1959: Karl Scheinhardt
  • 1957–1962: Ernst Kämmerer
  • 1960–1961: Gustav Wilken (Vakanzvertretung)
  • 1960–1962: Claus Heitmann
  • 1962–1982: Armin Fligge
  • 1963–1973: Otto Wilkes
  • 1964–1965: Reinhold Thyssen (Hilfsprediger)
  • 1967–1974: Wolfgang Augustin (Hilfsprediger seit 1966)
  • 1973–1999: Friedrich-Karl Clawien
  • 1994–2025: Bernd Klingbeil-Jahr
  • seit 2019: Jasper von Legat

Ausstattung[Bearbeiten]

Orgel[Bearbeiten]

Datei:Friedenskirche Bremen Orgel.jpg
Friedenskirche Bremen Orgel

Die Orgel wurde 1952 von Alfred Führer (Wilhelmshaven) erbaut.<ref>Bremen, Friedenskirche. In: organindex.de. Abgerufen am 9. Juni 2026.</ref> Das Instrument hat 25 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind mechanisch, die Windladen als Schleifladen ausgeführt.

I Hauptwerk II Brustwerk Pedalwerk
Register Fußtonzahl Register Fußtonzahl Register Fußtonzahl
Gedacktpommer 16′ Gedackt 8′ Subbaß 16′
Prinzipal 8′ Quintatön 8′ Baßflöte 8′
Rohrflöte 8′ Blockflöte 4′ Nachthorn 4′
Oktave 4′ Prinzipal 2′ Mixtur IV
Spitzflöte 4′ Waldflöte 2′ Fagott 16′
Flachflöte 2′ Quinte 1 1/3′ Trompete 4′
Mixtur VI Sesquialtera II
Trompete 8′ Scharff IV
Rankett 16′
Krummhorn 8′
Trichterregal 4′

Koppeln: II/I, I/P, II/P Spielhilfen: Tremulant (Brustwerk), Zimbelstern

Glocken[Bearbeiten]

Die drei Originalglocken von 1872 wurden aus eingeschmolzenen französischen Kanonen des Deutsch-Französischen Krieges gegossen, geschenkt von Kaiser Wilhelm I. Im Zweiten Weltkrieg gingen sie verloren. Das heutige Geläut aus drei Bronzeglocken wurde 1966 gegossen.

Literatur, Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Friedenskirche (Bremen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Koordinaten: 53° 4′ 26″ N, 8° 50′ 1″ O

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