Friedhelm Frischenschlager
Friedhelm Frischenschlager (* 6. Oktober 1943 in Salzburg) ist ein österreichischer Politiker (zunächst FPÖ, ab 1993 LIF bzw. NEOS).
Leben[Bearbeiten]
Als Jugendlicher wurde Frischenschlager 1960 Mitglied im Ring Freiheitlicher Jugend Österreich. Während des Studium der Rechte an der Universität Wien (Dr. iur.) von 1963 bis 1969 wurde er 1964 Generalsekretär des Ring Freiheitlicher Studenten und nahm als solcher eine Schlüsselrolle in der Borodajkewycz-Affäre ein, welche ihn jedoch so schockierte, dass er sich aus allen Funktionen zurückzog um sein Studium abzuschließen. 1967 wurde er Mitglied der Studentenverbindung Universitätssängerschaft Barden zu Wien und später noch der Sängerschaft Hohensalzburg Salzburg, beide in der DS.<ref>Hauptausschuß der Deutschen Sängerschaft (Hrsg.): Alt-Herren-Verzeichnis der Deutschen Sängerschaft (Weimarer CC). Bonn-Bad Godesberg 1978, S. 260.</ref> Von 1967 bis 1971 vertrat er den RFS im Zentralausschuss der Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH), von 1969 bis 1971 betätigte er sich als stellvertretender ÖH-Vorsitzender. Nach seinem Studium wird Frischenschlager Assistent am Institut für Politikwissenschaften an der Universität Salzburg, bis er 1977 für die FPÖ in den Nationalrat Nationalrat einzieht (1977 bis 1983; 1986 bis 1996).<ref>Barbara Toth, Der Handschlag. Die Affäre Frischenschlager-Reder, Dissertation Wien 2010, S. 36.</ref> Während der SPÖ-FPÖ-Koalition unter Fred Sinowatz und Norbert Steger bekleidete er das Amt des Bundesministers für Landesverteidigung (1983 bis 1986).
Aufsehen erregte Frischenschlager, als er 1985 den NS-Kriegsverbrecher Walter Reder, ehemals SS-Sturmbannführer, der als Befehlshaber beim Massaker von Marzabotto, des schlimmsten Kriegsverbrechens deutscher Truppen in Italien, zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, bei dessen Rückkehr nach Österreich per Handschlag begrüßte.<ref>Verlorener Sohn. In: Politik › Österreich. 27. Januar 1985. Der Spiegel, Nr. 5/1985. Auf Spiegel.de, abgerufen am 15. August 2022.</ref><ref>Barbara Tóth: Der Handschlag. Die Affäre Frischenschlager-Reder. Dissertation an der Universität Wien, Wien 2010 (Volltext (PDF; 1,5 MB), 10. Juni 2010.)</ref><ref>Affäre Reder: Minister-Handschlag mit dem „Schlächter“. In: diepresse.com. 23. Januar 2015, abgerufen am 19. Mai 2024 (Mit den Worten „Ganz Österreich ist froh“).</ref> Später bedauerte Frischenschlager mangelnde Sensibilität in dieser Angelegenheit.<ref>Die Presse: 1985: Ein Handschlag mit fatalen Folgen. In: Die Presse, 23. Jänner 2010.</ref> Oftmals wird behauptet, dass es gerade mit der Diskussion um den „Reder-Skandal“ zum ersten Mal zu einer breiteren Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit vieler Österreicher kam.<ref>Carlo Gentile: Wehrmacht und Waffen-SS im Partisanenkrieg: Italien 1943–1945, Verlag Ferdinand Schöningh, 2012, ISBN 978-3-657-76520-1, S. 239–250.</ref><ref>Barbara Tóth: Der Handschlag. Die Affäre Frischenschlager-Reder, Dissertation, Betr.: Prof. Dr. Oliver Rathkolb (Wien 2010), S. 112–168.</ref>
Von 1986 bis 1990 bekleidete er das Amt des Klubobmanns des FPÖ-Parlamentsklubs. 1993 verließ er gemeinsam mit Heide Schmidt und anderen Abgeordneten die FPÖ wegen Differenzen über die EG-Politik, den Minderheitenschutz, die Integration von Einwanderern und den politischen Stil der Partei und gründete das Liberale Forum (LIF). Von 1996 bis 1999 war Frischenschlager Abgeordneter des LIF zum EU-Parlament (MdEP).
Von 2005 bis 2007 war Frischenschlager Generalsekretär des Dachverbandes UEF (Union Europäischer Föderalisten). Im November 2007 wurde er zum neuen Bundesvorsitzenden der Europäischen Föderalisten Österreichs gewählt.
Im Interview mit Otmar Lahodynsky im profil bedauerte Frischenschlager Ende 2014 eine verpasste Sternstunde der Sicherheitspolitik: „Letztlich haben sie [ÖVP] die Beibehaltung der Wehrpflicht ausgerechnet mit dem Wehrersatzdienst propagandistisch argumentiert.“<ref>Friedhelm Frischenschlager: "Bundesheer ist nicht reformierbar". 11. Oktober 2014, abgerufen am 16. Februar 2023.</ref>
Mit der Vereinigung des Liberalen Forums mit NEOS ist Frischenschlager NEOS-Mitglied. Seitdem arbeitet er gelegentlich als einfaches Parteimitglied an der Ausarbeitung von Leitfäden und Positionspapieren mit, u. a. zur Verteidigungspolitik.<ref>https://www.vn.at/politik/2013/10/01/frischenschlager-hilft-den-neos.vn, https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20190409_OTS0053/neos-die-europaeische-ideen-sichert-unsere-europaeischen-freiheiten</ref> Friedhelm Frischenschlager ist einer von sieben Vizepräsidenten (Stand 2025)<ref>Vorstand | Europäische Bewegung Österreich. Abgerufen am 16. Februar 2023.</ref> der Europäischen Bewegung Österreich.
Auszeichnungen[Bearbeiten]
- 1986: Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich<ref>Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB).</ref>
- Komtur des Nordstern-Ordens
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Friedhelm Frischenschlager im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Friedhelm Frischenschlager auf der Website des österreichischen Parlaments
- Friedhelm Frischenschlager in der Abgeordnetendatenbank des Europäischen Parlaments
- Eintrag zu Friedhelm Frischenschlager im Austria-Forum (im AEIOU-Österreich-Lexikon)
- Florian Wenninger: „Von meinem politischen Leben bleibt die Affäre Reder“. Ein Gespräch mit Verteidigungsminister a. D. Friedhelm Frischenschlager über die FPÖ, den Krieg und das Händeschütteln. In: gedenkdienst.at. Gedenkdienst Zeitung, Ausgabe 1/08, 14. Dezember 2007, abgerufen am 19. Mai 2024.
- neuwal.com: “Wir sind die Speerspitze der Demokratiebewegung” – Mlinar und Frischenschlager mischen das LIF auf"
- Archivaufnahmen mit und über Friedhelm Frischenschlager im Onlinearchiv der Österreichischen Mediathek
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
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Fred Sinowatz | Norbert Steger
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Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang Heide Schmidt | Christian Köck | Friedhelm Frischenschlager | Alexander Zach | Heide Schmidt | Werner Becher | Angelika Mlinar Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Navigationsleiste Klubobleute des FPÖ-Parlamentsklubs
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Frischenschlager, Friedhelm |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Politiker (FPÖ, LIF), Abgeordneter zum Nationalrat, MdEP |
| GEBURTSDATUM | 6. Oktober 1943 |
| GEBURTSORT | Salzburg |
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- Verteidigungsminister (Österreich)
- Mitglied des Europäischen Parlaments für Österreich
- Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarats für Österreich
- Abgeordneter zum Nationalrat (Österreich)
- Politiker (21. Jahrhundert)
- Politiker (20. Jahrhundert)
- Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens am Bande für Verdienste um die Republik Österreich
- Träger des Nordstern-Ordens (Kommandeur)
- Bundessprecher des Liberalen Forums
- Absolvent der Universität Wien
- Klubobmann der FPÖ im Nationalrat
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