Friedrich Stegen
Friedrich Stegen<ref name="DNB">Vergleiche die Angaben unter der GND-Nummer der Deutschen Nationalbibliothek</ref> (vollständiger Name: Carl Heinrich Friedrich Stegen, * 1815 oder 1818 in Linden; † 3. April 1875 in Alfeld an der Leine)<ref name="150 Persönlichkeiten">Lothar Pollähne: Carl Heinrich Friedrich Stegen (siehe unter dem Abschnitt Weblinks)</ref> war ein deutscher Arbeiterfunktionär, Buchdrucker und 1849 Mitbegründer der Norddeutschen Arbeitervereinigung.<ref name="DNB"/> Zur Zeit der beginnenden Industrialisierung im Königreich Hannover setzte sich Stegen politisch für eine Emanzipation der Arbeiter ein, weniger durch radikale Revolutionen als vielmehr durch Bildung der Arbeitnehmer und Reformen.<ref name="HBL">Klaus Mlynek: STEGEN, ... (siehe Literatur)</ref>
Der Unternehmer Friedrich Stegen gilt als eine bedeutende Persönlichkeit der hannoverschen Sozialdemokratie und gründete die Niedersächsische Volkszeitung, eine Vorläuferin der Alfelder Zeitung.<ref name="150 Persönlichkeiten"/> Vielfach in Konflikten mit den alten Obrigkeiten des 19. Jahrhunderts, wurde der sozial Engagierte schließlich zum Bürgervorsteher der Stadt Alfeld gewählt.<ref name="Alt-Alfeld">Matthias Quintel (Verantw.): Druckerei Stegen ... (siehe unter dem Abschnitt Weblinks)</ref>
Leben[Bearbeiten]
Geboren zu Beginn des Königreichs Hannover, gibt es aktuell „über Friedrich Stegens Kindheit, Schulzeit und Jugend [ansonsten ...] keine verlässlichen Informationen.“<ref name="150 Persönlichkeiten"/> Nach seiner Ausbildung zum Buchdrucker ging Stegen als Geselle auf Wanderschaft und arbeitete währenddessen<ref name="HBL"/> in Gießen, Stuttgart, Wiesbaden und in der Schweiz in Zürich,<ref name="Die Communisten-Verschwörungen ...">Wermuth, Stieber: Die Communisten-Verschwörungen ... (siehe Literatur)</ref> wo er Mitglied des Zürcher Lesevereins wurde,<ref name="HBL"/> des späteren Deutschen Arbeiterbildungsvereins Eintracht.<ref>Zur Namensgebung vergleiche die Tafel am Haus des Deutschen Arbeiterbildungsvereins Eintracht unter der heutigen Adresse Neumarkt 5b</ref>
Nach seiner Rückkehr in die Residenzstadt Hannover,<ref name="HBL"/> wo nach dem Ende der Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover König Ernst August I. im Gustus eines absolutistischen Gottesgnadentums regierte,<ref>Klaus Mlynek: Ernst August, König von Hannover. In: Stadtlexikon Hannover, s. 163f.</ref> fand Friedrich Stegen einen Arbeitsplatz<ref name="Die Communisten-Verschwörungen ..."/> und ergriff nach dem Zürcher Vorbild<ref name="HBL"/> am 23. August 1845<ref name="150 Persönlichkeiten"/> die Initiative zur Gründung des hannoverschen „Buchdruckerlesevereins“,<ref name="HBL"/> „der als Keimzelle der Druckergewerkschaft angesehen wird“.<ref name="150 Persönlichkeiten"/>
Gut zwei Jahre später,<ref name="HBL"/> in Hannover begann die Märzrevolution,<ref>Klaus Mlynek: Märzrevolution 1848/49. In: Stadtlexikon Hannover, S. 421f.</ref> ging aus dem Buchdruckerleseverein am 1. April 1848 der hannoversche Arbeiterverein hervor, dessen Mitglieder Stegen zu ihrem Präsidenten wählten.<ref name="HBL"/>
Zum 11. Juni 1848 reiste Stegen nach Mainz zur ersten nationalen Buchdruckerversammlung, um als Delegierter die Interessen seiner hannoverschen Kollegen zu vertreten.<ref name="150 Persönlichkeiten"/>
Etwa zwei Wochen später wurde Stegen,<ref name="150 Persönlichkeiten"/> der mit dem wesentlich radikaleren Ludwig Stechan befreundet war,<ref name="HBL"/> am 26. Juni 1848 auf Betreiben des konservativ-liberalen Innenministers Johann Carl Bertram Stüve wegen „Hochverrats“ verhaftet mit der Begründung, er habe „Schmähschriften“ drucken lassen. „So zumindest bezeichneten die Herrschenden Druckwerke, die sie für umstürzlerisch hielten“.<ref name="150 Persönlichkeiten"/> Nach den Ermittlungen des Königlich Hannöverschen General-Polizei-Direktors Karl Wermuth und seines preußischen Amtskollegen Wilhelm Stieber stammten die angeblichen Machwerke aus der Feder des Kaufmanns Friedrich Conrad Theodor Wiechel.<ref>Wiechel, ..., in Wermuth, Stieber: Die Communisten-Verschwörungen ... (siehe Literatur), S. 138; online</ref> Vor dem hannoverschen Stadtgericht<ref name="Die Communisten-Verschwörungen ..."/> konnte Stegen jedoch glaubhaft machen, dass er den Inhalt der inkriminierten Schriften nicht gekannt habe.<ref name="150 Persönlichkeiten"/>
Nachdem im August und September 1848 in Berlin die Norddeutsche Arbeitervereinigung gegründet worden war, wurde Stegen 1849 zum Vizepräsidenten der zu dieser Vereinigung gehörenden „Allgemeinen Arbeiterverbrüderung“ gewählt.<ref name="HBL"/> Als Deputierter des Arbeitervereins zu Hannover reiste Stegen 1850 nach Bremen, um dort vom 28. bis 29. Mai 1850 die Interessen der hannoverschen Kollegen zu vertreten.<ref name="150 Persönlichkeiten"/> Zwischen Ende 1850 und Ende 1851 wurde dann auch das Zentralbüro der Norddeutschen Arbeitervereinigung von Bremen nach Hannover verlegt.<ref name="HBL"/>
Unterdessen hatte Friedrich Stegen in seinem Geburtsort Linden am 19. September 1849 den „Lindener Arbeiterverein“ mitgegründet – war auch von dessen Mitgliedern 1850 zum Präsidenten gewählt worden.<ref name="HBL"/> Mit der Gründung dieses weiteren Arbeitervereins wollte Stegen „gegen unpolitische Tendenzen im hannöverschen Verein angehen“.<ref name="150 Persönlichkeiten"/> Der Verein bestand allerdings nur bis 1852. Im selben Jahr verließ Stegen Hannover und siedelte nach Alfeld über.<ref name="HBL"/>
An seinem neuen Wohnort wurde Friedrich Stegen Besitzer einer Buchdruckerei, mit deren Hilfe er<ref name="HBL"/> am 23. Dezember 1852 erstmals das „Wochen- und Anzeigenblatt für die Städte Alfeld, Elze und Gronau“<ref name="alfeld.de">N.N.: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Stadt Alfeld (Leine): Chronik der Stadt ( vom 4. März 2016 im Internet Archive) auf der Website www.alfeld.de, zuletzt abgerufen am 16. November 2014</ref> als Probenummer herausgab<ref name="Alt-Alfeld"/>, die ab dem 1. Januar 1853 als Erstausgabe der Wochenzeitung unter dem Obertitel Niedersächsische Volkszeitung erschien.<ref name="150 Persönlichkeiten"/><ref group="Anm.">Davon abweichend wird das „Alfelder Wochenblatt“ genannt; vergleiche etwa Klaus Mlynek: STEGEN ... (siehe Literatur)</ref>
Im Jahr 1855 kaufte Friedrich Stegen in Alfeld das Haus Lührig in der Kurze Straße und heiratete Caroline Witte aus Grünenplan, die im selben Jahr erst den Sohn Robert, drei Jahre später 1858 auch Georg Stegen gebar. Ebenfalls ab 1855 und bis 1860 erhielt Friedrich Stegen für seine Wochen- und Anzeigen-Zeitschrift,<ref name="Alt-Alfeld"/> die der politischen Opposition häufig als Sprachrohr diente und als Vorläuferin der späteren Alfelder Zeitung gilt,<ref name="150 Persönlichkeiten"/> mehrere Verwarnungen und Geldstrafen, unter anderem wegen „anstößigem Angriff auf das Christenthum“.<ref name="Alt-Alfeld"/> Im Jahr 1859 wurde die Zeitschrift sogar vorübergehend verboten.<ref name="150 Persönlichkeiten"/>
Im Jahr der Ausrufung des Deutschen Kaiserreichs, in dem der „Hannöversche Arbeiterverein“ 1871 sein Stiftungsfest feierte, war auch der Mitbegründer Friedrich Stegen in Hannover bei den Feierlichkeiten in Hannover anwesend.<ref name="150 Persönlichkeiten"/>
In den folgenden Gründerjahren erschien Stegens Zeitung ab 1874 erstmals drei Mal pro Woche.<ref name="Alt-Alfeld"/> Nachdem er im Folgejahr am 3. April an den Folgen einer Lungenentzündung starb,<ref name="Alt-Alfeld"/> widmeten ihm die Gäste des 30. Stiftungsfestes des hannoverschen Arbeitervereins noch im selben Jahr 1875 einen „ehrenden Nachruf“.<ref name="150 Persönlichkeiten"/>
Friedrich Stegen hatte sich vielfach in Vereinen betätigt und das Leben in Alfeld in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht nur als Bürgervorsteher entscheidend mitgeprägt. „Es war ihm gelungen, den Ruf seiner Zeitung zu festigen und einen Abonnentenkreis aufzubauen, der das Fortbestehen des Blattes“,<ref name="Alt-Alfeld"/> das als erste Lokalzeitung Alfelds erschien,<ref name="alfeld.de"/> „auch über seinen Tod hinaus sicherte“. Sie weitete ihr Verbreitungsgebiet weiter aus und erschien ab 1876 zunächst unter dem neuen Namen Kreiszeitung für die Ämter und Städte Alfeld, Elze u. Gronau sowie die angrenzenden braunschweigischen Ortschaften und ab 1883 als Niedersächsische Volkszeitung, Allgemeiner Anzeiger für die Ämter, Alfeld, Gronau, Calenberg, Lauenstein, Eschershausen und Greene.<ref name="Alt-Alfeld"/>
Literatur[Bearbeiten]
- Wermuth / [Wilhelm] Stieber: Die Communisten-Verschwörungen des neunzehnten Jahrhunderts. Im amtlichen Auftrage zur Benutzung der Polizei-Behörden der sämmtlichen deutschen Bundesstaaten auf Grund der betreffenden gerichtlichen und polizeilichen Acten [...], A. W. Hayn, Berlin 1853f. (Reprint: Olms, Hildesheim 1969 und Verlag Klaus Guhl, Berlin 1976);
- [...] Zweiter Theil. Enthaltend: Die Personalien der in den Communisten-Untersuchungen vorkommenden Personen; S. 125, 138; Digitalisat über Google-Bücher
- Günter Scheel: Die Anfänge der Arbeiterbewegung im Königreich Hannover. Zwischen Integration und Emanzipation. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Bd. 48, [1976], S. 17–70
- Walter Buschmann: Linden. Geschichte einer Industriestadt im 19. Jahrhundert (= Quellen und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens, Bd. 92), zugleich Dissertation 1979 an der Universität Hannover, Hildesheim: Lax, 1981, ISBN 3-7848-3492-2, S. 114ff.
- überarbeitete Neuauflage, Hannover: Hahnsche Buchhandlung, 2012, ISBN 978-3-7752-5927-9
- Dirk Riesener: Polizei und politische Kultur im 19. Jahrhundert. Die Polizeidirektion Hannover und die politische Öffentlichkeit im Königreich Hannover (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, Bd. 35) (= Quellen und Untersuchungen zur allgemeinen Geschichte Niedersachsens in der Neuzeit, Bd. 15), zugleich Dissertation 1996 an der Universität Hannover, Hannover: Hahnsche Buchhandlung, 1996, ISBN 3-7752-5841-8, passim
- Klaus Mlynek: STEGEN, Carl Heinrich Friedrich. In: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 346f.; teilweise online über Google-Bücher
- Claudia Exner-Höbel, Ina Gravenkamp, Thomas Grotjahn: Alfeld im Industriezeitalter, Beiträge zur Geschichte einer niedersächsischen Kleinstadt hrsg. von der Stadt Alfeld, Alfeld: Stadt Alfeld, 2008, ISBN 3000242120, und ISBN 9783000242120, S. 38–54.
- Klaus Mlynek: Stegen, Carl Heinrich Friedrich. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 600.
Weblinks[Bearbeiten]
- Lothar Pollähne: Carl Heinrich Friedrich Stegen ... auf der Seite spd-region-hannover.de der SPD Region Hannover zum Thema 150 Persönlichkeiten der hannoverschen Sozialdemokratie
- Matthias Quintel (Verantw.): Druckerei Stegen / Die Druckerei Stegen wurde 1852 von dem aus Hannover stammenden Buchdrucker Friedrich Stegen (1818 – 1875) gegründet auf der Website www.alt-alfeld.de
Anmerkungen[Bearbeiten]
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Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Stegen, Friedrich |
| ALTERNATIVNAMEN | Stegen, Carl Heinrich Friedrich |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher sozialdemokratischer Zeitungsverleger, Arbeiterfunktionär und Bürgermeister |
| GEBURTSDATUM | 1815 oder 1818 |
| GEBURTSORT | Hannover-Linden |
| STERBEDATUM | 3. April 1875 |
| STERBEORT | Alfeld (Leine) |
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