Fundamentalklasse
In der Mathematik bezeichnet man als Fundamentalklasse einen Erzeuger der höchsten Homologiegruppe einer Mannigfaltigkeit. Im Falle triangulierter Mannigfaltigkeiten kann man die Fundamentalklasse durch die formale Summe der kohärent orientierten Simplizes der Triangulierung repräsentieren.
Zykel, welche die Fundamentalklasse repräsentieren (d. h., deren Homologieklasse die Fundamentalklasse ist), werden als Fundamentalzykel bezeichnet.
Definitionen[Bearbeiten]
Geschlossene, orientierbare Mannigfaltigkeiten[Bearbeiten]
Es sei <math>M</math> eine geschlossene orientierbare <math>n</math>-dimensionale Mannigfaltigkeit. Dann ist
- <math>H_n(M;\Z)\cong \Z</math>
und man bezeichnet einen der beiden Erzeuger als Fundamentalklasse <math>\left[M\right]</math>.
Mannigfaltigkeiten mit Rand[Bearbeiten]
Es sei <math>M</math> eine kompakte, orientierbare <math>n</math>-dimensionale Mannigfaltigkeit mit Rand. Dann ist
- <math>H_n(M,\partial M;\Z)\cong \Z</math>
und man bezeichnet einen der beiden Erzeuger als relative Fundamentalklasse <math>\left[M,\partial M\right]</math>.
Nicht-orientierbare Mannigfaltigkeiten[Bearbeiten]
Es sei <math>M</math> eine geschlossene, nicht notwendig orientierbare, <math>n</math>-dimensionale Mannigfaltigkeit. Dann ist
- <math>H_n(M;\Z/2\Z)\cong \Z/2\Z</math>
und man bezeichnet den Erzeuger (d. h. das nichttriviale Element) als <math>\Z/2\Z</math>-Fundamentalklasse.
Lokale Orientierungen[Bearbeiten]
Es sei <math>M</math> eine <math>n</math>-dimensionale Mannigfaltigkeit. Dann gilt
- <math>H_n(M,M\setminus\left\{x\right\};\Z)\cong\Z</math>
für jeden Punkt <math>x\in M</math>. Falls <math>M</math> geschlossen und orientierbar ist, dann ist
- <math>i_*\colon H_n(M;\Z)\to H_n(M,M\setminus\left\{x\right\};\Z)</math>
ein Isomorphismus und man bezeichnet das Bild der Fundamentalklasse <math>\left[M\right]</math> unter <math>i_*</math> als lokale Orientierung in <math>x</math>.
Nichtkompakte Mannigfaltigkeiten[Bearbeiten]
Es sei <math>M</math> eine orientierbare <math>n</math>-dimensionale Mannigfaltigkeit. Dann gibt es zu jeder kompakten Teilmenge <math>K\subset M</math> eine Homologieklasse
- <math>\left[M\right]_K\in H_n(M,M\setminus K;\Z)\cong \Z</math>
so dass jede Inklusion <math>K_1\to K_2</math> kompakter Teilmengen die Klasse <math>\left[M\right]_{K_2}</math> auf <math>\left[M\right]_{K_1}</math> abbildet.
Kronecker-Paarung[Bearbeiten]
Die kanonische Kronecker-Paarung zwischen Homologie und Kohomologie lässt sich im Fall <math>n</math>-dimensionaler, geschlossener, orientierbarer Mannigfaltigkeiten wie folgt interpretieren. Sei die Kohomologieklasse <math>\beta\in H^n(M;\R)</math> in De-Rham-Kohomologie repräsentiert durch die Differentialform <math>\omega</math>, dann ist
- <math>\langle\beta,\left[M\right]\rangle=\int_M\omega</math>.
Literatur[Bearbeiten]
- M. J. Greenberg, J. R. Harper: Algebraic topology, Benjamin/Cummings Publishing Co. Inc. Advanced Book Program, 1981
Weblinks[Bearbeiten]
- Fundamental class (Encyclopedia of Mathematics)