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Gebirgsrasse

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Als Gebirgsrasse bezeichnet man in Landwirtschaft und Tierzucht Rassen von Haustieren, die an das Leben im Gebirgsland angepasst sind. Der Begriff umfasst Stammformen von Wildtieren ebenso wie Zuchtrassen. Prinzipiell unterscheidet man dann Gebirgsrassen und Tiefland-/Niederungs-/Tal-/Flachlandrassen.

Zum Begriff[Bearbeiten]

Der Begriff der Gebirgsrassen entstand um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als die dezidierte Rassezucht begann. Reiseberichte dieser Zeit, für die europäischen Gebirgsräume – in dieser Zeit tritt der Alpinismus in die Aufmerksamkeit der Naturkunde und Ethnographie – wie auch „exotische“ Länder, berichten über regionale Besonderheiten auch der Haustiere.<ref>Als weitaus wichtigsten Nutztier anfangs vorwiegend auf das Rind bezogen; eine frühe Erwähnung in Bezug auf Schafe etwa in David Low: Elements of Practical Agriculture: Comprehending the Cultivation of Plants, the Husbandry of the Domestic Animals, and the Economy of the Farm. Bell & Bradfute, 1834, S. 540 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).: “{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)”</ref> Man versuchte dann zunehmend, Merkmale und Eigenschaften der zahlreichen traditionellen Zuchtformen (Landrassen) der abgelegeneren Landstriche aufzunehmen,<ref>Heinrich Wilhelm von Pabst unterscheidet schon 1829 die „Niederungs-Raçen, Höhelands-Raçen“ und „Gebirgs-Raçen“ (des Hochgebirgs). Heinrich Wilhelm von Pabst: Anleitung zur Rindviehzucht und zur verschiedenartigen Benutzung des Hornviehes. Verlag der J.G. Cotta’schen Buchhandlung, 1829, § 7. Bezeichnung der einzelnen Raçen 7. Gebirgs-Raçen, S. 42 (Google eBook, vollständige AnsichtSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. – und 6. Dem Gebirgsvieh nahestehende Raçen; § 7 S. 31 ff).
Dem folgt etwa Johann Christian Daniel Schreber, Georg August Goldfuss, Andreas Johann Wagner: Die Säugthiere in Abbildungen nach der Natur. Verlag Expedition des Schreber’schen Säugthier- und des Esper’schen Schmetterlingswerkes, 1836, Bos Taurus – Das Gemeine Rind b) Zahmes Gemeines Rind: Buckellose Rassen V. Alpenrasse, S. 1619 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. – Systematik S. 1600, Quellenangabe Fußnote 23), S. 1597; keine so explizite Unterteilung findet sich beim Schaf, S. 1398 ff, wo nur wiederholt Bergschaf erwähnt wird, oder der Ziege, S. 1266 ff).</ref> um sie für örtliche Besonderheiten zu empfehlen<ref>so etwa J. A. Schlipf: Populäres Handbuch der Landwirthschaft für den praktischen Landwirth und für Fortbildungsschulen nach dem gegenwärtigen Standpunkte der Fortschritte im Acker, Wiesen und Weinbau, in der Obstbaumzucht, der Rindvieh, Schaf, Pferde, Schweine und Bienenzucht. 6. Auflage. Verlag Carl Mäcken, Stuttgart 1859, Rindviehzucht §175 Eintheilung der Rinderrassen A) Niederungsrasse, B) Gebirgsrasse, S. 433 ff. (Google eBook, vollständige AnsichtSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. – 1. Auflage 1841).
desgleichen C. Böhm: Die Haltung, Pflege und Behandlung der landwirthschaftlichen Haussäugethier im gesunden u. Kranken zustande. Verlag C. Mäcken, Stuttgart 1849, § 17, S. 11 (Google eBook, vollständige AnsichtSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> und für Einkreuzungen zu verwenden, und so verbreitete Leistungsrassen sowohl robuster zu machen, Fehler zu beseitigen, wie auch in Verwendbarkeit in schlechteren Lagen zu optimieren.<ref>„Für das mittlere und südliche Deutschland ist besonders die Kreuzung mit Stieren der schweizerischen Gebirgsrasse zu empfehlen.“ S. Thaer: Ration. Landw. IV, S99. Sturm: Ueber Rassen, Kreuzungen und Veredlung der landw. HauSthiere. Elberf. 1825, S. 71. Angabe nach Karl Heinrich Rau: Lehrbuch der polit. Oekonomie. 2. Auflage. 1839, § 170 Die Rinderzucht … (a), S. 216 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

Gebirgsrassen sind an ein Leben in harten klimatischen Bedingungen sowie die große körperliche Beanspruchung angepasst. Als charakteristische Eigenschaften gelten Genügsamkeit, Robustheit, Wetterfestigkeit, Kälte- und Hitzetoleranz, Krankheitsresistenz, körperliche Belastbarkeit, Kletterfähigkeiten, Schwindelfreiheit und hohe Trittsicherheit, wie auch Intelligenz und gute soziale Eigenschaften. Typisch ist ein gegenüber Flachlandrassen gedrungener Körperbau, geringeres Gewicht und eine ausgeprägtere Behaarung. In Grundzügen wurde das – in Bezug auf Viehzucht – als allgemeiner biologischer Mechanismus schon von Charles Darwin 1860 in die Biologie eingeführt<ref>seinerzeit noch ausdrücklich mit der Beifügung: „Wir wissen ganz und gar nichts über die Ursachen“</ref> (nur spricht man hier heute nicht mehr von „Rassen“, sondern im Rahmen der modernen Taxonomie von Mechanismen wie Phylogenetik, Phänotypen und Konvergenz/Analogie):

„Gebirgs-Rassen sind überall von Niederungs-Rassen verschieden, und Gebirgs-Gegenden werden wahrscheinlich auf die Hinterbeine und allenfalls auf das Becken wirken, sofern diese daselbst mehr in Anspruch genommen werden; nach dem Gesetze homologer Variation werden dann auch die vordren Gliedmaassen und wahrscheinlich der Kopf mit betroffen werden.“

– Charles Darwin: Über die Entstehung der Arten. 1. Auflage, 1860, 6. Kapitel. Schwierigkeiten der Theorie. S. 208<ref>Charles Darwin: Über die Entstehung der Arten. Sechstes Kapitel: Schwierigkeiten der Theorie. (Wikisource).</ref>

Diese Rassen werden typischerweise extensiv im Rahmen einer Wanderweidewirtschaftsform (wie Alpung<ref>spezieller Fachausdruck: alptüchtig</ref> oder Transhumanz) sommers oder ganzjährig in Freien gehalten und steigen auch nach eigenem Ermessen bis in hochalpinste Lagen, wenn sie dort Futtergründe finden, müssen also selbstständig für ihre Sicherheit sorgen. Daher ist bei Gebirgsrassen auch eine stabile Herdenstruktur mit erfahrenen Leittieren Basis der Viehzucht, sie werden also auch meist bis in höheres Alter gehalten als Flachlandrassen.

Hoher Ertrag in Fleisch, Milch und anderen Tierprodukten steht gegenüber einer Überlebensfähigkeit und Pflegeleichtigkeit im Hintergrund, daher handelt es sich meist um Mehrnutzungsrassen. Ab der Jahrhundertwende begann man, auch für Gebirgsrassen Zuchtstandards festzulegen. Dabei wurden besonders in der Zwischenkriegszeit einige Sammelrassen definiert, wie die Gebirgs-/Alpinziege, in die mehrere Unterformen integriert wurden. Ein typisches Beispiel einer Gebirgsrasse gibt das Zuchtziel für das Tiroler Grauvieh (in der zahlreiche Lokalschläge des Graubraunen Höhenviehs aufgingen) in den Formulierung von 1924 – es könnte übertragen für jede Gebirgsrasse gelten:<ref>so betonen die Autoren Wilckens und Duerst die Ähnlichkeit asiatischer Kurzhornrinder mit den alpinen Gebirgsrassen. Martin Wilckens, Ulrich Duerst: Grundzüge der Naturgeschichte der Haustiere. Books on Demand, 2012, ISBN 978-3-8457-2484-3, B. Asiatische Kurzhornrinder, S. 304 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

„Das Tiroler Grauvieh ist eine leichte bis mittelschwere auf kombinierte Leistung gezüchtete Gebirgsrasse, bei welcher besonderer Wert auf die Milch- und Fettleistung, robuste Gesundheit, gute Futterverwertung, regelmäßige Fruchtbarkeit sowie Vereinheitlichung der Farbe. Es zeichnet sich, den Gebirgsverhältnissen angepasst, durch ein stabiles Fundament, tiefen, weiten Rumpf, gute Bemuskelung und lebhaftes Temperament aus und ist imstande, die geforderten Leistungen in Milch, Arbeit und Mast hervorzubringen.“<ref>Zitiert nach LFZ Raumberg-Gumpenstein, ÖNGENE: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Seltene erhaltungswürdige Rassen: Das Tiroler Grauvieh (Memento vom 4. Januar 2014 im Internet Archive), Folder (PDF, raumberg-gumpenstein.at)</ref>

Mit dem Aufkommen der Intensivtierhaltung und Ertragslandwirtschaft – und bei Zug- und Tragtieren des Kraftfahrzeugs und der landwirtschaftlichen Maschinen – begannen die Leistungsrassen die traditionellen Formen zu verdrängen. Manche Gebirgsrassen, etwa das Fleckvieh (Simmentaler, Schweiz) bei Rindern oder die Saanenziege (Schweiz) haben weltweit Verbreitung gefunden, oder das Haflingerpferd (Österreich) als militärisches Tragtier das Verschwinden der Arbeitspferde gut überstanden.

Zahlreiche lokale Zuchtformen sind aber erloschen oder heute selten geworden. Erst mit dem Boom der biologischen und regionalen Landwirtschaft wie auch der biogenetischen Schutzprogramme alter Zuchtssorten bei Pflanzen wie Tieren begann man sich wieder auch um die Gebirgsrassen zu bemühen.<ref>z. B. in einem Jugendbuch: Hanke Huber, Marion Wieczorek (Ill.): Gebirge. Band 119 von Was ist was. Tessloff Verlag, 2005, ISBN 978-3-7886-1506-2, Menschen in den Bergen: Was bedeuten Almen für die Menschen der Alpen, S. 33 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Seit den 1980er Jahren werden auch zunehmend wieder Rassestandards für Originalformen festgelegt und in Zuchtprogrammen und Züchtervereinigungen der Bestand konsolidiert. Dabei sind einige Lokalrassen auch als Mode populär geworden, so das langhaarige Schottische Hochlandrind oder der Isländer als Freizeitpferd.

Schutzprogramme[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Beate Berger: Domestikation und alte Haustierrassen. In: Michaela Arndorfer (Hrsg.): Wie viele Arten braucht der Mensch? Eine Spurensuche. Band 22 von Grüne Reihe des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft. Böhlau Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3-205-78516-3, S. 235–284 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. – auch zum Programm ÖNGENE).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />