Georg-Forster-Station

Koordinaten: 70° 47′ S, 11° 51′ O
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Die Georg-Forster-Station war die erste deutsche Antarktisstation. Sie wurde am 21. April 1976 von der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) in Betrieb genommen. Die ganzjährig besetzte Station war zunächst ein Annexbau der in der Nähe gelegenen sowjetischen Nowolasarewskaja-Station in der Schirmacher-Oase in Neuschwabenland.<ref>Hartwig Gernandt, Saad El Dine El Naggar, Jürgen Janneck, Thomas Matz, Cord Drücker: From Georg Forster Station to Neumayer Station III - a Sustainable Replacement at Atka Bay for Future. In: Polarforschung. Band 76, Nr. 1/2, 2007, ISSN 0032-2490, S. 61 (awi.de [abgerufen am 1. Mai 2026]).</ref> Durch ihre offizielle Erklärung zur eigenständigen Antarktisforschungsstation „Georg-Forster“ – benannt nach Georg Forster, dem deutschen Reisebegleiter James Cooks – am 25. Oktober 1987 erfüllte die DDR eine zentrale Voraussetzung für den Erwerb des Konsultativstatus im Rahmen des Antarktis-Vertragssystems.<ref name="Paech1992">Hans-Jürgen Paech: Die DDR-Antarktisforschung – eine Retrospektive. In: Polarforschung. Band 60, Nr. 3, 1992, ISSN 0032-2490, S. 202 (awi.de [abgerufen am 1. Mai 2026]).</ref>
Geschichte und Aufgaben[Bearbeiten]
Zunächst wurde in der Station hauptsächlich die Hochatmosphäre erforscht. Ab 1985 lag der Schwerpunkt der Forschungsarbeit auf der Untersuchung des Ozonlochs. Am 22. Mai 1985 wurde erstmals eine ballongetragene Ozonsonde gestartet. In der Folge wurden nahezu wöchentliche Sondierungen durchgeführt, mit denen die vertikale Ausdehnung des antarktischen Ozonlochs über der Schirmacher-Oase hochaufgelöst erfasst wurde. Die an der Georg-Forster-Station begonnene Ozonmessreihe wurde 1992 an der Neumayer-Station des Alfred-Wegener-Instituts fortgesetzt.<ref>G. König-Langlo, H. Gernandt: Compilation of ozonesonde profiles from the Antarctic Georg-Forster-Station from 1985 to 1992. In: Earth System Science Data. Band 1, Nr. 1, 12. Januar 2009, ISSN 1866-3516, S. 1–5, doi:10.5194/essd-1-1-2009 (copernicus.org [abgerufen am 30. April 2026]).</ref><ref>Ozonmessungen in der Antarktis – Fortsetzung der Meßreihe der Georg-Forster-Station an der Neumayer-Station. (PDF; 646 KB) Alfred-Wegener-Institut, 30. September 1994, abgerufen am 30. April 2026 (Presseinformation).</ref><ref>Gert Lange: Die vertikale Verteilung des Ozons über der Antarktis. In: Spektrum der Wissenschaft. Nr. 6, 1994, S. 119 (spektrum.de).</ref> Die im Rahmen des Messprogramms gewonnenen 426 Ozonsondenprofile wurden in aufbereiteter Form als Datensatz publiziert und über das Repositorium PANGAEA öffentlich zugänglich gemacht.<ref>Gert König-Langlo, Hartwig Gernandt: 426 ozonesonde profiles from Georg-Forster-Station. In: PANGAEA. Alfred-Wegener-Institut, 2008, abgerufen am 2. Mai 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Die Arbeit der Station wurde im Februar 1993 eingestellt. Der letzte „Überwinterer“ der Station war 1991/92 Günter Stoof.<ref>Potsdamer Polarforscher auf dem Weg in die Antarktis. (PDF; 994 KB) Alfred-Wegener-Institut, 1993, abgerufen am 1. Mai 2026 (Pressemitteilung).</ref> Von 1993 bis 1996 wurde die Station in drei Schritten abgebaut und das Gebiet von Müll und Schrott befreit. Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten deutsch-russischen Entsorgungsprojekts wurden dabei 1.016 Tonnen Altmaterial aus der Schirmacher-Oase abtransportiert. Das Vorhaben galt seinerzeit als eines der umfangreichsten Entsorgungsprojekte in der Antarktis.<ref>40 Jahre deutsche Antarktisstationen. In: Alfred-Wegener-Institut. 21. April 2016, abgerufen am 2. Mai 2026.</ref><ref>Rückbau Georg Forster Station. In: antarktis.ch. 1. Januar 2000, abgerufen am 1. Mai 2026.</ref>
Beschreibung[Bearbeiten]
Die Station bestand aus zehn Arbeits- und Wohncontainern, einer Dieselgeneratorstation mit je zwei Aggregaten zu 45 kVA und 38 kVA, der Funkstation Y3ZA mit einem 1-kW-Kurzwellensender vom Typ RFT KSG1300 und einer geomagnetischen Registrierstation. In der Basis konnten in der Sommersaison bis zu 15 Wissenschaftler und Techniker Platz finden. Die Station diente als logistische Basis für geo-, kryo- und atmosphärenphysikalische Untersuchungen im zentralen Königin-Maud-Land und war zugleich Voraussetzung dafür, dass die DDR im Rahmen des Antarktisvertrags Konsultativstatus erlangte und damit aktiv an der Entwicklung des internationalen Antarktisregimes mitwirken konnte.<ref name="Paech1992" /> Sie gilt als erste vollständig aus vorgefertigten Containern aufgebaute deutsche Polarstation und diente als Vorbild für spätere modulare Antarktisstationen.<ref>Fertighaus auf Kufen: Wie DDR-Forscher die Antarktis modular eroberten. In: mdr.de. 22. April 2026, abgerufen am 2. Mai 2026.</ref><ref>Steven Franke, Alfons Eckstaller, Tim Heitland, Thomas Schaefer, Jölund Asseng: The role of Antarctic overwintering teams and their significance for German polar research. In: Polarforschung. Band 90, Nr. 2, 2. Dezember 2022, ISSN 2190-1090, S. 66, doi:10.5194/polf-90-65-2022 (copernicus.org [abgerufen am 2. Mai 2026]).</ref>
Gedenken[Bearbeiten]
Seit 1998 erinnert eine von ostdeutschen Expeditionsteilnehmern initiierte Bronzetafel am ehemaligen Standort an die Station. Sie steht seit 2013 als Denkmal HSM-87 unter dem Schutz des Antarktis-Vertragssystems.<ref>50 Jahre Georg-Forster-Station. In: idw. 21. April 2026, abgerufen am 1. Mai 2026.</ref>
Die DDR-Postverwaltung gab 1988 eine Sonderbriefmarke mit der Abbildung der Station heraus und die dortigen Wissenschaftler führten einen Sonderstempel. Zum 50. Jahrestag der Inbetriebnahme erschien 2026 zudem eine deutsche Sonderbriefmarke „50 Jahre Georg-Forster-Station“ des Bundesfinanzministeriums.<ref>Briefmarken April 2026 (Ausgabetag: 2. April). Bundesfinanzministerium, abgerufen am 1. Mai 2026.</ref>
Galerie[Bearbeiten]
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Die sogenannte teslabar stand etwas abseits der übrigen Container und diente Magnetfeldmessungen.
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Der Forscher Steffen Wagner in der teslabar
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An der Station hatten die Forscher Wegweiser aufgestellt, die in ihren jeweiligen Heimatort zeigten.An der Station hatten die Forscher Wegweiser aufgestellt, die in ihren jeweiligen Heimatort zeigten.
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Zu Transportzwecken kamen rot umlackierte Schützenpanzerwagen zum Einsatz.
Literatur[Bearbeiten]
- G. König-Langlo, H. Gernandt: Compilation of ozonesonde profiles from the Antarctic Georg-Forster-Station from 1985 to 1992. In: Earth System Science Data. Band 1, Nr. 1, 12. Januar 2009, ISSN 1866-3516, S. 1–5, doi:10.5194/essd-1-1-2009 (copernicus.org [abgerufen am 30. April 2026]).
- Gert Lange (Hrsg.): Bewährung in Antarktika. Antarktisforschung der DDR. F. A. Brockhaus Verlag Leipzig 1982.
- Gert Lange: Sonne, Sturm und weiße Finsternis. Die Chronik der ostdeutschen Antarktisforschung. (= Schriften des Deutschen Schifffahrtsmuseums, Band 43) Ernst Kabel Verlag Hamburg 1996, ISBN 3-8225-0334-7.
Weblinks[Bearbeiten]
- G. König-Langlo, H. Gernandt: 426 ozonesonde profiles from Georg-Forster-Station. Alfred Wegener Institute, Bremerhaven 2008 doi:10.1594/PANGAEA.547983
- Hans-Jürgen Paech: Die DDR-Antarktisforschung – eine Retrospektive. (pdf; 1,6 MB) In: Polarforschung. 60, 1992, S. 197–218.
- Margarete Pauls: Vor 25 Jahren: Eröffnung der ersten deutschen Antarktisstation. Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, 20. April 2001.
- Rückbau Georg Forster Station. In: PolarJournal antarktis.ch. 1. Januar 2000.
- Marc von Lüpke: Wiedervereinigung in der Antarktis: „Wir sind hier erst mal kaltgestellt“. In: spiegel.de. 3. Oktober 2015 (Mauerfall, Wiedervereinigung und alles während der dritten Expedition).
- Anna Schmidt: Antarktis – Wende im Eis. (mp3-Audio; 27 MB; 29:35 Minuten) In: MDR-Kultur-Sendung „Feature & Essay“. 2020 (Mauerfall, Wiedervereinigung und alles während der dritten Expedition).
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Vorlage:Klappleiste/Anfang
Antarktis:
Dallmann-Labor |
Drescher-Station |
Filchner-Station |
GARS-O’Higgins |
Georg-Forster-Station |
Gondwana-Station |
Kohnen-Station |
Lillie-Marleen-Schutzhütte |
Georg-von-Neumayer-Station |
Neumayer-Station II |
Neumayer-Station III
Arktis:
Geophysikalisches Observatorium Ebeltofthafen |
Eismitte |
Koldewey-Station
Vorlage:Klappleiste/Ende