Gerd Albrecht (Dirigent)
Gerd Albrecht (* 19. Juli 1935 in Essen; † 2. Februar 2014 in Berlin) war ein deutscher Dirigent. Ab 1963 wirkte er auch als Generalmusikdirektor.
Leben[Bearbeiten]
Gerd Albrecht wurde 1935 in Essen als Sohn des Musikwissenschaftlers und Hochschullehrers Hans Albrecht (1902–1961)<ref>Gerd Albrecht im Munzinger-Archiv, abgerufen am 3. Februar 2014 (Artikelanfang frei abrufbar)</ref> und der Pianistin Hildegard Albrecht, geborene Kleinholz, geboren.<ref>Gerd Albrecht hatte eine „eminente Entdeckerfreude“. In: Deutschlandfunk. 3. Februar 2014, abgerufen am 3. Februar 2014.</ref> Nach dem Besuch des Gymnasiums Kiel und dem Studium der Musikwissenschaft mit Kunstgeschichte und Philosophie in Kiel und in Hamburg (im Fach Dirigieren an der Musikhochschule bei Wilhelm Brückner-Rüggeberg) gewann Gerd Albrecht im Alter von 22 Jahren den Ersten Preis beim Concours international de jeunes chefs d’orchestre de Besançon.<ref>Verena Fischer-Zernin, Matthias Gretschel: Gerd Albrecht – einer, der immer zur Jugend hielt. In: Welt Online. 3. Februar 2014 (Nachruf), abgerufen am 3. Februar 2014.</ref> Von 1958 bis 1961 war er Assistent und Solorepetitor an der Staatsoper Stuttgart, von 1961 bis 1963 1. Kapellmeister am Staatstheater Mainz und 1963 bis 1966 jüngster Generalmusikdirektor (GMD) Deutschlands in der Hansestadt Lübeck. Von 1966 bis 1972 war er GMD am Staatstheater Kassel und führte Erklärkonzerte für Kinder und Jugendliche ein.<ref>Dirigent Gerd Albrecht ist tot. In: Zeit Online. 3. Februar 2014, abgerufen am 3. Februar 2014.</ref> Er übernahm 1972 als Ständiger Dirigent die musikalische Oberleitung der Deutschen Oper in Berlin. Von 1975 bis 1980 leitete er das Tonhalle-Orchester Zürich, danach arbeitete er acht Jahre lang frei in den wichtigsten Musikzentren der Welt und war Gastdirigent im In- und Ausland. Von 1976 bis 1991 dirigierte er häufig an der Wiener Staatsoper, u. a. Les Troyens, Boris Godunow, Il trittico, Jenufa, Der ferne Klang und Salome,<ref>https://archiv.wiener-staatsoper.at/search/person/128</ref> und dirigierte auch Musik für Fernsehfilme.
Von 1988 bis 1997 war Albrecht Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper und des Philharmonischen Staatsorchesters in Hamburg. Von 1993 bis 1996 war er als erster Ausländer Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie in Prag, wo es zu erheblichen Spannungen kam.<ref>John Rockwell: Czech Philharmonic Faces Perilous Times In Dividing Country. In: New York Times. 30. Dezember 1992, abgerufen am 3. Februar 2014.</ref> 1998 leitete er das Dänische Radio-Sinfonieorchester Kopenhagen. Zudem leitete er das Bundesjugendorchester.
Albrechts Schwerpunkte lagen in der Musik der Romantik, wobei er auch selten gespielte Werke aus dieser Epoche aufführte. Viele seiner zahlreichen Schallplatteneinspielungen wurden preisgekrönt. Daneben setzte er sich intensiv, auch im Fernsehen mit seinen Gesprächskonzerten, für die Neue Musik ein. In seiner Hamburger Zeit, jedoch oft nicht mit ihm als Dirigenten, wurden Werke von Wolfgang Fortner, György Ligeti, Wolfgang Rihm, Hans Werner Henze und Aribert Reimann uraufgeführt, außerdem Alfred Schnittkes Historia von D. Johannes Faustus, Alexander Zemlinskys Der König Kandaules, Rolf Liebermanns Freispruch für Medea und Helmut Lachenmanns Das Mädchen mit den Schwefelhölzern. Auftragswerke vergab er u. a. an Krzysztof Penderecki.<ref>Christian Wildhagen: Was jeden packen und mitreißen muss. In: FAZ.net. 3. Februar 2014, abgerufen am 3. Februar 2014.</ref> Er führte Werke von Hans Krása, Viktor Ullmann und Erwin Schulhoff auf, die vom Nationalsozialismus verfemt worden waren, und lud Robert Wilson ein, in Hamburg Wagners Parsifal zu inszenieren.<ref>Dirigent Gerd Albrecht ist tot. In: derStandard.at. 3. Februar 2014, abgerufen am 4. Februar 2014.</ref>
Albrecht setzte sich sehr dafür ein, junge Menschen für die Musik zu begeistern; in zahlreichen Fernsehsendungen erläuterte und dirigierte er vor jugendlichem Publikum. 1974 erhielt er dafür den Adolf-Grimme-Preis. In der Reihe „Klassik für Kinder“ erklärte er Kindern klassische Werke wie etwa Die Moldau, Peter und der Wolf oder Der Zauberlehrling.
Im Jahr 1989 gründete Albrecht die Hamburger Jugendmusikstiftung und Klingende Museen in Hamburg und Berlin. 1984 wurde er mit dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet. Albrecht war seit 1994 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München und der Freien Akademie der Künste in Hamburg.
Gerd Albrecht war evangelisch, verheiratet mit Ursula Albrecht, geborener Schöffler, und hatte eine Tochter (Katharina). Er starb im Februar 2014 nach langer Krankheit.<ref>Dirigent Gerd Albrecht ist gestorben. In: Stern.de. 3. Februar 2014.</ref> Er ist im Burgenland begraben.
Auszeichnungen[Bearbeiten]
- 1974: Sonderpreis der Landesregierung Nordrhein-Westfalen beim Adolf-Grimme-Preis für Das Sonntagskonzert: Keine Angst vor schwerer Musik
- 1998: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
- 2001: Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich<ref>Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)</ref>
- 2002: Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien<ref>Gerd Albrecht erhielt hohe Auszeichnung des Landes Wien. In: Rathauskorrespondenz der Stadt Wien. 9. April 2002 (abgerufen am 28. Mai 2010)</ref>
- 2008: Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau.
Literatur[Bearbeiten]
- Albrecht, Gerd. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 11.
Weblinks[Bearbeiten]
- Offizielle Website
- FAZ.net: Nachruf (Printversion: 4. Februar 2014, S. 31 (Feuilleton))
- Albrecht, Gerd im Onlinearchiv der Österreichischen Mediathek
- Werke von und über Gerd Albrecht im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
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Vorlage:Klappleiste/Anfang Max Fiedler | Karl Muck | Oskar Walleck | Eugen Jochum | Joseph Keilberth | Wolfgang Sawallisch | Horst Stein | Christoph von Dohnányi | Hans Zender | Gerd Albrecht | Ingo Metzmacher | Simone Young | Kent Nagano Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang Louis Spohr | Karl Elmendorff | Paul Schmitz | Christoph von Dohnányi | Gerd Albrecht | James Lockhart | Woldemar Nelsson | Ádám Fischer | Georg Schmöhe | Roberto Paternostro | Patrik Ringborg Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang
Friedrich Hegar (1868–1906) | Volkmar Andreae (1906–1949) | Erich Schmid (1949–1957) | Hans Rosbaud (1957–1962) | Rudolf Kempe (1965–1972) | Gerd Albrecht (1975–1980) | Christoph Eschenbach (1982–1986) | Hiroshi Wakasugi (1987–1991) | Claus Peter Flor (1991–1995 vakant, ständiger Gastdirigent) | David Zinman (1995–2014) | Lionel Bringuier (2014–2018) | Paavo Järvi (seit 2019)
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Navigationsleiste Chefdirigenten der Tschechischen PhilharmonieVorlage:Klappleiste/Anfang Herbert Blomstedt (1967–1977) | vakant (1977–1986) | Lamberto Gardelli (1986–1988) | Leif Segerstam (1988–1995) | Ulf Schirmer (1995–1998) | Gerd Albrecht (2000–2004) | Thomas Dausgaard (2004–2011) | Rafael Frühbeck de Burgos (2012–2014) | Fabio Luisi (seit 2017) Vorlage:Klappleiste/Ende
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Albrecht, Gerd |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Dirigent |
| GEBURTSDATUM | 19. Juli 1935 |
| GEBURTSORT | Essen |
| STERBEDATUM | 2. Februar 2014 |
| STERBEORT | Berlin |
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