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Godwin Brumowski

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Datei:Godwin von Brumowski.jpg
Godwin von Brumowski (1936).

Godwin Brumowski, ab 1918 von Brumowski (* 26. Juli 1889 in Wadowice, Galizien, Österreich-Ungarn; † 3. Juni 1936 am Flughafen Schiphol, Niederlande) war mit 35 bestätigten Luftsiegen der erfolgreichste Jagdflieger der k.u.k. Luftfahrtruppen im Ersten Weltkrieg. Verschiedene Quellen führen ihn auch mit 40 bestätigten Luftsiegen.<ref>Erich Gabriel: Fliegen 90/17. Teil I: Militärluftfahrt und Luftabwehr in Österreich von 1890 bis 1971, herausgegeben vom Heeresgeschichtlichen Museum, Wien 1971, Seiten 188–193, 310</ref><ref>Reinhard Keimel: Österreichs Luftfahrzeuge - Geschichte der Luftfahrt von den Anfängen bis Ende 1918. Graz 1981, ISBN 978-3-900310-03-5, Seite 243</ref>

Leben[Bearbeiten]

Herkunft und Familie[Bearbeiten]

Brumowski wurde in eine Familie mit langer Militärtradition geboren. Sein Vater, Albin Brumowski, war Offizier der K.u.K.- Armee und war im Laufe seines Lebens in verschiedenen Teilen der Monarchie stationiert, so auch in Wadowice, Godwins Geburtsort.<ref name=":0" details="S. 175.">Nicole-Melanie Goll: "… Nobel und ritterlich im Kampf, war er gleich einer Gestalt aus der Zeit des Minnesanges und der Turniere …" : zur Konstruktion des Kriegshelden in der k.u.k. Monarchie am Beispiel von Godwin von Brumowski, Gottfried von Banfield und Egon Lerch. Graz 2014.</ref> Die Familie war deutschsprachig, Godwin sprach trotz seines Geburtsortes in Galizien kein Polnisch (musste es jedoch im Laufe seiner militärischen Karriere erlernen).<ref name=":0" details="S. 177." /> Er machte seine militärische Ausbildung an der Technischen Militärakademie in Mödling. Nach seiner Ausmusterung am 18. August 1910 wurde er als Leutnant dem Feldartillerieregiment Nr. 29 zugewiesen.

Die Familie gehörte zu Godwins Geburt und den Großteil seiner militärischen Laufbahn nicht dem Adelsstand an. Sein Name war schlicht Godwin Brumowski, wie er auch im Krieg von Medien- und Militärberichten genannt wurde. Am 28. Juli 1918 wurde sein Vater Albin für seine Dienste als Bundes- bzw. Generalsekretär des österreichischen Roten Kreuzes in den (einfachen) Adelsstand erhoben und durfte sich somit von Brumowski nennen, wovon auch seine Nachkommen profitierten.<ref name=":0" details="S. 176." /> Dies war nur knapp ein dreiviertel Jahr gültig, da der Adel in Österreich bereits im April 1919 verboten wurde. Nichtsdestotrotz wurde Brumowski nach dem Krieg, wie in konservativen Kreisen des Zwischenkriegs-Österreich und vor allem im Ständestaat üblich, weiterhin mit seinem Adelsprädikat tituliert, so auch in Zeitungsartikeln, Nachrufen und Fachliteratur. Die Behauptung, Godwin wäre im Zusammenhang mit der Verleihung des Leopolds-Ordens während des Ersten Weltkrieges in den Ritterstand erhoben worden<ref name=":1" details="S. 214.">Florian Leitner: Hauptmann Godwin Brumowski (Flik 1, 12, 41J). In: Thomas Albrich, Nikolaus Hagen (Hrsg.): Österreich-Ungarns Fliegerasse im Ersten Weltkrieg 1914-1918. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2019, ISBN 978-3-7030-0997-6.</ref><ref name=":2" details="S. 4.">Ivan Berryman: Hauptmann Godwin von Brumowski - Austria-Hungary's Ace of Aces. Cross & Cockade International, 2014, ISBN 978-0-9555734-5-3.</ref> ist falsch, diese Folge der Auszeichnung wurde bereits 1884 abgeschafft.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Bei Kriegsausbruch diente Godwin Brumowski als Oberleutnant in der Reitenden Artilleriedivision Nr. 6 an der Ostfront. Im Juli 1915 bewarb er sich erfolgreich um eine Versetzung zu den Luftfahrtruppen. Seine Fliegerkarriere begann er als Beobachter bei der Fliegerkompanie 1 (FliK 1) in Czernowitz unter Otto Jindra, als dessen Beobachter er auch die meiste Zeit flog. Er nahm an dem Bombenangriff der Luftfahrtruppen anlässlich des Frontbesuches von Zar Nikolaus II. und Brussilow bei Chotyn (Bessarabien) am 12. April 1916 teil. Von sieben aufgestiegenen russischen Flugzeugen, die die österreichisch-ungarischen Flugzeuge abfangen sollten, schoss Brumowski zwei ab. In der Folgezeit erhielt er Flugtraining und schloss seine Ausbildung zum Feldpiloten am 3. Juli 1916 ab. Im November 1916 wurde er zur Fliegerkompanie 12 an die italienische Front versetzt, wo er im Jänner 1917 seinen fünften bestätigten Abschuss erreichte.

Datei:Albatros D.III(Oef.) Brumowski.jpg
Godwin von Brumowski (links) mit Frank Linke-Crawford vor seiner Albatros (Oeffag) D.III, Flugfeld Torresella bei Portogruaro der FliK 41J, Dezember 1917

Im Februar 1917 wurde der erste echte österreichisch-ungarische Jagdfliegerverband FliK 41J gebildet und Brumowski erhielt das Kommando der Einheit. Bevor er sie übernehmen sollte, wies man ihn für kurze Zeit der deutschen Jagdstaffel Jasta 24 zu. Dort sollte er die Taktiken an der Westfront studieren und sein Wissen in die Flik 41J einbringen. Bei dieser Gelegenheit machte er die Bekanntschaft Manfred von Richthofens, nach dessen Vorbild er später sein Flugzeug rot lackieren ließ. Von seiner Rückkehr im April 1917 an behielt er das Kommando der Flik 41J bis kurz vor Kriegsende. Die Flik 41J hatte den Ruf, die beste Einheit der Luftfahrtruppen zu sein. In der Einheit flogen viele der besten österreichisch-ungarischen Jagdflieger wie Frank Linke-Crawford, Kurt Gruber, Karl Kaszala, Friedrich Navratil, Josef Novak und vorübergehend auch Julius Arigi und Benno Fiala von Fernbrugg. Brumowski führte während der letzten Kriegswochen das Kommando über alle österreichisch-ungarischen Jagdfliegerkompanien an der Isonzofront. Seit 1. Mai 1917 hatte er den Dienstgrad Hauptmann, mit welchem er nach Ende des Krieges abrüstete.<ref name=":0" details="S. 192." />

Die meisten seiner Einsätze flog Brumowski mit dem Flugzeug-Modell Hansa-Brandenburg D.I. Ab Sommer 1917 flog er neue Maschinen des Typs Albatros (Oeffag) D.III. In der Tradition der deutschen Jagdflieger kreierte Brumowski eine besondere Farbengestaltung, welche sein Markenzeichen im Kampf sein sollte: der Flieger war rot bemalt, zu beiden Seiten des Rumpfes sowie hinter dem Pilotensitz befand sich jeweils ein weißer Totenschädel auf schwarzem Grund.<ref name=":2" details="S. 30." /><ref>Godwin Brumowski. In: The Aerodrome - Aces and Aircraft of WWI. Abgerufen am 31. August 2026 (englisch).</ref><ref name=":0" details="S. 195." /> Aufgrund einer Sehschwäche trug Brumowski Zeit seines Lebens, auch während seiner Zeit als Kampfflieger, ein Monokel auf dem rechten Auge.<ref name=":2" details="S. 14." />

Im Frühjahr 1918 forderte der General-Inspektor der K.u.K. Luftfahrttruppen Erzherzog Joseph Ferdinand Brumowski auf, sich für den Militär-Maria-Theresien-Orden zu bewerben. Laut mancher Quellen lehnte Brumowski dies aufgrund des Eigenantrages als unsoldatisch ab,<ref name=":2" details="S. 53." /><ref>Martin O'Connor: Air aces of the Austro-Hungarian empire 1914 - 1918. Flying Machines Press, Mountain View 1994, ISBN 0-9637110-1-6, S. 14.</ref> tatsächlich fertigte Brumowski einen entsprechenden Entwurf an, welcher jedoch nie behandelt wurde.<ref name=":0" details="S. 199." /><ref name=":1" details="S. 214." /> Trotz seiner Stellung als erfolgreichster Jagdflieger Österreich-Ungarns erhielt Godwin Brumowski nicht die höchste Militärauszeichnung. Gottfried von Banfield blieb der einzige Maria-Theresien-Ritter unter den K.u.K. Fliegerassen.

Leben als Zivilist, Tätigkeit im Heimatschutz[Bearbeiten]

Datei:Grave of Godwin Brumowski.jpg
Grabstätte auf dem Wiener Zentralfriedhof

Brumowski heiratete während eines Fronturlaubes im Sommer 1918 Marianna (Maria) Sarolta Johanna Eltető, mit welcher er einen Sohn und zwei Töchter hatte. Die Familie zog nach Kriegsende auf einen Erbhof in Siebenbürgen, Brumowski fand sich in der Landwirtschaft jedoch nicht zurecht. Er kehrte nach Wien zurück, wo seine Ehe 1930 am Landesgericht aus seinem Verschulden, unter anderem wegen Ehebruchs, geschieden wurde. 1932 heiratete er die verwitwete Elisabeth Weiß, geborene Philipp, in Wien.<ref name=":0" details="S. 275." />

Ab 1931 war Brumowski als Fluglehrer und Sportflieger aktiv. Weiters wurde er in der paramilitärischen österreichischen Heimwehr aktiv und wurde Leiter des Österreichischen Heimfliegerkorps, der Fliegertruppe der Heimwehr. Zu seinen Schülern gehörten hochrangige Politiker des aufkeimenden austrofaschistischen Regimes wie Ernst Rüdiger Starhemberg und Emil Fey. Selbst Alwine Dollfuß, die Frau von Engelbert Dollfuß, war einmal sein Passagier.<ref name=":1" details="S. 215f." />

Während des Bürgerkriegs in Österreich im Februar 1934 flog er gegen den Goethehof in Wien-Kaisermühlen den einzigen bewaffneten Flugzeugeinsatz des Konfliktes. Die Art und Intensität dieses Angriffes sind nicht bekannt, die Quellenlage ist widersprüchlich. Propagandaschriften der Heimwehr behaupteten, Brumowski "[nahm] hochgelegene und sonst schwer erreichbare Maschinengewehrnester vom Flugzeug aus so gut unter Maschinengewehrfeuer [...], daß sie zum Schweigen gebracht wurden,"<ref name=":0" details="S. 287." /> die Polizeizeitung Öffentliche Sicherheit berichtete, Brumowski habe als Beobachter ein Maschinengewehr in einem Flugzeug bedient, welches sich bei diesem Einsatz jedoch als unbrauchbar erwies.<ref>Tätigkeiten der Flughafeninspektion Aspern während der Schutzbundunruhen. Öffentliche Sicherheit 1934 Heft Nummer 3, 1934, abgerufen am 31. August 2026.</ref>

Im April 1935 übernahm Brumowski die Leitung der neu gegründeten Österreichischen Fliegerschule in Wien.

Tod und Beisetzung[Bearbeiten]

Am 3. Juni 1936 verunglückte Brumowski am Flughafen Schiphol bei Amsterdam tödlich. Er war während eines Flugrennens Passagier seines Schülers Adrianus Van Hegel, dem Direktor der Creditanstalt. Das Flugzeug, eine Miles M.3B Falcon Six, stürzte beim Landeanflug ab, wobei beide Insassen ums Leben kamen.<ref>Crash of a Miles M.3B Falcon Six in Amsterdam: 2 killed | Bureau of Aircraft Accidents Archives. Abgerufen am 13. September 2026.</ref> Spätere Untersuchungen ergaben, dass eine durch einen überladenen Kofferraum verursachte Instabilität, welcher der Laienflieger Van Hegel nicht gewachsen war, zum Unfall führte.<ref name=":2" details="S. 56f." /> Sein ehrenhalber gewidmetes Grab befindet sich am Wiener Zentralfriedhof (31B-13-8), in der Nähe der Gräber von Julius von Payer und Friedrich Mohs. Bemerkenswert ist, dass der Grabstein aus dem Jahre 1940, also der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft stammt. Hermann Göring selbst übernahm die Schirmherrschaft zur Finanzierung des Grabsteines, welcher am 3. Juni 1940 feierlich eingesegnet wurde. Dies stellt einen nennenswerten Fall dar, in welchem die antiösterreichische NS-Führung eine Würdigung der österreichischen Weltkriegsleistungen förderte.<ref name=":0" details="S. 296-300." />

Rezeption[Bearbeiten]

Trotz seiner militärischen Leistungen blieb Brumowski außerhalb von militärischen Kreisen während des Ersten Weltkriegs weitgehend unbekannt. Die Kriegspropaganda Österreich-Ungarns vereinnahmte die Luftstreitkräfte bei weitem nicht so stark wie andere Staaten es taten. Lediglich der Marineflieger Gottfried von Banfield konnte als fliegender Marinesoldat und Maria-Theresien-Ritter medial verwertet werden und erreichte in der Bevölkerung viel höhere Bekannheitsgrade als Kriegsheld.<ref name=":0" details="S. 267ff." /> Selbst zu Brumowskis Tod lag der mediale Fokus stärker auf dem Ableben des Creditanstaltdirektors Van Hegel.<ref name=":0" details="S. 292." />

Der Fliegerhorst Langenlebarn des Bundesheeres trug von 1967 bis 2024 den Namen "Fliegerhorst Brumowski". Die militärhistorische Denkmalkommission sprach sich 2024 aufgrund von Brumowskis Einsatz in den Februarkämpfen für eine Umbenennung des Fliegerhorsts aus, ein Dreiervorschlag für den neuen Namen wurde erarbeitet.<ref>Fliegerhorst Brumowski soll umbenannt werden. In: noen.at. 13. Februar 2024, abgerufen am 13. Februar 2024.</ref> Am 24. April 2024 teilte das Bundesministerium für Landesverteidigung per Presseaussendung mit, dass der Fliegerhorst künftig den Namen „Fliegerhorst Leopold Figl – Flugplatz General Pabisch“ tragen werde.<ref name="bmlv24042024">Fliegerhorst Brumowski in Langenlebarn bekommt neue Namen – Leopold Figl und Othmar Pabisch als verdienstvolle Namensgeber, auf: www.bmlv.gv.at, 24. April 2024 (online), abgerufen am 27. April 2024</ref>

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ivan Berryman: Hauptmann Godwin von Brumowski : Austria-Hungary’s Ace of Aces. Cross & Cockade International, 2014, ISBN 9780955573453
  • Florian Leitner: Hauptmann Godwin Brumowski (Flik 1, 12, 41J). In: Thomas Albrich, Nikolaus Hagen (Hrsg.): Österreich-Ungarns Fliegerasse im Ersten Weltkrieg 1914–1918, Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2019, ISBN 978-3-7030-0997-6, S. 201–218.
  • Martin O’Connor: Air Aces of the Austro-Hungarian Empire 1914–1918. Flying Machines Press, Mountain View (Kalifornien) 1986, ISBN 1-891268-06-6.
  • Nicole-Melanie Goll: „… Nobel und ritterlich im Kampf, war er gleich einer Gestalt aus der Zeit des Minnesanges und der Turniere …“: zur Konstruktion des Kriegshelden in der k.u.k. Monarchie am Beispiel von Godwin von Brumowski, Gottfried von Banfield und Egon Lerch, phil. Diss. Graz 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Godwin Brumowski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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