Grazer Viertel
Das Grazer Viertel, in der Literatur auch Gratzer Viertel, war ein österreichisches Volumenmaß für Getreide und wurde unrichtiger Weise oft dem Wecht gleichgesetzt. Das Maß wurde schon 1638 als verbindliches Getreide- und Fruchtmaß (trockene Ware), aber auch als Flüssigkeitsmaß für Wein in der Steiermark reguliert. Das Originalmaß in Stein gehauen wurde dem Stadtmagistrat von Graz zur Aufbewahrung und zur Schlichtung bei Streitigkeiten übergeben.<ref>Ignaz Schrotter: Die alten steirischen Längen- und Hohlmaße und ihre Reduktion auf die nieder-österreichischen Maße nach der kaiserlichen Verordnung vom 21. Jänner 1857. Jos. A. Kienreich, Graz 1858, S. 2.</ref>
Das Viertel als Hohlmaß ist in der Steiermark bereits Ende des 13. Jahrhunderts belegbar.<ref>Robert Baravalle: Zur Geschichte der steirischen Maße. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Band 29, Jahrgang 1935, Hrsg. vom Historischen Verein für Steiermark, Graz, S. 47–50. (Abgerufen am 27. Februar 2026).</ref> Aber erst nach der kaiserlichen Verordnung von 1857<ref>Kaiserliche Verordnung vom 21. Jänner 1857, womit das niederösterreichische Maß und Gewicht in dem Herzogthume Steiermark als allein gesetzliches Maß und Gewicht erklärt wird. Ausgegeben am 11. Februar 1857, Reichs-Gesetz-Blatt für das Kaiserthum Österreich, Jahrgang 1857, VI. Stück, Nr. 22, im RGBl. S. 75. (Abgefragt am 25. Februar 2026).</ref> wurde es auf 80,58 Liter festgelegt. Vorher schwankte es zwischen 79,53 Liter, 80,6 Liter und 79,84 Liter, es werden aber auch 84 Liter und (für Weizen) 56 bis 64 kg<ref>Hans Rohrer: Aus einem alten Wirtschaftsbuche. In: Blätter für Heimatkunde. Hrsg. vom Historischen Verein für Steiermark, Graz, Band 7, Jahrgang 1929, S. 92 Fußnote 4.</ref> angegeben. In der zitierten Verordnung werden auch Hohlmaße wie „Eibiswalder Viertel“,<ref>Robert Baravalle: Zur Geschichte der steirischen Maße. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Band 29, Jahrgang 1935, Hrsg. vom Historischen Verein für Steiermark, Graz, S. 59. (Abgerufen am 27. Februar 2026).</ref> „Steinzer Viertel“,<ref>Robert Baravalle: Zur Geschichte der steirischen Maße. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Band 29, Jahrgang 1935, Hrsg. vom Historischen Verein für Steiermark, Graz, S. 73. (Abgerufen am 27. Februar 2026).</ref> „Marburger Viertel“<ref>Robert Baravalle: Zur Geschichte der steirischen Maße. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Band 29, Jahrgang 1935, Hrsg. vom Historischen Verein für Steiermark, Graz, S. 67. (Abgerufen am 27. Februar 2026).</ref> oder „Voitsberger Viertel“<ref>Robert Baravalle: Zur Geschichte der steirischen Maße. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Band 29, Jahrgang 1935, Hrsg. vom Historischen Verein für Steiermark, Graz, S. 61. (Abgerufen am 27. Februar 2026).</ref> genannt, die einerseits auf slawische (das Görz), andererseits auf bairische Ursprünge (den Metzen) zurückgeführt werden.<ref>Robert Baravalle: Zur Geschichte der steirischen Maße. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Band 29, Jahrgang 1935, Hrsg. vom Historischen Verein für Steiermark, Graz, z. B. S. 57, 59, 64, 67. (Abgerufen am 27. Februar 2026).</ref> Für die exakte Feststellung, was mit der Angabe „Viertel“ in der Steiermark gemeint war, sind daher für die Zeit vor Mitte des 19. Jahrhunderts nähere Nachforschungen notwendig.<ref>Robert Baravalle: Zur Geschichte des Grazer Maßes. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Band 25, Jahrgang 1929, Hrsg. vom Historischen Verein für Steiermark, Graz, S. 60–63, wo die Tabelle der unterschiedlichen Größen allein für das Grazer Viertel ca. zwei Druckseiten umfasst. (Abgerufen am 27. Februar 2026).</ref><ref>Robert Baravalle: Zur Geschichte der steirischen Maße, Teil II. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, Band 30, Jahrgang 1936, Hrsg. vom Historischen Verein für Steiermark, Graz, S. 53–158. (Abgerufen am 27. Februar 2026).</ref>
Für die Umstellung 1857 sind die Berechnungsschritte publiziert.<ref>Ignaz Schrotter: Die alten steirischen Längen- und Hohlmaße und ihre Reduktion auf die nieder-österreichischen Maße nach der kaiserlichen Verordnung vom 21. Jänner 1857. Kienreich, Graz 1858 (Abgerufen am 8. April 2026).</ref> Nachforschungen für die Zeit davor scheinen nur in einzelnen Zusammenhängen tatsächlich mit Erfolg durchführbar, wie eine Anmerkung zur Edition des steirisch-landesfürstlichen Marchfutterurbars von 1414/1426 belegt: „… Die Vielzahl von verschiedenen Werten, die Baravalle für Vierling und Viertel nennt und die fast alle als Wert für das Maß des Urbars gelten könnten, machen es unmöglich, einen bestimmten Wert als den „richtigen“ gelten zu lassen. …“<ref name=Perst>Matthias P. Perstling: Digitale Edition des steirisch-landesfürstlichen Marchfutterurbars von 1414/1426. Quellenkritische Studien, 3 Inhalt des Urbars, 3.3 Maße. Steiermärkisches Landesarchiv, Graz 2019. Siehe dazu auch Baravalle, Zur Geschichte der steirischen Maße, Teil II, Fußnote 265, S. 84: Das Marchfutter wird in Grazer Viertel gedient. 1807 ist ein gehäuftes Grazer Viertel bei Hollenegg, Gleinstätten und Waldschach = 101,83 l. (Abgerufen am 6. April 2026).</ref>
- 1 Grazer Viertel = 8 Maßl = 4350 Kubikzoll (österr.) = 79,495 Liter, wobei bereits die Größenordnung<ref name=Perst/> unsicher sein kann.
- 1 Maßl = 2 Müllermaßl
- 1 Müllermaßl = 2 halbe Müllermaßl = 4 Maßschafferl
Beispiele für Getreide mit Maß-Unterschiede:<ref> Ignaz Schrotter: Die alten steirischen Längen- und Hohlmaße und ihre Reduktion auf die nieder-österreichischen Maße nach der kaiserlichen Verordnung vom 21. Jänner 1857. Jos. A. Kienreich, Graz 1858, Tabelle I.</ref>
- Bohnen und türk. Weizen: 1 Grazer Viertel = 1,576118 Metzen (niederösterreich.)
- Erbsen und Hirse: 1 Grazer Viertel = 1,573134 Metzen (niederösterreich.)
- Gerste: 1 Grazer Viertel = 1,608955 Metzen (niederösterreich.)
- Hafer: 1 Grazer Viertel = 1,632836 Metzen (niederösterreich.)
- Weizen: 1 Grazer Viertel = 1,582089 Metzen (niederösterreich.)
Der Gupf betrug etwa 2/10 des Viertels oder 17,294 Liter. Das gegupfte oder gehäufte Grazer Viertel hatte dann 97,154 Liter. Allgemein rechnete man 5 gegupfte (gehäufte) gleich 6 gestrichene Grazer Viertel.
Literatur[Bearbeiten]
- Fritz Posch: Geschichte des Verwaltungsbezirkes Hartberg: Bd. Allgemeiner Teil. 1. Teilband. Von der Urzeit bis 1848. 2. Teilband. Von 1848 bis zur Gegenwart. Steiermärkisches Landesarchiv, 1978, S. 684.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
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