Gunter Hampel
Gunter Hampel (* 31. August 1937 in Göttingen; † 18. Mai 2026 in Berlin) war ein deutscher Jazzmusiker (Komposition, Vibraphon, Saxophon, Flöte, Piano und Bassklarinette). Er gehörte zu den Musikern, die den europäischen Jazz aus der engen Orientierung am amerikanischen Vorbild herausführten.
Leben und Wirken[Bearbeiten]
Hampel leitete 1953 erstmals eine eigene Combo. Er studierte Architektur und wurde 1958 professioneller Jazzmusiker, der u. a. mit Reinhard Giebel und Toto Blanke, später mit Werner Lüdi auf Tour war. Die Platte Heartplants (1964) zählte zu den ersten Versuchen eigenständiger europäischer Jazzmusik.<ref name="JOST">Ekkehard Jost, Europas Jazz 1960–80, S. Fischer Verlag, Frankfurt, 1987, ISBN 3-596-22974-X.</ref> Ab 1966 arbeitete er verstärkt mit europäischen Musikern wie John McLaughlin, Arjen Gorter, Willem van Manen und Willem Breuker zusammen, aber zunehmend auch mit amerikanischen Solisten, insbesondere Marion Brown (Gesprächsfetzen), Jeanne Lee und Anthony Braxton. Besonders zu erwähnen ist die Platte The 8th of July (1969), auf der europäischer und amerikanischer Free Jazz nach Ansicht des Musikwissenschaftlers Ekkehard Jost zu einer überzeugenden Synthese finden.<ref name="JOST" />
In New York gründete Hampel Anfang der 1970er Jahre die Galaxie Dream Band, die fast 30 Jahre Bestand hatte. Zentrale Akteure dieser Formation waren neben ihm selbst die afroamerikanische Jazzsängerin Jeanne Lee, schon damals seine Lebensgefährtin, und der Klarinettist Perry Robinson. Weiterhin gab er auch immer wieder Solo- und Duokonzerte (vor allem mit Brown und mit Lee, aber auch mit Boulou Ferré).
Anschließend war Hampel ebenso wie auch Thomas Keyserling, der zuvor lange Jahre bei der Galaxie Dream Band gespielt hatte, Teil des Indie-Projektes The Cocoon. Später kam es zu einer Zusammenarbeit mit der Jazzkantine und der Gründung des improvisierten Jazz-HipHop-Projektes Next Generation, an dem die Musiker Christian Weidner, Gerrit Juhnke oder Mike Diez mit dem Tänzer Shaun Vargas und dem Rapper Smudo zusammenarbeiten. Im New York Trio arbeitete er mit Lou Grassi und Perry Robinson zusammen. Weiterhin gründete Hampel ein Duo mit Johannes Schleiermacher und erweiterte dies durch Bernd Oezsevim zum Trio. 2001 entstand die Gunter Hampel Music + Dance Improvisation Company. Sein Sohn Ruomi Lee-Hampel wirkte bei einigen dieser Projekte mit.
Ab 1972 gab Hampel mehrtägige Kinderworkshops, in denen er durch Bewegung und Improvisation die ersten Schritte in der kollektiven Jazz-Improvisation lehrte.
Hampel schrieb auch Filmmusiken sowie 1996 die Musik zum Theaterstück Sid and Nancy von Ben Becker. Außerdem war er an der Aufführung von Kompositionen Hans Werner Henzes, Krzysztof Pendereckis und von Don Cherry beteiligt.
Hampel betrieb ein eigenes Plattenlabel birth records, das bisher 120 CDs, DVDs, LPs, Sound-PICs auf DVDs publizierte.
Persönliches[Bearbeiten]
Ab 1967 lebte er mit der im Jahr 2000 verstorbenen Sängerin Jeanne Lee zusammen. Aus dieser Ehe gingen ein Sohn und eine Tochter hervor.<ref>Jeanne Lee, Jazz Singer Who Embraced Avant-Garde, Dies at 61. In: newmusicbox, 1. Dezember 2000.</ref>
Am 18. Mai 2026 starb Hampel im Alter von 88 Jahren in Berlin.<ref name="obit">Nachruf. In: Jazz Pages. 20. Mai 2026, abgerufen am 20. Mai 2026.</ref>
Auszeichnungen und Preise[Bearbeiten]
1978 erhielt Hampel beim Kritiker-Poll des Down Beat in der Sparte Vibraphon die Hervorhebung als New Star. Für sein herausragendes künstlerisches Wirken wurde ihm 1997 der Niedersächsische Staatspreis zuerkannt. Am 28. Oktober 2007 verlieh die Stadt Göttingen Hampel ihre Ehrenmedaille. Für sein Lebenswerk wurde er im November 2007 mit dem Deutschen Jazzpreis (Albert-Mangelsdorff-Preis) ausgezeichnet.<ref>Albert-Mangelsdorff-Preis 2007 geht an Gunter Hampel | Union Deutscher Jazzmusiker. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 24. Dezember 2015; abgerufen am 21. Mai 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Am 23. Juni 2009 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.<ref>Jazz-Multitalent Gunter Hampel für sein Lebenswerk geehrt. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. Januar 2025; abgerufen am 21. Mai 2026.</ref> Den Praetorius Musikpreis erhielt er 2010 in der Kategorie „Musikinnovationspreis“.
Diskographische Hinweise[Bearbeiten]
- Heartplants (SABA 1964, mit Manfred Schoof, Alexander von Schlippenbach, Buschi Niebergall, Pierre Courbois)
- The 8th of July (birth records/Flying Dutchman 1969, mit Anthony Braxton, Jeanne Lee, Willem Breuker, Arjen Gorter, Steve McCall)
- Out of New York: The Music of Gunter Hampel (MPS 1971, mit Perry Robinson, Jeanne Lee, Jack Gregg)
- Fresh Heat – The Gunter Hampel New York Orchestra (birth records 1985, live im Sweet Basil aufgenommen)
- Gunter Hampel Next Generation Köln Concert Part 1 bzw. 2 (birth records 1997, mit Christian Weidner, Christian Jaroslawski, Gerrit Juhnke, Clemens Orth, Shaun Vargas, Magnolia, N.O.R.E., Nuclear B., Smudo, Sprite)
- Bounce: Live at Theater Gütersloh (Intuition, 2017, mit Cavana Lee-Hampel, Johannes Schleiermacher, Bernd Oezsevim)
Filmographie[Bearbeiten]
- 1963: Weihnacht
- 1967: Spur eines Mädchens
- 2002: Pace
Weblinks[Bearbeiten]
- gunterhampelmusic.de
- Gunter Hampel: Vater des deutschen Free-Jazz wird 80 (Deutschlandfunk)
- Gunter Hampel bei AllMusic (englisch)Vorlage:Abrufdatum
- Gunter Hampel bei Discogs
- Vorlage:IMDb/1
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hampel, Gunter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Jazzmusiker |
| GEBURTSDATUM | 31. August 1937 |
| GEBURTSORT | Göttingen |
| STERBEDATUM | 18. Mai 2026 |
| STERBEORT | Berlin |