Zum Inhalt springen

Gussstahl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Gussstahl war ab 1740 bis etwa 1950 eine Bezeichnung für Stahl, der während des Herstellungsprozesses zu Halbzeugen gegossen wurde. Durch Umformen (insbesondere Schmieden) und Spanen erhielt er später seine endgültige Form.<ref>Verein deutscher Eisenhüttenleute (Hrsg.): Werkstoffkunde Stahl. Springer, S. 3–11.</ref>

Abgegrenzt wurde Gussstahl von:

  • Gusseisen, das gießbar, aber nicht umformbar ist
  • Schmiedeeisen, das schmiedbar aber nicht gießbar ist. Es wird im Puddelverfahren gewonnenen und entsteht im festen Zustand durch Frischen von Roheisen.
    Da das Schmiedeeisen durch den modernen Stahl verdrängt wurde und seit etwa 1950 alle Stähle gegossen werden, ist die Bezeichnung Gussstahl überflüssig geworden.

Begriffsklärung und Kurzgeschichte[Bearbeiten]

Datei:Glocke Bochumer Verein Rathaus Bochum anagoria.JPG
Gussstahl­glocke vor dem Bochumer Rathaus (2011)

Im letzten Jahrhundert hatten die Begridde im Giesserei-Gewerbe eine andere Bedeutung als heute:

Stahlguss[Bearbeiten]

Der Begriff Stahlguss bezeichnete ursprünglich das Verfahren, flüssigen Stahl in Formen zu gießen, die schon die endgültige Form enthielten (allgemein Formgießen, bei Stahl auch als Stahlformguss bezeichnet).<ref>Gnade: Gusstahl und Stahlguss: ein geschichtlicher Rückblick zur Etymologie der beiden Begriffe. In: Nachrichten aus der Eisen-Bibliothek der Georg-Fischer-Aktiengesellschaft, Heft 13, 1958.</ref>

Heute versteht man unter Stahlguss spezielle Stahlsorten, die sich für dieses Verfahren besonders eignen.

Tiegelgussstahl[Bearbeiten]

Tiegelgussstahl entstand durch Umschmelzen der historischen Stahlsorte Zementstahl in einem Tiegelofen, um ihn so von seinen Schlackeresten zu befreien. Benjamin Huntsman entwickelte das Verfahren 1740 in England. Das Produkt wurde cast steel (gegossener Stahl) genannt, woraus im deutschen Sprachraum das Wort Gussstahl wurde. Der Großteil seiner Produktion wurde nach Frankreich exportiert, wo es als acier fondu (geschmolzener Stahl) bezeichnet wurde und nicht als acier coulé (gegossener Stahl, die heutige Bezeichnung für Stahlguss).

Gussstahlglocke und Eisenbahnrad[Bearbeiten]

In Deutschland war es Jacob Mayer, technischer Direktor des Bochumer Vereins, dem es 1841 zum ersten Mal gelang, komplizierte Werkstücke in einem Stück aus Stahl zu gießen. Seine so hergestellten Gussstahlglocken erhielten auf der Weltausstellung 1855 in Paris eine Goldmedaille. Das Verfahren wurde insbesondere auch bei der Herstellung von Eisenbahnrädern angewendet.

Neue Verfahren[Bearbeiten]

Zwischen 1860 und 1880 wurden neue Verfahren eingeführt: das Bessemer-Verfahrens, das darauf aufbauende Thomas-Verfahrens und das Siemens-Martin-Verfahrens. Sie ermöglichten die kostengünstige Herstellung von Gussstahl und verdrängten das Puddelverfahren. Damit kam der Begriff Gussstahl außer Gebrauch.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />