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Gustavo Becerra-Schmidt

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Datei:Becerra-Schmidt1983.jpg
Becerra-Schmidt 1983 als Komponist des Ossietzky-Oratoriums

Gustavo Becerra-Schmidt (geb. 25. August 1925 in Temuco als Gustavo Becerra Schmidt;<ref name="Name">Gustavo Becerra Schmidt. In: Revista Musical Chilena, 24. Jg., Nr. 119/120 (Juli–Dezember 1972), S. 3.</ref> gest. 3. Januar 2010 in Oldenburg) war ein chilenischer Komponist und Musikwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten]

Gustavo Becerra Schmidt wurde als jüngster von drei Söhnen des Zahnarztes Víctor Manuel Becerra Gómez (1895–1987) und seiner Ehefrau Haideria Schmidt Quiroga (1897–1993)<ref>Haideria Schmidt Quiroga in der Datenbank Find a GraveVorlage:Abrufdatum. </ref> in Südchile geboren.<ref name="Cruz">Domingo Santa Cruz: Prólogo para Gustavo Becerra, músico de su tiempo. In: Revista Musical Chilena, 24. Jg., Nr. 119/120 (Juli–Dezember 1972), S. 4–7.</ref> Seine Mutter stammte aus einer jüdischen Einwandererfamilie, was Becerras späteres Interesse an jüdischer Sakralmusik begründete.<ref name="Nil">Marco Julius: Pedro Becerra ehrt Vater mit Weltpremiere: Ein Hauch von Geschichte in Delmenhorst. In Delmenhorster Kreisblatt, 1. Oktober 2024, abgerufen am 25. August 2026.</ref>

Becerra begann seine Ausbildung als Kind am Konservatorium in Temuco und zog Mitte der 1930er Jahre mit seiner Familie nach Santiago de Chile. Dort studierte er am Nationalkonservatorium der Universidad de Chile ab 1936 Komposition bei Pedro Humberto Allende, Violine bei Ernesto Ledermann, Klavier bei Alberto Spikin Howard sowie Chor- und Orchesterleitung bei Armando Carvajal. Mit der Pensionierung Allendes trat er 1942 in den Schülerkreis von Domingo Santa Cruz ein, wurde dessen Assistent und lehrte ab 1946 Musikanalyse am Nationalkonservatorium, ab 1951 als Ordinarius und Nachfolger seines Lehrers. Kurz vor Beendigung seines Studiums begann er 1950, eigenständig zu komponieren und zu forschen. Von 1953 bis 1956 unternahm er eine Studienreise nach Italien, Österreich, Deutschland, Frankreich und Spanien. Er komponierte in dieser Zeit seine erste Sinfonie (Primera Sinfonía), die 1957 auf den Weltmusiktagen der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik in der Tonhalle Zürich uraufgeführt wurde,<ref>Gustavo Becerra Schmidt. In: Musicapopular.cl, 30. Juli 2019, abgerufen am 3. September 2026.</ref> und setzte sich mit der „Darmstädter Schule“ auseinander. Unter anderem besuchte er das Kölner Studio von Herbert Eimert, Werner Meyer-Eppler und Karlheinz Stockhausen und kam mit elektroakustischer Musik in Berührung, die er später selbst weiterentwickelte.<ref>Federico Schumacher Ratti: La música electroacústica de Gustavo Becerra (Homenaje a sus 80 años). In: Revista Musical Chilena, 61. Jg., Nr. 207 (Januar–Juni 2007), S. 71–80.</ref> Von 1958 bis 1961 leitete er als Nachfolger von Juan Orrego Salas das einflussreiche Institut für Musikförderung (Instituto de Extensión Musical, IEM) der Universität von Chile, dem unter anderem das Sinfonieorchester von Chile, das Nationalballett und eine Anzahl von Chören und Kammerensembles unterstanden. 1961 gründete er an der Fakultät für Musik- und Theaterwissenschaften der Universität den „Taller 44“. An dieser „Werkstatt“, an der Komponisten wie Sergio Ortega, Melikof Karaian, Luis Advis und viele andere ausgebildet wurden, fand ein intellektueller Brückenschlag zwischen akademischer Avantgarde und der in der linken Volkskultur entstandenen politischen Gesangsrichtung der Nueva Canción in Chile statt, als deren Schnittstelle Becerras Lehrstuhl diente.<ref>Vita der Veröffentlichungsliste der Universität Oldenburg, abgerufen am 25. August 2026.</ref> Seine Arbeit als Wissenschaftler und exponierter Debattenteilnehmer schlug sich zu dieser Zeit besonders in der Revista Musical Chilena nieder. Von 1968 bis 1970 war Becerra als Sekretär der Fakultät für Theater- und Musikwissenschaften der Universität von Chile am Reformprozess der Universität beteiligt.<ref name="Tennis">Insa Oertel: Biographische Spuren – „Los pasos perdidos“. In: Dies. (Hrsg.), Gustavo Becerra-Schmidt: Theoretische Schriften. University of Oldenburg Press (UOLP), Oldenburg 2025, S. 11–15, hier: S. 13.</ref> 1970 wurde er von der Regierung Salvador Allendes zum Kultur- und Presseattaché an der chilenischen Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland in Bad Godesberg berufen und im folgenden Jahr mit dem Nationalpreis ausgezeichnet.<ref name="Name" /><ref name="Cruz" /><ref name="Bella">Académicos galardonados con premios nacionales. 1971 – Gustavo Becerra Schmidt. Premio Nacional de Artes mención Música. Academia Chilena de Bellas Artes (spanisch), abgerufen am 25. August 2026.</ref>

Nach dem Militärputsch in Chile im September 1973 wurde er aus dem diplomatischen Dienst und seiner Lehrtätigkeit an der Universität von Chile entlassen und erhielt in der Bundesrepublik politisches Asyl.<ref>Torsten Eßer: Klänge an der Peripherie. Musik in Chile: von den Mapuche bis zum Techno. In: Peter Imbusch, Dirk Messner, Detlef Nolte (Hrsg.): Chile heute. Politik, Wirtschaft, Kultur (= Bibliotheca Ibero-Americana. Band 90). Vervuert, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-89354-590-5, S. 689–729. hier: S. 703.</ref> Von 1974 bis 1990 wirkte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Musikanalyse, Komposition und Musiktheorie an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg. Dadurch erwarb Becerra-Schmidt mit seinem eingedeutschten Namen eine dauerhafte Aufenthaltsberechtigung in Deutschland. Hier wurde er Gründungsmitglied der jüdischen Gruppe und 1992 der Jüdischen Gemeinde Oldenburg.<ref name="Joh3">Jörn Petersen: Geburtstagskonzert „100 Jahre Gustavo Becerra-Schmidt“ in der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst. In: DelmeNews.de, 1. September 2025, abgerufen am 25. August 2026.</ref>

Im Vorfeld des Referendums zur Abwahl Augusto Pinochets am 5. Oktober 1988 unternahm er seine erste Reise nach Chile seit 1971,Die Seite Vorlage:FN/styles.css hat keinen Inhalt. *) um im August desselben Jahres im Rahmen des Wahlkampfes gegen die Diktatur der Aufführung seines 1966 geschriebenen Oratoriums Machu Picchu im Theater der Universität von Chile im Zentrum von Santiago beizuwohnen.<ref name="Candela">José Miguel Candela: Obras de Gustavo Becerra-Schmidt. Ensamble Vocal Alicanto, Patricio Álvarez Sepúlveda (director). CD Independiente. In: Revista Musical Chilena, Band 76, Heft 238 (Dezember 2022); Zitat:

Me permito destacar dentro de estas su oratorio Machu Picchu de 1966, para coro mixto, cinta magnética, oscilador de audiofrecuencia y orquesta, sobre el poema de Pablo Neruda “Alturas de Machu Picchu” del Canto General (1950). El estreno de esta obra fue en el Teatro Universidad de Chile, con el Coro Sinfónico de la Universidad de Chile, dirigido por Guido Minoletti, y la Orquesta Sinfónica de Chile, dirigida por el maestro Francisco Rettig, el 26 de agosto de 1988, 22 años después de su composición, y un mes y medio antes del plebiscito nacional que decidiría si el dictador Augusto Pinochet seguiría o no en el poder en Chile hasta 1997. Acerca de este evento, Becerra me comentó en varias ocasiones –y con mucha seguridad– que el estreno de Machu Picchu había convencido a varias personas indecisas allí presentes para optar por la alternativa “no” en ese plebiscito.</ref><ref name="Caceres">Eduardo Cáceres: Homenaje a Gustavo Becerra-Schmidt en la Universidad Alemana de Oldenburg. In: Revista Musical Chilena, Band 45, Heft 176 (Dezember 1991), S. 9–16; Zitat:
Posteriormente en 1988 tendríamos al maestro en Chile por primera vez desde su partida de nuestro país en 1971, (…). Ahora estaba de vuelta asistiendo al estreno de su obra Machu-Pichu, ocasión que no perdió para realizar en la Facultad de Artes de la Universidad de Chile, algunas clases magistrales de composición (S. 11).</ref> 1992 wurde er in Chile rehabilitiert. Er übernahm in diesem Kontext eine Gastprofessur an der Katholischen Universität von Chile und erhielt den Status eines Emeritus der Universidad de Chile. In der Folge hielt er mehrere Gastvorlesungen an unterschiedlichen Hochschulen. 1998 übernahm er eine Gastprofessur an der Musikschule der Universität La Serena (Chile).

Sein Grab befindet sich auf dem neuen jüdischen Friedhof in Oldenburg-Bümmerstede.<ref>Martin J. Schmid: Bet Olam – Haus der Ewigkeit. Der alte jüdische Friedhof zu Oldenburg. Isensee Verlag, Oldenburg 2021, ISBN 978-3-7308-1823-7.</ref> Sein Sohn Pedro Benjamin Becerra ist Gründungsvorsitzender der jüdischen Gemeinde in Delmenhorst.<ref name="Joh3" />


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Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1969 Ernennung zum Mitglied der Chilenischen Akademie der Schönen Künste, viel beachtete Antrittsvorlesung El mito del talento en música („Der Mythos des musikalischen Talents“)<ref>«El mito del talento en música» (Discurso de incorporación en la Academia de Bellas Artes del Instituto de Chile, el 30 de Octubre de 1969). In: Boletín Nr. 2 (Mitteilungsblatt der Academia Chilena de Bellas Artes), Instituto de Chile, Santiago de Chile 1970, S. 34–41, zitiert nach Veröffentlichungsliste der Universität Oldenburg.</ref>
  • 1971 Chilenischer Nationalpreis für Musikkunst<ref name="Name" />
  • 1995 Silbermedaille für Verdienste um die Künste (Kulturministerium, Spanien)<ref name="Auszeit">Insa Oertel: Biographische Spuren – „Los pasos perdidos“. In: Dies. (Hrsg.), Gustavo Becerra-Schmidt: Theoretische Schriften. University of Oldenburg Press (UOLP), Oldenburg 2025, S. 11–15, hier: S. 14.</ref>
  • 1997 Juryvorsitz des musikwissenschaftlichen Wettbewerbs der Casa de las Américas (Kuba)<ref name="Auszeit" />
  • 1998 Gründungsmitglied des Ehrenbeirates der Zeitschrift Revista Musical Chilena.<ref>Lina Barrientos Pacheco: Homenaje a Manuel Mamani Mamani. Exmiembro del Comité Editorial y miembro del Comité de Honor de la Revista Musical Chilena. Universidad de Tarapacá, Arica. In: Revista Musical Chilena, Band 69, Heft 223 (Juni 2015), Zitat:
El año 1998 se estableció un Comité de Honor, integrado por destacados compositores y musicólogos, los chilenos Miguel Aguilar Ahumada, Gustavo Becerra Schmidt y Juan Orrego Salas, además del estadounidense Robert Stevenson, muy ligado a la formación de musicólogos chilenos y latinoamericanos.</ref>

Schüler[Bearbeiten]

Schüler in Chile waren Luis Advis, Carlos Botto Vallarino, Gabriel Brnčić, Roberto Falabella, Fernando García, Melikof Karaian, Sergio Ortega, Hernán Ramírez Ávila, David Serendero, Edmundo Vásquez und Cirilo Vila Castro sowie die Musikwissenschaftler Raquel Bustos Valderrama und Luis Merino Montero. Schüler in Deutschland waren Friedemann Schmidt-Mechau, Roland Schmenner und Kai Leinweber.

Angewandte Komposition und Semiotik[Bearbeiten]

Gustavo Becerra-Schmidts Gesamtwerk umfasst alle Gattungen einschließlich Filmmusik und elektroakustischer Musik. Seine Werke „absoluter“ Instrumentalmusik sind häufig Auftragskompositionen und für konkrete Aufführungssituation bestimmt. Vor allem im Rahmen seiner Mitarbeit im 1957 gegründeten Centro Universitario del Cine Experimental (Zentrum für experimentelles Kino der Universität von Chile) vertonte er 21 Filme<ref>José María Moure Moreno (Universität Barcelona): Gustavo Becerra y la música para el Centro de Cine Experimental: ciclos y movimientos, síncresis y variaciones. In: Revista Musical Chilena, Band 80, Heft 245 (Januar–Juni 2026). S. 9–31.</ref><ref>Gustavo Becerra-Schmidt. Filmdatenbank CineChile, abgerufen am 26. August 2026.</ref> (darunter 1963 A Valparaíso von Joris Ivens,<ref>A Valparaíso: Frankreich 1963 – Regie: Joris Ivens – Originalfassung: Französisch – Untertitel: Englisch – Länge: 37 min. Dok-Festival, abgerufen am 26. August 2026.</ref> ebenso Ivens Dokumentation aus dem folgenden Jahr über den dritten Präsidentschaftswahlkampf von Salvador Allende El tren de la victoria,<ref>El tren de la victoria (1964). Cortometraje documental / 9 min. / 16 mm / Blanco & negro. Filmdatenbank CineChile, abgerufen am 26. August 2026.</ref> Spielfilme wie Valparaíso mi amor<ref>Valparaíso mi amor (1969). Largometraje de ficción / 87 min. / 35 mm / Blanco & negro. Filmdatenbank CineChile, abgerufen am 26. August 2026.</ref> u. a.). Auch andere Filme, die dem Wahlkampf der Unidad Popular dienten, wie Venceremos (1970) wurden von eng mit Becerra verbundenen Akteuren wie Pedro Chaskel, Ángel Parra oder der Gruppe Quilapayún vertont.<ref>Venceremos (1970). Cortometraje documental / 15 min. / 16 mm / Blanco & negro. Filmdatenbank CineChile, abgerufen am 26. August 2026.</ref>

In seiner kulturpolitischen und kulturästhetischen Position als Komponist, die vom ständigen Nachdenken über den Zusammenhang von Kunst und Gesellschaft geprägt war,<ref name="Joh3" /> sah er sich durch die Lektüre der Schriften von Marx und Engels sowie Georg Lukács bestimmt.<ref>Melikof Karaian, Jorge Vergara: Algunos aspectos de la posición cultural y estética de Gustavo Becerra. In: Revista Musical Chilena, 24. Jg., Nr. 119/120 (Juli–Dezember 1972), S. 49–59, hier: S. 50.</ref> Er beschäftigte sich musikalisch und theoretisch mit indigener lateinamerikanischer Musik und integrierte sie in das europäische Musikidiom, distanzierte sich dabei jedoch bewusst vom „naiven“ Musiknationalismus älterer Komponisten wie der lateinamerikanischen Spätromantiker Santos Cifuentes und Enrique Soro oder Impressionisten wie seines Lehrers Allende oder Próspero Bisquertts. Damit nahm er zentrale Aspekte der heutigen Debatte um „kulturelle Aneignung“ vorweg. Beispielhaft sind Werke wie La Cueca Larga (1961), La Araucana (1965), Machu Picchu (1966) oder Lord Cochrane de Chile (1967).

Das Oratorium Machu Picchu für Sprecher, gemischten Chor, Tonband, Tonfrequenz-Oszillator und Orchester, eine Vertonung des Gedichts Alturas de Machu Picchu aus dem Canto General von Pablo Neruda, wurde 22 Jahre nach der Komposition am 26. August 1988 am zentralen Plaza Baquedano in Santiago vom Chor und Sinfonieorchester der Universität von Chile unter der Leitung von Guido Minoletti und Francisco Rettig im Rahmen der Kampagne gegen die zehnjährige Verlängerung der Herrschaft Pinochets uraufgeführt. Becerra zeigte sich später davon überzeugt, dass das Ambiente dieser Aufführung unentschlossene Wähler unter den Zuhörern dazu bewogen habe, bei dem historischen Referendum mit „nein“ abzustimmen.<ref name="Candela" />

Von 1958 bis 1959 publizierte Becerra in der Revista Musical Chilena eine Kompositionslehre in sieben Folgen, die seine angewandten Kompositionen semiotisch, also kommunikationstheoretisch, begründeten. Dieser Theorie, die einen markanten Beitrag zur Frage nach einer genuin lateinamerikanischen Kunstmusik darstellte, blieb er zeitlebens verpflichtet.<ref>Gustavo Becerra Schmidt: La posibilidad de una retórica musical hoy. In: Revista Musical Chilena 189, 1998, S. 37–52.</ref> Die „okzidentale Musik“ befand sich seiner Meinung nach in einer Krise.

Auch im deutschen Exil verstand sich Becerra-Schmidt explizit als politischer Komponist. Werke wie die Kantate Chile 1973 (1973/74), La Voz de Chile (1978) oder sogenannte „populäre Kantaten“ für die Gruppe Quilapayún (Américas 1978, Allende, Revolución, Memento 1980) thematisierten ausdrücklich die politische Situation in Chile. Außerdem komponierte Becerra-Schmidt für die Friedensbewegung in der Bundesrepublik, u. a. 1983 das Hauptwerk Carl von Ossietzky Oratorium, das den Namensstreit um die „Carl von Ossietzky Universität Oldenburg“ thematisierte.<ref>Rainer Rheude: Kalter Krieg um Ossietzky. Warum die Universität Oldenburg fast 20 Jahre um ihren Namen streiten musste. Mit einem Vorwort von Gerhard Schröder. Edition Temmen, Bremen 2009.</ref> Er schuf zudem zahlreiche Kompositionen auf Texte von Pablo Neruda, Bertolt Brecht und Erich Fried.

Werke[Bearbeiten]

Nach Einschätzung der Chilenischen Akademie der Schönen Künste zweifelt heute niemand daran, dass Becerra sowohl im Bereich der theoretischen Forschung, auch wegen des nachhaltigen Einflusses seiner Lehre auf zahlreiche Schüler, sowie vor allem im Bereich des kompositorischen Schaffens als einer der bedeutendsten chilenischen Musiker zu gelten hat. Sein immens vielgestaltiges und umfangreiches Musikwerk wird als Ergebnis seiner ständigen Suche nach Ausdruckskraft gedeutet, für die er bei Bedarf auf Konzepte und Methoden anderer Wissenschaften oder Künste zurückgriff. „Dies und sein Respekt vor der Vielfalt ermöglichten ihm seine stilistische Freiheit.“<ref name="Bella" />

Das deutschsprachige Werkverzeichnis<ref name="Werkdt">Chronologisches Werkverzeichnis. Universität Oldenburg, abgerufen am 27. August 2026.</ref> umfasst insgesamt 266 Titel, von denen 232 auf dem „open score“-Internetportal „Becerra-Schmidt-Archiv“ frei zugänglich sind. Im spanischsprachigen Werkverzeichnis der Universität Oldenburg sind 280 Werke mit teilweise abweichenden Titeln und Besetzungen angegeben.<ref name="Werksp">Catálogo de 280 obras cronológico. Universität Oldenburg, abgerufen am 27. August 2026.</ref> Als Hauptwerke werden neben den drei Sinfonien und dem Ossietzky-Oratorium (1983) unter anderem das Chorwerk La Araucana (1965), die Kantate Lord Cochrane de Chile (1967) und das Concierto de Arpa (Harfenkonzert, 2001) genannt.<ref>Muere el compositor chileno Gustavo Becerra-Schmidt en Oldenburg. In: Diario Sur (EFE-Meldung), 4. Januar 2010 (spanisch).</ref>

Orchester- und sinfonische Musik (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Sinfonie Nr. 1 für Orchester (1955)
  • Sinfonie (de profundis) für Orchester (1957)
  • Konzert für Klavier und Orchester (1958)
  • Sinfonie Nr. 3 für Orchester mit viel Percussion (1965)
  • Konzert für Cello und Orchester (1983)
  • Konzert für Schlagzeug und Orchester (1984)
  • Konzert für Flöte, Gitarre, Orchester (1987)
  • Variationen für Orchester (1992)
  • Konzert für Harfe und Orchester (2001)
  • Konzert für Gitarre und Orchester (1964/2003)
  • Konzert für Oboe und Orchester (2003)
  • Konzert für Viola und Orchester (2004)

Kammermusik, instrumental (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Las Pascualas für Gitarre (1957)
  • Sonate Nr. 2 für Gitarre (1956)
  • Ludor y Látigo für Gesang und Gitarre (1963)
  • Provocación für viele Soloinstrumente, Klavier (1970)
  • Scanning Variations für solistische Instrumente (1972)
  • Ossietzky-Lied für Gitarren, Percussion, Sprecher, 5 Stimmen (1975)
  • Sonate für 2 Gitarren (1978)
  • Charivari für Piccolo, Flöte, Bassflöte (1979)
  • Die Statuten des Menschen für Kammerorchester (1990)
  • 3 Stücke für 4 Kongas und Flügel (1990)
  • Black Hole für Kammerensemble (1995)
  • Temucana für Solo-Cello und Kammerorchester (1995)
  • A toi de jouer für Ensemble (1997)
  • Niggunim I, II, III für Flöte, Klavier (1999; uraufgeführt am 3. Oktober 2024 in Delmenhorst<ref name="Nil" />)
  • Tasten für Klavier (2001)

Kammermusik mit Gesang (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 5 Canciones Sefardistas (1958–59)
  • Agua Dormida für Stimme, Flügel (1971)
  • Los Satrapas (Die Lakaien) für Stimme und Kammerensemble (1973)
  • Ossietzky-Lied für Gitarren, Percussion, Sprecher, 5 Stimmen (1975)
  • La Voz de Chile für Stimme und Klavier (1978)
  • Memento für Quilapayún, d. h. Percussion, Gesang, Charango (1980)
  • Revolución für 4 Männerstimmen (1981)
  • Die Statuten des Menschen für Gesang und Klavier (1984)
  • Die Ursachen des Krieges für Stimme (Tenor), Gitarre (1985)
  • Das Schweigen für Stimme (Alt), Klavier (1986)
  • Kinderkreuzzug für Stimme (Rezitation), Orchester (1990)
  • Chanukka für zwei Stimmen, Flöten, Klavier (1991)
  • Versos sueltos für Stimme (Sopran) und Klavier (2003)

Chormusik, Kantaten, Oratorien, Opern (Auswahl)[Bearbeiten]

  • La Muerte de Rodrigo, Oper für Gesangsstimmen, Chor, Orchester (1945–1973)
  • La Cueca Larga für Chor, Percussion, Klavier (1961)
  • La Araucana für Chor, Rezitation, Orchester (1965)
  • Cantata del Amor Americano für Chor und Orchester (1965)
  • Machu Picchu für Sprecher, Sopran, Chor, Orchester (1966)Die Seite Vorlage:FN/styles.css hat keinen Inhalt. Anm.:
  • Lord Cochrane de Chile, Kantate (1967)
  • Elegía a la muerte de Lenin (1969)
  • Chile 1973, Kantate (1973–1974)
  • Allende – Cantata Popular für Soli, Chor, Orchester (1978)
  • Ossietzky-Oratorium für Soli, Chor, Orchester (1983)
  • Singen, wann? für Chor (1988)
  • Kinderkreuzzug für Stimme (Rezitation), Orchester (1990)
  • Trotz alledem für Chor und Orchester (1990–1991)
  • Muerte del Mar für Chor und Orchester (1992)

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Anm.: 
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Elektroakustische Musik (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Juegos für Klavier, 12 Tischtennisbälle, Tonband und einen Backstein (1966)<ref name="Tennis" />
  • Lenin (1971)
  • Batuque (1971)
  • Nocturno (1974)
  • Progresiones (1976)
  • Strukturen (1978–1980)
  • Cuando (1978–1980)
  • Quipus (1978–1980)
  • Batallas para Allende (1979)
  • Balistocata (1979)
  • Oda al mar (1986)
  • Interior (1987)
  • Konzert für 4 erweiterte Klaviere (2004)
  • Poema para percusiones sampleadas – Kybernetische Musik (2008)

Filmmusik[Bearbeiten]

  • Día de organillos (1958), experimenteller Kurzfilm von Sergio Bravo
  • Energía gris (1960), Kurzfilm von Fernando Balmaceda
  • Láminas de Almahue (1961), experimenteller Kurzfilm von Sergio Bravo
  • La respuesta (1961), Dokumentarfilm von Leopoldo Castedo über die Folgen des Erdbebens von Valdivia
  • La Universidad en la Antártica (1962), Dokumentarfilm von Luis Cornejo
  • Parkinsonismo y cirugía (1962), Dokumentarfilm von Sergio Bravo
  • Amerindia (1962), Dokumentarfilm von Enrique Zorrilla und Sergio Bravo
  • Isla Guarello (1963), dokumentarischer Kurzfilm von Fernando Balmaceda
  • A Valparaíso (1963), Dokumentarfilm von Joris Ivens über Valparaíso
  • El tren de la victoria (1964), Kurzfilm von Joris Ivens über den Wahlkampfzug von Salvador Allende
  • Aquí vivieron (1964), dokumentarischer Kurzfilm von Pedro Chaskel und Héctor Ríos
  • Yo tenía un camarada (1964), Kurzfilm von Helvio Soto, Pedro Chaskel und Héctor Ríos
  • Carbón (1965), dokumentarischer Kurzfilm von Fernando Balmaceda
  • Érase una vez (1965), Trickfilm von Pedro Chaskel und Héctor Ríos über Zeichnungen von Vittorio di Girolamo
  • Angelito (1965), Kurzfilm von Luis Cornejo
  • Aborto (1965), Dokudrama von Pedro Chaskel über Schwangerschaftsabbruch in armen Familien
  • Ana (1965), Kurzfilm von Helvio Soto, Kamera Fernando Bellet
  • El analfabeto (1965), Kurzfilm von Helvio Soto mit Miguel Littin
  • Érase un niño, un guerrillero, un caballo… (1967), Episodenfilm von Helvio Soto (bestehend aus Yo tenía un camarada, El analfabeto und La muerte de un caballo)
  • Prontuario (1969), dokumentarischer Spielfilm von Hernán Garrido Lagos über einen Fünffachmörder im Gefängnis (verschollen)
  • Valparaíso mi amor (1969), Spielfilm von Aldo Francia

Theoretische Abhandlungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Gustavo Becerra-Schmidt hat zahlreiche musikwissenschaftliche Aufsätze in Fachzeitschriften sowie Vorlesungen und Lexikonartikel veröffentlicht. Die grundlegende siebenteilige Abhandlung Crisis de enseñanza de la composición en Occidente und einige weitere Aufsätze (*) finden sich in einer noch von Becerra-Schmidt selbst revidierten deutschen Übersetzung von Insa Oertel und Cathrin Flotho auch im Becerra-Schmidt-Archiv.<ref>Gustavo Becerra-Schmidt: Theoretische Schriften. Herausgegeben und übersetzt von Insa Oertel, mit einem Nachwort von Wolfgang Martin Stroh. University of Oldenburg Press (UOLP), Oldenburg 2025, S. 7 (Vorwort 2004).</ref>

  • Qué es la música electrónica. In: Revista Musical Chilena, Band 11, Nr. 56, 1957, S. 27–44.
  • Crisis de enseñanza de la composición en Occidente („Die Krise in der abendländischen Kompositionslehre“). In: Revista Musical Chilena 58/1958, S. 9–18.*
  • Crisis de enseñanza de la composición en Occidente (II). Ritmo. In: Revista Musical Chilena 59/1958, S. 48–75.*
  • Crisis de enseñanza de la composición en Occidente (III) („Semantische, morphologische und expressive Aspekte der Melodik und der musikalischen Horizontalität“). In: Revista Musical Chilena 60/1958, S. 100–124.*
  • Crisis de enseñanza de la composición en Occidente (IV) („Morphologische, semantische und expressive Probleme der Polyphonie“). In: Revista Musical Chilena 61/1958, S. 57–81.*
  • Crisis de enseñanza de la composición en Occidente (V) („Morphologische, semantische und expressive Probleme der Harmonie“). In: Revista Musical Chilena 62/1958, S. 44–58.*
  • Crisis de enseñanza de la composición en Occidente (VI) („Probleme der Form, ihrer Semantik, ihrer Expressivität“). In: Revista Musical Chilena 63/1959, S. 54–66.*
  • Crisis de enseñanza de la composición en Occidente (VII) („Probleme der Klangfarbe. Morphologie, Semantik und Ausdruck“). In: Revista Musical Chilena 64/1959, S. 71-79.*
  • En torno a la definción de la música („Annäherung an eine Definition der Musik“). In: Revista Musical Chilena 106/1969, S. 35–45.*
  • Musikalische Deklamation. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1994, S. 507–512.
  • Tendencias de la creación contemporánea. Internacionalidad de la nueva música („Tendenzen im zeitgenössischen Kunstschaffen. Zur Internationalität der neuen Musik“). In: Música y Sociedad en los años 90. Consejo Iberoamericano de la Música, Madrid 1995, S. 132–135 (Vortrag beim Congreso Iberoamericano de la Música 1994 in Madrid).*
  • La posibilidad de una retórica musical hoy („Die Möglichkeit einer zeitgenössischen Musik-Rhetorik“) In: Revista Musical Chilena, Band 52, Nr. 189, 1998, S. 37–52.
  • Rol de la musicología en la globalización de la cultura („Die Rolle der Musikwissenschaft im kulturellen Globalisierungsprozess“). In: Revista Musical Chilena, Band 52, Nr. 190, 1998, S. 36–54.

Literatur[Bearbeiten]

  • Revista Musical Chilena, 24. Jg., Nr. 119/120 (Juli–Dezember 1972): Número dedicado al Premio Nacional de Arte en Música 1971 Gustavo Becerra Schmidt (Sondernummer über Becerra Schmidt zur Würdigung als Nationalpreisträger 1971, mit einem eigenen Beitrag und zahlreichen Gastbeiträgen, online)
  • Fernando García, Rodrigo Torres: Gustavo Becerra-Schmidt. In: Diccionario de Música Española e Hispanoamericana. Band 2. Sociedad General de Autores y Editores, Madrid 1999, S. 320–326 (online via archive.org).
  • Becerra-Schmidt, Gustavo. In: Carl Dahlhaus (Hrsg.): Riemann Musiklexikon. 12., völlig neubearbeitete Auflage. Personenteil: A–K, Ergänzungsband. Schott, Mainz 1972, S. 80.
  • Becerra-Schmidt, Gustavo. In: Nicolas Slonimsky: Baker’s Biographical Dictionary of Musicians. 7. Auflage. Oxford University Press, London, New York, Toronto 1984, S. 180.
  • Becerra-Schmidt, Gustavo. In: Gran Enciclopèdia de la Música. Enciclopèdia Catalana, eingesehen am 22. Januar 2022.
  • Músicos de Iberoamérica: Gustavo Becerra-Schmidt. In: Revista Iberoamericana de Pedagogía Musical, 1. Jg., Nr. 4/1997, S. 2–3.
  • Luis Bocaz: Zur chilenischen Musik – Ein Gespräch mit dem Komponisten Gustavo Becerra. In: Beiträge zur Musikwissenschaft (Zeitschrift des Verbands der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR im Verlag Neue Musik Berlin), Heft 3, Berlin 1981, S. 244–254.
  • Fernando García: Identidad en la Creación Musical Nacional – Gustavo Becerra-Schmidt. In: Situación de la Música Clásica (Seminar über die Lage der klassischen Musik in Chile). Künstlerische Fakultät der Universität von Chile, 22. und 23. Juli 1994. S. 17–20.
  • Pablo Palacios Torres, Ismael Cortez: El compositor como intelectual en Latinoamérica. Gustavo Becerra Schmidt y los límites de la Nueva Canción Chilena. In: Revista de Música. Veröffentlichung der musikwissenschaftlichen Abteilung der Universidad Nacional de La Plata (Argentinien), La Plata 2020.
  • Ernesto González Greenhill: Entrevista Gustavo Becerra-Schmidt. In: Revista Musical Chilena, Band 63 (2009), Nr. 211, S. 3–11.
  • Eduardo Cáceres Romero: Homenaje a Gustavo Becerra Schmidt en la Universidad Alemana de Oldenburgo. In: Revista Musical Chilena, Band 45 (1991), Nr. 176, S. 9–16.
  • Juan Orrego-Salas: Becerra(-Schmidt), Gustavo. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).

Weblinks[Bearbeiten]

Becerra-Schmidt-Archiv:

Kurzbiografien:

  • Gustavo Becerra Schmidt. In: musicapopular.cl (la enciclopedia de la música chilena). (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • Gustavo Becerra Schmidt. In: electroacusticaenchile.cl (via archive.org). (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • Gustavo Becerra. In: latinoamericano.cl (via archive.org). (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).

Hörbeispiele:

  • Klavierkonzert (1958); Aufnahme des Sinfonieorchesters von Chile unter der Leitung von Enrique Jordá mit Mario Miranda am Klavier (1962, Welterstaufnahme, 20 Min.)
  • A Valparaíso (Dokumentarfilm über Valparaíso von Joris Ivens aus dem Jahr 1963 mit Musik von Becerra, 27 Min.)
  • Lenin (1971, elektroakustische Tonbandkomposition, Digitalisierung Oldenburg 2008, 9 Min.)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

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