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Hagendorfit

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Hagendorfit
Datei:Hagendorfite-sea78a.jpg
Hagendorfit aus der Siglo Veinte Mine, Llallagua, Potosí, Bolivien (Größe: 1,8 × 1,4 × 0,9 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Hag<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel NaCaMnFe2+2[PO4]3<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/A.06
VII/A.06-090

8.AC.10
38.02.03.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe I2/a (Nr. 15, Stellung 7)Vorlage:Raumgruppe/15.7
Gitterparameter a = 10,93 Å; b = 12,59 Å; c = 6,51 Å
β = 98,0°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3,5<ref name="Lapis" /> bis 4,5<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,71; berechnet: [3,84]<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit gut nach {001}, undeutlich nach {110}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität uneben; spröde<ref name="Mindat" />
Farbe dunkelgrün, grünlichschwarz
Strichfarbe graugrün<ref name="Lapis" />
Transparenz durchscheinend
Glanz Harz- oder Fettglanz bis schwacher Glasglanz<ref name="Mindat" />
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,708 bis 1,735<ref name="Mindat" />
nβ 1,742<ref name="Mindat" />
nγ 1,722 bis 1,745<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,014<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 68° bis 70° (gemessen), 66° (berechnet)<ref name="Mindat" />
Pleochroismus Sichtbar bis stark: X= bräunlich bis gelblichgrün, Z= blaugrün bis grasgrün<ref name="SchröckeWeiner" /><ref name="Mindat" />

Hagendorfit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der chemischen Formel NaCaMnFe2+2[PO4]3<ref name="StrunzNickel" />, ist also chemisch gesehen ein Natrium-Calcium-Mangan-Eisen-Phosphat.

Hagendorfit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, entwickelt aber nur sehr selten mit bloßem Auge sichtbare, durchscheinende Kristalle bis etwa vier Millimeter Größe. Meist findet er sich in Form derber, spätiger Massen von dunkelgrüner bis schwarzgrüner Farbe.

Mit Varulith bildet Hagendorfit eine lückenlose Mischkristall-Reihe.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Hagendorfit im Corneliaschacht von Hagendorf-Süd im Landkreis Neustadt an der Waldnaab in der Oberpfalz und beschrieben 1954 durch Karl Hugo Strunz, der das Mineral nach seiner Typlokalität benannte.

Das Typmaterial des Minerals wird an der Harvard University in Cambridge (Massachusetts) in den USA unter der Katalog-Nr. 107297 aufbewahrt.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Klassifikation[Bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Hagendorfit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung der „Wasserfreie Phosphate [PO4]3−, ohne fremde Anionen“, wo er zusammen mit Alluaudit, Arseniopleit, Bobfergusonit, Ferroalluaudit, Ferrohagendorfit, Ferrorosemaryit, Ferrowyllieit, Karyinit, Maghagendorfit, Qingheiit, Rosemaryit, Varulith und Wyllieit die „Alluaudit-Gruppe“ mit der System-Nr. VII/A.06 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Hagendorfit ebenfalls in die Abteilung der „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und großen Kationen“ zu finden ist, wo es als Namensgeber die „Hagendorfitgruppe“ mit der System-Nr. 8.AC.10 und den weiteren Mitgliedern Alluaudit, Arseniopleit, Bradaczekit, Groatit, Karyinit, Ferroalluaudit, Ferrohagendorfit, Johillerit, Maghagendorfit, Manitobait, Nickenichit, O’Danielit, Varulith und Yazganit bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Hagendorfit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserfreie Phosphate etc.“ ein. Hier ist er in der „Alluaudit-Wyllieitgruppe (Alluaudit-Untergruppe)“ mit der System-Nr. 38.02.03 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., (A+B2+)5(XO4)3“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Hagendorfit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe I2/a (Raumgruppen-Nr. 15, Stellung 7)Vorlage:Raumgruppe/15.7 mit den Gitterparametern a = 10,93 Å; b = 12,59 Å; c = 6,51 Å und β = 98,0° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Eigenschaften[Bearbeiten]

Hagendorfit ist in dünnen Schichten stark pleochroistisch,<ref name="SchröckeWeiner" /> das heißt, je nachdem aus welcher Richtung das Licht durch den Kristall fällt, zeigt das Mineral eine Farbänderung von gelblichgrün (senkrecht zur x-Achse) über blaugrün bis grasgrün (senkrecht zur z-Achse).<ref name="Mindat" />

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Hagendorfit bildet sich in komplexen Granit-Pegmatiten, wo er meist vergesellschaftet mit Hämatit, Triphylin und Wolfeit auftritt.

Als seltene Mineralbildung konnte Hagendorfit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei bisher knapp 20 Fundorte<ref name="MindatAnzahl" /> bekannt sind. Neben seiner Typlokalität Hagendorf in der Oberpfalz konnte das Mineral in Deutschland nur noch am Hennenkobel (Hühnerkobel) nahe Rabenstein (Zwiesel) in Niederbayern gefunden werden.

Europaweit kennt man Hagendorfit noch aus Vernéřov (deutsch Wernersreuth) und Otov in der tschechischen Region Böhmen; Lutomia (Leutmannsdorf) und Michałkowa (Michelsdorf) in der polnischen Region Niederschlesien; Mangualde in Portugal sowie Skrumpetorp (Östergötland), Norrö (Södermanland) und Varuträsk (Västerbotten) in Schweden.

Weitere Fundorte liegen in Bolivien, Kanada, Namibia, Ruanda und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).<ref name="Fundorte" />

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hugo Strunz: Hagendorfit, ein neues Mineral der Varulith-Hühnerkobelit-Reihe. In: Neues Jahrbuch für Mineralogie Monatshefte, 1954, S. 252–255
  • Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 631.
  • Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 612.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Hagendorfite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> Hagendorfite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 64,1 kB) </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Hagendorfit beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 6. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2014, ISBN 978-3-921656-80-8. </ref> <ref name="Mindat"> Mindat - Hagendorfite </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Mindat - Anzahl der Fundorte für Hagendorfit </ref> <ref name="SchröckeWeiner"> Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 612. </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 430. </ref> <ref name="Webmineral"> Webmineral - Hagendorfite </ref> </references>