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Hain-Rispengras

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Hain-Rispengras
Datei:Poa nemoralis - Thome.jpg

Hain-Rispengras (Poa nemoralis), Illustration

Systematik
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Gattung: Rispengräser (Poa)
Art: Hain-Rispengras
Wissenschaftlicher Name
Poa nemoralis
L.

Das Hain-Rispengras (Poa nemoralis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Rispengräser (Poa), die zur Familie der Süßgräser (Poaceae) gehört. Es ist in Europa und im nördlichen Asien weit verbreitet, in Nordamerika gibt es eingebürgerte Vorkommen sowie das nah verwandte, von manchen Autoren als Unterart des Hain-Rispengrases geführte Poa interior. Wegen seiner charakteristisch waagrecht oder aufrecht abstehenden Blätter, ähnlich einem ausgestreckten Arm, wird es auch „Wegweisergras“ genannt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Datei:Poa.nemoralis.jpg
Blütenstand
Datei:Poa.nemoralis.in.may.germany.jpg
Habitus
Datei:Poa nemoralis sl13.jpg
Ährchen; Gluma = Hüllspelze, Lemma = Deckspelze
Datei:Mayetiola graminis on Poa nemoralis (31881939186).jpg
Gallbildung am Hain-Rispengras durch die Diptere Mayetiola graminis

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Das Hain-Rispengras ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die horstartig wächst und Wuchshöhen von 20 bis 50<ref name="Oberdorfer" />, nach anderen Angaben bis 80 Zentimeter<ref name="Grass Manual" /> oder 100 Zentimeter<ref name="Conert1996" /> erreicht. Das Wurzelsystem ist flach. Die Blattspreite ist 6 bis 15 Zentimeter lang und 1,5 bis 3 Millimeter breit<ref name="Conert1996" />, neben der mittleren Blattrippe ist je eine längs verlaufende Rinne sichtbar. Die Blattspitze ist nur selten kapuzenförmig zusammengezogen. Der Blattgrund besitzt keine Wimpern, das Blatthäutchen (Ligula) ist weiß, es ist kurz, beim obersten Halmblatt 0,3 bis 0,8 Millimeter lang und endet gestutzt. Auffällig ist die fast waagerechte aufrecht abstehende Blattspreite des obersten Blattes, sie ist gleich lang wie dessen Blattscheide.<ref name="Haeupler" /><ref name="Oberdorfer" />

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Der wenigblütige, rispige Blütenstand ist 4 bis 16 Zentimeter lang<ref name="Conert1996" /> und an seiner Spitze etwas übergeneigt. Die Seitenäste gehen zu (2-) 3 bis 5 von der dünnen Hauptachse ab; sie sind sehr dünn und oft geschlängelt.<ref name="Conert1996" /> Die einzelnen Ährchen sind 4 bis 5 Millimeter lang und enthalten nur eine<ref name="Haeupler" />, meist aber 2 bis 5<ref name="FoP" /> zwittrige Blüten.<ref name="Conert1996" /> Die Hüllspelzen sind dreinervig und 2 bis 3,5 Millimeter lang, wobei die untere deutlich kürzer und schmaler ist als die obere.<ref name="Conert1996" /> Die Deckspelzen sind behaart und grün<ref name="Haeupler" />; sie sind fünfnervig und 2,6 bis 3,8 Millimeter lang.<ref name="Conert1996" /> Deckspelzen und Hüllspelzen sind deutlich gekielt.<ref name="Grass Manual" /> Grannen sind nicht vorhanden.<ref name="Haeupler" /> Die Vorspelzen sind zweinervig, 2,4 bis 3,4 Millimeter lang und auf den Kielen mit sehr kurzen, spitzen Borstenhaaren besetzt.<ref name="Conert1996" /> Die Staubbeutel sind 1,2 bis 2 Millimeter lang.<ref name="Conert1996" /> Die Blütezeit wird für Mitteleuropa mit Juni bis Juli angegeben,<ref name="Oberdorfer" /> die Flora of China nennt Mai bis Juni,<ref name="FoC" /> in Schweden reicht die Blütezeit von Juli bis September.<ref name="nrm" />

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28 oder 42, auch 14, 35, 56, 70.<ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie[Bearbeiten]

Durch Befall mit dem Pilz Epichloe typhina können beim Hain-Rispengras, zuweilen auch bei anderen Arten, weiße, später muffartige Hüllen um den Stängel entstehen.<ref name="Düll" /> Die Halme von Poa nemoralis werden auch durch die Diptere Mayetiola poae befallen.<ref name="Conert1996" /> In den umgebildeten Halmen tritt Endo-Polyploidie auf. Der Endopolyploidiegrad nimmt von außen nach innen zu und erreicht bei den Kernen im zentralen Gewebe vermutlich den 4096-fachen Wert.<ref name="Conert1996" /> Die fädigen Auswüchse der Galle sind gebaut wie Beiwurzeln mit Zentralzylinder, sklerotisiertem Perizykel und einer Tertiär-Endodermis, aber eine Kutikula fehlt.<ref name="Conert1996" />

Vorkommen[Bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet des Hain-Rispengrases umfasst die subarktischen und gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel sowie das nordwestliche Afrika.<ref name="WCSP" /> In Europa kommt es in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Lettland.<ref name="Euro+Med" /> In den Alpen steigt das Hain-Rispengras meist bis auf 2000 Meter Höhe auf,<ref name="Oberdorfer" /> in China kommt es in Höhenlagen zwischen 1000 und 4200 Meter vor<ref name="FoC" />. In den Allgäuer Alpen steigt es in Bayern auf Graten der Höfats bis zu 2200 Metern Meereshöhe auf.<ref name="Dörr und Lippert" /> In Graubünden erreicht es am Piz Laschadurella 3000 Meter.<ref name="Conert1996" /> Das Hain-Rispengras ist generell in Laubwäldern,<ref name="Haeupler" /> besonders an lichten Stellen, am Waldrand oder an Hecken zu finden. Es bevorzugt frische Böden, die nährstoffreich, humos und nur mäßig sauer sind. Es ist eine Charakterart der Klasse Querco-Fagetea.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Taxonomie, Systematik und Chromosomenzahlen[Bearbeiten]

Das Hain-Rispengras wurde 1753 von Carl von Linné im ersten Band von Species Plantarum auf Seite 69 als Poa nemoralis erstveröffentlicht. Das Art-Epitheton nemoralis ist im Lateinischen das Adjektiv von nemus, „Hain, Wald“.

Verschiedene Sippen des Hain-Rispengrases lassen sich durch die Chromosomenzahlen unterscheiden.<ref name="FoC" /> Häufig kommen 2n = 28 und 42 vor, auch 2n = 14, 35, 56 und 70 wurden gezählt.<ref name="Oberdorfer" /> Das Hain-Rispengras bildet mit verwandten Arten variable und schwer unterscheidbare Hybride, die sich durch Agamospermie vermehren können, so etwa mit dem Sumpf-Rispengras (Poa palustris), dem Blaugrünen Rispengras (Poa glauca), mit Poa nemoraliformis und Poa versicolor.<ref name="FoC" />

Man kann folgende Unterarten unterscheiden:<ref name="Euro+Med" />

  • Poa nemoralis subsp. alexeenkoi <templatestyles src="Person/styles.css" />Tzvelev: Sie kommt in Georgien vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Poa nemoralis subsp. carpatica <templatestyles src="Person/styles.css" />V. Jirásek: Sie kommt in Polen, in der Slowakei und in der Ukraine vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Poa nemoralis subsp. hypanica <templatestyles src="Person/styles.css" />(Prokudin) Tzvelev: Sie kommt in der Ukraine vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Poa nemoralis subsp. lapponica <templatestyles src="Person/styles.css" />(Prokudin) Tzvelev: Sie kommt in Europa in Norwegen, Schweden, Finnland und Russland vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Poa nemoralis <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. nemoralis.

Nutzung[Bearbeiten]

Es wird gelegentlich als Bestandteil von Schattenrasenmischungen verwendet.<ref>Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit: Autochthones Saat- und Pflanzgut - Regelsaatgutmischungen (RSM). (Vorlage:Toter Link/CoreOnline (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Skriptfehler: Ein solches Modul „DateTime“ ist nicht vorhanden.. Suche im Internet Archive)Vorlage:Toter Link/archivebot; PDF-Datei; 109 kB)</ref>

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Haeupler"> Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 2). Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4, S. 672.</ref> <ref name="Oberdorfer"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> <ref name="FoC"> Guanghua Zhu, Liang Liu, Robert J. Soreng & Marina V. Olonova: Poa: Poa nemoralis, S. 299 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 22 - Poaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2006. ISBN 1-930723-50-4 </ref> <ref name="FoP"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> <ref name="nrm"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Naturhistoriska riksmuseet; ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar);</ref> <ref name="Grass Manual"> Robert J. Soreng: [Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden.] In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Utah State University, archiviert vom Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar) am 11. Juni 2011;.Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden.</ref> <ref name="Düll"> Der BibISBN-Eintrag [[Vorlage:BibISBN/Skriptfehler: Ein solches Modul „URIutil“ ist nicht vorhanden.]] ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen [[[:Vorlage:Neuer Abschnitt/URL]] <span title="Vorlage:bibISBN/Skriptfehler: Ein solches Modul „URIutil“ ist nicht vorhanden. (Seite nicht vorhanden)">neuen Eintrag] an.</ref> <ref name="Oberdorfer2001">Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5. Seite 224.</ref> <ref name="Dörr und Lippert">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 188.</ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="Conert1996">Hans Joachim Conert: Familie Poaceae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage, Band I, Teil 3, Seite 703–705. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1996. ISBN 3-489-52020-3.</ref> <ref name="InfoFlora"> Vorlage:InfoFlora</ref> <ref name="Euro+Med"> B.Valdés, H.Scholz; with contributions from E. von Raab-Straube & G.Parolly (2009+): Poaceae (pro parte majore). Datenblatt Poa nemoralis In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> </references>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Hain-Rispengras – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien