Handala
Handala (arabisch حنظلة, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), auch Handhala, Hanzala oder Hanthala genannt, ist eine Cartoonfigur des palästinensischen Zeichners Nadschi al-Ali.<ref name=":0"></ref><ref></ref> Die Figur des kleinen Jungen wurde 1969 erstmals gezeichnet und erhielt ihre heutige Gestalt 1973. Handala gilt als Symbol palästinensischer Identität.<ref></ref><ref> Nadine Kreitmeyr: Der Nahost-Konflikt durch die Augen Hanzalas. Stereotypische Vorstellungen im Schaffen des Karikaturisten Naji al-'Ali. ISBN 978-3-87997-402-3 Klaus Schwarz Verlag Berlin, jetzt: Walter de Gruyter Berlin. Berlin 2012. </ref>
Entwicklung der Figur[Bearbeiten]
Obwohl die Figur Handala offiziell erstmals am 13. Juli 1969 in der kuwaitischen Zeitung al-Siyassah abgebildet wurde, lassen sich die Anfänge von Handala bereits in zahlreichen Karikaturen erkennen, die in at-Tali’a veröffentlicht wurden.<ref name=":3"></ref><ref name=":2" /> Die Figur Handala entstand als Reaktion auf die Resolution 242 des Sicherheitsrats (22. November 1967), die Nadschi al-Ali als ersten Verrat an den palästinensischen Flüchtlingen betrachtete.<ref name=":2"></ref> Den Oktoberkrieg von 1973 deutete Nadschi al-Ali als einen weiteren Wendepunkt, an dem sich die palästinensische Politik weiter von ihren ursprünglichen Zielen entfernte. Deshalb wendete Handala sich ab und zeigte nur noch seinen Rücken. Er wurde zu demjenigen, der Ungerechtigkeit ablehnt, sie aber beharrlich beobachtet und anprangert.<ref name=":0" /><ref name=":2" /> Nadschi al-Ali erklärte, dass seine Figur Handala den Armen zugeneigt sei. Da al-Ali selbst die Welt durch eine Klassenanalyse betrachtete, zeichnete er lieber „soziale Verhältnisse und Einstellungen statt Führer und Chefs“. Ursprünglich führte al-Ali Handala als palästinensisches Kind ein, später schrieb er jedoch, dass „mit der Entwicklung seines Bewusstseins zunächst ein nationaler (arabischer) Horizont entstand, dann ein globaler und menschlicher Horizont.“<ref name=":3" />
Symbolismus[Bearbeiten]
Der Name „Handala“ wird auf die giftige Pflanze Koloquinte zurückgeführt (arabisch حنظل, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), eine mehrjährige Pflanze aus der Levante, die bittere Früchte trägt, nach dem Schneiden nachwächst und tiefe Wurzeln hat.<ref name=":1">Oweis Fayeq: Handala and the Cartoons of Naji al-Ali. In: oweis. 5. Juli 2009, abgerufen am 3. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Suzan Quitaz zitierte al-Ali mit den Worten: „Ich habe ihn den Armen vorgestellt und ihm den Namen Handala gegeben, als Symbol der Bitterkeit“.<ref></ref>
Handalas Alter – zehn Jahre (bzw. elf Jahre gemäß „A Child in Palestine“) – entspricht dem Alter von Nadschi al-Ali im Jahr 1948, als seine Familie gezwungen wurde, Palästina zu verlassen, und er nicht erwachsen werden konnte, bis er in sein Heimatland zurückkehren könnte:<ref></ref><ref>al Ali, N. (2012). Powerful weapons. Index on Censorship, 41(1), 120–125.</ref>
Rezeption[Bearbeiten]
Wissenschaftliche Rezeption[Bearbeiten]
Orayb Aref Najjar (Professorin Emerita der Kommunikationswissenschaften, Northern Illinois University) schreibt, das Gesamtwerk al-Alis verdeutliche, wie politische Ereignisse die Palästinenser von Flüchtlingen zu Revolutionären machten. Der Flüchtlingsstatus der Palästinenser galt nach 1948 als Essenz der palästinensischen Identität. Nadschi al-Alis Karikaturen setzten sich mit dieser Identitätspolitik der palästinensischen Diaspora auseinander und trugen Najjar zufolge maßgeblich dazu bei, das Bild der palästinensischen Flüchtlinge zu verändern: von hilflosen, mittellosen Menschen, die in Zelten und Hütten lebten und zum Überleben auf Lebensmittelrationen der Vereinten Nationen angewiesen waren, zu Revolutionären, die ihr Schicksal selbst in die Hand nahmen.<ref name=":3" details="S. 265-266" />
Während palästinensische Flüchtlinge in Jordanien meist die Staatsbürgerschaft erhielten, erhielten sie in Syrien und im Libanon vorläufige Ausweispapiere. Das Fehlen eines Passes kommt dabei laut Najjar einer Leugnung der Existenz dieses Flüchtlings gleich. Gemäss Najjar griff Al-Ali diese Situation in einer Karikatur auf, indem er die Form eines echten Reisedokuments übernahm und in eine politische Satire verwandelte. Der übergross dargestellte Personalausweis gegenüber der kleinen Figur Handala verdeutlicht für Najjar die existenzielle Bedeutung der Passfrage für staatenlose Palästinenser.<ref name=":3" /> Das geschwärzte Foto erinnert an die Darstellung Verstorbener und suggeriert, dass der Inhaber auf eigene Gefahr reist. Besonders die verfremdeten Passformeln sieht Najjar als Kritik an der Behandlung palästinensischer Flüchtlinge durch arabische Regime: Statt staatlicher Hilfe werde dem Inhaber symbolisch der Weg „in Gottes Barmherzigkeit“ gewiesen, während ihm der Aufenthalt im Land nur unter Verwaltungshaft gewährt werde und weder Arbeit noch selbst das Atmen erlaubt seien. Die Karikatur prangert damit die Entrechtung und Marginalisierung palästinensischer Flüchtlinge an.<ref name=":3" details="S. 265-268" />
Rezeption in Deutschland[Bearbeiten]
Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz beschrieb im Mai 2026 Handala als eines der Symbole und Erkennungszeichen des säkularen propalästinensischen Extremismus. Handala sei eine „erstmals 1969 gezeichnete Cartoonfigur, welche stellvertretend für den palästinensischen Widerstand steht.“<ref>Säkularer propalästinensischer Extremismus. In: Bundesamt für Verfassungsschutz. Abgerufen am 2. Juni 2026.</ref> In Belltower News schrieb Marc Widemann 2021, dass Abbildungen der Comicfigur „Handala“ meist im Kontext der Boykott-Kampagne BDS verwendet würden. Laut Widemann zeigten Handala-Cartoons auffallend häufig gewaltsames Vorgehen gegen Israel: „So wird die israelische Fahne durch Handala in Brand gesetzt, werden Steine als Wurfgeschosse genutzt und Waffengewalt propagiert. Daneben existieren zahlreiche Handala-Zeichnungen, die eine klassische antisemitische Symbolsprache beinhalten, indem beispielsweise Jüdinnen:Juden mit überdimensionierten Hakennasen dargestellt werden oder ein Rekurs auf die antisemitische Ritualmordlegende erfolgt.“<ref>Antisemitismus: Symbole, Codes, Parolen auf anti-israelischen Demos. 3. Juni 2021, abgerufen am 7. April 2025.</ref> In einem Artikel über die BDS-Bewegung schrieb Sebastian Leber 2017: „In dessen Geschichten werden Israelis grundsätzlich mit Hakennase dargestellt. Sie begehen jüdische Ritualmorde, verführen arabische Frauen, können bloß durch Maschinengewehre gestoppt werden.“<ref></ref>
Weitere Verwendung[Bearbeiten]
Zu den aktuellen Verwendungen des Handala-Motivs gehören:
- In der israelischen Kunst, insbesondere neben der israelischen Figur Srulik.<ref>Guest Columnist: Srulik, meet Handala | The Jerusalem Post. 7. Januar 2011, abgerufen am 10. Juni 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Ein 2022 gegründeter israelfeindlicher Verein in Leipzig nannte sich „Handala e. V.“. Er wurde vom sächsischen Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) als extremistisch eingestuft.<ref>Kai Kollenberg: Leipzig: Verfassungsschutz stuft Palästina-Verein Handala als extremistisch ein. 13. Februar 2025, abgerufen am 7. April 2025.</ref> Der Verein zeigte laut Verfassungsschutzbericht kurz nach dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 auf seinem Instagram-Account in Anspielung auf die Hamas-Terroristen Handala mit einem Fallschirm Nach öffentlicher Kritik an dieser Darstellung wurde der Beitrag gelöscht. Ende 2025 löste sich der Verein auf, die Gruppe besteht aber weiter.<ref>MDR AKTUELL: Connewitz: Warum Palästina-Gruppe Handala gegen linke Community mobil macht. Abgerufen am 10. Juni 2026.</ref><ref>HANDALA E.V. In: Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen. Abgerufen am 10. Juni 2026.</ref>
- Ein Schiff der sogenannten Gaza Freedom Flotilla hieß ebenfalls Handala.<ref>Anti-Israel activists seek to break naval blockade on Gaza, deliver humanitarian aid. In: Times of Israel. Abgerufen am 7. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Galerie[Bearbeiten]
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Das Peace Kids-Wandbild mit Srulik in Florentin, Tel Aviv
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Eine Handala an der Mauer in Niilin, Westjordanland
Literatur[Bearbeiten]
- A Child in Palestine: The Cartoons of Naji Al-ali. Verso Books, 23. Juni 2009. ISBN 978-1-84467-365-0
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />