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Handley 6-60

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Handley
Bild nicht vorhanden
Model 6-60
Produktionszeitraum 1923
Klasse Oberklasse
Karosserieversionen Tourenwagen, Limousine, Coupé
Motoren Ottomotor:
4,4 Liter
(44,7 kW)
Länge
Breite
Höhe
Radstand 3145 mm
Leergewicht ab 1500 kg

Vorgängermodell Handley-Knight Model B

Der Handley 6-60 war ein nur 1923 angebotener Personenwagen der US-amerikanischen Oberklasse. Produziert wurde das Fahrzeug von der Handley Motors, Inc. in Kalamazoo (Michigan). Dies war das dritte Serienmodell dieses Herstellers, das sich vor allem durch einen zugekauften Sechszylindermotor von den Vorgängern mit Vierzylinder-Schiebermotoren unterschied. Parallel wurde der kleinere und schwächer motorisierte Handley 6-40 produziert.

Modellgeschichte[Bearbeiten]

Die Handley-Knight Company wurde im Januar 1920 von James I. Handley mit einem Aktienkapital von US$ 1 Mio. gegründet. Das Unternehmen brachte im Oktober 1920 das Handley-Knight Model A mit einem Vierzylinder-Schiebermotor Lizenz Knight heraus. Es wurde 1922 vom sehr ähnlichen Model B abgelöst.

Das Unternehmen geriet in Schwierigkeiten und musste seine neu erstellten, aber viel zu großen Produktionsanlagen verkaufen. Im Dezember 1922 folgte eine Reorganisation als Handley Motors, Inc.<ref name="Kimes(1996)674" /><ref name="AA_Handley-Knight" /> Im Januar 1923 lief die gemeinsame Produktion des 6-60 und des kleineren 6-40 an, wobei letzterem die Rolle des Einsteigermodells zukam. Die Linienführung aller Fahrzeuge war konservativ, die Verarbeitung und die verwendeten Materialien erstklassig. Der 6-60 erhielt eine neue, massivere Kühlermaske<ref name="Burness20_119" />, die sich deutlich von jenen der Vorgänger und des 6-40 unterschied. Bei letzterem war sie als modischer „Spitzkühler“ geformt.<ref name="Kimes(1996)674" />

Technisch unterschied sich der 6-60 im Wesentlichen nur durch den Motor vom Vorgänger. Die lieferbaren Karosserievarianten umfassten einen siebensitzigen Touring in Standard- und Deluxeausführung zu US$ 2450.- resp. 2650.-, einen ebenfalls siebensitzigen Sedan sowie ein viersitziges Coupé. Die geschlossenen Versionen kosteten je US 3450.-.<ref name="Kimes(1996)674" />

Technik[Bearbeiten]

Das Gewicht des Touring dürfte wie beim Handley-Knight Model B bei etwa 3300 lbs (ca. 1500 kg) gelegen haben.<ref name="Carfolio_HK">Carfolio: Handley-Knight (1921 MY) specifications</ref> Alle Handley-Knight und Handley waren sich konstruktiv sehr ähnlich. Es handelte sich um Assembled vehicles, also „konfektionierte“ Automobile, die aus zugekauften Komponenten montiert wurden.<ref name="Kimes(1996)674" />

Motor[Bearbeiten]

Dieser konventionelle, obengesteuerte Sechszylindermotor mit Wasserkühlung wurde von der Midwest Engine Corporation in Indianapolis (Indiana) zugekauft. Seine Bohrung und Hub betrugen 3⅜ × 5 Zoll<ref name="CCDb_Handley6-60" /> (87,5 × 127 mm), woraus sich ein Hubraum von 268,4 c.i.<ref name="Burness20_119" /><ref name="CCDb_Handley6-60" /> entsprechend 4398 cm³ ergibt. Als Leistung werden 60 bhp (44,7 kW) genannt<ref name="Kimes(1996)674" /><ref name="CCDb_Handley6-60" /> Gemäß dem damals in den USA angewendeten N.A.C.C.-Rating<ref name="NACC15_12" /><ref group="Anm.">Vorgängerformel für SAE-PS. N.A.C.C. (National Automobile Chamber of Commerce) war eine 1913 gegründete Vereinigung der Automobilindustrie und Nachfolgerin der A.L.A.M. (Association of Licensed Automobile Manufacturers), welche 1903 die ersten Normen im US-Automobilbau eingeführt hatte. Die Methode wurde auch vom RAC in Großbritannien verwendet.</ref> ergeben sich aus der Zylinderbohrung von 3⅜ Zoll 27,34 PS.<ref name="CCDb_Handley6-60" /><ref name="NACC15_12" />

Handley verwendete Druckumlaufschmierung und ein Vakuum-System zur Benzinförderung. Der Kühler war zumindest beim Vorgänger zellular aufgebaut<ref name="HK_B22" />, die Kühlung erfolgte nach dem damals üblichen Thermosyphonverfahren und mit einer Wasserpumpe.<ref name="CCDb_Handley6-60" />

Kraftübertragung[Bearbeiten]

Vom Schaltgetriebe des Handley 6-60 ist nur bekannt, dass es drei Gänge hatte.<ref name="CCDb_Handley6-40" /> Es war mit Sicherheit unsynchronisiert. Belegt ist eine Mehrscheiben-Kupplung.<ref name="CCDb_Handley6-60" />

Die Kraftübertragung zur Hinterachse erfolgte über eine Kardanwelle; die Hinterachsuntersetzung betrug 4,9 : 1.<ref name="CCDb_Handley6-40" /> Ob wie bei den Handley-Knight-Modellen ein Kegelrad-Achsgetriebe<ref name="CCDb_HKB22" /> verwendet wurde, ist nicht belegt.

Die Hinterachse war „halbschwebend“ konstruiert<ref name="CCDb_Handley6-60" />, d. h. die beiden Halbwellen des Hinterradantriebs sind vor ihrem äußeren Ende über ein Wälzlager mit dem Achskörper verbunden. An der Außenseite enden sie in einem Flansch, an dem das Laufrad befestigt ist. Das innere Ende liegt im Differentialgetriebe. Konstruktionsbedingt sind die Halbwellen innen frei von Querlasten, außen nehmen sie axial leicht versetzte Querkräfte auf.

Fahrgestell und Aufhängung[Bearbeiten]

Datei:Semi elliptic spring and mounting (Manual of Driving and Maintenance).jpg
Typische Vorderachsaufhängung mit Halbelliptikfedern.
Datei:Leaf spring, showing torque reaction effects (Manual of Driving and Maintenance).jpg
Funktionsweise von Halbelliptikfedern an der Hinterachse.

Zum Fahrgestell fehlen detaillierte Angaben. Die enge technische Verwandtschaft mit dem Handley-Knight Model A und B legt aber die Verwendung des gleichen konventionellen Leiterrahmens mit vier Quertraversen nahe. Deren Längsträger waren aus 6 Zoll (152 mm) tiefem und 3/16 Zoll (4,76 mm) starkem Carbonstahl. Die hinterste Traverse hielt den Benzintank und schützte ihn bei einem Aufprall.<ref name="HK20" />

Der Radstand betrug 125 Zoll<ref name="Kimes(1996)674" /><ref name="CCDb_Handley6-60" /> (3145 mm). Rundum wurden Halbelliptik-Blattfedern verwendet.<ref name="CCDb_Handley6-60" /><ref name="CCDb_Handley6-40" /> Beim Model B waren sie aus Vanadium-Stahl; die hinteren waren mit einer Länge von 61 Zoll (1,54 m)<ref name="HK20" /> üppig dimensioniert.

Das Fahrzeug hatte vorn und hinten Starrachsen.<ref name="Carfolio_HK" /> Zur Grundausstattung gehörten hölzerne Artillerieräder mit Reifen der Dimension 32 × 4½ Zoll.<ref name="CCDb_Handley6-60" /> In dieser Klasse waren abnehmbare Felgenkränze („demountable rims“) üblich; sie gehörten bereits zur Grundausstattung des Model B.<ref name="HK_B22" /> In Zeiten nicht abnehmbarer Räder stellte dies einen deutlichen Schritt zu mehr Komfort dar. Zwar wurde der Handley-Knight mit verstärkten Luftreifen („Cord-Reifen“) ausgeliefert, Reifenpannen traten dennoch häufig auf. Bei den nicht seltenen, größeren Schäden, wie sie etwa durch Reifenplatzer entstanden, waren demountable rims hilfreich. Man brauchte nur den Felgenkranz auszuwechseln; die schwere, zeitraubende und schmutzige Arbeit des Entfernens der Holzspeichen von der Radnabe blieb dem Fahrer so erspart. Zu Hause konnte man den defekten Reifen abziehen, reparieren oder ersetzen. Meist wurde der Kranz einfach zum Fachmann gebracht. Der komplettierte Kranz kam als Ersatz wieder an den Wagen.

Der Handley 6-60 hat zeittypisch nur Hinterradbremsen. Allradbremsen begannen sich erst in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre durchzusetzen. Die Fußbremse („Service brake“) wirkte auf die Außenbacken der Trommelbremsen, die Handbremse („Emergency brake“) auf die Innenbacken.<ref name="CCDb_Handley6-60" />

Das Fahrzeug hat eine Schneckenlenkung<ref name="CCDb_Handley6-60" />, wahrscheinlich wie die Vorgänger nach dem System Gemmer.<ref name="CCDb_HKB22" />

Karosserie und Ausstattung[Bearbeiten]

Im Unternehmen war man stolz auf die hochwertigen, im Hause gefertigten Karosserien. Sie wurde nach den Prinzipien des Individual-Karosseriebaus in Kleinserie und weitgehend von Hand erstellt. Die Struktur bestand aus Eschenholz, die Karosseriehaut aus Aluminiumblech. Die Sitze waren mit von Hand bearbeitetem Leder bezogen. Armaturenbrett und Lenkradkranz bestanden aus Walnussholz.<ref name="HK20" /> Verwendet wurden beste Materialien und die Verarbeitung war hochwertig.<ref name="Kimes(1996)674" />

Wie schon zuvor beim Handley-Knight Model B gab es auch beim 6-60 vom Touring eine Standard- und eine um US$ 200.- teurere Deluxe-Ausführung.<ref name="Kimes(1996)674" />

Ob Stoßstangen nun zur Grundausstattung gehörten, ist unklar. Eine Abbildung zeigt einen 6-60 mit einer doppelten Stoßstange, die aus zwei geraden, parallelen Blättern besteht.<ref name="Burness20_119" />

Anmerkungen[Bearbeiten]

<references group="Anm." />

Literatur[Bearbeiten]

  • Beverly Rae Kimes (Hrsg.), Henry Austin Clark jr.: Standard Kataloge of American Cars 1805–1942. 3. Auflage. Krause Publications, Iola WI, 1996; ISBN 0-87341-428-4.
  • G. N. Georgano (Hrsg.): Complete Encyclopedia of Motorcars, 1885 to the Present. Dutton Press, New York, 2. Auflage, Hardcover, 1973; ISBN 0-525-08351-0.
  • Beverly Rae Kimes: Pioneers, Engineers, and Scoundrels: The Dawn of the Automobile in America. Hrsg. SAE (Society of Automotive Engineers) Permissions, Warrendale PA, 2005; ISBN 0-7680-1431-X.
  • Handley-Knight Company: Handley-Knight - Powered by the Famous Sleeve Valve Motor. Verkaufsbroschüre, 1920–1921.
  • Handley-Knight Company: Handley-Knight Model B Dat sheet (1922).
  • Tad Burness: American Car Spotter’s Guide, 1920-39. MBI Motorbooks International, Osceola WI, 1975; ISBN 0-87938-026-8.
  • National Automobile Chamber of Commerce; Inc. (N.A.C.C.): Handbook of Automobiles 1915–1916. Dover Publications, Inc.; Reprint; 1970.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Kimes(1996)674">Kimes, Clark: Standard Catalog. 1996, S. 674 (Handley-Knight).</ref> <ref name="AA_Handley-Knight">American Automobiles: The Handley-Knight Automobiles & The Handley Motors, Inc.</ref> <ref name="Carfolio_HK">Carfolio: Handley-Knight (1921 MY) specifications</ref> <ref name="CCDb_HKB22">Classic Car Database: 1922 Handley Knight B Series.</ref> <ref name="CCDb_Handley6-40">Classic Car Database: 1923 Handley 6-40 Series.</ref> <ref name="CCDb_Handley6-60">Classic Car Database: 1923 Handley 6-60 Series.</ref> <ref name="HK20">Handley-Knight: Model A Broschüre (1920)</ref> <ref name="HK_B22">Handley-Knight: Model B Datenblatt (1922)</ref> <ref name="Burness20_119" >Burness: American Car Spotter’s Guide, 1920-39 (1975), S. 119.</ref> <ref name="NACC15_12">N.A.C.C.: Handbook of Automobiles 1915, 1970; S. 12; (N.A.C.C.-Rating)</ref> </references>