Zum Inhalt springen

Hanriot HD.1

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Hanriot HD.1
Hanriot HD.1 der US Navy, 1919
Typ Jagdflugzeug
Entwurfsland

Frankreich Frankreich

Hersteller Appareils d’Aviation Hanriot
Erstflug Juni 1916
Indienststellung 1917
Produktionszeit

1917–1918

Stückzahl ca. 1000

Die Hanriot HD.1 war ein französisches Jagdflugzeug und eines der meistgebauten Flugzeuge im Ersten Weltkrieg.

Geschichte[Bearbeiten]

Datei:Hanriot HD.1.jpg
Italienische Hanriot HD.1
Datei:HD1-76 Fucini.png
Tenente Mario Fucini von der 76ª Squadriglia mit seiner Hanriot HD.q im Januar 1918
Datei:Hanriot HD-1 (7108410371).jpg
Belgische Hanriot HD.1 (Nachbau)
Datei:Hanriot-Dupont1 H44.jpg
Hanriot HD-1 der belgischen 11ème Escadrille, Winter 1918

René Hanriot war bereits vor dem Krieg mit seiner Firma Société des monoplans Hanriot im Flugzeugbau aktiv gewesen, hatte diese aber 1913 veräußert. 1916 schloss er sich mit Émile Dupont zusammen, der zuvor Rennflugzeuge bei Deperdussin, Ponnier, Morane und Nieuport entwickelt hatte. Zunächst fertigte Hanriot in seinem Werk in Billancourt bei Paris in Lizenz den britischen Sopwith 1½ Strutter. Dupont konzipierte indessen einen kompakten, dem britischen Bristol Scout oder Sopwith Pup ähnlichen Einsitzer, der im Juni 1916 als HD.1 seinen Erstflug absolvierte.

Datei:ETH-BIB-Hanriot, HD-1, Jagdeinsitzer über dem Reusstal aus 600 m-Inlandflüge-LBS MH01-004029.tif
Schweizerische HD-1 im Flug über das Reusstal
Datei:Hanriot HD-1 3 vues.jpg
Drei Ansichten der Hanriot HD.1

Konstruktion[Bearbeiten]

Bei der Hanriot HD.1 handelte es sich um einen einstieligen Doppeldecker. Rumpf und Tragflächen waren stoffbespannte Holzkonstruktionen mit Duraluminiumblechen im Vorderrumpfbereich; die Leitwerke waren mit einem Stahlrohrrahmen verstärkt. Obere und untere Tragflächen waren unterschiedlich lang und gestaffelt ausgeführt, wobei der Pilot eine hervorragende Sicht bekam. Die Maschine hatte nur an den oberen Tragflächen Querruder und besaß ein Spornradfahrwerk.

Varianten[Bearbeiten]

Neben der Standardversion mit Le Rhône 9J-Umlaufmotor mit 110 PS wurde die HD.1 aufgrund der oft kritisierten schlechten Motorleistungen mit abweichenden Motorisierungsvarianten ausgestattet. So wurden Maschinen mit dem Le Rhône 9Jb mit 120 PS oder mit dem Le Rhône 9Jby mit 130 PS ausgestattet. Außerdem wurde ein Einzelstück mit dem Gnome Monosoupape mit 150 PS ausgerüstet, auch auf den Einbau des 170 PS starken Le Rhône 9R-Umlaufmotors wurde hingearbeitet.

Als Seeflugzeug erschien 1917 die Hanriot HD.2 mit Schwimmern, als zweisitzige Version die HD.3.

Die Weiterentwicklung reichte bis zum Jagdeinsitzer Hanriot HD.7, von dem ein Versuchsmuster im Jahre 1918 eine Geschwindigkeit von 214 km/h erreichte, wurde mit dem Ende des Ersten Weltkrieges beendet.

Einsatz[Bearbeiten]

Die Hanriot HD.1 war ein leicht zu fliegender und extrem wendiger kleiner Jäger, der trotz der Bewaffnung mit nur einem MG und des etwas leistungsschwachen Motors von Typ Le Rhône 9J zum einem der meistgefertigten Jagdflugzeuge des Ersten Weltkrieges wurde. Die ohnehin an der Einheitlichkeit ihres Flugzeugparks interessierte französische Aéronautique Militaire<ref>vgl. Angelucci, S. 152</ref> hatte sich aufgrund des Leistungsvergleichs für die SPAD S.VII entschieden und lehnte eine Bestellung des Typs ab; lediglich die französische Marine bestellte eine kleine Anzahl von HD.1 mit 130 PS Clerget-Motor zum Einsatz als Bordflugzeuge. Damit eröffnete sich den italienischen Corpo Aeronautico Militare und der belgischen Aviation Militaire die Chance, bei Hanriot ihren dringenden Bedarf an Jagdflugzeugen zu decken.

Italien[Bearbeiten]

Die italienische Militärkommission in Paris suchte ein Nachfolgemodell für die aussonderungsreifen Nieuport-Macchi-Jagdflugzeuge. Die Erprobung der HD.1 fand im Februar 1917 statt. Der Vertreter der Militärmission, Capitano Ermanno Beltramo, vereinbarte mit René Hanriot und Émile Dupont, dass nur ein Teil der von Italien benötigten 1700 HD.1 direkt von Aéroplanes Hanriot aus Frankreich bezogen, der andere in Lizenzproduktion durch die Nieuport-Macchi S.A. in Varese gefertigt werden sollte.<ref>zur Aussage von Töltschinger, Defilla u. a., dass die gesamten 1700 Stück bei Nieuport-Macchi bestellt worden seien, belegt J. M. Bruce, S. 8, die Lieferung zumindest einiger HD.1 aus französischer Produktion.</ref> Tatsächlich lieferte Nieuport-Macchi 1917 erst 125 und bis zum Waffenstillstand 1918 weitere 706 HD.1, vermutlich wurden bis dato 114 Flugzeuge aus Frankreich importiert.<ref>Уголок неба ¦ Hanriot HD.1 – https://www.airwar.ru/enc/fww1/hd1.html</ref> Somit war die Hanriot HD.1 auf italienischer Seite das am meisten gebaute Flugzeug des Krieges.

Als erster Verband wurde im August 1917 die in Borgnano im Sektor der 2. Armee stationierte 76a Squadriglia des VI. Gruppo mit Hanriots ausgestattet, die bereits am 18. August 1917 in der 11. Isonzoschlacht die Leistungsfähigkeit der HD.1 beweisen musste.

Da die neuen Jagdflugzeuge von den italienischen Piloten gern angenommen wurden, erhielt Macchi einen ersten Produktionsauftrag über 100 Flugzeuge. In der Luftschlacht über Istrana am 26. Dezember 1917 gelang es den Jagdfliegern der 70a Squadriglia mit ihren Hanriots ohne eigene Verluste zehn DFW C.V-Aufklärer der deutschen Fliegerabteilungen 232, 204 und 219 und einen zweimotorigen Bomber AEG G.IV der Kampfstaffel 19 abzuschießen. Die erfolgreichen Kampfflieger Silvio Scaroni, Gastone Novelli, Mario Fucini und Giorgio Michetti errangen zahlreiche Luftsiege mit ihren HD.1. Ihre Gegner, die Jagdflieger der K.u.k. Luftfahrtruppen, beurteilten die HD.1 als der österreichischen Oeffag D.III ebenbürtig; diese war zwar schneller, jene jedoch wendiger und robuster, und im Vergleich zur Nieuport 11 sprachen Beschleunigung und Steigkraft zugunsten der Hanriot.<ref>vgl. J. M. Bruce, S. 7f</ref> Insgesamt flogen 16 Squadriglie des Heeres und die 241a Squadriglia der Regia Marina zum Schutz Venedigs die Hanriot HD.1.

Allerdings teilten die Hanriots auch einige Tücken mit der Nieuport, was erst im Laufe der Zeit sichtbar wurde und möglicherweise mit der schlechteren Qualität der italienischen Lizenznachbauten zusammenhing: Tragflächen verzogen sich, Vibrationen erschütterten die Maschine, Schäden an Rumpf und Rahmen entstanden. Tenente de Biasi, Führer der 73a Squadriglia, reklamierte, dass:

  • sich bei den Hanriots Bolzen und Holzdübel lockerten und sich das Heckleitwerk löste,
  • sich das Seitenruder aus der Verankerung löste, wodurch ein Kamerad seine Maschine nur noch mit äußerster Mühe hatte landen können,
  • die Hanriots zu langsam wären und ihnen die gegnerischen Flugzeuge leicht entkommen konnten,
  • die Motoren zu geringe Leistung brachten und zu reparaturanfällig waren.

Im September 1918 fiel die Entscheidung, die den neuen österreichisch-ungarischen Jagdflugzeugen gegenüber unterlegenen Hanriot HD.1 durch die neuen Ansaldo A.1 Balilla abzulösen, von denen bis zum Waffenstillstand allerdings nur noch wenige die Front erreichten.

Belgien[Bearbeiten]

Die belgischen Streitkräfte, die u. a. Ersatz für ihre nicht einsatztauglichen Ponnier M.1 suchten, bezogen im Jahre 1917 125 Maschinen aus französischer Produktion. Die belgischen Piloten reagierten skeptischer als ihre italienischen Waffenbrüder: Als die ersten HD.1 am 22. August 1917 in Les Moëres bei der als Eliteformation geltenden, hoch angesehenen 1ère Escadrille eintrafen, waren deren Piloten kurz davor, deren Annahme abzulehnen. Die erfolgreichen Jagdflieger André de Meulemeester und Jan Olieslagers übernahmen ihre Maschinen erst, nachdem ihr Staffelchef Willy Coppens das Flugzeug ausprobiert und es danach mit Begeisterung gelobt hatte. Insbesondere beim Kampf gegen feindliche Fesselballons sollten sich die wendigen Flugzeuge, zum Teil mit einem zweiten MG nachgerüstet, bewähren. Als die Staffel aber 1918 ihre Hanriots gegen die Sopwith Camel austauschen sollte, hatte sich die Meinung der Piloten ins Gegenteil gedreht: sie behielten ihre HD.1 und reichten die neuen Flugzeuge an die noch Hanriots fliegende 11ème Escadrille weiter.<ref>J.M. Bruce, S. 9</ref>

Nachkriegsverwendung[Bearbeiten]

Die US Navy verwendete auch nach Kriegsende einige Maschinen, die z. B. 1919 versuchsweise vom Schlachtschiff Mississippi von einer Startrampe starteten. Kleinere Verkäufe gingen an die Schweiz (16 Stück), Ecuador und Venezuela. Mit einer Hanriot HD.1 gelang dem Kapitänleutnant Paul Teste am 20. Oktober 1920 die erste erfolgreiche Landung eines französischen Flugzeugs auf dem Deck eines Schiffes, auf einer 45 Meter langen Holzplattform, die auf das Achterdeck des nicht fertiggebauten Schlachtschiffs Béarn aufgesetzt worden war. Die Béarn wurde daraufhin zum Flugzeugträger umgebaut.

Die Hanriot blieb in einigen Ländern bis 1930 im Einsatz und gehört damit zu den langlebigsten Jägern des Ersten Weltkrieges, obwohl bereits früh mit der SPAD S.VII eine leistungsstärkere Maschine erschienen war.

Technische Daten[Bearbeiten]

Kenngröße Hanriot Nieuport-Macchi<ref>J. Davilla – Italian Aviation in the First World War. Vol.2</ref>
Besatzung 1
Länge 5,85 m 5,85 m
Spannweite 8,70 m 8,50 m
Höhe 2,55 m 2,50 m
Flügelfläche 18,00 m² 17,50 m²
Nutzlast 252 kg
Leermasse 400 kg 419 kg
max. Startmasse 652 kg 600 kg
Höchstgeschwindigkeit 184 km/h 183 km/h
Steiggeschwindigkeit 4:40 min auf 2.000 m<ref name="nowarra">Nowarra, Heinz: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914–1918, Lehmanns, München 1959.</ref> 6:40
Dienstgipfelhöhe 6.540 m 5.900 m
Reichweite 550 km<ref name="nowarra" />
Flugdauer 2:30 h 2:30 h
Triebwerke Le Rhône 9J-Umlaufmotor mit 110 PS (81 kW)
Bewaffnung ein oder zwei 7,7 mm MG

Museumsflugzeuge[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Enzo Angelucci, Paolo Matricardi: Flugzeuge von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg, Wiesbaden 1976, ISBN 3-8068-0391-9
  • J. M. Bruce: The Hanriot HD 1 Leatherhead, Profile Publications, 1966.
  • James J. Davilla & Arthur M. Soltan: French Aircraft of the First World War. Stratford, Connecticut: Flying Machines Press, 1997. ISBN 0-9637110-4-0
  • Kenneth Munson: Kampfflugzeuge. Jagd- und Schulflugzeuge 1914–1919. 2. neu bearbeitete Auflage. Orell Füssli Verlag, Zürich 1976, ISBN 3-280-00824-7, (Flugzeuge der Welt in Farben).
  • Heinz Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914–1918, Lehmanns, München 1959.
  • Bernhard Tötschinger: Hanriot HD-1, in ÖFH Nachrichten, Wien, 4/1985, S. 31ff.
  • David Méchin: Hanriot HD 1:nul n’est prophète en son pays. L’aviation en 1918 – Épisode 1. In: Le fana de l’aviation, Nr. 579, Februar 2018, S. 46–55.
  • Leonard E. Opdycke: French Aeroplanes before the Great War. Atglen, PA: Schiffer, 1999, ISBN 0-7643-0752-5

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Hanriot HD.1 – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />