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Hans Demme

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Hans Hermann Karl Demme (* 12. Februar 1900 in Alt-Kalzenau, Gouvernement Livland; † 18. Februar 1964 in Hamburg) war ein deutsch-baltischer Neurologe in Hamburg.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft und Familie[Bearbeiten]

Hans Demme war der Sohn des Arztes Carl Demme und dessen Ehefrau Frieda Demme geborene Conradi.

In erster Ehe war Demme mit Enni geb. Grabbe († 1939) verheiratet.<ref name="BBLD" /> Das Paar bekam drei Kinder.<ref>Wer ist Wer, Band 13. Schmidt-Römhild, 1958, S. 199.</ref> In zweiter Ehe heiratete er 1959 Erika Kentmann.<ref name="BBLD" />

Frühe Zeit[Bearbeiten]

Seine Schullaufbahn beendete er im Jahr 1917 mit der Reifeprüfung am Privatgymnasium von Tideboehl in Riga. Er wurde im Juli 1917 an der Kaiserlichen Universität Dorpat immatrikuliert. Von Dezember 1918 bis August 1920 war er als Freiwilliger der Stoßtruppe in der Baltischen Landwehr. Zeitgleich hatte er ein Studium der Medizin an den Universitäten Göttingen und Dorpat aufgenommen.<ref name="BBLD">Baltische Historische Kommission (Hrsg.): Eintrag zu Demme, Hermann Karl Hans*. In: BBLD – Baltisches biografisches Lexikon digital</ref> In Dorpat trat er dem Corps Curonia-Dorpat bei.<ref>Christine Pieper: Die Sozialstruktur der Chefärzte des Allgemeinen Krankenhauses Hamburg-Barmbek 1913 bis 1945. S. 59.</ref> Sein Studium setzte er 1920 an der Universität Rostock fort<ref>Siehe Immatrikulation von Hans Demme. In: Rostocker Matrikelportal. Abgerufen am 9. Januar 2020.</ref> und schloss es dort 1924 mit Staatsexamen sowie Promotion zum Dr. med. ab.<ref>Dissertation: Über die praktische Leistungsfähigkeit neuerer Methoden zur Anreicherung von Typhusbakterien im Stuhl. </ref> Danach absolvierte er sein Medizinalpraktikum in Rostock, Hamburg und Freiburg im Breisgau. Als Assistent war er 1926 in Freiburg im Breisgau und von 1926 bis 1927 am Hygieneinstitut der Universität Rostock beschäftigt.<ref name="BBLD" /> Von 1927 bis 1933 absolvierte er seine Facharztausbildung zum Neurologen an der Nervenklinik des Allgemeinen Krankenhauses Hamburg-Eppendorf bei Max Nonne.<ref>Christine Pieper: Die Sozialstruktur der Chefärzte des Allgemeinen Krankenhauses Hamburg-Barmbek 1913 bis 1945. S. 65.</ref> Zwischenzeitlich habilitierte er sich im Jahr 1930 in Hamburg.<ref>Habilitationsschrift: Die praktische und theoretische Bedeutung der Eiweißrelation im Liquor cerebrospinalis bei Nervenkrankheiten.</ref> Seine Antrittsvorlesung als Privatdozent im November 1930 im AK Eppendorf stand unter dem Titel „Mikrobiologische Probleme in der Neurologie“.<ref name="Pieper173">Christine Pieper: Die Sozialstruktur der Chefärzte des Allgemeinen Krankenhauses Hamburg-Barmbek 1913 bis 1945. S. 173.</ref>

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Im Zuge der Machtübergabe an die Nationalsozialisten trat er zum 1. Mai 1933 der NSDAP (Mitgliedsnummer 3.279.016)<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/6000043</ref> und im November 1933 der SA bei. Während der Weimarer Republik war er Anhänger der DVP.<ref name="Pieper173" /> Er gehörte neben ärztlichen Standesorganisationen auch dem NS-Dozentenbund an.<ref>Christine Pieper: Die Sozialstruktur der Chefärzte des Allgemeinen Krankenhauses Hamburg-Barmbek 1913 bis 1945. S. 34.</ref> Ab Ende 1933 vertrat er die Privatdozenten der medizinischen Fakultät an der Universität Hamburg. Von Januar 1934 bis 1945 leitete er die Neurologische Abteilung am Allgemeinen Krankenhaus in Hamburg-Barmbek.

Im Jahr 1934 wurde Demme zum Vertrauensmann der NSDAP-Reichsleitung an der Medizinischen Fakultät Hamburg ernannt. In dieser Funktion verfasste er „regelmäßig Berichte über Kollegen und Stellungnahmen für einzelne Berufungsverfahren an den Vorsitzenden der Hamburger Ärztekammer Willy Holzmann“.<ref name="Pieper173" /> Nach Einschätzung von Hendrik van den Bussche fuhr Demme als Vertrauensmann der NSDAP „einen behutsamen Kurs“, da er bei Berufungen den Gesichtspunkt der wissenschaftlichen Qualifikation „hoch bewertete und nie in eine Konfrontation mit der Fakultät geriet bzw. geraten wollte.“<ref>Hendrik van den Bussche: Akademische Karrieren im „Dritten Reich“. S. 107 ff.</ref>

Demme, der bei der SA Ende Januar 1941 bis zum Sturmbannführer aufstieg, wurde bei dieser NS-Organisation Anfang Juni 1935 Hilfsreferent für Rassenhygiene. Des Weiteren wurde er ärztlicher Beisitzer am Erbgesundheitsgericht, wo er nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses Gutachten erstellte und über die Anordnung von Zwangssterilisierungen mit entschied.<ref name="Pieper174">Christine Pieper: Die Sozialstruktur der Chefärzte des Allgemeinen Krankenhauses Hamburg-Barmbek 1913 bis 1945. S. 174.</ref> Er wurde von der medizinischen Fakultät der Universität Hamburg 1936 zum nichtbeamteten außerordentlichen und 1939 außerplanmäßigen Professor ernannt.<ref>Hamburger Professorinnen- und Professorenkatalog: Demme, Hans. Dr. med. In: www.hpk.uni-hamburg.de. Universitätsarchiv Hamburg, abgerufen am 18. Juni 2025.</ref> In den Jahren 1935 bis 1938 gehörte er dem Beirat der Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater an. Ab Oktober 1940 gehörte er dem Senat der Kolonialärztlichen Akademie der NSDAP an.<ref name="Klee104">Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. S. 104.</ref> Während des Zweiten Weltkrieges war er von 1939 bis 1945 Sanitätsoffizier bei der Wehrmacht, zuletzt als Stabsarzt und beratender Neurologe im Wehrkreis X (Hamburg).<ref name="BBLD" />

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

In der Nachkriegszeit in Deutschland war Demme 1945/46 in interniert. Im Februar 1946 wurde er wegen seiner nationalsozialistischen Betätigung durch die Hamburger Gesundheitsverwaltung von der ärztlichen Praxis suspendiert und sein Arbeitsverhältnis mit dem AK Barmbek gekündigt.<ref>Christine Pieper: Die Sozialstruktur der Chefärzte des Allgemeinen Krankenhauses Hamburg-Barmbek 1913 bis 1945. S. 172f.</ref> Später arbeitete er als niedergelassener Nervenarzt in Hamburg. In der Entnazifizierung wurde er zunächst als „Mitläufer“ (1947), dann als „Entlasteter“ (1949) eingestuft.<ref>Michael Grüttner: Biographisches Lexikon zur nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik. S. 38.</ref> Er war seit 1950 beratender Neurologe am Hafenkrankenhaus und wurde im Juni 1951 wieder in den Lehrkörper der medizinischen Fakultät der Universität Hamburg aufgenommen. 1955 wurde er Corpsschleifenträger des in Hamburg ansässigen Pépinière-Corps Suevo-Borussia.<ref>Kösener Corpslisten 1960, 61/605.</ref> Seit 1959 war er leitender Oberarzt am Allgemeinen Krankenhaus in Hamburg Harburg.<ref name="BBLD" />

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Liquordiagnostik in Klinik und Praxis. Lehmann, München 1935.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hendrik van den Bussche: Akademische Karrieren im „Dritten Reich“. In: Hendrik van den Bussche (Hrsg.): Medizinische Wissenschaft im „Dritten Reich“. Kontinuität, Anpassung und Opposition an der Hamburgischen Medizinischen Fakultät. Dietrich Reimer, Berlin 1989, ISBN 978-3-496-00477-6, S. 63–117.
  • Michael Grüttner: Biographisches Lexikon zur nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik (= Studien zur Wissenschafts- und Universitätsgeschichte. Band 6). Synchron, Heidelberg 2004, ISBN 3-935025-68-8, S. 38.
  • Christine Pieper: Die Sozialstruktur der Chefärzte des Allgemeinen Krankenhauses Hamburg-Barmbek 1913 bis 1945. Ein Beitrag zur kollektivbiographischen Forschung, Lit, Münster, Hamburg London 2003, ISBN 3-8258-6495-2 (zugleich Dissertation an der Universität Hamburg)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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