Harry Maitey
Harry Maitey (* 23. April 1807<ref>Ein „gegebenes“ Datum nach dem Taufschein von April 1830</ref><ref name="Moore 150">Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 150.</ref> im Königreich Hawaiʻi; † 26. Februar 1872 in Klein-Glienicke) war der erste Hawaiier, der nach Preußen kam.
Leben[Bearbeiten]
Herkunft[Bearbeiten]
Über das Leben Maiteys im Königreich Hawaiʻi ist wenig bekannt. Die Informationen über seinen hawaiischen Namen Kaparena werden von anderen Quellen nicht bestätigt.<ref>Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 127; Fußnote 12, S. 156</ref> Der Name Harry Maitey wurde ihm von Deutschen gegeben. Nach den Aufzeichnungen Wilhelm von Humboldts gab er Teoni als den Namen seines Vaters und Bete als den seiner Mutter an.<ref name="Appel2">Michaela Appel: Wilhelm von Humboldt und Harry Maitai: Hawaiianische Sprachstudien in Berlin. In: Ulrike Folie, Volker Heeschen, Frank Zimmer, Tilman Borsche (Hrsg.): Wilhelm von Humboldt: Südsee- und südostasiatische Sprachen: Vorarbeiten zu „Über die Kawi-Sprache auf der Insel Java“ (= Schriften zur Sprachwissenschaft / Wilhelm von Humboldt; begründet von Kurt Mueller-Vollmer; herausgegeben von Tilman Borsche u. a.; 6. Abteilung: Austronesische Sprachen / Abteilungsherausgeber: Volker Heeschen. Band 1). Ferdinand Schöningh, Paderborn 2017, ISBN 978-3-506-73995-7, S. 435–451, hier S. 440.</ref> Als die Handelsfregatte Mentor aus Bremen am 28. November 1823 in Honolulu ankam, hatte am Tag zuvor der französische Walfänger L’Aigle den Hafen mit dem hawaiischen König Liholiho und dessen Frau Kamāmalu verlassen. Während der König abwesend war, versammelten sich Aliʻi von anderen Inseln auf Oʻahu, und auch der Tod von Keoua, dem Gouverneur von Maui, verursachte eine Atmosphäre der politischen Unruhe.<ref name="Moore 127">Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 127</ref> Es ist nicht bekannt, ob Maitey durch diese Situation dazu gedrängt wurde, darum zu bitten, an Bord der Mentor genommen zu werden, des ersten preußischen Schiffs, das sowohl die Welt umrundete als auch Hawaii besuchte. Die Erkundigungen, die über den Jugendlichen eingeholt wurden, bestätigten, dass er keine Verwandten hatte,<ref name="Moore 127" /> und so durfte er Hawaii verlassen. Der Name Maitey wurde von den Deutschen als Henrys (oder Harrys) Familienname aufgezeichnet, aber es ist offensichtlich, dass es sich dabei um eine Ableitung vom hawaiischen maikaʻi oder maitaʻi (deutsche Übersetzung: gut) und nicht um seinen tatsächlichen Namen handelt.<ref name="Moore 127" /><ref>gut, in Ordnung, gut aussehend, schön, gerecht, gesund; vgl. maika‘i. In: Hawaiian Dictionaries.</ref>
Reise nach Preußen[Bearbeiten]
Für die Reise war das Schiff von der Preußischen Seehandlung gechartert und noch während der Fahrt als erstes einer eigenen Flotte gekauft worden.<ref>Heinz Burmester: Weltumseglung unter Preußens Flagge: die Königlich Preussische Seehandlung und ihre Schiffe. Kabel, Hamburg 1988, ISBN 978-3-8225-0062-0, S. 22.</ref> Da die Seehandlung dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. unterstand, wurde nach der Ankunft der Mentor in Swinemünde am 14. September 1824 der König über den Sandwich-Insulaner informiert und dieser entschied am 27. September, dass der Präsident der Seehandlung Christian Rother ihn nach Berlin zu bringen habe.<ref>Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 128–130</ref> Maitey blieb dort in Rothers Haus, bis der König am 15. Oktober festlegte, dass er die deutsche Sprache lernen und nach den Prinzipien des Christentums erzogen werden solle.<ref>Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 130</ref>
Bildung[Bearbeiten]
Maitey lebte bis 1827 bei der Familie von Präsident Rother, als er in das Erziehungshaus vor dem Halleschen Tor umzog,<ref>Vorlage:MittVereinGeschiBerlins</ref> eine Schuleinrichtung,<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Today in Kreuzberg: May 4th – The Boys’ Borstal School before the gate to Halle. ( vom 15. Juli 2015 im Internet Archive) kreuzberged.com</ref> die er seit 1825 besucht hatte.<ref>Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 136–137</ref> Im Jahr 1827 wurde Maitey eingeladen, mit Wilhelm von Humboldt Gespräche über die hawaiische Sprache zu führen,<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Wilhelm von Humboldt an Christian von Rother, 15.04.1827 ( vom 3. März 2019 im Internet Archive)</ref><ref name="Appel1">Michaela Appel: Wilhelm von Humboldt und Harry Maitai: Hawaiianische Sprachstudien in Berlin. In: Ulrike Folie, Volker Heeschen, Frank Zimmer, Tilman Borsche (Hrsg.): Wilhelm von Humboldt: Südsee- und südostasiatische Sprachen: Vorarbeiten zu „Über die Kawi-Sprache auf der Insel Java“ (= Schriften zur Sprachwissenschaft / Wilhelm von Humboldt; begründet von Kurt Mueller-Vollmer; herausgegeben von Tilman Borsche u. a.; 6. Abteilung: Austronesische Sprachen / Abteilungsherausgeber: Volker Heeschen. Band 1). Ferdinand Schöningh, Paderborn 2017, ISBN 978-3-506-73995-7, S. 435–451, hier S. 437.</ref> deren Ergebnisse Humboldt zunächst 1828 in der Berliner Akademie der Wissenschaften vorstellte.<ref>Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 138–139</ref> Das auf der Grundlage der Gespräche angelegte Sandwich-Wörterverzeichnis<ref>Georg Reutter: Wilhelm von Humboldts linguistisches System: Seine Position in der Geschichte der Sprachwissenschaft. Universität Hamburg, Hamburg 10. Januar 2007, S. 68 (uni-hamburg.de).</ref> diente von Humboldt als Grundlage seiner Forschungen zu den malayo-polynesischen Sprachen und Maitey<ref>zitiert als Harres Maitai in verschiedenen Publikationen von Humboldts: Georg Reutter: Wilhelm von Humboldts linguistisches System: Seine Position in der Geschichte der Sprachwissenschaft. Universität Hamburg, Hamburg 10. Januar 2007, S. 377 (uni-hamburg.de).</ref> als seine wichtigste Quelle für das Hawaiische.<ref>„Die wichtigsten Quellen auf diesem letzten Weg Humboldts sind William Mariner für das Tongische (ein Schiffbrüchiger), Thomas Kendall für das Neuseeländische (ein Missionar) und Harres Maitai für das Hawaiische (ein Eingeborener).“ Georg Reutter: Wilhelm von Humboldts linguistisches System: Seine Position in der Geschichte der Sprachwissenschaft. Universität Hamburg, Hamburg 10. Januar 2007, S. 231 (uni-hamburg.de).</ref>
Ab Herbst 1829 hatte er im Erziehungshaus für etwa acht Monate einen hawaiischen Gefährten: Jony Kahopimeai, der mit dem preußischen Schiff Princess Louise nach Deutschland gekommen war.<ref>Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 145</ref> Nachdem Maitey seinen Dienst auf der Pfaueninsel begonnen hatte, besuchte ihn Jony gelegentlich,<ref>Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 149</ref> doch im Februar 1831 wurde er krank, starb an einer Lungenentzündung und wurde am 2. März 1831 begraben.<ref>Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 146</ref>
Dienst auf der Pfaueninsel[Bearbeiten]
Am 23. April 1830 wurde Maitey getauft und konfirmiert. Bei der Taufe erhielt er die deutschen Namen Heinrich Wilhelm.<ref>Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 143–144</ref> Im August übernahm man Maitey in den königlichen Haushalt und wies ihn als Assistent dem Maschinenmeister auf der Pfaueninsel zu. Die Akten führten ihn als Mündel des Königs und Assistenten des Maschinenmeisters.<ref>Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 146–147</ref> In den Dokumenten findet sich auch ein Vorschlag, dass Maitey Fährmann der Pfaueninsel werden solle, aber offensichtlich bot ihm die schließlich übertragene Aufgabe viel bessere Perspektiven.<ref>Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 148</ref>
Im Sommer 1834 kamen zwei Hawaiigänse (nēnē) auf die Insel, die ebenfalls mit dem Schiff Princess Louise nach Deutschland gebracht worden waren.<ref name="Moore 147">Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 147</ref>
Der Maschinenmeister Franciscus Joseph Friedrich bildete Maitey zum Drechsler, Schlosser und Tischler aus.<ref name="Moore 147" />
Nach einigen Schwierigkeiten bekam Maitey mit Hilfe von Christian Rother die königliche Erlaubnis zur Hochzeit und heiratete Dorothea Charlotte Becker am 25. August 1833 in der Kirche von Stolpe.<ref>Vorlage:MittVereinGeschiBerlins Nach Anneliese Moore am 28. August, vgl. Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 149–150 und Fußnote 112 auf S. 159: Archiv der Kirchengemeinde Wannsee [formerly called Stolpe] per Pfarrer Hauschild, 1 Berlin 39, Schuchardtweg 5</ref> Nach der Hochzeit zog das Paar nach Klein-Glienicke, daher musste Maitey nun eine größere Strecke zur Arbeit auf der Pfaueninsel zurücklegen. Später fehlte er immer öfter, was zu Schwierigkeiten in seiner Beziehung zu Friedrich führte. Schließlich wurde entschieden, Maitey dem königlichen Hofgärtner Gustav I. Adolph Fintelmann zuzuordnen.<ref>Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 150–151</ref>
Während der Arbeit unter Meister Friedrich half Maitey ihm offenbar, Miniaturrepliken berühmter Schlösser und Kathedralen aus Elfenbein und Perlmutt anzufertigen.<ref>Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 152</ref> Der Anteil seiner Schnitzkunst schien unentbehrlich zu sein, denn später wurde festgestellt, dass Friedrich keine Modelle mehr herstellte, nachdem ihn sein Assistent Maitey verlassen hatte.<ref name="Moore 152-153">Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 152–153; Caesar von der Ahé: Heinrich Wilhelm Maitey, der Südsee-Insulaner auf der Pfaueninsel. In: Heimat und Ferne, Nr. 36/37 (9. und 16. September 1930), keine Seitenzählung</ref> Es wird auch angenommen, dass Maitey der Künstler war, der einige gelbe Raumteiler im Schloss schuf, die ebenfalls Friedrich zugeschrieben werden.<ref name="Moore 152-153" />
Familie[Bearbeiten]
Mit seiner Frau Dorothea Charlotte hatte Maitey drei Kinder. Ihr Sohn Heinrich Wilhelm Otto (* 2. Dezember 1837, † 2. März 1838)<ref>Caesar von der Ahé: Der Hawaianer auf der Pfaueninsel. In: Potsdamer Jahresschau, Havelland-Kalender. 1933, S. 19–31, hier S. 29. nennt den 12. Februar als Geburtsdatum. Dagegen 2. Dezember 1837 als Geburtsdatum bei Anneliese Moore (Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 151 und Fußnote 116, S. 160: Church register Klein-Glienicke, per Pfarrer Joachim Strauss, letter August 29, 1973, to author). Das Kirchenbuch bestätigt den 2. Dezember 1837 (Landeskirchliches Archiv in Berlin: Klein Glienicke, Gesamtkirchenbuch 1837–1879)</ref> und seine jüngere Schwester Friederike Wilhelmine (* 7. Januar 1846, † 11. Januar 1846)<ref name="Ahe_1933">Caesar von der Ahé: Der Hawaianer auf der Pfaueninsel. In: Potsdamer Jahresschau, Havelland-Kalender. 1933, S. 19–31, hier S. 30.</ref> starben als Kleinkinder, während ihr zweiter Sohn Heinrich Wilhelm Eduard (* 8. Dezember 1839, † 1906)<ref name="Moore 155">Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 155</ref> seine Eltern überlebte. Seine Tochter Martha (* 28. Juni 1869),<ref name="Ahe_1933" /> das einzige Enkelkind Maiteys, welches das Erwachsenenalter erreichte, blieb unverheiratet.<ref>Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 151; Fußnote 117, S. 160</ref> Bekannt sind außerdem ihre zwei Brüder Ernst David Johann, der im Alter von 8 Monaten am 19. Oktober 1871 verstarb, und der als Sekundaner am 21. November 1881 verstorbene Eduard Heinrich Waldemar.<ref name="Ahe_1933" />
Späte Jahre und Nachleben[Bearbeiten]
Maitey verbrachte den Rest seines Lebens in Klein-Glienicke (Kurfürstenstraße 10). Er starb im Alter von 64 Jahren durch eine Pockenerkrankung am 26. Februar 1872 in seinem Haus als Rentenempfänger des Königs.<ref>Kirchenbuch Klein-Glienicke, nach einem Brief von Pfarrer Strauss vom 29. August 1973, nach Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 154, Fußnote 128, S. 160</ref> Sein Grab befindet sich auf dem kleinen Friedhof nicht weit von der Kirche St. Peter und Paul auf Nikolskoe in der Nähe der Pfaueninsel und ist auch die letzte Ruhestätte seiner Frau und seiner Schwiegereltern.<ref name="Moore 154">Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 154</ref> Die Inschriften auf dem Grabkreuz lauten:
„Hier ruhet in Gott / Frau Dorothea Maitey geb. Becker 1889. / der Sandwichs-Insulaner Maiteÿ 1872.
Hier ruhen in Gott / die Thierwärter Beckerschen Eheleute, Schwiegereltern des Sandwichs-Insulaner Maiteÿ.“
Die Bezeichnung Sandwichs-Insulaner geht auf die Benennung der Hawaii-Inseln durch James Cook nach Lord Sandwich zurück und nicht auf die Südlichen Sandwichinseln.
Maiteys Sohn Eduard glaubte, dass sein Vater ein hawaiischer Prinz gewesen sei. Caesar von der Ahé, der 1930 und 1933 Artikel über Maitey veröffentlicht hatte, bezweifelte dies. Von der Ahé erwähnte als wahrscheinlichen hawaiischen Namen Maiteys Kaparena, aber es gibt keinen Nachweis dafür in den preußischen Dokumenten. Er schrieb auch mit Verweis auf Akten des früheren preußischen Hofes, dass Maiteys Vater ein Soldat war.<ref name="Moore 155" />
Es ist unbekannt, ob Maiteys Witwe oder Eduard die Möglichkeit hatten, König Kalākaua bei seinem Besuch in Berlin und Potsdam im August 1881 zu sehen.<ref name="Moore 155" /> Eduard war allerdings für einige Zeit als Aktuar in Angermünde tätig, bevor er für den Rest seines Lebens nach Potsdam zurückkehrte.<ref>Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161, hier S. 161</ref><ref>Versetzt sind: […] der Gerichtsschreiber Maitey von Angermünde an das Amtsgericht in Potsdam. In: Bureau-Blatt für gerichtliche Beamte, 1. April 1882, Berlin, 30. Jahrgang, S. 51; staatsbibliothek-berlin.de</ref>
Kulturelle Besonderheiten[Bearbeiten]
Maitey dürfte sein Verhältnis zum Präsidenten der Seehandlung Christian Rother als die in seiner Heimat übliche Adoption (hānai)<ref>hānai. In: Hawaiian Dictionaries.</ref> verstanden haben. Dies erklärt auch die Missverständnisse in den Jahren 1829 und 1830, als Maitey vergeblich hoffte, wieder in den Haushalt Rothers zurückkehren zu können.<ref>Vorlage:MittVereinGeschiBerlins</ref>
Aus einem Zeitungsbericht von 1824 geht hervor, dass Maitey das Berliner Publikum mit einem Hula bekanntmachte,<ref>David A. Chappell: Double Ghosts: Oceanian Voyagers on Euroamerican Ships. M.E. Sharpe, 1997, ISBN 978-1-56324-999-0, S. 130</ref> der im Sitzen getanzt wurde (hula noho):<ref>hula noho. In: Hawaiian Dictionaries.</ref>
„Wenn er zum Singen eingeladen wird, ziert er sich fast eben so sehr, wie unsere jungen Damen, und hat auch die andere böse Gewohnheit, daß man ihn, wenn er erst angefangen hat zu singen, gute Worte geben muß, ehe er aufhört. Beim Singen setzt er sich auf einen Stuhl, u. macht mit den Händen lebhafte Bewegungen, wobei es mir bemerkenswerth schien, daß er mit der rechten Hand sich oft an das Herz schlug, während er mit der Linken die rechte Seite nie berührte. Sein Gesang beschränkte sich nur auf vier bis fünf Töne, und die Worte schienen vornehmlich aus den Lauten ae, i und o zu bestehen, seine Stimme hat nichts Schnarrendes,man könnte sie eine angenehme Tenorstimme nennen, doch machte der Vortrag des Gesanges mit diesen sonderbaren Bewegungen ganz den Eindruck, als ob man einen Irren säh.“
Der stark an Physiognomik interessierte Johann Gottfried Schadow zeichnete Maitey 1824<ref>Die Zeichnung ist heute in der Akademie der Künste: Harry von den Sandwich-Inseln, en face und im Profil nach links.; Signatur: KS-Zeichnungen Schadow 974; 23,2 × 33,6 cm; Werkverzeichnis 1334; Beschriftung: Harry Sandwich Inseln. 26. octob. 1824.; Archiv der Akademie der Künste (https://archiv.adk.de/objekt/2787631)</ref> und stellte zu seinem Aussehen fest:
„Da derselbe unter uns geblieben, so zeigt der Augenschein einem Jeden, daß in dessen Gesichtszügen nichts Abweichendes von den unsrigen wahrzunehmen ist. Die breiten Wangenbeine finden sich auch bei uns, und, obgleich sein Schädel schmäler, wird dieser doch durch die starken und dicken Haare versteckt; was ihn einigermaßen unterscheidet ist die dunklere Hautfarbe. Zu einer feineren Geistesbildung fand er sich nicht geeignet.“
Literatur[Bearbeiten]
- Michael Stoffregen-Büller: Der Sandwich-Insulaner. Von Polynesien auf Preußens Pfaueninsel. Henrik Bäßler Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-945880-38-8.
- Michael Seiler: Landschaftsgarten Pfaueninsel: Geschichte seiner Gestaltung und Erhaltung. VDG, Imprint von Arts + Science Weimar, Ilmtal-Weinstrasse 2020, ISBN 978-3-89739-927-3, S. 120–125.
- Vorlage:MittVereinGeschiBerlins (auch in: Evangelische Kirche St. Peter und Paul auf Nikolskoe: 1837–1987. Festschrift zur 150-Jahr-Feier. Wichern-Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-9801405-0-4, S. 115–135)
Weblinks[Bearbeiten]
- Anneliese Moore: Harry Maitey: From Polynesia to Prussia. In: Hawaiian Journal of History, 1977, 11, S. 125–161; manoa.hawaii.edu.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Maitey, Harry |
| ALTERNATIVNAMEN | Kaparena; Maitey, Henry; Maitey, Heinrich Wilhelm; Maiteÿ; Maitai, Harres |
| KURZBESCHREIBUNG | erster Hawaiier in Preußen und Deutschland |
| GEBURTSDATUM | 23. April 1807 |
| GEBURTSORT | Königreich Hawaiʻi |
| STERBEDATUM | 26. Februar 1872 |
| STERBEORT | Klein-Glienicke |