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Hedwig Potthast

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Porträt von Hedwig Potthast, 1933
Hedwig Potthast (1933)

Hedwig Potthast (* 5. Februar 1912 in Köln; † 22. September<ref>Michael Wildt mit Katrin Himmler: Himmler privat – Briefe eines Massenmörders, Piper Verlag, 2014, S. 385.</ref> 1994 in Baden-Baden) war die Privatsekretärin und Geliebte des Reichsführers SS Heinrich Himmler.

Leben[Bearbeiten]

Vor 1945[Bearbeiten]

Hedwig Potthast war die Tochter eines Kaufmanns. Nach dem Abitur verließ sie ihr Elternhaus und absolvierte auf der Handelsschule in Mannheim eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin, um später als Sekretärin zu arbeiten. Sie arbeitete nach dem Ende ihrer Ausbildung zunächst in Koblenz.<ref name="Longerich482">Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, S. 482.</ref> Durch Kurt Freiherr von Schröder, Teilhaber am Bankhaus Stein und einer der Mitbegründer des „Freundeskreises Reichsführer SS“, lernte sie Heinrich Himmler kennen.<ref name="Robel">Himmlers Geliebte.</ref> Ab 1934 war sie am Geheimen Staatspolizeiamt Berlin tätig. Von Anfang 1936 bis Anfang 1941 war Potthast Himmlers Privatsekretärin und in dieser Funktion insbesondere für Himmlers Patenschaften und Geschenkvergabe zuständig.<ref name="Longerich482"/>

Beide gestanden sich Ende 1938 ihre Liebe ein, und ab 1940 führten sie eine außereheliche Beziehung.<ref name="Longerich482"/> Himmlers Ehefrau Margarete, mit der er die Tochter Gudrun hatte, erfuhr spätestens im Februar 1941 von dieser Beziehung und war darüber verbittert.<ref>Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, S. 484.</ref> Die Eltern von Hedwig Potthast lehnten diese außereheliche Beziehung dauerhaft ab.<ref>Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, S. 240.</ref> Potthast nahm ihren Wohnsitz zunächst in Berlin-Grunewald und ab 1943 in Brückentin nahe dem Gutshof von Oswald Pohl, mit dessen Ehefrau Eleonore sie befreundet war. Auch Lina Heydrich und Gerda Bormann zählten zu ihren Freundinnen.<ref>Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, S. 241.</ref> Ab Sommer 1944 lebte sie in Schönau am Königssee. Himmler hatte dort Haus Schneewinkellehen bauen lassen.<ref>Der Spiegel 4/1967 / Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf, Teil 14: Fortsetzung Machtkämpfe der SS.</ref> Heinrich Himmler und Hedwig Potthast bekamen zwei Kinder: einen Sohn, Helge (* 15. Februar 1942 im Sanatorium Hohenlychen, nach unterschiedlichen Quellen entweder † 2. August 2005 oder Ende 2025 noch lebend<ref name=":11">Katja Iken: Der Enkel des Massenmörders. In: SPIEGEL Geschichte. 26. Dezember 2025, abgerufen am 28. Dezember 2025.</ref>) und eine Tochter, Nanette-Dorothea (* 20. Juli 1944 ebenda, † 18. September 2019 in Wedel).<ref>"Mein Großvater war ein Massenmörder". In: spiegel.de. 4. April 2026, abgerufen am 11. April 2026.</ref> Himmler erkannte die Vaterschaft für Nanette-Dorothea laut Geburtsurkunde an<ref name=":11" />. Über die „Zweit-Ehe“ Himmlers mit Potthast ist darüber hinaus nur wenig bekannt. Wahrscheinlich sah sich das Paar aufgrund von Himmlers Tätigkeit als Reichsführer SS auch nur selten. Über Himmlers Dienstgeschäfte war Potthast aller Wahrscheinlichkeit nach, ebenso wie Himmlers Ehefrau, nicht informiert.<ref name="Longerich482"/> Ihre Beziehung zu Himmler unterlag während der NS-Zeit der Geheimhaltung.<ref>Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, S. 246.</ref> Potthast traf Himmler zuletzt Mitte März 1945, danach telefonierten beide noch bis zum 19. April 1945 beinahe täglich.<ref>Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, S. 753.</ref>

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Bei Kriegsende befand sie sich am Achensee, und nachdem sie am 23. Mai 1945 über das Radio von Himmlers Tod erfahren hatte, lebte sie vorübergehend bei Eleonore Pohl in Rosenheim. Im Juni/Juli 1945 wurde sie dort von Angehörigen der US-Armee verhaftet und für mehrere Tage in München verhört. Danach war sie kurzzeitig im Anwesen Lindenfycht des Ehepaares Himmler in Gmund am Tegernsee untergebracht, wo zu diesem Zeitpunkt Hilde, die Schwägerin Himmlers, lebte. Später wohnte sie in Teisendorf im Berchtesgadener Land. Bis in die 1950er Jahre hielt sie von dort Kontakt mit der Familie von Heinrich Himmlers Bruder, Gebhard Ludwig, und zu seinem ehemaligen engen Vertrauten Karl Wolff. Ab 1953 wohnte Potthast mit ihren Kindern in der Nähe von Baden-Baden.<ref name=":0">Sven Felix Kelerhoff, Simone Meyer, Jacques Schuster: Himmlers Nachwuchs. In: WELT. 1. Februar 2014, abgerufen am 22. September 2025.</ref>

Erst lange nach Kriegsende erfuhren Hedwig Potthasts Kinder, wer ihr Vater war; die Nachricht wurde ihnen dem Vernehmen nach auf Wunsch ihrer Mutter von Joachim Peiper, der mit einer ihrer Freundinnen verheiratet war, überbracht.<ref name=":0" /> Umgekehrt erfuhr auch Heinrich Himmlers eheliche Tochter Gudrun erst nach Kriegsende von ihren Halbgeschwistern. Der Versuch einer Kontaktaufnahme ihrerseits scheiterte jedoch an der Ablehnung Potthasts.<ref>Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, S. 265.</ref>

Hedwig Potthast heiratete später und nahm damit einen neuen Familiennamen an. Ihr Sohn Helge, der ebenfalls den Zunamen seines Stiefvaters annahm, wurde später Jurist und starb ledig und kinderlos<ref name=":0"/>, nach anderen Quellen lebt er Ende 2025 noch.<ref name=":11" /> Nanette-Dorothea wurde 1971 unter dem Zunamen Staeck als Ärztin promoviert und praktizierte anschließend in Norddeutschland. Sie starb 2019.<ref>Katja Iken: Düsteres Familiengeheimnis bei Google entdeckt: »Auf einmal bist du der Enkel eines Massenmörders«. Per Zufall habe Henrik Lenkeit im Internet entdeckt, dass seine Großmutter die mysteriöse Geliebte von SS-Chef Heinrich Himmler war. Wie geht es einem als direkter Nachfahre jenes Mannes, der den Holocaust organisierte? In: spiegel.de. 19. Oktober 2025, abgerufen am 6. Juni 2026: „Seine 2019 verstorbene Mutter, die Ärztin Nanette Dorothea Lenkeit“</ref> Sie hatte einen Sohn, der sich 2025 über den Spiegel an die Öffentlichkeit wandte.<ref>Der Spiegel. Abgerufen am 19. Oktober 2025.</ref> Er berichtete, dass er mit 47 Jahren<ref>„Mein Großvater war ein Massenmörder“. (Video) In: Spiegel TV. spiegel.de, 4. April 2026, abgerufen am 10. April 2026.</ref> durch Zufall erfahren hatte, wer sein Großvater war.<ref>Katja Iken: Der Enkel des Massenmörders. In: spiegel.de. 26. Dezember 2025, abgerufen am 10. April 2026.</ref>

Der ehemalige Spiegel-Redakteur Peter-Ferdinand Koch interviewte sie 1987, wobei sie sich über Himmlers Verantwortung für NS-Gewaltverbrechen ausschwieg.<ref>Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, S. 266 f.</ref>

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Wildt, Katrin Himmler (Hrsg.): Himmler privat – Briefe eines Massenmörders. Piper, München/Zürich 2014, ISBN 978-3-492-05632-8.
  • Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, ISBN 978-3-88680-859-5.
  • Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-10-033629-1.

Filme[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Hedwig Potthast – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />