Heinrich Emil Timerding
Heinrich Carl Franz Emil Timerding (* 23. Januar 1873 in Straßburg; † 12. April 1945 in Königslutter am Elm) war ein deutscher Mathematiker.
Leben[Bearbeiten]
Timerding wurde 1873 in Straßburg als Sohn des kaufmännischen Rechnungsrats Johann Heinrich Timerding (1846–1912) und seiner Frau Wilhelmine, geb. Renke, (1839–1907) geboren. Von 1879 bis 1881 besuchte er die Realschule bei St. Johann, von 1881 bis 1890 das protestantische Gymnasium in Straßburg.<ref name=":1">Eintrag von "Heinrich Carl Franz Emil Timerding". In: Braunschweiger Professor*innenkatalog. Abgerufen am 5. August 2026.</ref> Danach studierte er an der Kaiser-Wilhelm-Universität Straßburg, wo er sich der Burschenschaft Wasgau Straßburg im ADB anschloss, sowie in München und Freiburg.<ref name=":0">Georg Schwartzer (Hrsg.): Adreßbuch des Allgemeinen Deutschen Burschenbundes. Stand vom 1. August 1919, Max Schlutius, Magdeburg 1919, S. 81</ref><ref>Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 502.</ref><ref name=":1" /> 1894 promovierte er in Straßburg (Über die Kugeln, welche eine cubische Raumcurve mehrfach oder mehrpunktig berühren) bei Karl Theodor Reye.<ref>Heinrich Emil Timerding im Mathematics Genealogy Project (englisch) </ref>
Nach seinem Studium arbeitete er einige Jahre als Mathematiker bei der Lebensversicherungs- und Ersparnisbank in Stuttgart und als Leiter des statistischen Büros der Pfälzer Hypothekenbank in Ludwigshafen. Währenddessen schloss er 1897 in Straßburg seine Habilitation ab. 1901 trat er eine Stelle als Oberlehrer an der Großherzoglichen Oldenburgischen Navigationsschule in Elsfleth an. Für die Enzyklopädie der mathematischen Wissenschaften schrieb er 1901 einen Artikel über die Geometrie des starren Körpers. 1905 begann er als außerordentlicher Professor für angewandte Mathematik und analytische Geometrie an der Universität Straßburg zu arbeiten. In diese Zeit fällt auch seine erste Hochzeit mit Elisabeth geb. Jürgens, die er 1906 heiratete. Der Ehe entstammten zwei Söhne: der Schauspieler Hans Timerding (1912–1989)<ref name=":1" /><ref>Hans Timerding. In: steffi-line.de. Abgerufen am 5. August 2026.</ref> und Siegfried Zehn (1913–unb.). Die Ehe wurde 1924 geschieden.<ref name=":1" />
1909 wurde Timerding als ordentlicher Professor für angewandte Mathematik an die Herzogliche Technische Hochschule in Braunschweig berufen. Von 1916 bis 1918 fungierte Timerding als ihr Rektor sowie bis zu seiner Emeritierung 1938 mehrmals als Prorektor und Dekan.<ref>Ehemalige Präsident*innen. Technische Universität Braunschweig, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 23. April 2021; abgerufen am 5. August 2026.</ref> Auf seine Anregung hin wurde 1917 der Braunschweigische Hochschulbund gegründet.<ref>Geschichte. In: Braunschweigischer Hochschulbund e.V. Abgerufen am 5. August 2026.</ref> Timerdings Leistungen für die Wissenschaft wurden 1918 mit seiner Wahl zum Mitglied der Leopoldina honoriert.<ref>Mitgliedseintrag von Emil Timerding bei der Deutschen Akademie der Naturforscher LeopoldinaVorlage:Abrufdatum</ref> Neben seinen mathematischen Veröffentlichungen schrieb er 1919 als Vorsitzender des Deutschen Ausschusses für den mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht ein Buch über Sexualethik. Am 26. November 1925 heiratete Timerding die Kunsthandwerkerin Marie Luise Elle Weisbach (1892–unb.), die seit 1920 Inhaberin der Elle-Weisbach-Werkstätten für Lichtgestaltung in Braunschweig-Gliesmarode war.<ref name=":1" /><ref>Braunschweiger Lampenschirme. Die Bastelstube wird zur Werkstatt. In: Hannoverscher Kurier, Für den Sonntag. Nr. 195, 17. Juli 1938 (gwlb.de [PDF]).</ref> Das Ehepaar trat zum 1. Mai 1933 gemeinsam der NSDAP bei (Mitgliedsnummern 2.607.589 und 2.607.590).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/44800595</ref> Mit seinem Gutachten über die Beziehung des Hochschullehrers Kurt Otto Friedrichs zu jüdischen Wissenschaftlern in den USA sorgte Timerding 1936 dafür, dass Friedrichs ein Besuch in den USA verwehrt wurde.<ref name=":1" /> Auch nach seiner Emeritierung hielt Timerding bis zu seinem Tod 1945 noch Vorlesungen. 1943 wurde er zum Ehrensenator der TH Braunschweig ernannt.<ref name=":1" />
Heinrich Timerding starb im Ausweichkrankenhaus in Königslutter infolge eines Schlaganfalls. Er wurde am 16. April 1945 auf dem Stadtfriedhof Königslutter beigesetzt.<ref name=":1" />
Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]
- Aufgabensammlung zur Projektiven Geometrie, Sammlung Göschen.
- Über die Kugeln, welche eine cubische Raumcurve mehrfach oder mehrpunktig berühren. R. Schultz & co, Strassburg 1894 (Digitalisat).
- Geometrie der Kräfte. Teubner, Leipzig 1908 (Digitalisat).
- Die Theorie der Kräftepläne, eine Einführung in die graphische Statik. Teubner, Leipzig 1910 (Digitalisat).
- Die Erziehung der Anschauung. Teubner, Leipzig 1912.
- Die Fallgesetze. Teubner, Leipzig 1912 (Digitalisat).
- Handbuch der angewandten Mathematik. Band 1. Praktische Analysis. Band 2. Darstellende Geometrie. Teubner, Leipzig 1914.
- Die Analyse des Zufalls. 1915 (Digitalisat) – Gutenberg-eText (TeX PDF).
- Sexualethik. Teubner, Leipzig 1919 (Digitalisat).
- Der goldene Schnitt. 1919.
- Robert Mayer und die Entdeckung des Energiegesetzes. 1925.
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Heinrich Emil Timerding im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Timerding, Heinrich Carl Franz Emil Eintrag bei der TU Braunschweig
- Heinrich Emil Timerding in der Datenbank zbMATH
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Timerding, Heinrich Emil |
| ALTERNATIVNAMEN | Timerding, Heinrich Carl Franz Emil (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Mathematiker |
| GEBURTSDATUM | 23. Januar 1873 |
| GEBURTSORT | Straßburg |
| STERBEDATUM | 12. April 1945 |
| STERBEORT | Königslutter am Elm |
- Wikipedia:Seite mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Literatur/Interner Fehler
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Wikidata P549 verschieden
- Mathematiker (20. Jahrhundert)
- Hochschullehrer (Universität Straßburg)
- Hochschullehrer (Technische Universität Braunschweig)
- Mitglied der Leopoldina (20. Jahrhundert)
- Ehrensenator der Technischen Universität Braunschweig
- Person (Straßburg)
- Burschenschafter (19. Jahrhundert)
- NSDAP-Mitglied
- Deutscher
- Geboren 1873
- Gestorben 1945
- Mann