Herbert Wallbrecher
Herbert Wallbrecher (* 21. Juni 1922 in Hagen (Westfalen); † 5. Januar 1997 in Bad Tölz) war ein deutscher Wirtschaftsjurist, der zusammen mit seiner Frau Traudl Wallbrecher die Katholische Integrierte Gemeinde initiiert hat.
Leben[Bearbeiten]
Seit seiner Jugend gehörte er dem katholischen Bund Neudeutschland<ref>„No Heavenly Delusion? A Comparative Study of 3 Communal Movements“, Mike Tyldesley, Liverpool University Press, 2003, ISBN 0853236089, S. 44</ref> an, der 1939 vom nationalsozialistischen Regime verboten wurde. Aus dieser Zeit stammte die lebenslange Freundschaft mit Johannes Joachim Degenhardt, dem späteren Kardinal und Erzbischof von Paderborn.<ref>„Heute in Kirche und Welt“, Sondernr. zum 21. Februar 2001, S. 2 und S. 6</ref> 1941 fielen seine beiden älteren Brüder im Russlandfeldzug. 1944 konnte er sein juristisches Kriegs-Staatsexamen machen, nach dem Krieg zum Dr. iur. promovieren<ref>Herbert Wallbrecher: „Die Grundlagen des Naturrechts bei Adolf Trendelenburg und Victor Cathrein“, Diss. iur. Köln 1949, zitiert in: Felix Dirsch: „Solidarismus und Sozialethik“, S. 287, ISBN 3-8258-9661-7, LIT-Verlag Berlin, 2006</ref> und sich nach Kriegsende als Rechtsanwalt niederlassen, weil er keine Entnazifizierung durchlaufen musste.
Über die Cousine eines Kriegskameraden, die Mitglied der Heliand-Gruppe von Traudl Weiß in München-Schwabing war, erfuhr er von ihrem Austritt aus dem Heliand-Bund und von der Gründung des „Jungen Bundes“. Er reiste 1948 nach Bayern, um diese Gruppe persönlich kennen zu lernen.<ref>„Heute in Kirche und Welt“, Sondernr. zum 18. Mai 2003, Brief an seine Frau zur Silberhochzeit, S. 8</ref><ref>„Heute in Kirche und Welt“, Sondernr. zum 21. Februar 2001, S. 3</ref> Am 2. Oktober 1949 heiratete er Traudl Weiß in München; sie zog zu ihm nach Hagen. Dort übertrug er ihr die vom Vater geerbte Versicherungsagentur, während er selbst als Anwalt tätig war. Drei Kinder wurden in Hagen geboren. 1960 zog die Familie nach München, wo im selben Jahr das jüngste der vier Kinder geboren wurde.
Herbert Wallbrecher unterstützte von Anfang an seine Frau beim Aufbau der Gruppe, aus der 1968 die Katholische Integrierte Gemeinde entstand.<ref>Bernhard Koch: Gott schafft immer Neues. In: Katholische Integrierte Gemeinde (Hrsg.): Theologica. Nr. 3. Baierbrunn 2016, ISBN 978-3-946577-03-4, S. 8 - 11.</ref> Mit seinem Vermögen und Sachverstand schuf er die Basis für die Unabhängigkeit der Integrierten Gemeinde von staatlicher und kirchlicher Subvention.<ref>„Heute in Kirche und Welt“, Nr. 3/2002, S. 12, Kurt Peter: „Kann man katholisch wirtschaften?“</ref><ref>„Heute in Kirche und Welt“, Nr. 12/2001, Arnold Stötzel „Das ‚Ora et Labora‘ der Mönche in neue Formen übersetzen?“</ref> Einen Freiraum des Denkens und Handelns zu schaffen, war für ihn essentiell.<ref>„Heute in Kirche und Welt“, Nr. 7/2002, S. 2 und „Kirche ohne Kirchensteuer?“ von Arnold Stötzel, in: „Heute in Kirche und Welt“, Nr. 12/2005, S. 2 und 3</ref>
So gründete er mit anderen Gemeindemitgliedern zusammen 1973 die Integra-Spar- und Kreditgenossenschaft<ref>„No Heavenly Delusion? A Comparative Study of 3 Communal Movements“, Mike Tyldesley, Liverpool University Press, 2003, ISBN 0853236089, S. 43</ref> um Projekte der Integrierten Gemeinde beispielsweise in Tansania finanzieren zu können.<ref>Frank Simon: „Unternehmerischer Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung“, Gabler Edition Wissenschaft, 1994, ISBN 978-3-8244-6062-5, S. 166</ref>
Gleichzeitig beteiligte er sich im Austausch mit den Theologen der Integrierten Gemeinde an der theologischen Reflexion.<ref>„Heute in Kirche und Welt“, Nr. 2/2004, S. A10, Heinrich Wolfrum: Textauslegung zum 1. Fastensonntag</ref><ref>Rudolf Pesch: Unvermischt und ungetrennt. In: Traudl Wallbrecher (Hrsg.): Heute in Kirche und Welt. Nr. 1 / 2006. Urfeld, Bad Tölz 2006, S. 3.</ref> Ein Hauptbegriff, über den er immer wieder nachdachte, war die Gottesfurcht.<ref>„Heute in Kirche und Welt“, 9/2002, S. 7 in Heinrich Wolfrum: „Von der Gottesfurcht“</ref>
Auch politisch war Wallbrecher engagiert. Zwölf Jahre war er als CSU-Mitglied Vorsitzender des Bezirksausschusses 9b im Münchner Schlachthof- und Wiesenviertel. In einem „Forum sozialer Demokraten“ sammelte er Interessierte, in dem er über Parteigrenzen hinweg Lösungen für aktuelle politische Probleme diskutierte.<ref>Beilage zu Heute in Kirche und Welt, Nr. 11/2005, S. 4</ref>
Er ist Namensgeber der Herbert Wallbrecher-Schule, einer Grundschule der Pfarrei in Mikese in Tansania.<ref>„Heute in Kirche und Welt“, 04/2004, S. 13</ref><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Berichte aus Tansania 2015: Das Mädchen-Internat in Mikese ( vom 31. Juli 2016 im Internet Archive), Catholic Integrated Community 2015</ref>
Schriften[Bearbeiten]
- Beilage zu Heute in Kirche und Welt Nr. 11/2005: „Gedanken zur sozialen Marktwirtschaft aus christlichem Geist“, S 6, ISSN 1616-2293
- „‚Arm vor Gott‘ – eine Auslegung für heute – zum 10. Todestag von Dr. Herbert Wallbrecher“ von Arnold Stötzel, in: Heute in Kirche und Welt, Nr. 2/2007, S. 13.
- Zitate aus seinen Briefen: Achim Buckenmaier: „Der Herr ist König geworden“, in: Heute in Kirche und Welt, Nr. 4/2007, S. 11.
Weblinks[Bearbeiten]
- Information über Herbert Wallbrecher-Schule (englisch)
- Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Homepage der KIG ( vom 9. Januar 2019 im Internet Archive)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references/>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wallbrecher, Herbert |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Wirtschaftsanwalt |
| GEBURTSDATUM | 21. Juni 1922 |
| GEBURTSORT | Hagen (Westf.) |
| STERBEDATUM | 5. Januar 1997 |
| STERBEORT | Bad Tölz |